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Garmen und ihre Gola

  • Eine Cola in Angola
  • In der Schule erzählten wir uns beim Thema Afrika im Erdkunde-Unterricht gern den Kalauer: „Fritzchen, was weisst Du von Angola?“ Antwort: „Angola könnt ich mich todsaufen“.

    Cola in Angola
    (Quelle Foto: Cola in Angola)

    Der Witz basiert auf die stimmhafte und stimmlose Aussprache von „G“ bzw. „K“. Der typische Deutsche in der Französischen Literatur des 19 Jahrhunderts, z. B. bei Balzac, wird dadurch gekennzeichnet, dass er alle stimmhaften Laute stimmlos und alle stimmlosen einfach stimmhaft ausspricht. „Zu Poden Pursche“, so kennt man das schon aus dem Film „Das Leben des Brian“.

  • Auch Micheline spricht so
  • Rein sprachwissenschaftlich ist da natürlich nichts dran. Es ist ein Klischee, das auch in entgegengesetzter Richtung bei der Wiedergaben von (angeblich) französischem Akzent regelmässig zum Zuge kommt. So zitiert das aktuelle Schweizer Satiremagazin Nebelspalter in einem fiktiven Text die Schweizer Bundesrätin Micheline Calmy-Rey mit dem Satz:

    „Sollten wir nischt unser Sitzungszimmer nosch etwas mit Blumen schmüggen“
    (Nebelspalter 10.2008, S. 39).

    Aus „ck“ wird „gg“, sowie aus „hinterrücks“ ein „hinterüggsli“ wird in der Schweiz (vgl: Blogwiese )

  • Garmen mit Güte-G
  • Neulich lernten wir eine Deutsch-Schweizerin kennen, die sich uns mit „Garmen“ vorstellte. Ich fragte, ob sie nicht „Carmen“ heisst. Nein, „Garmen“, so spricht sich das aus. Wie mit einem „G“ wie in Gustav oder Gudrun. Aus den stimmlosen K-Laut im Vornamen wird bei vielen Schweizern die stimmhafte Variante. Aus Corinne wird „Gorinne“, aus „Klaus“ der „Glaus“ und aus Camilla die „Gamilla“. Und wie heisst eine „szenische Kantate von Karl Orff“ in der Schweiz? Richtig: Garmina Burana .

  • Da guckst du nach Sachsen
  • Das erinnert uns an den Sprachgebrauch von Sachsen, wo der „Alles-Gleber Uhu“ auch ohne „K“ ausgesprochen wird. Ganz schön gewöhnungsbedürftig. Bin ich froh, dass ich nicht Glaus heisse und auf dem „Glausenpass“ wohne…

    

    20 Responses to “Garmen und ihre Gola”

    1. Mare Says:

      Und in Solothurn spricht man auch alle „t“ stimmhaft: Soledurn

    2. vegu Says:

      In der Schweiz wird aus einem Klaus kein Glaus, sondern ein Chlaus (oder Chlous, Chlöisu), entsprechend Kohle/Chole, können/chönne. Ausnahmen: Baselstadt, das niederalemannischen Regeln folgt, und Graubünden, dessen Dialekte wahrscheinlich rhätischen Einfluss durchscheinen lassen.

    3. chris Says:

      na gugge mol da. wiedor was gelernd.

    4. roko Says:

      Auch um Bern habe ich schon gehört dass z.B. Kaffee wie G…. ausgesprochen wird, ebeso das „C“ von Car (Reisebus). Es verhält sich aber nicht bei alles „K“ und „C“ so

    5. pit vo lissabon Says:

      ich nehme an, das g von garmen wird wie das g von gaffee in bern ausgesprochen, nämlich stimmlos und etwa wie ggarmen. in zürich und umgebung hiesse dieses bedauernswerte geschöpf übrigens „kcharmen“.

    6. dampfnudle Says:

      Dafür heisst der „Teig“, wie man die Patrizier einer Stadt hierzulande zu nennen pflegt, in Basel „Daigg“, also vorne schwach und hinten verdoppelt zur Kennzeichnung des Explosivlauts.

    7. Doro Says:

      Jau, wirklich witzig – der Jens muss just gestern heimlich dabei gewesen sein, als ich in einem Text eine Gunny erwähnte, die aber später für die Korrekturfassung darauf bestand, dass ihr Name mit C und o – also Conny – geschrieben wird. Es war eine Ostschweizer Gunny, die mir sogar zuvor noch in die Feder diktierte, dass ihr Name mit Ypsilon ende.
      Und ich hatte den Namen Gunny für eine Kurzform von Gundula gehalten, aber es wird wohl eher eine Cornelia sein….

    8. Georges Says:

      in Sachsen hat man die DDR-Grenzwächter als Gänsefleisch-Beamte bezeichnet: „Gänn Se vleisch mal den Gofferraum öffnen?“

    9. Guggeere Says:

      Ich vermute, Deutsche hören «Garmen» statt «Carmen» aus Deutschschweizer Mündern, weil sie einfach anders sprechen und – vor allem – hören.
      Als Alpenalemanne mache ich natürlich keineswegs die Oper «Carmen» in meinem Mund zu «Garmen». G ist eben niemals gleich wie C: Ich unterscheide aussprachemässig ganz klar das G in einem Wort wie «Garn» und das C in einem Wort wie «Car» (helvetisch für Reisebus). Dieses C wird in den meisten Deutschschweizer Dialekten wie das entsprechende C vor A in den romanischen Sprachen ausgesprochen, ein nicht aspiriertes K (wie z.B. in it. Canzone, fr. Camion). Wenn wir diesen Laut schreiben müssen, geben wir ihn häufig mit zwei g wieder – zwecks Unterscheidung von unserem berüchtigten schweizerischen Kratz-K. Aus dem gleichen Grund gibts in der deutschen Schweiz so viele Ortsnamen auf -egg bzw. Personennamen auf -egger. (Wenn Deutsche und Österreicher Herrn Egger begrüssen, sprechen sie das Doppel-g aus Unwissenheit oft wie ein einzelnes aus. «Egger» kommt aber von Ecke – «Eggä» in Mundart – und nicht aus dem Egerland.)
      Anderseits meldet mir mein Gehör, dass in Deutschland aus Carmen eine K-harmen wird, aus der Schweizer Bundesrätin Calmy-Rey eine K-halmy-Rey. Überhaupt habe ich den (subjektiven) Eindruck, für Deutsche (und gewisse niederalemannische Schweizer) komme nach jedem T, K und P akustisch noch ein H, was für Zuhörer nicht immer einfach ist: Ein it-halienischer K-hellner muss es als Att-hent-hat auf sein Gehör empfinden, wenn jemand einen K-happ-huccino best-hellt.

    10. Pat Says:

      Dass wir in der Schweiz „G“ bei „C“ sagen kommt daher, dass diese Wörter grösstenteils franz. Herkunft sind. Und in der Schweiz werden franz. Wörter eben dem franz. Klangbild entsprechend ausgesprochen. Das gilt übrigens auch für das bernische „Gaffee“.
      Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass wir in der Schweiz allgemein Wörter und insb. Namen so aussprechen, wie sie in der Ursprungsssprache gesprochen werden.
      Schlimmsten finde ich allerdings die schleichende „Verenglischung“, wie z.B. „Rotscher Federer“. In der Schweiz gibt es kein „Rotscher“, nur „Roschee“.

    11. neuromat Says:

      allsoö ich fohr libber Dachse ols Gar, olles gloar?

    12. Johannes Lacker Says:

      Meinen Nachnamen „Lacker“ spricht man in der Heimat meines Vaters, in der badischen Ortenau, auch „Lagger“ aus, wobei die beiden G sehr kehlig gesprochen werden – also nicht nur ein deutsch-schweizerisches Phänomen.

      Allerdings kann ich aus meiner Bündner Zeit bestätigen, dass z.B. Car, Cup oder Cüpli definitiv als „K“ ausgesprochen werden – und das ist, glaube ich, nicht nur im Bündnerland so.

    13. roko Says:

      Pat Says:
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      Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass wir in der Schweiz allgemein Wörter und insb. Namen so aussprechen, wie sie in der Ursprungsssprache gesprochen werden.
      ————————————————————————————

      Wäre ja schön wenn das so einfach wäre 🙂

      Das englische „Mätch“ (Match) wird zum „Matsch“
      Das französische (Glace) „Glass“ wird zum „GlassE“
      Das engliche (Goal) Goul wird zum Gool

    14. Guggeere Says:

      @ roko
      Du hast Recht. Manchmal tuts richtig weh. Hör-Erlebnisse wie die folgenden muss ich in der deutschen Schweiz immer wieder einstecken:
      Cervelat > Serbila, Serwula
      Raclette > Ragle
      Boccalino > Pogolini
      Espresso > Expresso (aua!)
      Corner > Gorner
      Cup > Cöp
      Fun > Fönn
      Puck > Pögg
      Pizza quattro Stagioni > Pitza kwattro Schtatzioni
      Spaghetti alla Bolognese > Schpagetti Polonääs
      Worcestershire Sauce > Wortschester-Soose
      Fendant > Faadaa
      Renault > Rönolt
      Kotelett > Gottlett
      Entrecôte > Antergott
      Steak > Schtiik
      Abonnement > Abonemaa
      Militär > Milidär
      Rekrutenschule > Regruttäschuel

      @ Pat
      Punkto Rotscher Feeeederer stimme ich dir allerdings zu.

    15. lis Says:

      und um „roko“ fortzuschreiben: Aus Cup wird keinesfalls Kap sondern Göp. Diese Manie aus englischen „u“, die eigentlich als „a“ ausgesprochen werden, in der Schweiz eine Art „ö“ werden zu lassen, hat eine Bekannte aus Mönchengladbach (ö-Erfahrung…) mal so kommentiert: „Ich warte eigentlich nur noch auf den Pösch-öp-BH“. 🙂

    16. Johannes Lacker Says:

      @roko

      …und der englische „Cup“ zum Cöpp. 😉

    17. vegu Says:

      @roko: Richtig, ich habe mir die Sache etwas zu leicht gemacht. Die Regel hd. K = schweizerd. CH gilt in Erbwörtern (können/chönne, Kuh/Chue) und in „alten“ Lehnwörtern (Katze/Chatz, Kamin/Chemi). Aber Kaffee und Kakao sind im deutschen Sprachgebiet spät heimisch geworden, deshalb trinken die Berner Ggaffe, die Zürcher Kafi, sprich Kchafi und beide Ggaggo. Gegessen wird Glasse, alias Glace, nicht GlassE, denn die Betonung auf der ersten Silbe ist dem Deutschschweizer heilig. Darum heissen die „von“-Familien VONGrünigen, VONTobel,VONAllmen, etc.
      Im übrigen halte ich es mit Guggeere. „Ein it-halienischer K-hellner muss es als Att-hent-hat auf sein Gehör empfinden, wenn jemand einen K-happ-huccino best-hellt“ beleidigt auch mein Ohr.

    18. neuromat Says:

      @ Guggeere

      eigentlich nur noch zu ergänzen durch die Einleitung:

      Wallah !! : Die Liste

      (aber Liste ist im Augenblick als Begriff ja eher auf der Liste)

    19. pit vo lissabon Says:

      pat, ich sagte früher auch „unsere roschee“. dann habe ich herausgefunden, dass er im englischen sprachraum aufgewachsen ist. seither sage ich: „unsere rodscher hett scho wider gwunne“.

    20. lis Says:

      @pit vo lissabon
      Sollte der „Roger“ nicht so gerufen werden, wie er das selbst will? Und er will nun mal angelsächsisch Rodscher genannt werden, da machen wir ihn doch lieber nicht zum Roschee (den hat doch der Schawinsky gepachtet).

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