Haben Sie Ihre Betreibungsauskunft dabei? — Wohnungssuche in der Schweiz
September 21st, 2005Eine Wohnung in der Schweiz zu finden ist sehr einfach, wenn man Internetzugang hat. Es gibt zahlreiche Portale, in denen man seine Suchkriterien eingibt (wieviel Zimmer, wieviel Miete, welche Orte) und sich dann die Ergebnisse anzeigen lässt. Oder man nutzt den Service, neu eingestellte Angebote sofort per E-Mail oder SMS zugeschickt zu bekommen. Ein paar der Anbieter drucken nur eine Telefonnummer ab, die man anrufen muss um dann gegen eine geringe Gebühr den genauen Ansprechpartner mit Telefonnummer genannt zu bekommen.
Beispiele:
ImmoScout24
Homegate
Die Angebote sind üppig, falls man gewillt ist, von den Zentren wie Zürich und Bern oder Basel etwas Abstand zu halten. Die Faustregel hier ist: Mit jedem Kilometer Entfernung vom Zentrum wird das Angebot grösser und die Wohnungen billiger. Der Kanton Schaffhausen ist zwar weit weg vom Schuss, hat aber garantiert die billigsten und grössten Wohnungen.
Die Schweizer haben keine Hemmungen, wildfremde Vormieter in einer Wohnung anzurufen und einen Besichtigungstermin zu vereinbaren, und die Liegenschaftsverwaltungen setzen bei den Mietern die Bereitschaft voraus, 10-20 Besichtigungstermine in den (noch) privaten Räumen über sich ergehen zu lassen.
Man munkelt, dass sich hier eine „Wohnungen aaluuege-Szene“ (luege = Schweizerdeutsch „anschauen“, Verwandtschaft zum Englischen „look“ ist nicht zufällig) etabliert hat, die an den Wochenende loszieht um Objekte zu erkunden, die sie gar nicht wirklich mieten will, einfach nur so, weil es Spass macht, bei anderen durchs Schlafzimmer zu stapfen. Oder man schaut sich die Wohnung im Internet an. In der Sonntagszeitung kam ein Bericht über den beliebten Surfer-Sport, sich Villen auf dem Züriberg im Internet von Innen anzusehen.
Der Beispiel-Link zu einer Villa in Zürich, mit vielen Innenfotos (wird höchstwahrscheinlich in ein paar Wochen nicht mehr funktionieren)
Villa in Egg
Wohnungswechselzeit ist immer nach einem Quartal, also zum 1. April, 1. Juli und 1. Oktober. Wer nicht rechtzeitig kündigt, dem kann es passieren, dass er nochmal 3 Monate zahlen muss, denn einen Nachmieter zu finden ist beim derzeitigen Überangebot verdammt schwierig.
Wohungen… Wohnungen… und noch mehr freie Wohnungen:

Wenn da nicht die Deutschen wären, die in Massen strömen und glücklich sind, so einfach hier was zu finden. Ob sie immer die beliebsten Kunden sind bei den Liegenschaftsverwaltungen, das wage ich zu bezweifeln. Aber man kann sie ja notfalls auch leicht abschrecken von einem tatsächlichen Einzug, in dem man einfach fragt:
„Hätten Sie mir dann bitte noch eine aktuelle Betreibungsauskunft, bitte“
Während der Deutsche noch im Duden nachschaut, was das ist, wird schon mal die Kaution ausgerechnet, die er hinterlegen muss.
Bei der alten Tante Swisscom bekommt man als Ausländer auch mit B-Bewilligung nur einen Telefonanschluss, wenn man 500 CHF Depot hinterlegt. Warum? Nun, es wäre ja theoretisch denkbar, dass man einfach gnadenlos lang und teuer mit dem Ausland telefoniert, so eine horrende Rechnung auflaufen lässt, und sich dann einfach mir-nichts-dir-nichts wieder ohne Verabschiedung ins Ausland verdünnisiert. In dem Fall würden die hinterlegten 500 CHF sicher den ärgsten Schaden verhindern. Zum Glück hat die Swisscom Konkurrenz und der „Telefonieren über das Kabelnetz“ Anbieter Cablecom macht da nicht so einen Aufstand um die Kaution. Dafür funktionierte es bei unseren Nachbarn auch nicht immer zuverlässig, jedenfalls nicht gleich.
Und wie findet man in Deutschland eine Wohnung?
In einer Gegend mit hoher Arbeitslosikeit und Stadtflucht (Ruhrgebiet oder Ostdeutschland) ist das kein Problem, einfach durch die Strassen laufen und auf die Schilder in den Fenstern achten.
In Boom-Städten wie München, Frankfurt, Berlin oder Freiburg ist es fast unmöglich, etwas über das Internet oder Anzeigen zu finden. Hier hat sich der nette Berufsstand der „Makler“ etabliert.
Makler sammeln die Interessenten, die sich auf eine Zeitungsanzeige um eine Wohnung beworben haben, sortieren sie vor, bitten dazu um detaillierte Gehaltszettel und Nachweis einer festen Anstellung, suchen sich dann 3-4 potentionelle Mietparteien aus, um ihnen, natürlich allen gemeinsam, das Objekt der Begierde vorzuführen. Zuvor muss jeder eine „Vermittlungsvereinbarung“ unterzeichnen, die besagt, dass man bei Zustandekommen eines Mietvertrags den Beitrag einer zweifachen Monatsmiete an den Makler für seine Dienste zu zahlen bereit und gewillt ist.
So verdient ein Makler mit 2 Stunden Arbeit einen Betrag von 2000 -3000 CHF. Aus diesen Gründen hat die satrische Zeitschrift TITANIC vor Jahren die Kampagne lanziert: „Mit Maklern leben — auch Makler sind Menschen„. Mit dem Plakat, auf dem ein kleines Kind erzählt:
„Mein Papa ist Makler, er sagt immer, wenn Du mehr Taschengeld haben willst, sag einfach bescheid, ich hole es uns dann von den nächsten Mietern, ich verlange einfach mehr für die Wohnung..“
Doch zurück in die heimelige Schweiz:

Dort machen wir es uns gemütlich an unserer offenen Feuerstelle, dem Cheminée oder Kamin, den es selbst in vielen Mietwohnungen gibt. Dort kann man in Ruhe seinen Müll verbrennen um Kehrrichtsack-Gebühren zu sparen, oder sich ein Kaninchen braten.
In der Schweiz sind die Parterre-Wohnungen (hier „Rez-des-Chaussee“ genannt) keinesfalls billiger als die im 1. oder 2. Stock, denn sie haben etwas, was die anderen nicht haben (nämlich mehr Einbrüche, weswegen in Paris niemand freiwillig in so eine Wohnung ziehen würde, ausser er besitzt einen Wachhund): Den Gartensitzplatz.

Das ist noch lange kein Garten, sondern nur eine kleine mit Platten belegte Fläche vor der Terrassentür, genau so gelegen, das man von dort all die anderen Nachbarn auf ihren Gartensitzplätzen an einem lauen Sommerabend auch gut im Auge behalten kann, wenn man grilliert oder sein Pfeifchen schmaucht.
Ihre gute Ausstattung ist ein Hauptargument für den Mietpreis einer Wohnung: Keramikkochfelder, Miele-Markengeräte und selbstverständlich eine Spülmaschine sind ein Muss, ohne die eine Wohnung nicht zu vermieten ist.
In der Schweiz, da gibt es einen, der kann es immer nicht abwarten, dass ist der Abwart. Wir Deutschen haben seit dem „Blockwart“ von allen „Warts“ die Nase voll, wir haben höchstens einen Hausmeister. Der Abwart wohnt oft im Haus in einer speziellen Abwartwohnung zu ebener Erde und muss sich um alles kümmern, so z. B. um das Treppenhaus-Putzen, die Schneeräumung und die Pflege der Rasenflächen. Meist wird das aber von professionellen Trupps erledigt, die rasend schnell und effizient arbeiten. Diese Auftragsbranche floriert in der Schweiz, es gibt Spezialisten für die Rolladen (Schweizerdeutsch: „Storen„), für die Küchenausstattung oder für das Reinigen der Tiefgarage:
Kein Witz, unser Tiefgarage wird jedes Jahr einmal gründlich mit einem Hochdruck-Wasserstrahl gereinigt, dabei wird jedes Lüftungsrohr mit einem Lappen poliert, und auch die letzte Spinnenpopulation in die Flucht geschlagen. Aber keine Angst: Spinnen kommen immer wieder, wenn man sie nicht mindestens 30 Meter vom Ausgangspunkt wegträgt.
