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Glotzen Sie Sexy? — Hörverständnistraining beim Radio „für uns“

  • Spracherwerb per Radio
  • In den ersten Monaten nach unserem Umzug in die Schweiz war das tägliche Hörverständnistraining beim Radiohören eine wichtiger Faktor für den ständigen Spracherwerb im passiven Schweizerdeutsch. Auch nach sechs Jahren hat dieses Medium noch nicht nachgelassen, uns zu überraschen. So am Samstagvormittag, als wir um. 10:35 Uhr auf DRS4 den Satz vernahmen:

  • Glotzen Sie Sexy?
  • SiiGlotzeSiiSexy“. Er wurde mehrfach wiederholt und ist hier laienhaft verschriftet wiedergegeben. Es schien unserer Meinung nach wohl um eine neue TV-Sendung zu gehen, mit Namen „Sexy“, und die Zuhörer wurden gefragt, ob sie diese Sendung glotzen. So wie einst „Tutti-Frutti„, das kunterbunte Eissorten-Raten mit Hugo Egon oder Egon Hugo Balder, in den Anfangszeiten von RTL via Antenne.

  • Glotzen und nicht luegen?
  • Irgendwie wunderten wir uns, dass „glotzen“ im Schweizerdeutschen verwendet wurde, und nicht wie sonst „luege“. Die Sendung „Sexy“ kannten wir nicht. Kein Wunder, wer nicht täglich das Gerät anschaltet, dem entgeht so manches. Sicher ein neues Format, mit Veronika Feldbusch Pooth als Moderatorin. Alles schonmal dargewesen, nannte sich „Peep!“, nichts Neues unter dieser Sonne. Der gehörte Satz war eine Mischung zwischen „siiglotzensexy?“ und „glotzesiisexy“. Doch dann kristallisiert sich plötzlich heraus, um welches Thema es wirklich ging in dieser Hörerbefragung: „Sind Glatzen sexy“, der neue Bruce Willis Film „Die Hard 4.0“ wurde diskutiert. Peinlich, peinlich.

    Die Haard ist ein Gebiet bei Recklinghausen
    Wer glotzt denn da das?

    Der Schwestersender von DRS3 nennt sich auch „Radio Virus“, wobei wir hinter diesem Titel ein clever gemachtes Wortspiel vermuten. Es geht nicht um Grippe oder Computerschädlinge, sondern um „für uns“ auf breitem Züridütsch ausgesprochen, oder ist auch dies ein Hörverständnisfehler? „Für uns“ wäre auf Alemannisch „für Eus„, so wie die rheinische Kreisstadt „Euskirchchen“ = „unsere Kirche“ ist?
    Wikipedia erklärt uns, was ein „Schwestersender“ ist:

    Virus ist das jüngste Programm von Schweizer Radio DRS, das die Hörer unter 25 ansprechen soll. Es ist 1999 gestartet und war ursprünglich als DRS 4 projektiert. Mit dem Schwestersender DRS 3 werden unter anderem die Sendung Hitparade geteilt. Das Programm ist nicht über UKW zu empfangen, sondern nur über Kabel, DAB in der Deutschschweiz, europaweit über Satellit und weltweit als Livestream Internetradio.
    (Quelle: Wikipedia)

    Nicht über UKW zu empfangen? Ganz schön gewagt für ein Radio.

  • Grüne Schrift und Fortschrittsbalken
  • Wir hatten den Film über das Waldgebirge bei Recklinghausen, nördlich des Ruhrgebiets, „Die Hard„, übrigens schon gesehen und mit Resignation feststellen müssen, dass auch im Jahr 2007 die Schrift am Computer fast immer grün ist, sich zeilenweise aufbaut, beim Download Zahlenkolonnen von oben nach unten durch den Bildschirm flitzen und wenn es richtig spannend wird, dann muss der „Fortschrittsbalken“ als Spannungsmoment herhalten, wie in allen Computer-Hollywoodfilmen seit 1987. Fehlte nur die metallisch klingende Maschinenstimme. Aber immerhin können moderne Jagdflieger der US Air Force jetzt auch auf der Stelle fliegen und als Surfboard zweckentfremdet werden. Alles wie gehabt und hier beschrieben.

    

    4 Responses to “Glotzen Sie Sexy? — Hörverständnistraining beim Radio „für uns“”

    1. Psalmist Says:

      Zufällig hab ich das Filmplakat zu „Die Hard 4“ bisher nur in Zürich gesehen, und zwar in der Nähe von Hardbrücke und Hardplatz – daher habe ich den Titel in Gedanken auch immer deutsch ausgesprochen und sowas wie eine (zugegebenermaßen unverständliche) Werbung für das neue Hardturmstadion dahinter vermutet…

    2. mirach Says:

      @ psalmist

      *michambodenwälzvorlach*

    3. AnFra Says:

      Etwas Platzverschwendung:

      Die Haard gelegen an Lippe und der Stever,
      die hard mit Willis ist vor ever,
      die-hard wird Bruce genannt, der Kämpfer,
      try hard! willst du verstehen diese Stolperer.

    4. zh-tschigg Says:

      da hat sich da ein fehlerchen eingeschlichen: dass der name des senders „virus“ in breitem züritüütsch „für uns“ bedeuten könne, stimmt nicht. das würde eher „für ois“ heissen, was man nicht wirklich breiter aussprechen kann. also nicht so zu verwechseln mit dem „boseldiitsche“ (baseldeutschen) „fiiir uns“, was akkustisch dem wort „virus“ schon näher käme. – und ausgerechnet mit zürchern wollen basler traditionellerweise keinesfalls verwechselt werden und umgekehrt auch nicht – genauso wie düsseldorfer nicht mit kölnern.

      [Anmerkung Admin: Danke für den Hinweis. Die Vermutung hatte ich ja im Posting schon geäussert, „für ois“ scheint mir nicht weit weg von „für Eus“ wie ich es im Text erwähnte. Aber ist doch nett, dass das „Radio für uns“ in Basel als „Radio fiir uns“ = Virus durchgehen würde 🙂 ]

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