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Begrüssung in der Schweiz (Teil 2) — Heu und Stroh, das macht uns froh

  • Hoi kommt von A-Hoi
  • Bei unserem ersten Spaziergang durch Bülach wurden wir auf der Strasse freundlich mit „Grüezi“ begrüsst, die Kinder jedoch mit „Hoi„. Wir merkten: Die Schweizer sind ein Volk von verkappten Seeleuten. Nach dem sensationellen Sieg im America’s Cup des Schweizer Team Alinghi im März 2003 träumen die Schweizer immer noch davon, ihre Gebirgsmarine auf allen Weltmeeren zum Einsatz zu bringen. Bis es dann endlich so weit ist, wird schon mal der zünftige Seefahrergruss „A-Hoi“ geübt, allerdings in der angepassten Alpenversion ohne „A„.

    Ich pflege diesen Gruss gern zu entgegnen mit „Getrocknetes Gras miteinander!“. Worauf mich die Schweizer dann schräg anschauen, und meinen, ich würde sie zu einer Runde Marihuana einladen. Weit gefehlt. Es ist einfach nur eine Umschreibung von Heu=Hoi.

  • Was für Tiere sind die Ramseyer?
  • Durch ein Schweizer Volkslied, das unsere Tochter aus der Schule heimbringt, lernen wir den echten Schwiizerdütschen Satz: „s’Ramseyer wei go grase“ und fragen uns in der Folge, welche merkwürdigen Tiere in den Alpen, die da auf den Berghängen und Almwiesen leben, sind wohl die „Ramseyer„? Mag es ein besondere Art von Steinbock sein? Oder eine Art Bergziege? Bis wir herausfinden: Gemeint ist die „Familie Ramseyer„, die zum Heu machen auf die Alm zieht. Später habe ich gelernt, dass das alles Quatsch ist. Die Ramseier gehen nicht grasen, sondern sie machen rote Ohren.

  • Beim Heuen kommt man sich näher
  • Wenn Schweizer in grosser Anzahl und in der Freizeit aufeinander treffen, denken sie gern an die Tage zurück, an denen sie gemeinsam im Sommer auf einer Alm das Heu eingeholt habe. Sie grüssen sich daher mit „Heu-z’amme„, oder kürzer „Hoi zäme

  • Abschiednehmen in der Schweiz
  • Geht es dann nach einem gemütlichen Abend unter Schweizern schliesslich und endlich ans Abschiednehmen, kommt die Saaltochter oder Serviertochter oder Frau Oberin an den Tisch und möchte „einziehen“, dann pflegen die Schweizer diese Situation mit einem einfachen Gruss zu klären und beenden, wenn es ans Zahlen geht. Sie sagen einfach: „Zahl-i-z’amme„, um damit auszudrücken, dass alles zusammen gezahlt wird.

    Merke: Heu und Stroh, das macht uns froh!

    

    11 Responses to “Begrüssung in der Schweiz (Teil 2) — Heu und Stroh, das macht uns froh”

    1. R.B. Says:

      Gott zum Grusse – wo bleiben denn heute die Hobby-Linguisten?

    2. geissenpeter Says:

      Hallo Jens,
      danke für den Link auf meinen Blog!
      Ich lese deinen weiterhin mit Vergnügen.
      Grüsse vom Geissenpeter

    3. Berner Says:

      Nette, satirische Intepretationen, aber so manch nicht-eingeweihter, also nichtschweizer, könnte das ganze für bare Münze nehmen (die hören sich nämlich sehr logisch an).

    4. Phipu Says:

      Berner:
      Ich befürchte wirklich, dass gerade diese Erklärungen für bare Münze genommen werden könnten. Deshalb noch ein paar Erklärungen von einem Eingeweihten; natürlich längst nicht so spitzig humorvoll.

      Jens, sollten wir mal gemeinsam im Restaurant sein, bitte ich dich, der Serviertochter (so heisst das nämlich wirklich) oder dem Garçon (nein, nicht „Serviersohn“) zu sagen: „I zahle alles“.

      Sonst müsste ja ich mein Portemonnaie hervorklauben; und dieses hat einen rostigen Reissverschluss („Portmonnee mit rostigem Reissverschluss“ = landläufiger Ausdruck für geizig sein).

      [zahl i zamme] klingt phonetisch schon, als hätte es mit zahlen zu tun. Aber: „Sali zäme“ (frz. „salut“ + CH-D „zusammen“) würde ich dann erst nach Beendigung des Zahlvorgangs sagen (wegen Verdacht auf Zechprellerei – es sei denn, du sagst absichtlich „zahl i zamme“, damit du hops aufstehen und das Lokal verlassen kannst, und ich zahlen muss!). Ausserdem solltest du alle anwesenden Gäste und das Personal duzend kennen. Im anderen Fall reicht besonders in der Region Bern „Adeeee“ oder „Adiööö“ oder ein Quäntchen höflicher zu mehreren „Adiö mitnang“ (Adieu miteinander) oder allgemeingültig: „uf wiederluege“ (auf Wiederschauen). Im Kt. ZH auch „uf wiedergüx“ („güx“ humorvoll für „gucken“).

      Achtung Bedeutungsunterschied: „Adieu“ (= „à Dieu“ = zu Gott: s.a. „A Deus“ im Teil 1) auf französisch ist definitiv und nur vor Absitzen lebenslanger Haftstrafen oder am Totenbett geeignet. In der Welschschweiz lieber „au revoir“, eben = „uf wiederluege“ sagen.

    5. transalpin Says:

      Meine These: Höi kommt aus dem Englischen. Vor allem ältere Semester sprechen den englischen A-Laut wie ein Ö aus (so wie die Franzosen). Sie sind «Öp-to-Date», «blöffen», und sehen sich den «Welt-Cöp» im TV an. «Höi!» wäre demnach ein eingeschweizerdeutschtes «Hi!».

    6. HaegarCH Says:

      @transalpin, wohl kaum.

      Hoi ist ganz einfach die Kurzform von Hallo. Wie es zur Kürzung gekommen ist, weiss ich nicht, ist nicht auffindbar.

      Aber Hoi, Jens, ist nur angebracht, wenn du die gestohlenen Pferde schon wieder zurück gebracht hast *grins*. Also die vertraute Form des Grüssens.
      Ansonsten ist, wie schon geschrieben ein „zi, mitenand“ für die Begrüssung und „adie (oder adiö, je nach Sprachregion) mitenand“ für die Verabschiedung.

    7. Peter Gloor Says:

      Transalpin
      Woher haben nur unsere älteren Mitbürger die dumme Gewohnheit,
      all diese englischen Fremdwörter mit ö auszusprechen? Wie etwa „Göpfinal“
      Das schlimmste ist der „Böss“ in Bern, der Omnibus also. Meines Wissens kommt dieses Wort gar nicht aus dem Englischen..(Latein??)

    8. MattCH Says:

      naja also zu grüss gott fällt mir auch so sachen ein ^^

    9. Gizmo Says:

      Hallo Berner,

      wenn Du aufmerksam die Antworten liest, wirst Du sicher feststellen das es auch genügend Schweizer gibt die das für bare Münze nehmen und nicht mitbekommen das hier mit Ironie Witz und Sarkasmus gearbeitet wird. Die gibt es aber überall. In der Schweiz heissen sie Bünzlis, in Deutschland sinds die Michels und im englischen Sprachraum ist man „Anal retentive“…

    10. Eidgenosse Says:

      Als ich in Berlin lebte, fand ich z.B. sehr merkwürdig vor dem Abschied nehmen oder bei der Begrüssung am Mittag – „Mahlzeit“ zu sagen.
      Da finde ich “ ä Guätä“ passender, damit wünscht man, dass das Essen schmeckt – bei „Mahlzeit“ beinhaltet es einfach nur – ich nehme eine Mahlzeit ein.

    11. Fabian Says:

      „Hoi“ ist keine schweizer Spezialität. Es wird z.B. im niederländischen genauso gebrauch. Der Unterschied ist nur, dass es dort auch zur Verabschiedung eingesetzt werden kann. Interessant wäre zu wissen, ob diese „Hoi“s den selben Ursprung haben.

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