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Von Gotten, Göttis und Goden — Paten in der Schweiz

(reload vom 12.01.06)

  • Du sollst keine anderen Götter haben neben mir
  • So lautet der zweite Teil des ersten Gebots im Alten Testament. (Siehe: )

    Keine anderen Götter? In der Schweiz scheint es jede Menge Götter zu geben. Während einer Zugfahrt belauschten wir zwei Schweizer Jungen, die sich über ihre „Göttis“ unterhielten. Lange Zeit verstanden wir nicht, um was es ging.

    Wurde hier das erste Gebot gebrochen? Von welchen Göttern war da die Rede? Doch die Angelegenheit wurde nicht einfacher, als wir schliesslich herausfanden, dass es hier um Verwandte ging, genauer gesagt um den Patenonkel und die Patentante der beiden Buben.

  • Den Paten gibt es nur bei der Mafia
  • Aus welcher sprachverarmten Gegend kommen wir eigentlich, dass wir bisher für unseren Taufpaten nur den simplen Begriff „Patenonkel“ kannten?

    In der alemannischen Sprachraum gibt es für dieses ehrenvolle Amt eine ganze Reihe von Namen:

    Gotte, die; -, pl. Gotten (schweiz. mdal. für Patin)
    Götti, der; -pl Göttis, -(schweiz. mdal. für Pate)
    Gode (Nebenform von Gote [Pate]; die -, -n (südd. u. österr. für Patin)
    Godel
    Godl

    Das waren jetzt mal nur die Bezeichnungen, die unser Duden auflistet!
    Göttis haben mit Gott zu tun

    Doch wir sind noch nicht am Ende der Liste, auch Wiki kennt noch ein paar Varianten:

    Taufpate (Schweiz: Götti m. / Gotte f., schwäb.: Döte m. / Dote f.,saarländ./pfälzisch: Pat m. / Got f.) ist ein Ehrenamt der christlichen Kirchen. Der Taufpate begleitet den Täufling bei der Taufe und ist Zeuge der Sakramentsspendung. Sein Name wird im Kirchenbuch vermerkt. Der Begriff „Pate“ kommt vom lateinischen patrinus, „Mit-Vater“ (genau wiedergegeben mit dem altdeutschen Wort „Gevatter“).
    (Quelle: )

    Das Wort „Götti“ und „Gote“ hat wirklich was mit „Gott“ zu tun, wie wir aus dem Herkunftswörterbuch des Dudenverlags erfahren. „Gote“ heisst „zur Gote gehörend„,

    Go|te, die; -, -n [mhd. gote, göte, ahd. gota; vgl. gleichbed. aengl. godmōdor, aus: god = Gott u. mōdor = Mutter, eigtl. = Mutter in Gott, d. h. „geistliche Mutter„] (landsch.): Patin.
    (Quelle: Duden Herkunftswörterbuch)

    Dann doch lieber wieder zurück zum vertrauten Don Padrino Vito Corleone, der uns ein Angebot macht, das wir nicht ausschlagen können, z. B. mal Der Pate von Mario Puzo lesen, und nicht nur den Film mit Marlon Brando ansehen.

  • Fazit:
  • Ohne Götti, Gote und Gotte würde was fehlen in der Schweiz, denken wir da an die 60.700 Erwähnungen von Google-Schweiz. Mit „Paten“ allein wäre uns da nicht gedient. Ganz nebenbei gemerkt: Auch wenn häufig das Wörtchen „Mis“ bei der Gotti steht, ist sie wieder ein Englisches Fräulein (wie bei „Miss“ Piggy) noch der Anfang einer Mies-muschel, wäre ja auch echt mies, das zu verwechseln.

    

    7 Responses to “Von Gotten, Göttis und Goden — Paten in der Schweiz”

    1. Simone Says:

      Die Hessen, ins Besondere auch die Oberhessen, nennen ihre Paten (m/w) gerne „Gooohde“. Dementsprechend leiten sich adäquate Ansprechformen ab. Statt „Tante“ oder „Tante+Vornamen“ oder nur den Vornamen erklingt häufig ein „Goohdi“. Demnach sind die Oberhessen den Schweizern gar nicht so unähnlich, man greift gerne auf dieses verniedlichende „i“ am Ende eines Wortes zurück.

    2. solanna Says:

      Das ist ein weites Feld!

      Gotte und Götti sind neben den Eltern weitere spezielle Bezugspersonen (meist) in der Elterngeneration. Diese sollen die Eltern (und/oder Kinder) unterstützen. Bei einem vorzeitigen Ableben hätten sie besondere moralische Verantwortung, auch wenn heute Vormundschaften amtlich/gesetzlich, nicht mehr kirchlich geregelt werden.

      Früher waren häufig Geschwister der Eltern Taufpaten, in der Innerschweiz oft aber die Grosseltern, sodass die Kindern etwa dem Grossvater Götti sagten (und zum Teil noch sagen, auch wenn Grosseltern als Taufpaten wohl aussterben. Mit vielen Kindern brauchte es auch viele Paten, sodass auch möglichst wohlhabende entfernere Verwandte und Freunde zum Zug kamen. Heute ist es den meisten Eltern wichtiger, dass sie der Gotte und dem Götti, die sie für ihr Kind als Paten auswählen (selbst wenn die Kinder nicht getauft werden), eine spezielle Herzensbeziehung zutrauen.

      In katholischen Gebieten haben Kinder zudem zwei Gotten und zwei Götti, je Tauf- und Firmgotte bzw. -götti.

      In einigen Regionen (reformiert) war es früher üblich, den Mädchen zwei Gotten und einen Götti, den Buben zwei Götti und eine Gotte zu geben.

      Noch heute gibt es Gotten und Götti, die sich verpflichtet fühlen, dem Gotten- bzw. Göttikind bis zur Konfirmation bzw. Firmung (je nach Gegend ersteres mit etwa 15 oder 16 Jahren bzw. etwa 12 Jahren (Firmung)) zum Geburtstag und zu Weihnachten oft recht teure Geschenke zu geben. Dann ist die Verpflichtung fertig und der Geschenksegen auch. Andere haben weiterhin eine enge Beziehung und die Geschenklast nimmt zwar einerseits ab, aber es gibt andere Werte, die weiter gepflegt werden.

      Genauso wie Kinder ihre Eltern beim Vornamen nennen statt mit der Verwandtschaftsbezeichnung (Mami, Papi, Mama, Papa, Müetti, Ätti etc.), sagen auch nicht mehr alle Gotte/Gotti bzw. Götti. Es scheint mir aber, dass sich das fast eher hält, aber oft in Kombination mit dem Vornamen.

    3. Guggeere Says:

      Vielleicht dreht mal jemand einen alpinen Mafiafilm mit dem Titel «Der Götti»…
      So ganz aus dem Nirgendwo kommen die Ausdrücke «Götti» und «Gotte» ja nicht. Der erwähnte Roman «Der Pate» von Mario Puzo zum Beispiel heisst im englischen Original «The Godfather», der entsprechende englische Begriff für «Patin/Gotte» ist «godmother». Auch der Laie merkts wieder einmal: In Hessen, Alemannien und England werden verwandte Sprachen gesprochen.

    4. Helena Says:

      Also Gotte und Götti müssen nicht Blutsverwandte sein! Das können auch sehr gute Freunde der Familie sein.

    5. AnFra Says:

      An dem „Götte“ als einen direkten Bezug zu Gott hat möchte ich sehr zweifeln. Hier mischen sich die verschiedenen Namensnennungen und Inhaltsunterschiede doch zu sehr.

      Beim Zugriff bei „Gott“ bei unseren „Gottvätern“ Brüder Grimm wird es etwas deutlicher.
      Wenn man „Gott, Götte, Gote usw“ untersucht, kann man die eigentliche ursprüngliche Bedeutung des „Götten“ aus der etymologischen und hermeneutischen Bedeutung recht sicher ableiten.
      Die Darstellung im Duden bezügl. „Gote“ als „geistliche“ Mutter oder gar als „Mutter in Gott“ ist m. E. eine nicht ganz richtige Ableitung und somit eigentlich ein Fehler.

      Denn in der sprachlichen Wurzel von „Gott“ steckt das gesgerm. „gutha“ (hier hdt. umschrieben!), also die noch ältere indgerm. Wurzel „ghau“ für „rufen“ und somit partiz. „ghu-to“ für „angerufen“. Somit ist vereinfacht gesagt der Begriff „Gott“ in weitere Auslegung ein „angerufenes“ Wesen.
      D.h.: Vor der christl. Zeitrechnung haben unsere indogerm. Vorfahren wahrscheinlich alle spiritistischen Wesen angerufen, also „ghu-to“.

      Und nun der springende Punkt: Wenn in jener Zeit das Durchschnittsalter der Menschen bei max. 30-35 Jahren lag, musste damit gerechnet werden, dass bei sehr vielen Kindern ein Elternteil oder sogar beide Eltern vor der Zeit der möglichen damaligen „Selbstständigkeit“ von ca. 12 Jahren sterben werden! Da die Überlebensmöglichkeit in einer funktionierenden Familiengruppierung besser ist, hat sich die Funktion von „Götten“ als eine segensreiche Lösung ergeben. Stirbt ein Elternteil oder gar beide Eltern, wird dann „Ersatzpersonen“ aus der Familie oder dem befreundetem Umfeld gerufen. Es gibt nun die Handlung einer „ghu-to“, eben erfolgt das besagte „anrufen“ der „Ersatzeltern“. Die sind nun die „ghu-to“, die „Götten“ halt.

      Es gibt noch einen interessanten Punkt, welcher als Verstärkung dieses Prinzips angesehen werden kann. Der Begriff der Opferung kann auf die indogerm. Wurzel „gheu“ abgeleitet werden. Es beschreibt den Vorgang von „gießen“. Wenn man hier einen (zwar etwas heiklen, aber möglichen sprach- und inhaltsvermischenden) großen Sprung wagt, erkennt man:
      Bei Tieren und Menschen werden Besitzergreifungen und Übernahmen von Territorien, Gegenständen und Funktionen fast immer „begossen“. Die Tiere Wolf, Hund, Wildschwein uam. markieren ihr beanspruchtes Gelände meißt durch das Urinieren.
      Falls der Mensche in seiner eigenen Vorzeit auch solcherart Besitzansprüche markiert hatte, ist es nun somit verständlich, dass er immer noch beim Hausbau, Schiffseinweihung und auch bei Menschentaufe / Firmung die jeweilige „Besitzergreifung“ durch Verwendung von Wasser, Öl, Sekt, Champagner uam. mit solchen uralten „Sitten und Gebräuche“ weiterführt.

      So gesehen hat der Begriff „Götte“ sogar einen mehrfachen Sinninhalt und könnte dadurch auch diese starke emotionelle Wirkung bis in die heutige Zeit erklären.
      Vermutlich ist der Begriff „Götte“ in dem beschriebenen Sinn älter als der gleichzeitig (?) / später abgeleitete christliche Begriff „Gott“.
      Wenn also im engl. (d.h. gesgerm) Sprachbereich vom „Godfather“ gesprochen wird, kann es sich nicht um den eigentlichen „Gott“ , sondern um den „angerufenen“ Vatersersatz, also den „Götten“ bzw. „Paten“ handeln.

      Der „Götte“ ist ein in Notzeiten „angerufener“ Elternteil, welche den „höheren Wesen“ durch eine etwas durcheinander geratene Sprach- und Namensentwicklung sogar sprachlich recht nahe steht und zusätzlich das Ritual einer „Begießung bzw. Gaben / Geschenken“ bei der Übernahme durchführt.

      Prost, Zum Wohl, An Guatn, Cheers und Nazdarovje

    6. Stella Says:

      Aber Götti und Gotte sind nicht nur Geschenkbringer bis zur Konfirmation oder eventuelle Ersatz-Eltern, sondern werden bei der Taufe auch daran erinnert, dass Sie an der christlichen Erziehung des Täuflings aktiv teilnehmen werden. Etwas, das gerne vergessen geht neben allen schönen Geschenken.

    7. AnFra Says:

      @Stella

      Das ist eine sehr richtige und sozial wichtige Darstellung, aber:
      Wenn man berücksichtigt: Die „letzen“ German (i.d.R. die Sachsen) im heutigen Deutschland wurden ca. Ende des 9. bis Anfang des 10. JH und die westlichen Slawen sogar teilweise Ende des 11.JH bis Anfang des 12. Jh bekehrt.
      Wenn man noch die gewissen Übergangsreibereien vom germanischen Götterglauben zum römischen Christenglauben berücksichtigt, kann man sicherlich folgenden Zeitenvergleich ansetzen:
      20.Jh minus 12.JH = 800 Jahre, fiktiver als mindester Ansatz wg. der germ. Wortentwicklung vom „Götte“ auf das 4. JH v. Chr. bedeutet das: 12.JH minus – (-)4.JH = 1.600 Jahre. Das Ergebnis ist nun eindeutig zu Gunsten mit mindestens 2:1 an der Zeitdauer für einen ganz anderen Sinninhalt des germ. „Götte“ als jetzt in der späten christlichen Zeitrechnung.

      Die ursprünglichen und wahrhaften „Götten“ waren eine echte und die einzige Lebensversicherung für das elternlose Kind. Die „Götten“ haben dem Kind „das weitere Leben“ geschenkt, nicht mehr!
      Die ansatzweise gebräuchlichen Übernahmerituale haben sich m.E. in laufe der Zeit etwas sinnentlehrt und ohne den wahren Grund zu kennen weiterentwickelt: Teilweise zur materiellen und teilweise grenzenlosen Schenkenrei.

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