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Wir zoggeln jetzt im Zoggeli — Neue Lieblingswörter aus dem Tages-Anzeiger

  • Tschutten mit der Bindestrich-Zeitung
  • Unser alter Lehrmeister für die angewandte Schweizerhochsprache der Gegenwart ist und bleibt der Zürcher Tages-Anzeiger, liebevoll von uns nur als die „Bindestrich-Zeitung“ betitelt. Oft waren wir kurz davor es aufzugeben, in diesem Blatt nach fast 3 Jahren aktiver Blogwiese-Auswertungsarbeit noch auf einen neuen Fund zu stossen, weil einfach alles und jedes schon irgendwo auf diesem Blog beschrieben wurde, da stiessen wir am 14.06.08 auf diese Stelle:

    Ein Holländer in überdimensionierten Zoggeli rennt durch die wenigen Franzosen und tschuttet eine leere Bierdose ins Niemandsland. Obwohl der Alkohol in rauen Mengen fliesst, bleibt die Stimmung in den Gassen friedlich.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 14.06.08, S. 14)

    Sind das Zoggeli oder Zogelli oder Klompen
    (Quelle Foto: alvi.ch)

    Nein, nicht das „tschuttet“ erstaunte uns. Wir wissen ja längst, dass das nichts mit „schütten“ oder „schütteln“ zu tun hat, sondern von „shooten“ = schiessen abstammt und zur Fussballsprache gehört. Nein, diesmal blieben wir beim Wörtchen „Zoggeli“ hängen. Am Fuss eines Holländers kann das ja nur ein Holzschuh sein. In Holland werden die Dinger „Klompen“ genannt, nach der gleichnamigen Bildung. Wikipedia kennt noch mehr Bedeutungen:

    Sabots (Frankreich) ist gleichbedeutend mit Klompen (Niederlande). Im Elsass werden sie Zogelli genannt, Zoggeli in der Schweiz, wo sie vor allem zur Fasnachtszeit getragen werden. In Schleswig-Holstein werden Holzsohlenschuhe generell als Holzschuhe bezeichnet. Holzpantoffel nennt man, wenn Sie aus Dänemark kommen, auch Clogs, in Norddeutschland spricht man in diesem Zusammenhang von Holzpantinen und wenn sie ein ausgearbeitetes Fußbett haben, heißen sie Schwedenpantoffel.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Zoggeli oder Zogelli?
  • Und als “Zoggeli” erfreuen sich die Dinger in der Schweiz grosser Beliebtheit, wie die 928 Fundstellen auf Google-CH belegen gegenüber nur 98 Stellen bei Google-DE . In der Schweiz werden diese Pantinen auch als Nase getragen, zumindestens in der Basler Karneval Fasnacht von den Oberwilern Zoggeli-Schäggen:

    Zoggeli aus Oberwil
    (Quelle Foto: zoggeli-schaegge.ch)
    (der aktuelle Zähler der Website steht auf 413 Besucher. Mal sehen wieviel es heute abend sind 🙂

    Wie zu erklären ist, dass die Elsässer Alemannen “Zogelli” mit einem “g” und zwei “l” schreiben, die Schweizer Hoch- und Höchstalemannen hingegen zwei “g” und nur ein “l” bevorzugen, dass mögen andere Spezialisten der Alemannischen Verschriftungskunst erklären. Wir halten uns da raus, zögerlich zwar, aber nicht zoggelich.

  • Die Schweiz im Oranje-Fieber
  • Wir erfreuen uns weiterhin am holländischen Fussball-Spass und fiebern mit den Oranjes. Von Deutsch-Holländischer Fussball-Erbfeindschaft sind wir weit entfernt. War da was? Wenn sie auch mal mitspielen dürfen bei einem Turnier, dann dürfen sie auch ruhig siegen.

    

    11 Responses to “Wir zoggeln jetzt im Zoggeli — Neue Lieblingswörter aus dem Tages-Anzeiger”

    1. lapsus4711 Says:

      Zoccoli ist italienisch.
      Im Tessin war es ein „Arme-Leute-Schuh“ und gehört heute zur Folklore.
      s.a.: http://www.amazon.de/Das-Klappern-Zoccoli-Literarische-Wanderungen/dp/3858691968

      O.T. Hat sich die Selbsthilfegruppe der Gescheiterten und Neurotikern aufgelöst?

    2. neuromat Says:

      Zoggeli, das dürfte etwas mit Zoccoli zu tun haben – und das sind Schuhe fürs Weibsvolk – müssen die Holländer selber wissen, warum die so etwas anziehen .. hatte da schon immer einen Verdacht

      noch einma etwas zu dem, wo schlussendlich gewinnt. Die Euro ist in der Schweiz … die Deutschen spielen sehr schön assimiliert langsam und wenig direkt, öfter mal quer und schiessen auch nicht arrogant viele Tore

    3. Phipu Says:

      Zur Frage des Doppel-G gegenüber Doppel-L kann ich nur soviel beitragen, dass ich Doppel-G aus sprachlicher Ableitung logischer finde. Auf Italienisch gibt es nämlich das Wort „zoccolo“ sprich ca. [DSO-ggolo] (grossgeschriebene Silbe betont). Das bedeutet „Huf“. http://it.wikipedia.org/wiki/Zoccolo
      In der Mehrzahl vorkommend, wie bei Tieren üblich, wird es zu „zoccoli“. Oben haben wir gelernt, dass es auf Französisch (in der Mehrzahl) „sabots“ heisst. Dessen ursprüngliche Bedeutung ist ebenfalls „Huf“. http://fr.wikipedia.org/wiki/Sabot_%28ongle%29

      Später gab es dann Schuhe (natürlich auch immer als Paar verkauft, deshalb Mehrzahl), die „zoccoli“ genannt wurden: http://de.wikipedia.org/wiki/Zoccoli , was offenbar bis nach Deutschland bekannt sein soll: http://www.zoccoli.de/deutsch/homepage_D.html .

      Abgeleitet von diesen Schuhen und dem entsprechenden italienischen Namen nennt man auch heute noch allgemein Schuhe mit Holzboden „Zoggeli“, wie die auf diesem Bild: http://www.gabyhampi.ch/Reise_2007-2008/images/0400a.jpg . Diese waren besonders bei Hippies (braunes Obermaterial) und im Spitalbereich (weisses Obermaterial) lange sehr verbreitet, bis die Gesundheitsschuh-Technik weitere Fortschritte machte, und diese Modelle von solchen, bei denen Schweizer wieder Kratz-K aussprechen dürfen (Birkenstock), und vielen anderen abgelöst wurden.

    4. cydet Says:

      der Basler Karneval Fasnacht. AUA !!!!

      [Anmerkung Admin: Das erste Wort sollte durchgestrichen ein, ist beim Uploaden verloren gegangen aber nun korrigiert. Sorry für die unschöne Dopplung.]

    5. Oliver Says:

      Apropos Bindestrich-Zeitung: Ich habe noch nie so wenige Bindestriche gesehen wie in der Schweiz. Wo sind sie denn hin? Ausgewandert? Aber sicher nicht nach Deutschland. Sie wären ja ausgesprochen wichtig in Substantiven, zumindest in solchen, die ein deutsches Wort enthalten. Denn merke: Ein deutsches Wort macht ein beliebiges Kompositum zum … zum deutschen Wort. Mit allen Konsequenzen, etwa bezüglich der Deklination. Beispiel: „E-Learning-Projekt“. Viele schreiben aber „E-Learning Projekt“. Da hat man dann das E-Learning und das Projekt, und beide haben nichts miteinander zu tun. Schade eigentlich. P.S.: Muss dann heissen: „des E-Learning-Projekts“; „des E-Learning Projekts“ geht gar nicht.

    6. Nessi Says:

      Zur Abwechslung mal ein Wort aus dem italienischen.
      Zoggeli von Zoccoli. So heissen alle Schuhe mit Holzsohlen.
      Früher gabs wirklich schöne offene für Frauen, ich habe sie geliebt. Holz ist ein sehr angenehmes Material.

    7. Phipu Says:

      An Oliver

      Wenn man dieser Seite glauben will, scheint es den Bindestrichen auch in Deutschland ziemlich schwer an den Kragen zu gehen. http://www.deppenleerzeichen.de . Tun wir etwas dagegen, und fördern wir den Bindestrich-Gebrauch.

    8. Guggeere Says:

      Ich würde mich an die Schreibweise „Zoccoli“ halten. 1. stehts so im Duden, 2. ist es ein italienisches Wort, 3. ist „Zoggeli“ eindeutig eine Abwandlung aus der Mundart, und 4. ist der „Tagi“ bekanntlich nicht (mehr) immer besonders sorgfältig in der Anwendung der Schriftsprache.
      @ Oliver: Der Bindestrich wird im ganzen deutschen Sprachraum etwa gleich missachtet und misshandelt. Über die Gründe lässt sich rätseln. Ich denke da z. B. an den Einfluss jener Computer- und Werbefritzen, die im sprachlichen Bereich zwar mit mässig viel Ausbildung, aber saumässig viel Einbildung ans Werk gehen. (Also gut, ich gebs zu: Das ist ein Vorurteil.)

    9. Nessi Says:

      @ Guggeere

      „und Werbefritzen, die im sprachlichen Bereich zwar mit mässig viel Ausbildung, aber saumässig viel Einbildung ans Werk gehen.“

      das ist kein Vorurteil, ich habe viele Jahre mit den Werbefritzen beruflich zu tun gehabt, bei vielen trifft das zu.

    10. Oliver Says:

      @ Phipu und Guggeere

      Ja, ihr habt Recht, auch in Deutschland gibt es keine Bindestriche mehr. Man kann aber mit Sicherheit sagen, dass sie nicht in die Schweiz ausgewandert sind. Schade übrigens, dass http://www.deppenleerzeichen.de/ nicht mehr gepflegt wird. Das war wirklich eine Fundgrube, gefüllt mit verlorenen Bindestrichen. Ich habe einige davon wiedergefunden und stelle sie hier zur freien Verfügung:

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      Hoffentlich werden keine Spiegelstriche daraus gemacht. Das ist nämlich ein weiteres Problem: Man kann Binde-, Trenn- und Spiegelstriche nicht mehr unterscheiden.

    11. Mario Says:

      @ Oliver

      Über die typografischen Unzulänglichkeiten die heutzutage in Druck-Erzeugnissen (keine Drucker-Zeugnisse ;-)) zur Schau gestellt werden, streiten die «Experten» ja schon lange mit den „Werbern“ und „Computerfritzen“. Gänsefüsschen und Co. werden schon gar nicht mehr als Fehler wahrgenommen. Wie auch: Eine Gesellschaft die mit Foto-Handys gemachte und zu Hause selbst ausgedruckte Bilder für das höchste der Gefühle hält, hat’s nicht besser verdient. 😉

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