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Einen Preussen zum Dessert — Wer isst schon Schweineohren?

  • Des Preussens Ohr als Dessert
  • Beim Online-Shop der Migros entdeckten wir den Dessertpreussen:
    Dessert Preussen
    (Quelle Foto: leshop.ch)

    Also wurde doch etwas vom kulturlosen nördlichen Nachbarn übernommen, der nicht „la dolce vita“ uns sonstige Kochkünste mit ins Land brachte, wie die Italiener. Noch dazu als Dessert und in preussischer Aufmachung!

  • Die Ohren des Bäckers
  • Diese Speise gibt es in deutschen Bäckereien auch zu kaufen, dort heissen sie aber „Schweineohren“. Als Kind liebten wir es, in die Bäckerei geschickt zu werden und dort den Chef ungeniert zu fragen: „Haben Sie Schweineohren“? Sie galten als das billigste Gebäck überhaupt, noch billiger war nur die Marke „Altbackenes“, d. h. Gebäck vom Vortag.

  • Kommt der Dessertpreusse aus Frankreich?
  • Laut Wikipedia heissen die in Frankreich „Palmier„. Von dort kann also der Dessertpreusse nicht via Napoleon in die Schweiz eingewandert sein:

    Zur Herstellung wird zunächst viertouriger Blätterteig auf reichlich Streuzucker zu einem Rechteck ausgerollt, in zwei weiteren Touren symmetrisch zur Mitte hin zusammengeklappt, noch einmal gefaltet und von der Schmalseite her in Scheiben geschnitten. Dadurch entsteht eine doppelte Spirale. Anschließend werden die Stücke im Ofen gebacken, wobei der Zucker zwischen den Teigschichten leicht karamellisiert. Da die Teigschichten nicht übereinander, sondern nebeneinander liegen, geht der Teig nicht in der Höhe, sondern in der Breite auf – es entsteht die typische Herzform. Die Größe fertiger Schweinsohren variiert nach Region und Angebot von etwa fünf Zentimetern bis zu Tellergröße.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Schweinohren für den Hund
  • Schweineohren kaufen wir heute nur noch für unseren Hund. Der liebt sie, getrocknet und kräftig duftend. Nach Schwein natürlich, denn sie kommen heute tatsächlich vom Schwein und stinken fürchterlich. Dann schon lieber den Dessertpreussen aus der Migros zum Kaffee&Kuchen Zvieri.

    

    17 Responses to “Einen Preussen zum Dessert — Wer isst schon Schweineohren?”

    1. cydet Says:

      Danke Jens,

      Wieder mal eine kulinarische Weiterbildung für mich. BIs anhin kannte ich nur die kandierten Schweinsohren mit Honig (oder waren es in Auerochsenfett gebratene Schweinskaldaunen ?) von den Orgien des Virus, namentlich Stadthalter von Condate.

      Quelle: Asterix bei den Schweizern

    2. Simone Says:

      „Zum Kaffee“ muss das heissen…Ich mag die Dinger nicht besonders…

    3. Phipu Says:

      Bei diesem Thema tauchen wir tief in den Variantenreichtum der verschiedenen Sprachen ein. Das Franko-Französische Wort „palmiers“ für diese Art Guetsli war mir bisher nur als Passiv-Wortschatz bekannt. Ich kannte diese Bummi hauptsächlich unter dem Namen „prussiens“. Schon seit meiner Kindheit steht auf der Migros-Verpackung „Dessert-Preussen“, in der Familie sprachen wir aber immer von „Prussiens“, Aussprache ca. [Prüssiäng].
      http://www.codecheck.ch/suesswaren_snacks/biskuits_kekse_konfekt/7610827791284/Prussiens.pro
      Und „le prussien“ ist ja nichts anderes als „der Preusse“.

      Obwohl, Jens, hättest du diese Kekse auch gekauft, hättest du auf der Verpackung noch einen anderen französischen Namen gelesen. Bei „Le Shop.ch“ auf Französisch werden sie „coeur de France“ genannt.
      http://www.leshop.ch/leshop/Main.do?chlanguage=French#/fr/Supermarche/_/_/274268_Coeurs_de_France_360g

      Also kommen wir auch auf Französisch bereits auf drei unterschiedliche Namen: Nebst „palmier“ (Palme) heisst es in der Schweiz zusätzlich „coeur de France“ (Herz Frankreichs) oder eben „biscuit prussien“ bzw. „prussien“.

      Hier ein französisches Diskussionsforum dazu
      http://projetbabel.org/forum/viewtopic.php?t=1598

      Auf der abgebildeten Verpackung kann man ausserdem noch die italienische Version erkennen: „biscotti prussiani“ (preussische Biskuits).

      Für mich persönlich sind die besten Prussiens die der Firma Cornu (gehört der Kambly-Gruppe) aus dem Dorf Champagne oberhalb Yverdon.
      http://www.champagne.ch/de/products/palmiers/
      Anekdotisch sei da noch erzählt, dass dieses Dorf seinen Weisswein nicht einfach problemlos „Champagne“ nennen darf, obwohl die Ortschaft halt so heisst. Frankreich lässt diese geschützte Marke ausschliesslich für Schaumwein aus der zufällig gleichnamigen Region zu. Etwas mehr darüber hier:
      http://www-x.nzz.ch/format/broadcasts/transcripts_281_377.html

      Fragt sich nur, ob die „Preissn“, wenn sie im Grossraum München zu Kaffe und Kuchen mit „Prussiens“ antanzen, die Herzen nicht nur Frankreichs sondern auch der Bayern freundschaftlich erwärmen können.

    4. Roland Says:

      Dessertpreussen gehören zu meinen Lieblingskeksen, zusammen mit Kaffee sind sie einfach lecker. Das Zeugs hat mir gefehlt hier in Berlin. Letzte Woche bei Netto sah ich doch tatsächlich eine Dessertpreussen im Regal, made by Midor, by the way 🙂

    5. cocomere Says:

      Der Name „Dessert-Preussen“ ist wahrscheinlich von der Migros erfunden. In der schweiz. Mundart heissen sie „Prussiens“. Die vielen Rezepte dazu, die man online findet, beweisen das (behaupte ich mal).

    6. dampfnudle Says:

      Lieber Jens

      Da mühe ich mich seit Wochen ab, meine Kalorienzufuhr zu drosseln – und dann sowas! Als ich heute Nacht gegen 1 Uhr von der Arbeit nach Hause kam und wie üblich sofort den neuen Blogwiesebeitrag aufrief, war ich angesichts dieser Foto zu müde für die nötige Beherrschung. Ich las nur noch etwa 5 Zeilen über die Foto hinaus und raste dann in die Küche.

      Mit dem Mund voller „Prüüsse“ las sich doch der Rest viel angenehmer;-)

      Prüüsse (Preussen) sind ja jene Guetsli (Kekse), von denen einfach nachzustopfen man kaum mehr stoppen kann. Noch mehr als von den Schoggischüümli, weil diese doch allzu süss sind. Darum muss die Preussenschachtel immer gut weggesperrt werden.

      Ich habe mich dann mit viel Energie nach etwa 20 Stück doch losreissen können, aber erst, nachdem ich auch noch die Mails gecheckt hatte. War das nicht schon früher so, dass die Preussen immer in grosser Zahl daherrückten. Heissen die Keckse/Bisquits/Guetsli deshalb so?

    7. Nessi Says:

      genau wie Phipu kenne ich diese Guezli seit meiner Kindheit nur als „prussien“ französich ausgesprochen.
      Von Ohren war niemals die rede.

    8. AnFra Says:

      @Nessi @dampfnudel

      Ja, ja, die Preußen. Hier die bekömmliche Variante.

      Habe in den historischen Koch- und Backunterlagen recht wenige Infos zu diesen „preußischen Schweinsohren“ gefunden. Aber als Grundtendenz kann folgende Info dargestellt werden.
      Diese Dinger werden in D. und wurden im übrigen östlichen deutschsprachigem Raum überwiegend „Schweinsohren“ genannt.

      Diese Bezeichnung hat eigentlich auch ihre Berechtigung, denn wenn man den Schweinen ihre „echten“ Ohren entfernt hat, um diese dann zu braten, hat man dies an dem unteren Rand der Ohren mit einem stumpfen Winkel vom Kopfe abgeschnitten. Diese Schweinsohren waren eine eigene Speise und für den übrigen „Schweinskopf“ standen für die optisch bessere Erscheinung ja noch die kleinen, etwas spitzlichen Stummelohren zur Verfügung.
      Die abgeschnittenen Ohren haben eben auf der einen Seite eine natürliche Spitze und an der abgeschnittenen Seite besitzen sie nun eine „herzartige“ Form. So ergibt sich die Bezeichnung für das Blättergebäck mit „Schweinsohren“ oder auch „Herzen“.

      Bei dem Namen „Preußen“ muss ich eine gewisse Spekulation zu Hilfe nehmen.
      Was auffällt ist die Tatsache: In der CH und im fr. Sprachraum werden diese Dinger „Preußen“ genannt.
      Laut einer hist. Quelle sei dieses Gebäck 1848 in Paris „erfunden“ worden. Dies lässt sich aber mit Quellen nicht glaubhaft nachweisen.
      Allgemein gilt: Der Blätterteig sei im 13. JH nach den Kreuzzügen nach Italien, Ocitanien, Frankreich und dann dem übrigen Europa gebracht worden.
      Es gibt jedoch einen zweiten, eventuell eine stärkeren Zugang zum Blätterteig. Nach der 2. Wienbelagerung 1683 durch die Türken ist der Blätterteig auf diesem östlichen Weg wieder in Europa, hier besonders im HRR (DN) aufgetaucht, in Begleitung von u.a. Schnitzel, Kaffe und als Folge den Gipferln (auch aus Blätterteig) aufgetaucht.
      Wir kennen solch ein Vorgang auch heutzutage: Döner-Kebab, Pita und Co.

      Den Namen „Preußen“ zu diesem Gebäck würde ich über folgend Spekulation ableiten: Die Namensgebung im fr. Sprachraum könnte darauf hindeuten: Der Ursprung müsste aus Preußen kommen.
      Da neben der türk. Wienbelagerung in Preußen als möglicher 3. Einfluss auch noch die in großer Anzahl nach Brandenburg / Preußen 1680 zugewanderten Hugenotten ihre Lebensgewohnheiten mitgebracht haben, ist hier wohl eine weitere Ursache zu finden. Denn in den preuß.-habsburg. Schlesischen Kriegen haben die Preußen die Herstellung von „Kommissbrot“ weiter entwickelt. Es wurde ein einheitliches Standartbrot für die Soldaten in Feldbäckereien hergestellt. Mit solch einer Technik konnte auch bei solch einer einfachen Vorgabe ein trotzdem einfaches und zugleich feines Gebäck aus Blätterteig mit „ohne Nichts“ für die hohen Herren hergestellt werden.
      Das org. Rezept verwendet in D. überwiegend als Oberflächenzugabe nur groben Zuckerstreusel. Dies deutet auf diese „einfache und spartanische“ militärische Herkunft des „Preußen“ hin, denn Mehl, Wasser, Fett und Zucker hat man für die Herrn Generäle doch sicher immer im Felde gehabt.
      Da das Gebiet um Neuenburg – Neuchâtel in der Westschweiz sich fast 100 Jahre in preuß. Herrschaft befunden, ist es dadurch möglich, hier die Urquelle der Bezeichnung „Preußen / prussien“ für dieses gute, aber trotzdem „einfach“ hergestellte Gebäck zu finden.
      Es kann natürlich alles auch ganz anders gewesen sein.
      Nun sind die Westschweizer / Schweizer gefordert.

    9. Branitar Says:

      Ich kennen die Dinger schon solange ich denken kann, und bei uns heissen sie Schweineohren (nicht Schwein_s_ohren!)…

    10. AnFra Says:

      @Branito

      In fachl. Büchern und anderen Quellen: Als Schein- -ohr, Schwein-e-ohr und Schwein-s-ohr für dieses Gebäck, das „Echte Ohr“, den Pils und als trockens „Hundefutter“ gesehen.

    11. cydet Says:

      Früher war hier ein Gericht bekannt namens „Öhrigs und Gschnörigs“ und bestand tatsächlich aus den besagten Inkredienzen, Ohren und Schnauzen der Schweine.

    12. Branitar Says:

      @anfra
      ich komme aber aus Norddeutschland, und da ist das s in der Mitte nicht üblich 😉

    13. AnFra Says:

      @cydet und @Branitar

      Hier ein org. Rezept für Schweinsohren im „Grosses Restaurations-Kochbuch“ von 1905 aus Frankfurt/M. , Berlin und Zürich unter Mitwirkung von Köchen aus Wien.
      Es ist damals für die untere – mittlere Gastro-Ebene, heutig meiner Meinung nach eindeutig für die gehobene-obere Ebene! So ändern sich die Zeiten.

      > „Gebackene Schweins-Ohren – Oreilles de Porc Frites“
      Die wie vorgehend gesäuberten Ohren werden in Salzwasser gar gekocht, in eine Schüssel gelegt, Salz, gemahlenen Pfeffer und etwas Zitronensaft hinzugegeben und so vorbereitet einige Stunden stehen gelassen.
      Sodann paniert man sie in Mehl, Eiweiß und Semmelbrösel, backt sie in heißem Fett aus, streut nochmals Salz darüber und serviert mit Zitrone und Petersilie garniert nebst einer Teufels-Sauce extra dabei.

    14. AnFra Says:

      Teil Nr. 2

      (Teufels-Sauce = Zwiebeln, Schinken, scharfer Essig, Kräuterbräu, braune Grundsauce, Tomatenpüree, Zucker, Cayenne und engl. Senf)

      U.a. gibt es noch „Schweins-Ohren mit Petersilie-Sauce“ und „ Gedämpfte Schweins-Ohren“. Das sind natürlich kalte Sulzspeisen (Gallert).

      Für die Verwendung von Ohren und Schnauze habe ich im Bodensee-Gebiet auch schon den Begriff „Maske“ gehört.

      Guten Appetit und en Gueten!

      Was lernen wir daraus: Nichts, geht man mal zum Mc…. oder …..bürger und verlangt die oben beschriebene Speise. Die holen nen weißen Kittelmann.

      Im diesen o.g. Buch und all den anderen Kochbüchern aus der „guten alten Zeit“ wurden fast alle Begriffe in Verbindung Schwein und Ohren, Sülze, Wurst, Fleischgericht uam. mit –S- geschrieben.

    15. Nessi Says:

      @AnFra

      phaaa, ist ja schauderhaft!
      Schweinsohren geb ich nur meinem Hund!

    16. AnFra Says:

      @Nessi

      Womit mal wieder bewiesen ist: Bezüglich unseren Essens sind wir inzwischen auf den Hund gekommen.
      Der Kleine scheint jedoch ein Gourmet zu sein!

    17. cydet Says:

      @ AnFra

      Danke, das scheint ja wirklich ein gutes Rezept zu und muss ja nicht unbedingt mit Schweinsöhrchen gekocht sein.

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