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Maschinenbauer, seid keine Dubbel in der Schweiz!

(reload vom 27.04.06)

  • Du Dubbel!
  • Eines der selten vernommenen und dafür aber umso zärtlicher artikulierten Kosewörter in der Schweiz für besonders gute Freunde ist die Bezeichnung: „Du Dubbel“. Manchmal noch gesteigert durch „Du Dubbel Du“.

    Wir sind diesem hübschen Namen ein bisschen auf den Grund gegangen, und haben eine ganz erstaunliche Entdeckung gemacht: Die Schweizer müssen ein Volk von heimlichen Maschinenbau-Fans sein, denn „Dubbel“ ist keinesfalls ein Schimpfwort, wie Sie bisher „anhin“ vielleicht geglaubt haben, sondern:

    Das Taschenbuch für den Maschinenbau, erstmals erschienen 1914 und bis heute erhältlich

    Benannt nach

    Heinrich Dubbel, Professor an der Berliner Beuth-Schule und erster Herausgeber des Taschenbuchs für den Maschinenbau
    (Quelle: Wiki)

    Wir sollten also beim nächsten Mal, wenn uns ein Schweizer als „Du Dubbel“ bezeichnet, freundschaftlich die Hand ausstrecken und entgegen: „Darfst ruhig Heinrich zu mir sagen“, oder vielleicht zur Auflockerung etwas berlinern „Ick bin da Heinrich, wa“.
    Der Mann hat übrigens ein Vorleben. Bevor er so spannende Dinge tat wie Taschenbücher für den Maschinenbau zu schreiben, braute er nämlich Bier. Noch dazu süsses:

    Dubbel ist oft ein dunkles, süsses Abteibier,
    Tripel dagegen ein helles und herberes
    (Quelle: amiv.ethz.ch)

    Ob „Tripper“ dann ein dreifach gebrautes herberes Bier ist? Ach nein, das war ja eine „vorübergehende Geschlechtskrankheit“, die von den Beatles in einem Lied verewigt wurde: „A day tripper“.

    Der Dubbel hatte übrigens noch eine Verwandte, die nach Holland auswanderte, sorry, „in die Niederlande“ natürlich, und dort ganz klein anfing. Kleine Dinge kriegen in der Schweiz ein „li“ angehängt. Das „Weggli“ kennen alle (= der kleine Weg bei Weggis), und das „Gipfeli“ (= der kleine Gipfe) auch. Nur mit dem Franken, da klappt das mit dem „li“ am Ende bekanntlich nicht. Der bleibt gross und unverkleinert (vgl. Blogwiese). Ob Sandra-Li jetzt eher gross oder klein ist, dass müssen die Berliner entscheiden.

    Im Niederdeutschen werden die Dinge anders verkleinert als im höchstalemannischen Sprachraum. Beliebt ist die Endung „-ke“, zu finden in dem Frauenname „Frauke“ was eigentlich „Frauchen“ also „kleine Frau“ bedeutet. Oder die „Anke“, die im Norden nicht die Butter bezeichnet, wie bei den Schweizern, sondern die eigentlich das „Annchen“ = die kleine Anna bedeutet, was wiederum wie viele andere Vornamen von Hannah (Hebräisch) = die Begnadete abstammt. Auch im Namen „Hüneke“ steckt die Verkleinerungsform „–ke“: Es ist der „kleine Hüne“, so wie „Heineke“ eigentlich der kleine Heine (=ein deutscher Dichter) ist. In Frankreich mutiert die ähnlich bzeichnete nierderländische Biersorte „Heineken“ allerdings schnell zu „enken„.

    Doch zurück zum „Dubbel“, der bekommt auf Niederländisch ein „-tje“ angehängt, was ihn ein wenig kleiner macht:

    Dubbeltje das; -s, -s (aber: 5 -) aus gleichbed. niederl. dubbeltje, eigtl. „Doppeltchen“, Verkleinerungsform von dubbel „doppelt; das Doppelte“: Beiname der niederl. 2-Stuiver-Stücke seit dem 17. Jh., später Bez. für das niederl. 10-Cents-Stück
    (Quelle: duden.de)

    Ein weiterer Verwandter von Heinrich Dubbel ging übrigens nach Hollywood. Dort musste er seinen Namen etwas amerikanisieren, um sich besser verkaufen zu können. Dann konnte er als „Double“ die grossen Stars in brenzlichen Situationen vertreten. Muss ein ziemlicher Dubbel sein, für die sein Leben zu riskieren und dann vielleicht gerade noch im Abspann des Films kurz erwähnt zu werden.

    Im Prinzip sind die Dubbel, Double und Dobbels alle weltweit immer noch doppelt und dreifach miteinander verwandt und gehen auf das Lateinische „duplus“ zurück:

    dop|pelt (Adj.) [niederrhein. (15. Jh.) dobbel, dubbel, von (m)frz. double, von lat. duplus
    (Quelle: Duden.de)

    Von diesem „duplus“ gibt es mit „o“ am Ende heute noch den Schokoriegel von Ferrero, übrigens schon seit 1964, die Spielzeugmarke von LEGO und sogar ein Typ von Rasierklingen des Herstellers Wilkinson Sword führt diesen Namen. Na, da ist uns doch die „wahrscheinlich längste Praline der Welt“ immer noch am liebsten, und natürlich unser Ahne Heinrich, der Maschinenbauer. Und falls Ihnen jemand weissmachen möchte, „Dubbel“ sei in der Schweiz einfach die Abkürzung für „Du Dummbeutel„, dann glauben Sie dem kein Wort. Der will Sie dann garantiert auf die Schippe nehmen.

    

    10 Responses to “Maschinenbauer, seid keine Dubbel in der Schweiz!”

    1. Martin Says:

      Interessant ist allerdings, sich dieses „Taschenbuch“ mal genauer anzuschauen. Es hat in der aktuellen Ausgabe 1798 Seiten und Aussenabmessungen von 24,6 x 18,2 x 7,2 cm (Quelle: Amazon) und ein nicht unerhebliches Gewicht. Wer also dieses Taschenbuch einpacken will, sollte sich vorher vergewissern, dass seine Tasche gross genug ist. Das gilt umso mehr, wenn er vielleicht auch noch das bei Ingenieurstudenten ebenfalls berüchtigte „Taschenbuch der Mathematik“ von Bronstein/Semendjajew dazupacken möchte.

    2. Gery us Büüli Says:

      :-)) da kommt mir doch glatt das Sprichwort meiner Oma aus der Pfalz in den Sinn.. Musste mir dieses in meinen jungen Jahren doch sehr oft anhören…

      Wenn du Dubbel, zu mir Dubbel, nochmals Dubbel sagst; dann sage ich Dubbel zu dir Dubbel solange Dubbel bis du Dubbel zu mir Dubbel nicht mehr Dubbel sagst..

      Vielleicht hat das ja bis heute eine nachhaltige Wirkung auf mich??? wer weiss das schon……

      Es grüsst Dubbel..

    3. Helza Says:

      Also Dubbel habe ich noch zu niemandem gesagt, höchstens mal Dubel oder Dubeli.

    4. AnFra Says:

      Wenn original deutsche Franken im fränkischen Frankenland über eidgenössische Franken parlieren, kommt aus dem original-fränkischen Munde frank und frei raus: „Frankela“. (-la = fränkisches Diminutivsuffix ).

      Nun zu dem allerseits beliebten alemannisch-schwäbischen „Dubbel“.
      Gerüchteweise soll es noch solche Dubbel als Lebewesen an geheimen Orten geben, was natürlich von allen Bloggern gutgläubig und hoffungsvoll bezweifelt wird.

      Und hier ist auch die Lösung für den Begriff Dubbel zu finden: Der tiefe Schlag! Der Dubbel ist also ein Mensch, der durch Schläge so richtig wirr im Kopf und Gemüt geklopft wurde. Nicht nur verformt der Schlag Kopf und Gemüt, sondern auch Metall. Hierbei überwiegend die Buntmetalle durch das sog. Kaltschmieden. Insbesondere ist hier der Kesselschmied das Ziel der Wortanalyse. Bei den Brüdern Grimm kann man die Werkzeugnamen „Dubhammer und Dubhammergabel“ finden. Es wird ein „schwerer hammer der auf den kupferhämmern vom wasser getrieben wird und womit man die kessel abteuft, d. h. hämmert, um sie zu vertiefen“ beschrieben. Hierbei handelt es sich um ein längeres Schlagstück, eine Art von Eisenstab, welches an der Bearbeitungsseite für die Kessel eine kugelförmige Oberfläche besitzt. Da zwischen den Gabelzinken ein Freiraum ist, kann hier das Kupfer dem schlagenden Dubhammer ausweichen und so die gewünschte Form und die Maßhaltigkeit erhalten. Diese „Dubtechnik“ wurde überwiegend für sehr große Kessel und sonstige tiefe oder lange Hohlkörper verwendet.

      Auch sprachlich kann für den geliebten Dubbel eine saubere Ableitung dargestellt werden: Der „Dübel“ wurde früher als sog. Holznagel, Holzdübel, Holzpflock, Zapfen im Fachwerk- und Holzschiffsbau in die vorgebohrten Löcher tief eingeschlagen. Demnach ist der althergebrachte Dübel „der Geschlagene“, abgeleitet aus mhd. „tübel“, ahd. „tubil“ (mit dem germ. Gerätesuffis „-el“), diese abgeleitet aus indogerm. „dhubh“ für „schlagen“. Vergleichbar mit den Geräten Drischel, Dreschel uam. Im Schwedischem wird er „dubb“ genannt. Im niederdt. wurde / wird „schlagen“ „duve, duven, deuven“ genannt, welches in mhd. / nhd. zum „teufe, teufen“ / „Teufe, teufen“ (d. h. „durch schlagen tief machen“) führte.
      Da die Schmiedekunst meist eine weitere Person benötigt, gibt es also eine Hilfskraft Diese wird beim Spalten, Keilen, Auftrennen, Biegen, Verdrehen, Schmiedschweißen sicherlich den größten Hammer führen. Der Mann fürs Grobe. Der Mann, der nicht denken muss, aber um so besser zuschlagen kann. Ein „Schläger“ halt, einer fürs Grobe, ein Mann der dubbeln kann, also der „Dubbel“ in der Schmiede!
      Es ist zusätzlich möglich: Der Begriff „Tuppel, Tüppel“ im ober- und mitteldt. Gebiet für einen Dummkopf, Tölpel, Narrenhaften spielt hier hinein. Die Ableitungen gehen auf ducken, gedrückt, beugen, krumm, tiefgehen, geschlagen gehen uam. zurück. Überwiegend mit „t“ geschrieben. Es sind also parallele Sprachentwicklungen zum Begriff Dubbel. Die Urquelle scheint aber schlagen „dhubh“ zu sein. Also deutet sehr viel auf „tiefes, tief geschlagenes, geschlagenes“ hin. Dem Kranken wird nachgesagt, er sei vom Schicksal geschlagen. Er muss sich vom Tiefschlag noch erholen. Die Krankheit wurde durch geduckte, tief gehaltene Körperhaltung angezeigt.

      Eine Verbindung zu den Dublonen (Münzen mit ursprünglich einer Zweiwertigkeit) und zum Duoble (doppelte oder mehrfache Situation) ist m. E. nicht gegeben, da hier aus der lat. Quelle „duplus“ „das Doppelte” die Grundlage ist.

      Eine interessante Situation gibt’s mit dem Schlag im Englischen: Wenn der zunächst einfache angel-sächsische Bauernlümmel zu dann edlen englisch-britischen Ritter erhoben wurde, erfolgte es durch „schlagen“ des Schwertes auf seine Schultern.
      Dieses zum Ritter schlagen heißt engl. „dub“!

      Könnte es sein: Manche Lordschaft (auch Geldadel) stammt womöglich von einem Dubbel ab?

    5. Helza Says:

      Den Tüppel kenne ich auch, im Bernbiet, vor allem im Emmenthal, nennt man einen verbohrten (!), sturen und auch nicht besonders intelligenten Mann „Tüppu“. Einen, der gerade z’Leid das Gegenteil von dem tut, was man (oder die Gesellschaft) von ihm erwartet. Ein einfacher Dummkopf oder Hallodri ist ein Tubu (Tubel), das kann aber auch nett gemeint sein, der Tubu kann durchaus ein sympatischer Kerl sein, der sich einfach mal blöd aufführt, über die Stränge schlägt. Ein Tüppu ist und bleibt ein sturer Bock. Das sind jetzt einfach meine „Erfahrungswerte“, durch kein Wikipedia oder Idiotikon abgestützt.

    6. Guggeere Says:

      @ Gery us Büüli
      Diese Dubbelgeschichte gefällt mir; die muss ich mir merken!

      @ Helza
      Dein «Tüppu» hat mich auf eine Idee gebracht: Es gibt im Rätoromanischen (Surselvisch) das Wort «tup» (bzw. feminin «tuppa») für «dumm». Ich bin zwar kein Fachmann, vermute aber, dass sie das aus einer benachbarten deutschen Mundart übernommen haben.
      Mir ist bekannt, dass die Bündner Romanen zahlreiche aus dem Deutschen stammende Lehnwörter verwenden – und zwar schon seit Jahrhunderten, sodass man deren Ursprung oft kaum mehr erkennt. So wird etwa aus «tup/tuppa» folgerichtig «tuppadad» abgeleitet, das allgemeine Wort für «Dummheit»: Wer würde da noch auf eine mögliche deutsche Herkunft tippen?

      @ AnFra
      Gemäss den Grimms enthalten offenbar auch «doof» und «taub» die gleiche Wurzel wie «Tubel/Dubbel» etc.

    7. Mare Says:

      @Helza: Da gibt’s doch noch den Begriff „tüppuhörnig“ für eine gaaaanz besonders schwerfälligen und unbelehrbaren („unglehrig“) und „übelghörigen“ Menschen.

    8. Brun(o)egg Says:

      @ Guggere

      Ich weiss es auch nicht genau, denke aber, dass Tuppada eher aus dem lateinischen kommt, wenn ich da an italienisch denke: stupido dumm. Stupid. Mit em Duubel (Double) hats sicher nichts zu tun. Der Doppelte ist der französische Trottel.

    9. AnFra Says:

      @Guggeere
      @Brun(o)egg

      Der Hinweis auf „taub und doof“ mit der gleichen sprachl. Verwandtschaft von „dhubh“ wie für „schlagen, klopfen, berühren, tippen, tupfen“ hat mich erinnern lassen: Im der guten alten Zeit, bei der Folter, wurden bestimmte ton- oder klangerzeugenden Techniken der akustischen Qual verwendet. Der Delinquent musste z. B. seinen Kopf in ein großen Kupferkessel, Glocke oder Metallbottich geben und es wurde stunden- oder tagelang auf diesen geschlagen. Danach hat er ein Delirium, eine Desorientierung und geistig-seelischen Verwirrung, als wenn er blöd und abgestumpft wäre. Die Methode wurde auch von Muselmannen bei den Kreuzzügen und später bei den Türken in Europa erfolgreich eingesetzt. Die alten Chinesen und die Mongolen sollen mit Becken an beiden Ohren der Opfer auch sehr erfolgreich „gehämmert“ haben.

      Den Ursprung vom germ. „dub, dhubh“ kann im indoeurop. „tup“ für „schlagen, klopfen“ uam liegen. Es würde dazu die Entwicklung von „t“ zum „d“ und vom „p“ zum „b“ gut passen. Somit würde die Abstammung aus dem Bereich von „schlagen, berühren, klopfen, anstupsen, tupfen“ gut hinpassen.
      So ist dann ital. „stupid“ (s-tup-id) und germ.-dt. für „dub entspr. dumm“ aus der gleichen Urquelle! Der Hinweis auf „taub“ öffnet die Lösung. Aus dem mhd. „toup, tup“ stammend ist es auch für „nichts hörend, nichts denken und empfinden, gehörlos, stumpfsinnig“ bedeutend. Also ein Ergebnis der Aktion mit dem göttlichen Thor-Hammer oder der Behandlung mit dem beliebten menschlichen Kesselschlagen. Was auffällt: Bei allen Ableitungen und Erklärung ist höllischer oder gar tödlicher Lärm in allen Variationen immer dabei.

      Ein sehr wichtiger Aspekt der Ableitung ist beim germ. Gott „Donar / Thor“ zu sehen. Mit seinem „Hammer (Donnerkeil)“ hat er mit Blitz und insbesondere dem Donner (Namensgeber), Groll und Lärm bei den germ. Menschen Verwirrung, Panik sowie ein großes Durcheinander ausgelöst. In der Volksmythologie hat der Donner (Lärm) als ein Ergebnis Unbill, Panik, Todesfurcht und geistig-seelische Verwirrung hinterlassen.
      Es wurde gesagt: Der vom Hammer „getroffene“ Mensch ist nicht mehr normal, er ist krank, verwirrt, torkelt, schwankt, besinnungslos und blöd und kann deshalb nicht mehr als normaler Menschen angesehen werden. Wenn er nicht ein Toter ist, so ist er behämmert, also blöd! Der hört nichts mehr, ist also auch noch taub. Da greift alles wunderbar in sich zusammen.
      Heutzutage werden noch immer volksmedizinische Analysen folgender Art festgestellt: Der ist doch ein behämmerter Typ. Der ist doch ein beklopfter Typ. Den hat doch der Hammer getroffen. Das ist doch ein Hammer.

      Über die Beklopften im Gotik Rock mit ihrem Thor-Hammer braucht man nichts zu sagen, denn die hören nichts.

    10. Tina Says:

      Ich dachte immer, man schreibt’s „Tubel“.

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