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Koedukation Nein Danke — Wo Männer und Frauen in der Schweiz getrennt bleiben

(reload vom 25.10.05)

  • CEVI steht für C.V.J.M in der Schweiz
  • Die Schweizer Version des „Christlichen Vereins Junger Menschen“, kurz C.V.J.M (früher stand das M übrigens wahlweise für „Männer“ oder „Mädchen“) heisst CEVI.

    Die Cevi ist eine christliche Jugendorganisation in der Schweiz, der Reformierten Kirchen nahestehend (in der Schweiz gibt es keine Protestanten, sondern nur „Reformierte“, die gehen nicht auf Martin Luther sondern auf Huldrych Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf zurück gehen).

    Uns ist die Cevi kurz nach unserer Ankunft in der Schweiz besonders dadurch aufgefallen, dass hier christliche Jugendarbeit strikt für Jungen und Mädchen getrennt angeboten wird. Die Erkenntnisse der „Koedukation„, der gemeinsamen Aufzucht und Pflege von Mädchen und Buben, sind also noch nicht bis in diesen Bereich vorgedrungen. Egal, unsere Tochter fand es cool, nur mit „Maidlis“ ohne Buben die Samstagnachmittage beim Feuermachen im Wald (immer auf der Flucht vor dem Förster), beim Singen und Spielen zu verbringen. Buben stören nur, und ausserdem haben die ja ihre eigenen Gruppen.

  • Cevi: Jugendarbeit streng auf Schwyzerdütsch.
  • Die Cevi brilliert dadurch, dass sie neben der christlicher Jugendmission auch die Förderung der Schweizerdeutschen Schriftsprache zu ihrem Programm gemacht hat. So lasen wir auf der Webseite folgenden Hinweis für die samstägliche Cevi-Versammlung, was die Mädchen mitbringen sollen:

    „Z’Trinke, dem Wetter angepasste Kleider (mir sind de ganzi Namittag verusse), gute Laune“

    Ganz verrusst kehren sie heim. Oder wir lasen auf einem Anschlag:

    „Mitnehmen: gueti Luune, verschiedeni (exotischi) Früt, Sunnehuet, wenn Ihr eini Händ, e Sunnebülle“

    Neben dieser Geheimsprache werden auch eigene Codenamen gepflegt, die Leiterinnen heissen:

    Astraea, Caballo, Chili, Coccinella, Hakuna, Maña, Mikado, Mint, Pistache, Patchanga, Hilari, Nanuk, Ocoña, Simea, Tupf, Kobold, Yoyo, Purzel, Tsunami , Twist, Lucciola, Luna. (Quelle)

    Klingt zum Teil richtig lecker: Chili, Mint und Pistache, ob das alles „exotischi Früt“ sind? Früher war auch noch „Curry“ dabei, aber das ist jetzt vorbei.

  • Pfadis, Blauring und die Jungwacht
  • Die Cevi ist bei weitem nicht die einzige christliche Jugendorganisation in der Schweiz. Es konkurrieren ausserdem noch die Pfadfinder „Pfadi“, der „Blauring“, der nichts mit den Anti-Alkoholiken vom Blaukreuz zu tun hat, und die „Jungwacht“ (beide katholisch) miteinander. Bei den Pfadis und beim Blauring sind die Jugendgruppen übrigens gemischt. Gerade bei den Pfadis wird die Koedukation richtig zum Thema:

    In der Pfadibewegung ist Koedukation ein Mittel, um Mädchen und Buben für eine gleichwertige Partnerschaft zwischen den Geschlechtern zu sensibilisieren (Quelle: www.pbs.ch)

    Gleichzeitig setzen sich die Pfadis auch mit den Nachteilen der Koedukation auseinander. Jawohl, die gibt es massenhaft! Hier eine kleine Zusammenstellung: Facts zum Thema „Koedukation“

    Es gibt jedoch noch weitere Bereiche in der Schweiz, in der Männchen und Weibchen getrennt waren oder werden.

  • Rudern früher nur für Männer
  • In Eglisau am Rhein bahnte sich 2002 eine Sensation an. Der „Seeclub Zürich“ öffnet eine Ruderschule, die zum ersten Mal in der Geschichte dieses Vereins das Rudern auch für Frauen gestattet. Bisher war dies, echt old-english, eine reine Männerdomäne.

    Lange Zeit blieb der Rudersport für Frauen unausführbar am Rhein. Den Fluss samt Bootshaus direkt vor der Nase, gab es keine Möglichkeit, in eins der begehrten Ruderboote zu kommen. Jetzt wurde es möglich, aber nur im Rahmen der neuen „Schule“.

    Die Schweizer machten also auch im Jahr 2002 weiter Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung.

    Frauenbad in der Limmat

  • Frauenbad in der Limmat

  • Der Fluss, der durch Zürich fliesst, heisst „Die Limmat“, und in der Limmat gibt es in Züri ein reines Frauenflussbad. Das ist geradzu progressiv, die Kerle müssen draussen bleiben!

    1837 wurde beim Bauschänzli das Badehaus für Frauenzimmer eingerichtet. Heute trifft frau sich im nostalgischen Laubsägeli-Bad aus dem Jahre 1888. Das geschichtsträchtige, auf der Limmat vertäute Holzbad ist klein, überschaulich und – für die, die es mögen – auch persönlich. Es ist Kommunikationstreff für die Einen, Region ohne Anbaggern für die Andern (…).
    Im geschlossen Teil (…) ist frau wind- und blickgeschützt, während auf dem Rost gegen die Limmat raus schon mal ein paar Blicke aus den vorbeifahrenden Ausflugsbooten riskiert werden.
    An schönen Tagen kann es ganz schön eng werden, da liegt Busento an Busento. Für Kinder ist das Bad weniger geeignet, es ist kaum Platz zum Rumtoben. Geschwommen wird in zwei Becken, die in den Holzrost eingelassen sind. Das freie Schwimmen in der Limmat ist untersagt. (Quelle)

    Moment mal: „Busento„? War das nicht ein Fluss in Kalabrien? (Wiki)

  • Das Lorettobad in Freiburg ist auch ein Damenbad
  • Wir kennen so ein Frauenbad auch aus Freiburg (im Breisgau), wo im Lorettobad im „Damenbad“ auch nur weibliche Gäste zugelassen sind, durch hohe Zäune und einer Tür von der restlichen Badeanstalt getrennt. Einst klagte hier ein Jurastudent in einem Musterprozess, in dem er seine „geschlechtspezifische Benachteiligung“ gerichtlich bestätigt haben wollte, auf Einlass in dieses Damenbad. Er verlor, denn die Richter fanden, er könne ruhig im „Familienbad“ nebendran baden. Das Gerichtsurteil hängt nun im Glasfenster des Kassenhäuschens zur Abschreckung aller Nachahmer.

    

    5 Responses to “Koedukation Nein Danke — Wo Männer und Frauen in der Schweiz getrennt bleiben”

    1. Konrad Says:

      als ehemaliger pfader (mitglied der pfadi) muss ich allerdings korrigieren, dass die pfadi NICHT religiös ist.
      ansonsten: einer der besten deutschsprachigen blogs!
      gruss konrad

      [Anmerkung Admin: Dann ist das allerdings ein markanter Unterschied zu den Pfadfindern in Deutschland, die dort stark an die Katholische Kirche angelehnt sind]

    2. Brun(o)egg Says:

      Wie Konrad schon schrieb. Padfinder waren eben gerade nicht religiös orientiert. Das hätte dem Grundgedanken des Gründers, Baden Powell, keine -ismen!, entscheidend widersprochen.
      Aber Buben und Mädchen waren in den 50er Jahren noch getrennt.

    3. Esther Says:

      In meiner Ortschaft, als ich noch zur Cevi ging, da war diese gemischt (ganz nach dem Motto der Koedukation) und bei der Pfadi hingegen da gab es extra die „Maidli-Pfadi“ neben der klassischen Pfadfinder (Jungs)
      Ich denke das wird von Abteilung zu Abteilung entschieden.

    4. solanna Says:

      Im Gegensatz zu Blauring/Jungwacht und Cevi ist die Pfadi in der Schweiz normalerweise völlig von der Kirche abgekoppelt. Es gibt aber einzelne Abteilungen, die sich Katholische Pfarrei nennen und auch von der Katholischen Kirche unterstützt werden, v.a. auch durch kirchliche Beiräte, Kirchenfunktionäre in der Lagerleitung etc. Dass es in Luzern (Agglomeration) eine katholische Pfadi gibt oder gab, erstaunt mich nicht. Schliesslich ist der Kanton Luzern katholisch. Mehr erstaunt mich, dass es auch im reformierten Berner Vorort Köniz eine katholische Pfadi gibt: http://www.pfadi.ch/josef/ueberuns/510740963b087d901/index.html

      Der Cevi ist ganz klar christlich geprägt mit einem Missionsauftrag: http://www.cevi.ch/leitbild
      Offensichtlich ist er stark auch auf junge Erwachsene ausgerichtet. Wenn ich es richtig verstehe, sind die Leiter der Jugendgruppen oft bereits erwachsen, während Pfadi und Blauring/Jungwacht klare Jugendorganisationen sind, in denen nur die obersten Leiter und Leiterinnen über 20 sind.

      Blauring und Jungwacht haben getrennte Gruppen, führen aber regelmässig gemeinsame Anlässe und Lager durch. Je älter, je eher arbeiten sie zusammen, dies aber meist schon auf Gruppenleitungsstufen oder hierarchisch und altermässig noch höher. Ein enger Bezug zu den katholischen Pfarreien ist aber die Regel.

      Was ganz offensichtlich regional unterschiedlich ist, ist die Gruppenzusammensetzung:
      Blauring und Jungwacht haben wohl meistenorts Gruppen gleichen Alters. Also alle Drittklässler zusammen, alle Viertklässler etc. und mit 15-16 übernehmen die jetzt aus den Jugendgruppen Herauswachsenden oft als Co-Leitende miteinander die Gruppe der Jüngsten. Sie tragen dann auf einen Schlag relativ viel Verantwortung (natürlich wohl stets im Hintergrund unterstützt/überwacht von noch Älteren der Scharleitung), aber wenigstens beträgt der Altersunterschied zwischen Gruppenmitgliedern und LeiterInnen einige Jahre.

      Bei der Pfadi ist es eher üblich, dass jede Gruppe 11 bis ca. 15-16-Jährige umfasst. Die Jüngeren lernen von den Älteren, die Älteren nehmen Rücksicht auf die Kleineren. Die Gruppen sind ebenfalls meist geschlechtergetrennt, unternehmen doch regelmässig Allerlei gemeinsam. Die GruppenführerInnen wachsen langsam in ihre Aufgabe hinein. Die Leitung ist meines Wissens je höher, je geschlechtlich gemischter.

      Zum Beispiel im Kanton Luzern gibt es aber Pfadiabteilungen, die das lokal oft ältere Blauring-/Jungwacht-System übernommen haben und auch in den Gruppen die jeweils Gleichaltrigen zusammenfassen. In der Regel (ausser sich explizit als katholisch bezeichnende Abteilungen) ist die Pfadi aber auch dort religiös/konfessionell absolut neutral.

    5. D.E. Says:

      als momentane Pfadi-Leiterin muss ich sagen, das die Pfadi geschlechtlich getrennt ist (wobei je älter destoweniger streng), gläubig bzw christlich ist die Pfadi bei uns übrigens auch nicht, es herrscht, im gegensatz zur cevi, blauring und was es halt noch gibt, pure religionsfreiheit und neutralität.
      was aber doch auffält, ist der „konkurenzkampf“ beziehungsweise die „feindschaft“ unter den blauringler, cevis und andersgeschlechtlichen pfadis. wenn man da ein lager von den cevis neben einem pfadilager enddeckt wird, geht man gnadenlos in der nacht „pflöcklen“ (das heisst, die heringe herausziehen, so das die zelte zusammenfallen) oder die anderen werden „gehüglet“ (was heisst, das man aufeinander losgeht, wobei die leiter wie schiedsrichter aufpassen, das nichts passiert).

      „(Tätsch-)Bölis“, das sind die deppen vom dienst, quasi die leienschauspieler, die helfer in der pfadi 😉

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