-->

Warum Schweizer historisch gesehen Deutsche sind

(Letzter Teil des Beitrags von Ingomar König)

  • Woher stammt das Vorbild für das Schweizer Kreuz?
  • Und jetzt, liebe Nachbarn, müsst Ihr ganz tapfer sein. Den echten Schweizern/Schwyzern, den waldstättischen, ihnen wurde einst vom Kaiser das Recht verliehen, sowohl die blutrote Fahne zu führen als auch in ihr die Kreuzigung Christi in Form eines weissen Kreuzes darzustellen. Dieses Symbol wurde gar „heilig Rych“ genannt, es war das offizielle Symbol des alten Deutschen Reiches bis etwa 1400, und auch die Stadt Wien erhielt das Recht, es (bis heute) zu führen. Einerseits kaum zu glauben: das weisse Kreuz auf rotem Grund, ein deutsches Symbol und viel älter als die schwarz-rot-goldene Trikolore; andererseits völlig logisch, dass der „Grosse Bund Oberdeutscher Lande“ ein deutsches Symbol führt. Auch das heutige Österreich, die Krondomäne der römisch-deutschen Kaiser, und das heutige Deutschland könnten dieses Staatssymbol für sich beanspruchen. Aber keine Angst, euer Gewohnheitsrecht auf das „Heilige Reich“, von Euch zum „Schweizerkreuz“ erklärt, wird Euch niemand streitig machen.

    Noch einige i-Tüpfelchen: Der Begriff „Reichsdeutsche“ (bis 1945) stammt von Euch. Und was hätte er für einen Sinn, wenn es nicht außerhalb des „Reiches“ weitere Deutsche gäbe? Noch Gottfried Keller nannte sich einen „deutschen Schriftsteller“ und seit 1948 sorgt sich der Rottenbund („Rhône-Bund“) um das „Deutschtum“ in Sitten und im Oberwallis, das er durch welsche Dominanz auf gesamtkantonaler Ebene bedrängt zu sehen glaubt. Und Adolf Muschg hat darauf hingewiesen, dass bis zum Ersten Weltkrieg kein Deutschweizer den deutschen Staat als wirkliches Ausland empfunden hat.

    Liebe nicht-lateinischen Eidgenossen, Ihr ahnt, worauf hinaus ich will. Auf die eiskalte, logische Konsequenz Eurer (und unserer) Geschichte, die Natur der Sache, die auszusprechen ich kaum wage:

  • IHR SEID SELBST DEUTSCHE !!!
  • Ich hoffe, mit dieser historischen Banalität keinen Sturm der Entrüstung auszulösen; wenn doch, so bitte ich um Gnade, denn es ist die Wahrheit und nichts als dieselbe. Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier die wahre Ursache des „Reizthemas“ liegt. Ihr huldigt ganz offensichtlich dem Motto: Die grössten Kritiker der Elche war’n früher selber welche. La Suisse – un pays vraiment germanique.

    Natürlich denkt Ihr an die Angehörigen des heutigen Staates Deutschland, wenn Ihr die Deutschen sagt, an die Bewohner des Staates, dessen Vor-Vor-Vor-Vorgänger Ihr verlassen habt und von dem abzugrenzen nicht nur Euer gutes Recht, sondern die pure Selbstverständlichkeit ist. Aber warum soviel Aufhebens um eine Selbstverständlichkeit? Befürchtet Ihr, dass irgend jemand in Deutschland Eure Eigenstaatlichkeit nicht respektiert, Euch gar annektieren will? (Die Nazi-Barbaren hatten dies vielleicht vor, aber sie hätten sich die Zähne an Euch ausgebissen, und die Mehrheit der Deutschen hätte sich darüber empört.) Glaubt Ihr, die Wirtschafts- und Technologiemacht Schweiz würde von den Deutschen nicht ernst genommen? Warum also, so frage ich Euch, wedelt Ihr mit dem roten Tuch, wenn weit und breit kein Stier zu sehen ist? Dass Italiener sich von Norwegern unterscheiden, ist so selbstverständlich, dass niemand auch nur ein Wort darüber verliert. Wenn man sich aber erst unterscheiden und mental abgrenzen will, können die Unterschiede so gross nicht sein.

  • Deutsche und ethnische Deutsche
  • Obwohl neun Nachfolgestaaten sich das Erbe des alten „Heiligen“ Römischen Reiches Deutscher Nation teilen, wird seine „Rechtsnachfolgerschaft“ und Kontinuität „landläufig“ dem heutigen Deutschland zugeschrieben. Steht ihm deswegen ein Exklusivrecht auf das Attribut „deutsch“ zu, nur weil es „Titular“-Nachfolgestaat und zudem der grösste ist? (Ich sehe hier vom romanischen Teil Belgiens und den slawischen Ländern Böhmen-Mähren und Slowenien ab.) „Deutsche“ im Sinne der Staatsbürgerschaft Deutschlands und „Deutsche“ im ethnischen Sinne setzt Ihr wohl absichtlich gleich, um zu kaschieren, dass Ihr selbst ethnische Deutsche seid. Aber warum???

    Weil Ihr selbst nicht so richtig wisst, was „die Schweiz“ eigentlich ist. Am Anfang stand ein Bündnisgeflecht oberdeutscher Stadtrepubliken, das mit den bäuerlichen Eidgenossen der Waldstätte und weiteren ländlichen Verbündeten sowie den Zugewandten Orten minderen Rechts eher widerwillig zu einem geschlossen Territorium zusammengewachsen ist. Ergebnis von Eroberungen und Einkaufstouren der oberdeutschen Orte sind die welschen und ennetbirgischen Gebiete; allein der Stadtstaat Genf hat sich freiwillig angeschlossen, um den Savoyarden zu widerstehen. Die Romanen in den drei rätischen Bünden sind Opfer hemmungsloser Germanisierung, was ihre heute so geringe Zahl erklärt.

    Die patrizische graue Eminenz widmete sich dem Handel, dem Geldzählen und der Ausplünderung der Bauern in ihren Landschaften, Untertanenlanden, Vogteien und Gemeinen Herrschaften. Dafür überliess sie den Waldstättern gönnerhaft das Kriegshandwerk, die Symbolik des Schweizerkreuzes, den Namen „Eidgenossenschaft“ und die Territorialbezeichnung „Schwyz/Schwiiz/Schweiz“. In ihrer bieder-patriarchalischen Gentilordnung, christkatholischen Demut und altdeutschen Einfalt merkten die Waldstätter nicht, dass sie von den listigen Luzernern, Zürchern, Bernern und Baslern jahrhundertelang vorgeführt und benutzt worden waren. Als sie im Sonderbund aufmuckten und ihre selbstgenügsame Idylle durch die städtischen Orte zerstört wurde, dämmerte den Waldstättern, was die Glocke geschlagen hatte und worin das Wesen des „Oberdeutschen Bundes“ wirklich bestanden hatte. Den Weg zum „richtigen“, modernen Bundesstaat konnten sie nicht mehr versperren. Der eidgenössische Mohr hatte seine Schuldigkeit getan, er konnte gehen. Die Insignien „Eidgenossenschaft“ und „Schweiz“ musste er jedoch zurücklassen.

    „Die Schweiz“, das ist nicht Bern, nicht Zürich, nicht Basel, noch St. Gallen, schon gar nicht Genf oder Bellinzona, das ist nur der waldstättische Ort Schwyz. „Eidgenossen“: das sind nur Schwyz, Uri und Nidwalden. „Helvetien“: das war das Land vor dem Einfall der Alemannen. Was bleibt? Ein Gemeinwesen in einem Teil Alemanniens, in einem Teil der „Oberdeutschen Lande“, angereichert um ein paar „lateinische“ Gebiete. Und der Mythos des Rütli-Schwurs, gäbe es ihn ohne des Deutschen Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“, diese Hommage an Euren Staat und Pflichtlektüre am deutschen Gymnasium? Ein über alle Kritik erhabenes Œuvre der Weltliteratur für wahr; nach Massstäben der „historischen Korrektheit“ liegt es jedoch gründlich daneben. Jetzt macht Ihr selbst den Mythos zu einer anachronistischen und lästigen Pflichtübung. Nach Patrizierart Aufwand und Nutzen kühl abwägend, will der Bund keine Kosten für die Rütli-Feier 2007 am zum Bade lächelnden See übernehmen. Werner Stauffacher, Walter Fürst (oder Wilhelm Tell?) und Arnold von Melchtal würden sich im Grabe umdrehen. Für diesen Anschlag auf Euer Selbstverständnis nimmt der Chef Eures Justiz- und Polizeidepartements kaltherzig den Föderalismus in Anspruch, was nur am württembergischen Anteil seiner Gene liegen kann. Der „Oberdeutsche Bund“, ist er noch immer ein seelenloses Zweckbündnis, beherrscht vom „Kantönli-Geist“?

  • Und was ist das Schweizervolk?
  • Alles, nur keine Nation; von den Rändern abgebröckelte Fragmente der deutschen, französischen und italienischen Nation. Zusammengeführt durch historischen Zufall, hat es aus der Not die Tugend der „Willensnation“ gemacht. Aber Ihr müsst doch keine Nation sein. Als wäre es eine Schande leidet der staatstragende deutsche Teil des Schweizervolkes darunter, eine Ausnahme unter den Gesellschaften Europas zu sein, eine durchaus rühmliche, wie ich finde. Ihr braucht wegen der Abspaltung vom Reich kein schlechtes Gewissen zu haben und Euch gegenüber dem heutigen Deutschland einem permanenten psychologischen Rechtfertigungsdruck auszusetzen. Die Welt wäre ärmer ohne die Schweiz, wie sie heute ist. Aber nein, wie sagte doch Karl Barth, der Berner Theologe, der mit seiner antifaschistischen Gesinnung den Bürgern des deutschen Staates solidarisch beistand? „Wir können gar nicht Schweizer sein, ohne uns schlecht oder recht gerade mit den Deutschen auseinanderzusetzen.“

    Man lasse sich diese Worte auf der Zunge zergehen, und man versteht, warum Ihr innerlich über den Deutschen frohlockt, der in einer Schweizer „Beiz“ sein Bier im Kasernenhofton herbeibefiehlt. Gäbe es diesen Deutschen nicht, müsstet Ihr ihn Euch backen. Denn der Deutschschweizer an sich braucht den tumben, schnarrend Kommandos bellenden preussischen Feldwe(i)bel, weil nur von dieser deutschen Peinlichkeit er sich vorzüglich abgrenzen kann. Szenen aus dem Alltag erscheinen so in anderem Licht. Serbische, albanische oder italienische Kellner im Café, deren redliches Bemühen, alemannisch („schweizerdeutsch“) zu sprechen, von den Gästen kaum verstanden wird: kein Problem. Kellner aus Deutschland, die standardhochdeutsch mit den Gästen sprechen: ein Skandal. (Dass diese Sprache in der deutschen Schweiz die amtliche ist, zählt nicht, denn sie wurde von „reichsdeutschen“ Spionen in Euren Verfassungstext hineingeschmuggelt. Stichwort: „Import“!). Bauarbeiter aus Deutschland, den Schweizer Kollegen in der Mentalität praktisch gleich: eine Unverschämtheit, dass sie so gleich sind. Die grauenhafteste Vorstellung: der höflich-sympathische Deutsche oder der aus der alemannischen Nachbarschaft, der dem Germano-Eidgenossen wie ein Ei dem anderen gleicht.

    Ob sie sich in der Schweiz aufhalten oder nicht, ob sie arrogant oder sympathisch sind: Die Deutschen stören einfach qua Existenz die deutsche Schweiz in ihrer Identität und sind gleichzeitig für eben diese Identität die lebensnotwendige conditio sine qua non. Das erklärt die Sonderstellung der „Reichsdeutschen“ unter den Nicht-Schweizern, das ist Eure psychologische Crux, Ihr Bedauernswerten. Der eidgenössischen Kohäsion dagegen droht Gefahr: keineswegs durch Euren Dialektgebrauch, sondern durch Eure pathologische Weigerung, auch Standardhochdeutsch zu sprechen, die Sprachform, die Ihr immer als preussisch-zackig „empfindet“, selbst dann, wenn zärtliche Worte der Liebe in ihr gesäuselt werden; und durch Eure Gepflogenheit, Dialekt und Standardsprache schärfstens von einander zu trennen; und schliesslich durch das Englische als lingua franca, weil Englisch bei Euch Deutsch-Schweizern „beliebt“, Französisch dagegen „unbeliebt“ geworden ist. Das einzig Volk von Brüdern, es verschmäht seine „Brudersprachen“ und kürt zur innerschweizer Kommunikation die englische Sprache – wie Brasilianer und Inder, die sich verständigen wollen. Ich fasse es nicht. Lebt Ihr nur noch nebeneinander anstatt miteinander? Zerfällt das Schweizervolk in seine ethnischen Bestandteile?

  • Fazit
  • Heute wird sich über zu viele Deutsche échauffiert. Sollten morgen die Deutschen in Scharen Euer Land verlassen, so wird man sich entrüsten: „Diese treulosen Deutschen lassen uns im Stich.“ Wie sie es auch machen, es ist immer falsch. Die Deutschen sind und bleiben der negative Massstab. Unfreiwillig „outet“ Ihr Euch als Volk, das „deutscher“ ist als die Deutschen. Mein Gott, wie unheimlich, aber auch, was für ein Verhältnis zu den Deutschen, so intim, wie zu keinem anderen Staatsvolk.

    Liebe Nachbarn, ich habe Eure alemannische Zurückhaltung und Bescheidenheit einer starken Zumutung ausgesetzt. Deshalb nun genug der garstigen Worte, die ich mir von der Seele schreiben musste. Überzeichnet, gewiss, allein dem Ziele dienend, dass Ihr mit Eurer Deutschen-Hass-Liebe die Kirche im Dorf lasst; in der Hoffnung, nicht wie ein besserwisserischer Schulmeister Euch Dinge gesagt zu haben, die Ihr selbst wisst, sondern in der Vermutung, Tiefenströmungen der deutschschweizer Seele an die Oberfläche geholt zu haben, die der Deutschschweizer genau kennt, über die er aber nicht spricht. Meine Achtung vor dem Schweizervolk ist nicht erschüttert, Eure Hilfsbereitschaft den Deutschen gegenüber nach dem 2. Weltkrieg ist mir wohl bewusst. Und natürlich seid Ihr eine autonome Gesellschaft mit z.T. gleichen, aber eben auch anderen gesellschaftlichen Gepflogenheiten und Umgangsformen, die jeder Auswärtige zu respektieren hat, der sich bei Euch niederlässt. Ich bin mir sicher, dass die allermeisten der bei Euch lebenden „Deutschland-Deutschen“ dies auch tun – manche vielleicht erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit. Aber sie tun es. Ohne ihre Sprache würdet Ihr sie gar nicht wahrnehmen.

    Oder ist die ganze Aufregung am Ende ein Sturm im Wasserglas? Steckt hinter dem „Reizthema“ womöglich nur die alte Erfahrung: „Was sich liebt, das neckt sich“?

    In der Hoffnung, dass letzteres zutrifft, verbleibt mit freundlichen Grüssen,
    ein Nachbar des Schweizervolkes, der diesem zuliebe bewusst auf die sz-/ss-Ligatur „ß“ verzichtet hat.
    Ingomar König

    

    74 Responses to “Warum Schweizer historisch gesehen Deutsche sind”

    1. neuromat Says:

      @ Fiona

      Schottland wie konnte ich das vergessen. Deutsche haben es dort mit ihrer etwas rauheren Sprachweise vergleichsweise einfacher, wenn sie nicht gerade perfectly Oxford demonstrieren wollen. Es stimmt die Schotten sprechen auch Englisch und wie erklärte mein Gastvater einmal seinem Sohn die Schönheit des Lande als er fair puggled (quite exhausted) heim kam. Scotland at three sides we have the beautiful sea and at the border. the ENGLISH.

    2. Nessi Says:

      @Kreis7

      dein comment ist alles andere als holprig oder zu lang. ich finde ihn sehr treffend. kompliment

    3. Nessi Says:

      @il deluso

      er vorvorgestrige in diesem umzug bist du ja wohl selber, von wegen „Tschingge“.
      wärst du nämlich länger hier, wüsstest du, dass die italiener schon längst keine „ausländer“ mehr sind.
      bin selber ein halbes tschinggeli 🙂 meine mutter kam in den 40ger jahren (als 16-jährige) mit dem grossen strom aus nord italien zum arbeiten in die schweiz, und ist dann hier hängengeblieben.
      das du dich beleidigt fühlst als tschinggeli betitelt zu werden, ist wohl eher ein persönliches problem von dir. (ich hab nämlich keines) 😉

    4. Tischplatte Says:

      @Il Deluso

      Dein ganzer Beitrag strotzt nur von Ignoranz, welche du ja eigentlich den Schweizern vorwirfst, aber ich will nur mal auf den grössten Fehler eingehen.

      Aus welchem Grund sollte der Ausdruck Welsche ein Ausdruck von Ignoranz sein?

      Der Begriff „Welsche“ ist ein germanische Bezeichnung für zuerst Kelten und später romanisierte Kelten oder Romanen, was die Romands ja schlichtwegs sind. In keiner Situation wird die Bezeichnung Welsche von den Deutschschweizern als Beleidigung verstanden.
      Wenn du die Bezeichnung „Waliser“ oder „Wallonen“ benutzt, vermutest du wohl auch keine Beleidigung dabei.

    5. Schweizer Says:

      @Ingo
      Ich könnte jetzt was schreiben davon, dass dich ncht die Schweiz, sondern eine Schweizer Firma oder Verwaltung oder was auch immer hergeholt hat – Bringt aber nix, darum lassen wir das.. 😉

      Ich habe einfach ein Problem mit Leuten, die sich „ausserhalb“ Ihrer Heimat aufhalten, und sich benehmen, als sei an dem Ort, wo sie sich gerade aufhalten alles sch**sse und „Zuhause“ alles perfekt. (Ich habe übrigens das gleiche Problem auch mit Leuten, die jammern zuhause sei alles sch**sse, aber nichts unternehmen dagegen) Entweder ist an dem Ort wirklich alles so mies – und dann sollte man so schnell wie möglich von dort weg oder mithelfen die Situation zu verbessern; oder es eigentlich ganz in Ordnung dort, und dann verstehe ich die Jammerei erst recht nicht.

      Entweder ist man bereit was zu ändern (und hat das Recht dazu), oder man schweigt.

    6. neuromat Says:

      noch eine kleine Anmerkung an Kreis 7

      „bauliches Denkmal setzen oder sich ein kostspieliges Hobby, wie die der Kulturförderung“… ich war da mal in einem kleinen Dorf im Wallis und stand auf Marmorplatten vor dem Prunkbau des Gemeindesamtes. Ich glaube rein rechnerisch kommen die auch bei sparsamer Haushaltung auch in den nächsten dreihundert Jahren nicht mehr auf einen grünen Zweig und haben jetzt so „eine Art König“ vorgesetzt bekommen…

    7. AnFra Says:

      @Brun(o)egg

      Lieber Brun(o)egg, möchte Dich antworten, dass ich nix auf Bank gewesen sein. Ich haben besucht möglichen schweizer Kunden wegen behandeln von schweizer Dreck.
      Wenn dies sein erfolgreich, ich dann bekommen schweizer Zaster auf meine deutsche Bank überwiesen. Ich mich dann freuen, daß dann Franken suchen Asysl in D. Denn Du wissen müssen, dass sich nicht nur Banken sein in CH sondern auch in anderen, unterentwickelten Ländern wie D.

      Mit besten Grüßen
      Dein AnFra

      PS: ….. bitte Du beachten, das Wort „erfolgreich“ Du nicht verwechseln mit deutschen Wort „Deutsches Reich“. Bitteschön.

    8. lapsus4711 Says:

      @ AnFra
      Wie Du nur können, vermarkten Anna Frank?

    9. lapsus4711 Says:

      Si, ed anch’Io sono un terrung in terricio germanico e sono deluso un pò.

    10. Phipu Says:

      An Aquado und Schnägge
      Ich bin beim Lesen eurer Kommentare vor Scham eben so rot geworden, wie der Bildschirmrand hier grün ist. Eigentlich kann ich gar nichts dafür. Mir ist es einfach nicht gegeben, „im Affekt“ zu schreiben. Merci dennoch für die Komplimente. Ich muss das aber gleich weiterleiten. Ich kann gar nicht alle aufzählen, die hier ebenfalls gut und „defensiv“ schreiben. Es gibt da so einige, deren Kommentare ich immer mit Vergnügen lese, und weiss, dass sie sicher ausgewogen sein werden; in erster Linie „alte“ Blogwieseler. Bei anderen hingegen weiss ich schon, wenn ich den Namen lese, dass ich mich aufregen werde.

      Übrigens habe ich meine Meinung eigentlich in kurzen Worten weiter oben schon hinterlassen. Etwas ausführlicher: Ich finde diese Quadrilogie eine Provokation. Selbst wenn all diese historischen Hintergründe stimmen sollten, dürfte einer, der sich wissenschaftlich gibt, eigentlich genug Fingerspitzengefühl haben, zu merken, dass die Nationalität genauso viel mit Gefühl (oder vorwiegend) wie mit Fakten zusammenhängt. Und durch mangelndes Fingerspitzengefühl ist sicher schon manch eine Freundschaft unter- oder abgebrochen worden. Eben im Sinne von freundschaftlichem Verhältnis, wie es diesem Herrn König offenbar soo wichtig ist.

      Andererseits war die ganze, meiner Meinung nach unbegründete, Hetz-Kampagne von Journalisten geschürt worden, mit purem Geschäftsinteresse dahinter. Aber wer behauptet schon, der Blick schreibe mit Fingerspitzengefühl? Während dieser Kampagne war wohl der Blick in Papierform auch in Deutschland besser verkauft worden. Wer kann an einem Kiosk in Deutschland einfach ignorierend vorbeigehen, wenn man lesen muss: „Wieviele Deutsche verträgt die Schweiz?“

      Aber ich bin halt nur ein einfacher kaufmännischer Angestellter, der ein bisschen in der Welt umherreist, und dort zwar schon vieles gesehen, aber noch nie studiert hat. Ich darf mich deshalb wohl nicht in die Angelegenheiten dieser elitären, universitären Ebene einmischen. Meine Dreistigkeit, mich trotzdem zu äussern, fruchtet lediglich in den Kommentaren, die von sich als Hochschulbesucher (oder ehemalige solche) outenden, aber dennoch sehr niedrig schiessenden Autoren geschrieben wurden. Wird mein Kommentar also hoffentlich mit Nachsicht zur Kenntnis genommen?

    11. Brun(o)egg Says:

      @ AnFra

      Eigentlich ists ja jetzt schon zu blöd, trotzdem:
      Du machst Geschäfte mit Schweizer Unternehmen? Versteh ich nicht ganz oder hast Du einfach den Brecht zu stark reingezogen: Vor der Moral (in Deinem Fall der Ueberzeugung) kommt das Fressen?

    12. AnFra Says:

      @Brun(o)egg

      Liebster Brun(o)egg, Du solltest einmal die Handelsstatistik für CH mit D anschauen. Dann wirst Du sehen, dass die beiden Länder sich eigentlich schon recht lieb haben, wenn ich deren Handelsbilanzen studiere.
      Es muss jedoch irgend wie ein Paradoxon geben, den es scheint so zu sein, desto heftiger wir Nachbarn uns die gegenseitigen Spiegelbilder vorhalten, um so mehr machen wir miteinander Geschäfte.

      Bin aus Deiner Antwort vom 10.05. doch etwas erschüttert, dass Du hier mit B. Brecht kommst und DIESE Moral aufs Tablett bringst.

      Unser Geplänkel auf dieser Spielwiese dient eigentlich zum Beitrag der gegenseitigen Verständigung. Als Deutscher kann ich in einmaliger Weise die mir oft nicht bekannten inneren Empfindungen unserer schweizer Nachbarn erfahren, dadurch besser kennen lernen und was für mich wichtig ist, auch die Begründungen lesen!
      Für uns in D ist die CH mit ihrem labyrinthischen Denken, Sprechen und Handeln nicht immer einfach zu begreifen. Dadurch ist eine angepasste Handlungsweise durch uns nicht immer gewährleistet. Andererseits ist es für mich eine ungeklärte Fragen, ob man all die unspezifischen Angriffe, teilweise unberechtigten Unterstellungen und der unterschwelligen Angst vor unserer Besserwissersucht unkommentiert im Raume stehen lässt, sich diesen beugt, alles schluckt und dann auch noch wie ein Schoßhündchen um die schweizer Beine wedelt.
      Überlege einmal, ob ein angeketteter Hofhund irgend einmal nach der Hand beist, die ihn die letzte Zeit eventuell zu heftig geprügelt hat.

      Lass uns bitte diesen Dialogvorgang beenden. Es kommen sicherlich neue Themen.

      PS: Amen

    13. Schnägge Says:

      @Phipu: Wenn auf Affekt zielende Provokation mit im Affekt geschriebener Gegenprovokation beantwortet wird, die wiederum im Affekt geschriebene Kommentare hervorruft, dann trägt das sicher wenig zu einer sachlichen Diskussion und Verbesserung der Lage bei. Da hast du natürlich vollkommen Recht.
      Vielleicht prallen da auch ein bisschen das deutsche konfrontative, dominieren wollende und das Schweizer auf Ausgleich und Konsens bedachte Konfliktlösungsmodell auf einander.

      Und auch auf die Gefahr hin, dass du wieder rote Öhrchen bekommst:
      Was den letzten Absatz deiner Ausführungen angeht, da muss ich dir natürlich (für einmal :-)) vehement widersprechen: Deine jederzeit wohldurchdachten, fachlich ausgezeichneten und glänzend formulierten Kommentare brauchen sich vor keinem Germanistik-Professor zu verstecken! Ich hätte dich für einen Linguisten gehalten. Und ich freue mich immer, dich zu lesen und interessantes Neues über die Sprache zu lernen!

    14. Schnägge Says:

      PS: Den Blick habe ich hier übrigens weit und breit noch nirgends zu kaufen gesehen. Die NZZ gibt es dagegen überall. (Für diejenigen, denen die Süddeutsche nicht intellektuell genug ist. ;-))

    15. Brun(o)egg Says:

      @AnFra

      Bin ganz Deiner Meinung. Wenn ich allerdings Deinen Beitrag vom 8. lese, der ja schlussendlich der Auslöser war… was solls.

      Wir werden wirtschaftlich und rechtlich immer nachvollziehen (müssen), sonst läufts nicht mehr. Beidseitig. Das ist übrigens nicht erst seit dem (abgelehnten) EWR so, das hat schon viel früher in den 60ern begonnen.
      Zwangsläufig. Wir wollen ja exportieren. Und am liebsten in den Norden. Da kommt das Geld mit grosser Sicherheit. So einfach ist das.
      Hauptsache: alle profitieren.

      Wünsch Dir ein schönes Wochenende.

    16. Adalbert von Hohenzollern Says:

      Das ist leider die prototypische gelehrtendeutsche Ignoranz, wie wir Schweizer sie so lieben. Schlecht geschrieben und schwülstig ist es, ungenau, Volksschullehrerhistorie. Tatsache ist, dass die Eidgenossenschaft seit 1499 faktisch unabhängig vom Heiligen Römischen Reich war, ab 1648 dann offiziell. Die Deutschschweiz (!) hat sprachlich und historisch die gleichen Wurzeln wie Deutschland, aber diese Trennung vom Deutschen Reich, die Entstehung des multikulturellen Gebildes Schweiz, hat eine Kultur hervorgebracht, die sich von der deutschen Kultur und Mentalität stark unterscheidet. Die ewigen Versuche von Deutschen, uns auf gemeinsame Urahnen festzunageln und zu vereinnahmen, langweilig und zeugen von Unwissenheit und dem Willen, alles was deutsch spricht, zu Deutschen zu machen.

    17. Meier Says:

      @Adalbert von Hohenzollern
      Ja, wir sollten damit aufhören. Das die Schweizer keine Deutschen sind, merkt man ja allein schon am Scheitern bei dem Versuch, drei korrekte Sätze auf Hochdeutsch zu schreiben…

    18. Dominique Says:

      Einfach toll!

      Ich seh jetzt schon die ganzen Schweizer welche rot anlaufen, weil sie die Wahrheit nicht ertragen können und aus ihrer Scheinwelt geweckt werden. ^^

      Dazu geghört wirklich Mut sowas zu veröffentlichen!

    19. Ernst Jünger Says:

      Es ist eine peinliche Anmassung, wenn Deutsche den Schweizern sagen wollen, was sie zu sein haben und dafür völkische und pseudohistorische Kategorien heranziehen. Das Problem ist offenbar, dass viele Deutsche es schlicht nicht ertragen oder aber schlicht nicht begreifen, wie jemand der sowas wie Deutsch spricht, kein Deutscher sein kann.

      Die Historie des grossen Bettenherstellers Ingomar Koenig ist übrigens falsch. Wie ein Vorkommentator schon schrieb, war die Schweiz ab 1499 faktisch unabhängig vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

      Wenn ich die „Ja, endlich sagts den ollen Schweizern mal jemand“-Kommentare hier lese, dann frage ich mich echt, was für grossdeutsche Allüren in manchen Köpfen noch fortleben.

      Den Betreffenden empfehle ich noch Ostpreussen und Schlesien zu fahren und dort den Reichsadler zu hissen.

    20. Dominique Says:

      [ironie]
      *Fährt nach Ostpreussen und Schlesien und hisst Reichsadler
      [/ironie]

      Mehr Quellen zum Thema wären nett.

    21. giacometti Says:

      Also neue Fakten habe ich in diesem Essay des Königs nicht gelesen, nur sehr viele abenteuerliche Interpretationen und Schlussfolgerungen, die wohl auf der Angst beruhen, dass der Deutsche Sprache-, Blut- & Boden-Geschichtsmythos zerstört wird.

      Viel amüsantes dabei – zum Beispiel, dass das Kreuz ein „Deutsches Symbol“ sei. Irgendwie hatte ich’s zwar schon immer vermutet, dass Jesus von Nazareth ein Deutscher war. Gut, dass das nun geklärt ist. 😉

      Das keltische Element wurde durch den alemannischen Einfluss nicht ausgerottet, wie dies der Autor uns weismachen möchte – es wurde mit dem alemannischen, burgundischen etc. vermischt, wie dieses Gemisch später auch wiederum mit dem hugenottischen, italienischen, portugiesieschen, kosovo-albanischen etc. vermischt wurde. Ein Grossteil der Städte- und Ortsnamen sind keltischen Ursprungs. Auch Zürich war zuerst eine keltische Siedlung, dann ein römisches Kastell, dann Fränkisch, dann kurze Zeit ein Reichsstädtchen des Heiligen Römischen Reiches, dann Eidgenössisch.

      Eigentlich habe ich immer geglaubt, Deutschland sei nach 1945 fortschrittlicher geworden, aber wenn ich so die Kommentare von einigen Deutschen Usern hier lese, kommt mir das Grausen.

      @ Dominique: zu welcher Frage brauchst Du Quellen? Eigentlich ist ja alles klar. Hier zum Beispiel:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland#Begriffsgeschichte

      „Der Begriff „Deutschland“ wird in dieser Form erst seit der Frühen Neuzeit verwendet. Davor sind nur nicht zusammengesetzte Verbindungen des Attributs „deutsch“ (diutisk = „dem Volke“) mit „Land“ belegt, beispielsweise in den Formen „ein deutsches Land“ oder „die deutschen Länder“, nicht aber „das deutsche Land“. Gemeint waren damit möglicherweise Länder mit einer Führungsschicht, die sich auf den politischen Herrschaftsanspruch bezog, der durch das (Ost-)Fränkische, später Heilige Römische Reich, als begründet angesehen worden war.

      Alle diese Ausdrücke wurden auch als Synonym für folgende Gebiete verwendet, die in wesentlichen Bereichen des „deutschen“ Sprach- und/oder Herrschaftsgebiets entstanden waren:

      (…) Nach 1871 verband sich der Ausdruck „Deutschland“ also mit dem Gebiet des neueren, von Preußen initiierten und angeführten Deutschen Reiches, seit 1990 mit dem der gegenwärtigen Bundesrepublik.

      Im Laufe der Jahrhunderte traten vor allem folgende Gebiete aus dem überwiegend politischen und geographischen Bedeutungskontext „Deutschland“ (beziehungsweise „Reich“) heraus: bereits im Mittelalter (politisch vor allem zwischen 1579 und 1648) die Niederlande (vgl. Ausdruck dutch), mit den Eckdaten 1499 und 1648 die Schweiz, ….

      Trotz der Kontinuität des Begriffes „Deutschland“ vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart und völkerrechtlicher Identität seit dem 19. Jahrhundert besteht jedoch weder de iure noch de facto eine durchgehende lineare politisch-historische Entwicklung eines „Deutschlands“. Vielmehr eignet(e) sich der Begriff, vermutlich auch unter Eindruck des französischen Vorbilds, in der Entwicklung der politischen Macht des wohlhabenden Bürgertums als einigender Kitt für die regionalen und lokalen bürgerlichen Eliten.

    22. Psalmist Says:

      Angesichts der vielen negativen Kommentare möchte ich doch ein Kügelchen in die andere Waagschale legen: Den Artikel von I.K. habe ich mit Interesse und Vergnügen gelesen und möchte mich herzlich dafür bedanken. Es läßt sich nicht wegdiskutieren, daß wir Schweizer zum deutschen Kulturraum dazugehören – na und? Das heißt ja nicht, daß wir unsere anderen Identitäten verleugnen müssen! Ich fühle mich gleichzeitig als Europäer und als Zürcher; ein bißchen auch als Schweizer, und manchmal auch als Berner oder als Mittelmeerbewohner im weiteren Sinn. Das schließt sich überhaupt nicht aus. Tun wir doch nicht so, als wären Kulturräume fest gegeneinander abgegrenzte Territorien! Das waren sie noch nie und werden sie nie sein. Naja, und wenn I.K. sich etwas pointiert ausgedrückt hat, dann lach ich über die Pointe und tue nicht so, als wärs als Text für ins Geschichtsbuch gemeint.

    23. Dominique Says:

      @giacometti: Danke!

      @Psalmist: Das ist ja eigentlich wahr und ich finde als Schweizer kann man ja auch Stolz sein, dass man eigentlich fast der „beste“ (im Sinn von Völker-, und Kulterübergreifend) Europäer ist, also sprich: Von allem ein wenig und das gibt eine gute Mischung. 😉
      Das soll jetzt nicht den Nationalstolz sondern den Völkergeist heben, egal was wir am Ende sind.

    24. Sacha Says:

      Also ich als Schweizer bin ehrlich gesagt ziemlich gleicher Meinung, das ist mir, im Gegensatz zu den meisten, schon längsts bewusst. Aber ich denke dass die letzten hundert Jahre und beide Weltkriege unsere Mentalität vielleicht schon etwas gespalten haben. Solche schwerwiegenden Erlebnisse hinterlassen, glaube ich, schon Wunden. Wir Schweizer haben diese nicht, die Deutschen haben, so sieht es zm. mehrheitlich aus, wenigstens etwas daruas gelernt, wenn man bedenkt das gewisse hiesige Abstimmungsplakate im heutigen Deutschland gar nicht erst denkbar wären!
      Ich beobachte allerdings mit bedauern wie die jungen Deutschen nahe unserer Grenze die allemanischen Dialekte kaum mehr sprechen, während man bei älteren Leuten dort zum Teil meinen könnte Sie seien selbst ‚Schweizer‘! Denn diese Ähnlichkeit war und ist bestes Indiz für unsere nähere Verwandtschaft!

    Leave a Reply