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Ohne Gedächtnisverlust auf der Suche nach der Chuchichäschtli-Identity — Dialog mit Patrik Etschmayer

  • Wenn Zürich plötzlich in Prag liegt
  • Wir lasen mit grossem Vergnügen die geniale Kolumne von Patrik Etschmayer vom 09.02.07 auf nachrichten.ch mit dem Titel:
    The Chuchichäschtli-Identity“. Das erinnert an „The Bourne-Identity“, jener Geschichte vom Superagenten mit Gedächtnisverlust, dargestellt von Matt Damon, der mit der von Franka Potente gespielten Freundin nach Zürich fährt, das in Prag gedreht wurde. Für die Zuschauer ohne Gedächtnisverlust sei daran erinnert: Das Ganze ist ein Remake eines Films von 1988.

    Haben auch die Schweizer Gedächtnisverlust erlitten? Schauen wir mal was Patrik Etschmayer so schreibt:
    (Quelle für alle Zitate: nachrichten.ch)

    Deutschschweizer und Deutsche. Seit Jahrzehnten schon ein Quell der abstrusen Freude. Zumindest für Geniesser menschlicher Absurditäten. Und dieses Verhältnis ist – seit unsere nördlichen Nachbarn zu den zahlreichsten Einwanderern der Schweiz geworden sind – noch um einiges komplizierter geworden.

    Wow, was für eine Eröffnung! Wir haben ja schon lange Freude am Kontrast zwischen den Schweizern und den Deutschen, speziell was die Sprache angeht. Aber „Abstruses“ oder „menschliche Absurditäten“ haben wir bislang noch nicht beschrieben.

  • Wenn die Politiker das Deutsche misshandeln
  • Bisher war es ja so, dass wir Deutschschweizer jene Schweizer waren, die ohne geringste Selbstzweifel die eigene Amtssprache nicht beherrschen durften. Schwiizerdütsch war in praktisch jeder Situation genug gut. Selbst in Führungsetagen der Wirtschaft war es nur erforderlich, Englisch und Französisch fehlerfrei zu sprechen. Das Deutsche hingegen wurde da in Pressekonferenzen und offiziellen Verlautbarungen in einer Art misshandelt, die bei Kindern den Einsatz der Polizei erfordern würde.

    Das war doch jetzt sicherlich ironisch gemeint, oder? Wir lieben nichts mehr als „offizielle Verlautbarungen“ zu lesen und darin längst verschollen geglaubte sprachliche Juwelen zu finden. Und was haben die Deutschschweizer nur immer für Probleme mit den Pressekonferenzen oder Politikeransprachen. „Emil-Hochdeutsch“ ist das nicht, was man da zu hören kriegt. So lange die Verständigung klappt würde es niemand von den Zuhörern aus Deutschland wagen, sich über die andere Sprachmelodie, die Schweizerische Betonung oder Wortwahl zu mokieren. Ein klassischer Fall von Schweizer „understatement“ oder unterdrücktem Minderwertigkeitskomplex, diese offiziellen „Hochdeutsch-Sprechanlässe“ so zu verdammen. Wir haben noch keinen Politiker oder Wirtschaftsboss im Schweizer Fernsehen Hochdeutsch so reden hören, dass wir diese Sprache als „misshandelt“ bezeichnen würden, ganz im Gegenteil.

  • Böse Menschen können nicht Chuchichäschtli sagen
  • Diese Identifikation über den Dialekt war an irgendeinem Punkt für sehr viele Schweizer, der Punkt, mit dem sie sich noch von den «Schwaben» abgrenzten (kommt dazu, dass die echten Schwaben doch die schweizerischsten aller Deutschen sind!). Eine darüber hinaus gehende Differenzierung fand dabei gar nicht mehr statt: Einfacher lässt sich eine Identität kaum etablieren. Wer «Chuchichäschtli» sagen kann, ist kein böser Mensch.

    Viel mehr trennt sie also nicht von den Deutschen, als diese Identifikation über den Dialekt. Darum also auch die vehemente Ablehnung von Deutschen, die hier die Migros Clubschule besuchen um Schweizerdeutsch zu lernen. Wohlmöglich sind sie bald nicht mehr von den eigenen Landsleuten zu unterscheiden?

  • Der Chuchichäschtli-Verkaufstrick in Tunesien
  • In Tunesien lernte ich Strassenhändler und Teppichverkäufer kennen, die bei jedem entlarvten und entdeckten Urlauber aus der Schweiz sofort vorführten, wie gut sie „Chuchichäschtli“ sagen können. Für Arabisch sprechende „Krachlaut-Experten“ aus dem Maghreb eine ziemlich leichte Übung, mit der sie ihre potentiellen Kunden aus der Schweiz schnell emotional und verkaufstechnisch über den Tisch ziehen konnten.

    Diese Discount-Identität hat natürlich einen ernsteren Hintergrund. Vor einem Jahrhundert wäre es nämlich kaum einem gebildeten Schweizer eingefallen, sich über seinen Dialekt auszuweisen. Hochdeutsch zu sprechen war in der gebildeten Gesellschaft ein Muss, die Mundart für den Plebs. Mit der Deutschen Niederlage im ersten Weltkrieg und der totalitären Drohung durch das dritte Reich entstand eine kulturelle Kluft, die ziemlich genau am Rheingraben entlang verlief. Eine plakative Methode, diesen Unterschied zu betonen, den Kontrast zu stärken, war der Dialekt. Während in Deutschland vom Völkischen die Rede war, wurden die Schweizer volkstümlich. Und haben sich seither nicht mehr davon erholt.

    In Russland sprach der Adel unter sich Französisch, und mit den Dienstboten Russisch. Der Schweizer General Wille, in Hamburg geboren, soll Schweizerdeutsch nur mit seinem Hund gesprochen haben. Das „Völkische“ wurde in Deutschland ins historische Museum verbannt. Wer sich nicht belehren lässt oder beherrschen kann, und weiterhin mit völkischen Emblemen herumläuft, muss mit Strafverfolgung rechnen. Da verstehen die Deutschen keinen Spass.

  • Zeige nie das Du Hochdeutsch kannst
  • Immer wenn es um das Verhältnis mit Deutschland und den Deutschen geht, werden wir Deutschschweizer von einem Abwehrreflex wie von einem Stromschlag durchzuckt. Wie heftig dieser und wie schwach unser Vertrauen in unsere kulturelle Identität ist, zeigt sich schon daran, wie unsere Politiker sprechen. Natürlich KÖNNEN viele kein richtiges, halbwegs akzentfreies Hochdeutsch. Doch selbst jene die es beherrschen, dürfen sich den Faux-Pas nicht erlauben, dies auch zu zeigen.

    Eine heisse Hypothese, vielleicht als Schutzbehauptung ins Leben gerufen? Obwohl uns auch schon Schweizer berichteten, dass z. B. in der Schule ein akzentfreies Hochdeutsch keinesfalls das Lernziel aller Lehrer war.

    Keinem Repräsentanten aus der Romandie käme es in den Sinn, in Bauernfranzösisch zu parlieren. Würde ein Schweizer Politiker hingegen mit korrekter hochdeutscher Diktion eine Rede halten, es wäre sein Tod als Volksvertreter.

    Dann hat sich Herr Mörgeli ja gewaltig auf ein Minenfeld begeben, als er im CLUB, davor und danach fast lupenreines Hochdeutsch sprach. Ich kann die Mär von der „korrekten hochdeutschen Diktion“ bald nicht mehr hören. Es gibt sie nicht, es sei denn in der Theaterschule als „Bühnendeutsch“. Kein Deutscher spricht „korrekt“, überall ist Dialekt herauszuhören, und wenn es der Hannoveraner Dialekt ist.

  • Das Ende der Identitätsfindung
  • Nun funktionierte diese Art der Identitätsfindung durchaus, solange die Schweiz eine geschützte Werkstatt zwischen den Machtblöcken war. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Vereinigung Europas veränderte sich dies aber alles – vor allem, als sich die Schweiz – nach erbitterter Gegenwehr vor allem der Deutschschweizer – auch langsam den Tatsachen stellen und sich öffnen musste. Und damit kamen auch die Deutschen zu uns. Hochqualifiziert, vielfach durch die eigene Bürokratie frustriert und mit einer Ausbildung im Gepäck, die sie zu begehrten Arbeitnehmern in der Schweiz machte, da viele Stellen sonst gar nicht besetzt werden könnten.

    Der meint doch nicht etwa mit „sich den Tatsachen stellen und sich öffnen“ die offenherzige Begegnung mit der EU, die bilaterale Verträge usw? Womöglich gar ein weiteres Paktieren mit dieser Teufelsbrut? Das waren mir jetzt zu viele versteckte Anspielungen und höfliche Umschreibungen. Geht es nicht eine Spur direkter bitte?

  • Wahre Fussballmeister können verlieren
  • Das neue an diesen Immigranten war vor allem, dass sie sich auf Augenhöhe mit den Schweizern befinden. Keine Italiener, Jugoslawen und Türken, auf die man mit leiser Verachtung hinunter blickt und die erst akzeptiert werden, wenn sie für die Fussballnati spielen. Und, das ist der Hammer: Sie können Hochdeutsch sprechen, jene Sprache, die in jedem gestandenen Eidgenossen östlich des Röstigrabens tiefste Ängste aufsteigen und Animositäten hervorbrechen lässt, die sich mitunter in rassistischen Gemeinheiten die Bahn brechen. Dass die Deutschen die Schweizer zudem nicht mal beim Fussball gewinnen lassen, ist da nur noch das Tüpfelchem auf dem «i».

    Also für den letzten Satz muss ich mich jetzt echt im Namen meiner Landsleute entschuldigen. Es wäre wirklich fair gewesen, einfach mal zu verlieren. Die Schweizer spielen ja auch nicht permanent auf Sieg. Sollten sich die Deutschen wirklich mal zum Vorbild nehmen. In der Schweiz ist das Gewinnen nicht so wichtig. Hauptsache das Spiel macht Spass. Vielleicht klappt es dann beim nächsten Match. Die Deutschen Fussballer sollten sich das echt mal hinter die Ohren schreiben. Auch verlieren kann Spass machen.

  • Lasst uns „Chuchichäschtli“ aussprechen üben!
  • Würden sich die Schweizer statt auf alberne Urängste aus der Kriegszeit auf die Tatsachen verlassen, würden sie realisieren, dass hier keine bösen Eroberer kommen, denen man mit verknorztem Hass begegnen muss. Im Gegenteil. Diese Deutschen sind hier, weil die Schweiz scheinbar etwas besser gemacht hat – politisch und gesellschaftlich. Wer sich diese Tatsachen bewusst macht und unsere liberalen und humanen Werte selbstbewusst vertritt, findet zum einen die wahre Identität der Schweiz und realisiert zum anderen, dass sich ein Mensch nicht primär übers ‚Chuchichäschtli‘ definiert.

    Schade ist nur, dass die zugezogenen Deutschen an diesen besseren liberalen und humanen Wert nur teilhaben dürfen, wenn sie zuvor ihre eigene Identität an der Garderobe abgegeben haben und das Schweizer Bürgerrecht beantragen. Bis dahin möchten sie bitte als „Gast“ funktionieren und ihren Job stumm erledigen. Wäre doch wunderbar, wenn es auch ohne Identitätsaufgabe ein politisches und gesellschaftliches Geben und Nehmen geben könnte.

    Aber wehe es lernt bis dahin einer heimlich „Chuchichäschtli“ richtig aussprechen!
    Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli… es wird langsam.

    

    49 Responses to “Ohne Gedächtnisverlust auf der Suche nach der Chuchichäschtli-Identity — Dialog mit Patrik Etschmayer”

    1. Videoman Says:

      Toll, dass du meinen Hinweis verarbeitet hast.

    2. Romeo Says:

      Aber wie so sprechen Deutsche, nicht jeder sein
      heimatlichen Dialekt ?

      Muss ja nicht „tiefstes“ Platt sein (ich meine : mit Dialektwörtern versetzt, welche nicht unbedingt im Deutschen verreit sind – Ich als Walliser würde z.B. nie, im Gespräch mit einem Usserschwizer das Wort Hopschul ( für Frosch) verwenden). Es reicht ja wenn man hört das man Dialekt spricht, so wie z.B. Badener wenn sie „Hochdeutsch reden“ -> Wir können alls ausser Hochdeutsch ( kann ja genau auch so für die Schweizer gelten, schliesslich sprechen wir alle Höchst-/ Hochalemannisch)

      Ich bin sogar übergebenen stärker Dialekt zu sprechen, denn ich finde es sehr Schade das „alte“ Wörter zusehends, durch den Medieneinfluss (Deutsches-TV), verloren geht.

      So kennen einige jüngere Walliser (Teens), Dialektausdrücke nicht mehr, welche ich mit Jg. 79 durch aus noch rege verwende.

    3. Caius Alexandros Says:

      Viele Politiker aus der Romandie sprechen Französisch mit Akzent. zb bei Joseph Deiss hörte man das sehr gut wenn man Französisch versteht.
      Es gibt kein Bauernfranzösisch wie es kein Bauerndeutsch gibt. Es gibt Französische Akzente (Québec zb da versteht man die Leute fast nicht und auch Marseille ist es schlimm 🙂 und auch Deutsche, Schweizerdeutsche, Itakienische Akzente.

    4. Administrator Says:

      @Romeo
      Weiss Du, Romeo, dass ist so,
      die Deutschen sind einfach „echli finer“ als die Schweizer, daher merken die Schweizer nie, wenn die Deutschen in Wahrheit ihren Dialekt sprechen.

      Gruss, Jens

    5. Thomas W. Says:

      @Romeo:
      Tja, bei mir würde es sehr schwer werden. Ich bin im Ruhrgebiet geboren, im westfälischen Münsterland zur Schule gegangen, habe aber im Rheinland und in Hamburg studiert, im Badischen gearbeitet und lebe seit vielen Jahren gerne in Bayern. Meine Eltern kommen aus Ostpreussen bzw. Sachsen.
      Da kann ich nur fragen: „Welchen Dialekt hätten Sie denn gern?“ Ich beherrsche sowieso keinen.

      Bei insgesamt 14 Millionen heimatvertriebenen Deutschen am Ende des zweiten Weltkriegs sowie zudem vielen seither innerhalb von Deutschland umgezogenen Deutschen ist es schwer, sich sprachlich zu verorten.

      In meinem Bereich arbeiten: eine Schwäbin, ein Schwabe, der aber in Baden aufgewachsen ist, zwei Sachsen, ein Nordrhein-Westfale (ich), ein Rheinland-Pfälzer, ein Brandenburger, zwei Bayern, ein Tunesier, ein Niedersachse, ein Pfälzer. Und das in der Landeshauptstadt von Bayern.

      Gott sei dank wurde mir in Bayern nicht gesagt, ich sei nur Gast, obwohl sich die Bayern auch ganz schön „überfremdet“ fühlen könnten.

    6. neuromat Says:

      @ romeo

      es gibt in den Dialekten bereits von Stadtteil zu Stadtteil so grosse Unterschiede je nachdem wo die Sprachgrenze verlief, dass es schwierig wurde sich einander zu verstehen. Für mich stellt sich im eigentlich die Frage, ob es bei fortschreitender „Verkleinerung“ der Welt durch wachsnede Mobilitaet ein derartiges Beharren auf den Dialekt sinnvoll ist. Es gibt doch nicht wenige Schweizer Autoren, die immer wieder an ihre Landsleute appellieren, diese etwas zwanghaft anmutende Abgrenzung etwas zu lockern. Zudem ist es wahrscheinlich nicht von Vorteil, sich durch eine „Nicht-Fähigkeit“ abzugrenzen.

      Tatsächlich kann ich die Beobachtung von Jens Wiese beispielhaft bestätigen, dass trotz aller neuerdings erlassener Verordnungen für den Schulunterricht es ganz offensichtlich bei deren Umsetzung hapern muss. So sprach der Nachbarjunge und Kollege meines Sohnes bis zur Einschulung ein recht professionell klingendes Standarddeutsch, welches er nun durch umständlich, geschraubtes „Schweizer – Deutsch“ ersetzt.

    7. DaniDo Says:

      Das nervt mich jetzt langsam, dieses Anti-Schweizerwerden-Gehabe hier auf der Blogwiese!:-)

      Staatsbürgerschaft annehmen heisst nicht Identität abgeben. Ist das Leben mit multipler Identität für einen Deutschen denn undenkbar? Wohl kaum. Auch ein Deutscher ist doch einerseits Schwabe, andererseits Deutscher und drittens Mensch (naja…vielleicht ist die Reihenfolge anders…) Jedenfalls ist es doch denkbar, dass man dazu noch Schweizer ist, wenn man sich in diesem Land zuhause fühlen will. Mit dem krampfhaften Festhalten am Nichtsowerdenwollen ist halt dieser vielverdammte „Gaststatus“ (der ja gar nicht so schlimm ist) doch gerechtfertigt.

      Seufz!

    8. DrKöbes Says:

      @Romeo

      Ich kann mich Jens nur anschliessen, als Deutscher hör ich wohl ob mein Landsmann/frau den „Spitzen Stein“ aus dem Norden; das „Woll“ aus dem Ruhrpott oder das Rheinische im Singsang hat. Auch ob einer da im Hintergrund das Sächsisch, Hessisch (bääh) oder Bairisch anklingen lässt, ist meistens ziemlich klar.

      Ob das „echli finer“ ist, will ich dahingestellt lassen. Als Kölner in Genf ergibt sich das Problem sowiso nicht.

      Selbst das Benutzen von Dialektwörtern lässt sich oft nicht vermeiden, da Das zu sehr eingebrannt ist. Ist mir selbst schon passiert.

      „In Kölle jommer om Trotoahr un et Jeld hammer em Portmonäh!.“ Ergebniss Napoletanischer Zeiten – siehe auch 4711 – da haben wir Kölner rechnen gelernt.

      Als ich vor einigen Jahren zu jemand in Bayern sagte, das ich mein „Portmonäh“ vergessen hätte (in normalem abgeschliffenen rheinischen Hochdeutsch – nicht wie oben) hat der mich wie ein Auto angestarrt. Ich wusste aber nicht wo das Problem war. Ich wär zum Teufel nicht drauf gekommen so was wie „Geldbeutel“ oder ähnlich zu verwenden – war einfach nicht verdrahtet.

    9. Selma Says:

      @Admin, bezüglich Kommentar an Romeo: Die Tatsache, dass Schweizer nicht hören, wenn Deutsche Dialekt sprechen, kann man als weiteren Beleg dafür interpretieren, dass es sich um zwei verschiedene Sprachen handelt. In einer Fremdsprache kann man Dialekte meist erst auseinander halten, wenn man sie sehr gut beherrscht (die Sprache natürlich, nicht die Dialekte). Ausserdem muss man auch Kontakt mit den Dialekten haben. In der Schweiz kriegt man deutsches Hochdeutsch schon vor allem übers Fernsehen mit. Das bietet wohl kaum die ganze Pallette verschiedener Akzente. Im Gegenzug können die meisten Deutschen, die ich kenne, die verschiedenen Schweizer Dialekte auch nicht wirklich auseinander halten.

      Die Hypothese, dass man sich nicht anhören lassen sollte, dass man gut Hochdeutsch spricht, kann ich zumindest für gewisse Kontexte bestätigen. In der obligatorischen Schulzeit (verbracht im Kt. AG) habe ich im Unterricht immer Hochdeutsch mit schweizerischem Akzent gesprochen, weil mir das sonst peinlich gewesen wäre. Kein Mensch hat sich bemüht, möglichst akzentfrei Hochdeutsch zu sprechen! Mit „akzentfrei“ meine ich, dass man sich wie jemand aus Deutschland anhört – „korrekte Diktion“ hin oder her.

      Im Übrigen muss man seine Identität nicht an der Garderobe abgeben, wenn man das Schweizer Bürgerrecht beantragt. Woher diese Wahrnehmung kommt, ist mir völlig unklar. Die Schweizer Behörden fragen überhaupt nicht nach, ob man seine andere Nationalität abgeben wird oder nicht. Sie weisen sogar höflich darauf hin, dass man sie ev. verliert, und man sich selbst bemühen muss, wenn man sie behalten möchte. Es sind die Deutschen, die einem die Nationalität automatisch aberkennen, sobald man eine andere annimmt. Allerdings kann man einen Antrag auf Beibehaltung der Staatsbürgerschaft stellen, was hier glaube ich schon mehrfach erwähnt wurde.

    10. Romeo Says:

      @Admin
      und allen anderen de

      ist das nicht eher nur ein bisschen dialektgefärbtes Hochdeutsch > ?

      OK, aber wie so ist dann eine Charm-Offensive wie die der Schwaben (die echten) und den Badner nötig ?

      Und z.B. der Oliver Ackermann, aus Bayer, spricht ja nun wirklich kein Dialekt mehr, denn von ehemaligen Arbeitskollegen, aus und dem Allgäu bin bin ich ganz anderes „Dialektsprechen“ gewohnt gewesen.

      Mit uns Schweizers und sprach einer , der Allgäuer, Dialekt aber mit seinen Deutschen-Arbeitskolegen wechselte er ins „dialekt gefärbte“ Hochdeutsch Wie so das ?

      Des weiteren frage ich mich wie so Sachsen versuche ihren Akzent krampfhaft los zu werden ?
      http://www.dozenten-boerse.de/Seminare/details/Hochdeutsch-fuer-Sachsen

      http://www.seminaranzeiger.de/cgi-bin/anzeiger/db.cgi?uid=default&katalog=1&Rubrik=Sprechtraining

      Mir ist es doch eigentlich egal ob man nun, Plastik oder Plaste oder eben Kuststoff verwendet.

      Aber eben wie so spricht der „gemeine“ Deutsche nicht geren Dialekt ?

    11. JensK Says:

      @Romeo, ich kennt schon babbele des mich kaaner versteht, awwer des is aach schon so ee Geschicht fer sich. Wann mer viel unnerwegs is, dud mer unereinanner aafach ebbsis mehr Hochdeutsch schweetze, das mer so quasi e Ebene hat. Annerserum, unnner Kumbbels babbelbt mer Hessisch. Tschö mit ö!

    12. awo Says:

      @romeo
      Die Deutschen die ich hier in der Schweiz kenne, sprechen alle ihren Dialekt nur wird dieser von den meisten Schweizern nicht erkannt! Ich kenne nur wenige Schweizer, die an einem deutschen Dialekt die Herkunft eines Deutschen erkennen. Genauso wenig könnte ich einen Schweizer auf Grund seines Dialektes einem gewissen Raum zuordnen! Sicher gehen in der deutschen Sprache und natürlich auch im deutschen oder schweizerdeutschen Dialekt immer mehr Wörter verloren. Das deutsche TV ist daran aber genauso wenig „Schuld“ wie das Schweizer Fernsehen. Nur weil man „Erkan und Stefan“ ausstrahlt ist man nicht der Urheber des voll krassen Dialektes! Wie dieser Tage in den Zeitungen zu lesen war verändert sich unsere Sprache hauptsächlich durch die Einwanderung fremdsprachiger Migranten! Siehe:
      http://www.welt.de/vermischtes/article735071/Deutsche_Sprache_driftet_ins_Tuerkische_ab.html
      Diese Sprachveränderung ist allerdings auch in der Schweiz zu beobachten. Schweizer Jugendliche übernehmen den „schweizerdeutschen“ Dialekt von Albanischen Jugendlichen an den Schulen!
      awo

    13. neuromat Says:

      @ DaniDo

      Ich will nicht sagen, dass Sie vollständig falsch liegen, aber ich weiss auch nicht, ob Sie recht haben. In Deutschland hatte ich eine Menge Arbeitskollegen und auch Kollegen, das waren Holländer, Italiener, Iraner und einzelne Oesterreicher – die an diesem Status auch nichts geändert haben. Aber die hatten einfach nicht den „du bist hier nur Gast Status“ und für manchen interkulturellen Hinweis war man sicher auch dankbar.

      Die Sache ist doch die, dass schlussendlich der Einzelne gefragt ist. Und der kann eingebürgert ein „richtiger Fiesling“ sein oder eben nicht eingebürgert ein integrierter netter Mitmensch. Ich selbst definiere mich auch nicht als Rheinländer, Deutscher und Mensch. Vielleicht akzeptiere ich daher auch nicht, dass nur weil „eidgenössisch“ draufsteht auch immer „eidgenössisch“ drin sein muss, was dann wieder gleichbedeutend gesetzt wird mit bester Qualität.

      Ausserdem finde ich es gerechtfertigt, Verhaltensweisen anzunehmen, die ich für sinnvoll erachte und die ich tatsächlich leben kann. Aber andere, mit denen ich Mühe habe, die anzunehmen, das wirkt doch nur peinlich. Siehe „Schweizermacher“, wenn dort die Schweizer Nationalflagge im Garten gehisst wird. Ich käme einfach als Mensch nie auf die Idee ganz gleich welche Fahne aus dem Fenster zu hängen oder im Garten zu haben. In Zürich ist der Einwanderstrom Deutscher besonders spürbar. Die Geburtenrate der Schweizer in Zuerich ist rueckläufig; dennoch nahm der Anteil der Schweizer Bevölkerung zu – ? – Die Gruende lassen sich in der NZZ online finden. Es sind exotische Einbürgerungen… bei denen ich hoffe, dass diese hoffentlich ihre interessanten kulturellen Wurzeln nicht verleugnen.

    14. neuromat Says:

      @ romeo

      gerne noch einmal: andere schreiben es ja auch. Vieles an unserer jeweiligen Sprache ist durchsetzt mit Dialektausdrücken. Vieles erkennen wir auch intuitiv ohne den permanenten direkten Gebrauch des Dialektes wieder. Wir wehren unds aber nicht aktiv gegen einen Dialekt. Aus meiner Sicht ist die strenge Kommunikation im unverfälschten Dialekt heute nicht mehr möglich, sobald man „sein Tal verlässt“. Aus diesem Grunde verwässern eigentlich auch die verschiedenen Schweizer Dialekte

    15. Titos Says:

      @romeo
      also, ich denke nicht dass der gemeine seinen Dialekt nicht gerne spricht. Es ist vielmehr ein Automatismus, dass man sobald man sich in einem anderen Dialektkreis befindet, auf den gemeinsamen Nenner umschaltet. Die Unterschiede in Deutschland sind von Nord nach Süd oder von West nach Ost teilweise extrem, eine Verständigung nur auf Dialekt wäre nicht möglich. Dieser Automatismus funktioniert auch bei die meisten Deutschen in der Schweiz. Als ich merkte, dass man hier in der Schweiz meinen Dialekt (saarländisch) recht gut versteht, rede ich im täglichen Umgang auch mit Schweizer Kollegen oder Nachbarn meistens im Dialekt. Dies führte mitunter dazu, dass ich angestarrt wurde, als käme ich vom Mars, was aber vielmehr daran liegt, dass keiner damit rechnet (Man erwartet eher geschliffen-scharfes Zack-Zack-Hochdeutsch, hat man mir auch schon so gesagt). Möglicherweise habe ich auch einen Vorteil, denn die ganzen Französizismen der hiesigen Dialekte kommen im saarländischen auch vor (tja, die Region war halt lange Zeit der Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich).

    16. DaniDo Says:

      @neuromat

      Deine Überlegungen stimmen durchaus. Ich spüre nur einfach manchmal eine erstaunlich starke Reserve von Seiten von Deutschen auf die Idee, Schweizer zu werden, obwohl es doch eigentlich auch als Kompliment aufgefasst werden könnte resp. von CH-Seite so gemeint ist. Vor allem, wenn dann gleichzeitig – wie so oft in diesem Forum – die Forderung auftaucht, nicht Gast sein zu müssen, nicht so als fremd angesehen zu werden, hat das auch seine paradoxe Seite.

      Und naja, Schweizermacher ist ein hervorragender superlustiger Film – aber die Forderung nach einer Fahne im Garten würde wohl kaum jemand ernsthaft stellen.

      Ich denke, es hängt auch etwas mit diesem „Minderwertigkeitskomplex“ von uns Schweizern zusammen, dass wir es irritierend finden, wenn jemand die Annahme der Staatsbürgerschaft weit von sich weist, der sich hier zuhause fühlen will. Dass wir Schweizer nämlich unglaublich verschieden sind und insgesamt sehr wenig gemeinsam haben, das erleben wir ja täglich. Die Schweiz ist ein Land der Minderheiten – da gibt es keinen Mainstream, dem man als Staatsbürger jetzt folgen müsste.

      Das einzige ist vielleicht die Möglichkeit zur politischen Partizipation – und dazu eingeladen zu werden, ist doch nur eine Einladung, voll dazu zu gehören, zu diesem Land ohne Mehrheiten, in dem sich niemand findet, der sagt: ich bin Schweizer und nichts anderes.

      Was denkt ihr dazu, liebe Deutsche? Gibt es hier Doppelbürger?

    17. Branitar Says:

      @selma
      Kleine Korrektur: Deutsche verlieren die Staatsbürgerschaft, nicht die Nationalität, wenn sie eine andere Staatsbürgerschaft annehmen. Die Nationalität wird hierzulande über die Volkszugehörigkeit und die Staatsbürgerschaft definiert. Selbst wenn ich die deutsche Staatsbürgerschaft verliere (z.B. weil ich eine andere annehme und mich nicht darum kümmere, die deutsche auch zu behalten), bleibe ich immer noch „Volksdeutscher“ und habe damit die Nationalität „deutsch“, die ich auch nicht abgeben, verlieren oder sonstwie beseitigen kann 😉

    18. giacometti Says:

      @ JR Wiese:

      Diese Aussage von Etschmayer: „Natürlich KÖNNEN viele kein richtiges, halbwegs akzentfreies Hochdeutsch. Doch selbst jene die es beherrschen, dürfen sich den Faux-Pas nicht erlauben, dies auch zu zeigen.“…das ist keine heisse Hypothese – das ist wirklich so! Mörgeli tut sich tatsächlich keinen Gefallen, wenn er das tut. Ich finde jeden Schweizer extrem unsympathisch, der versucht, möglichst gut Hochdeutsch zu sprechen, inklusive mich selbst.

      Wenn ich will, kann ich gut Hochdeutsch sprechen – aber wenn ich das tue, verfalle ich jeweils automatisch in die Parodie. Alles, was ich dann sage, ist ironisch gemeint. Ernsthaft Hochdeutsch sprechen geht nicht – das klingt einfach zu doof. Man will sich ja einen gewissen Selbstrespekt bewahren. Nicht weil es „schlecht“ klingt, sondern weil das nicht ICH bin.

      Gleichzeitig spreche ich mit Genuss andere Fremdsprachen, und wie mir oft bestätigt wird, auch mit einem gewissen Talent, was die Aussprache und Intonation betrifft.

      Das empfinden Sie vielleicht als seltsam. Oder Sie suchen krampfhaft nach irgendwelchen psychologischen oder moralischen Gegenargumenten. Das bringt aber nichts! Lassen Sie doch das Moralisieren diesbezüglich bleiben! Es ist nun halt mal unsere Kultur! Und Kulturen oder Geschmäcker zu bekämpfen – das ist eine heisse Sache. Kommt nicht wirklich gut an.

      Und was meinen Sie mit politischem und gesellschaftlichem Geben und Nehmen? Wollen Sie etwa als Deutscher Staatsbürger in der Schweizer Armee dienen? 😉

      Sie erledigen ja nicht nur stumm Ihren Job, sondern bekommen auch stumm ihren Zahltag dafür. Oder etwa nicht?

      – Auf der Ebene Arbeit gibt man seine Arbeitskraft und bekommt dafür einen Lohn.

      – Auf der Ebene Wohnsitz zahlt man Steuern und Sozialversicherungen und bekommt dafür die staatlichen Dienstleistungen, saubere Strassen, öffentliches Verkehrsnetz, Naturschutz, sozialer Ausgleich, Bildungseinrichtungen für die Kinder, Sportanlagen, ärztliche Dienstleistungen, Medikamente, Rente etc. etc.

      – Auf der Ebene Bürgerrecht leistet man(n) Militärdienst, Zivildienst, Zivilschutz, Wehrpflichtersatz und bekommt dafür das Stimm- und Wahlrecht.

      Ist doch fair, oder nicht?

      Oder sollen etwa auf der Ebene Bürgerrechte und -pflichten einfach alle die vollen Rechte erhalten und die paar wenigen Dummen, die leider keine ausländischen Vorfahren vorweisen können, müssen ganz alleine die Pflichten übernehmen? Das wäre nicht wirklich ein solidarisches Gesellschaftsmodell….

    19. Thomas W. Says:

      @Selma:
      Ich kann Oberbayrisch und Niederbayrisch auch nicht auseinander halten. Obwohl ich Deutscher bin, klingt (d.h. „tönt“) das für micht identisch. Dafür weiß im Süden auch niemand, dass sich westfälisches Platt und Oldenburger Platt ganz erheblich voneinander unterscheiden, ja dass selbst im Münsterland das Platt in Legden (sprich „Lech-ten“!) und Raesfeld (sprich „Rasfeld“) und Coesfeld (sprich „Koosfeld“) sowie in Münster ganz enorm voneinander unterscheiden. Erst recht davon, wie in Ostwestfalen (Bielefeld (sprüch „Bielefeld“) geredet wird. Und das die Hannoveraner nicht so kristallklar-astreines Hochdeutsch reden wie das Vorurteil es will, weiss man spätestens, wenn man sich mal dort umgehört hat.

    20. Romeo Says:

      @nueromat

      ich denke titot hat verstanden was ich meinet, denn ich als Walliser spreche mit einem Berner, Zürcher genau gleich „mein“ Walliserdeutsch. In der Schweiz käme es „fast“ niemanden in den Sinn
      mit einem Angehörigen eines anderen Dialektes in eine gemeinsames Dialekt zu wechseln.

      Walliserdeutsch verstehen auf viele Schweizer nicht besonders gut, aber dann nehme ich mich etwas zurück, wenn man ja etwas nicht veerstanden hat oder man kann ja nachfragen.

      Und Titos hat es richtig erkannt, ich denke Deutsche die „Ihr“-Dialekt mit uns Schweizern sprechen, verunsichern uns viel weniger als das geschliffene „Hoch“-Deutsch.

    21. Tellerrand Says:

      @ giaccometti

      Jetzt habe ich endlich verstanden, warum die Frauen hier in der Schweiz so lange auf ihre demokratischen Rechte warten mussten: das Stimm- und Bürgerrecht hängt also vom Dienst in der Schweizer Armee ab. So war das auch vor 2500 Jahren im antiken Athen, der Mutter aller Demokratien. Dort durften Ausländer (Xenoi) und Frauen selbstverständlich auch nicht wählen und zwar aus genau demselben Grund: kein Militärdienst, keine Stimme.

      Das ist fair. Und zeitgemäss.

    22. Jean Says:

      Zitat giacometti:

      „- Auf der Ebene Bürgerrecht leistet man(n) Militärdienst, Zivildienst, Zivilschutz, Wehrpflichtersatz und bekommt dafür das Stimm- und Wahlrecht.

      Ist doch fair, oder nicht?

      Oder sollen etwa auf der Ebene Bürgerrechte und -pflichten einfach alle die vollen Rechte erhalten und die paar wenigen Dummen, die leider keine ausländischen Vorfahren vorweisen können, müssen ganz alleine die Pflichten übernehmen? Das wäre nicht wirklich ein solidarisches Gesellschaftsmodell….“

      Wie ist das nochmal mit den schweizer Frauen ?

      Die leisten doch auch nicht Militärdienst, Zivildienst, Zivilschutz, Wehrpflichtersatz, oder ?
      Und bekommen die nicht trotzdem die vollen Rechte ?

      Ist das etwa solidarisch giacometti ?

    23. neuromat Says:

      @ giacometti
      über 70.000 Schweizer in Deutschland klingen also Tag für Tag einfach zu doof und erhalten sich ihren Selbstrespekt nicht. Sorry, ich glaube, da braucht man nicht zu psycholgisieren, was im übrigen glaube ich, nicht grundsätzlich vorwurfsvoll gemeint ist und ja ganz wesentlich von den Schweizern kommt („echli finer“). Das ist wirklich nicht bös gemeint und es geht auch nicht darum Geschmäcker oder Kulturen zu bekämpfen (Kampf der Kulturen – war glaube ich etwas anderes)

      und

      @ DaniDo
      zumindest darüber nachgedacht und auch die eine oder andere heimische Diskussion ausgelöst. Wenn die meisten so denken wie Sie – dann ist es wirklich eine gute Einladung. Aber wie sagt ihr Landsmann: „Ich finde jeden Schweizer extrem unsympathisch, der versucht, möglichst gut Hochdeutsch zu sprechen, inklusive mich selbst.“ Und dann wäre ich ein extrem unsympathischer Schweizer.

    24. Gerald Says:

      @ giacometti

      „Es ist nun halt mal unsere Kultur!“ – Schöne Kultur, die sich durch Abgrenzung definieren muss.

      Was die Aussagen zu Arbeit, Lohn, Steuern, Bürgerechte, etc. betrifft, so ziegt sie eindeutig die Einstellung, die häufig bei Schweizern zu beobachten ist, Ausländer sollen arbeiten, Ihren Lohn bekommen, Ihre Steuern zahlen, aber ansonsten das Maul halten. Wie nett. Übrigens war eine entsprechen Einstellung auch in Deutschland verbreitet; Gott sei Dank ist sie aber bei den meisten überwunden.

      Übrigens, der letzte Absatz ist grosser Schwachsinn. Demnach dürften Frauen ja kein Wahlrecht haben, da sie ja nur auf freiwilliger Basis Wehrdienst ableisten. Wollen Sie das etwa?

    25. KR Says:

      Also isch waas ja net….
      Als Basler, der wo in Frankfort lewe dut, is mir aus alder Gewohnheit aach schon bassiert, des isch in de Innerstadt von Basel anemene Kiosk mei FAZ im Dialekt verlangd hab. Sie glaabe net, wie der Mann sisch gefreut hat, des der aach widder mal des geheert hot. Weil der mal in Frankfort gewohnt hot. So klaa is die Welt.

    26. Totom Says:

      @giacometti

      Zitat: ‚Wenn ich will, kann ich gut Hochdeutsch sprechen – aber wenn ich das tue, verfalle ich jeweils automatisch in die Parodie. Alles, was ich dann sage, ist ironisch gemeint. Ernsthaft Hochdeutsch sprechen geht nicht – das klingt einfach zu doof. Man will sich ja einen gewissen Selbstrespekt bewahren. Nicht weil es “schlecht” klingt, sondern weil das nicht ICH bin.‘

      Nun, ich komme aus der Gegend um Hannover und spreche recht gutes Hochdeutsch als MUTTERSPRACHE (dass es nicht lupenrein ist, hören nur wenige). Darüber hinaus sind Sprache und Sprechen mein Beruf – in Hochdeutsch (professionelle Vertonungen sind auch in der Schweiz in Hochdeutsch).

      Wenn ich also deine Aussage lese, frage ich mich, welche Motivation denn nun ich haben soll, mir eine andere deutsche Aussprache zuzulegen als die hochdeutsche. Für mich gilt doch das Gleiche wie für Dich, oder? Das bin halt ich, es ist meine Identität.
      Dennoch wird es mir in der Schweiz sehr oft zum Vorwurf gemacht, und zwar nicht nur in der vermeintlichen Medienblase. Es sei für einen Schweizer unerträglich, mir zuzuhören – das muss ich mir beispielsweise anhören.

    27. AchimK Says:

      @KR
      da saach noch aaner merr trifft nur Schwabe un Schweizer in de weide Weld! Mir Hesse sin iwwerall. Un es klingt net „baaäh“.

    28. Selma Says:

      @Branitar: Wemmir doch scho mol bim Tüpfli schisse sind: Unter findet man folgende Definition von Nationalität: „N. bezeichnet die ethnische Herkunft bzw. Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe und wird oft synonym für den juristischen Begriff Staatsangehörigkeit verwendet.“ Demnach ist auch nicht jeder deutsche Staatsbürger deutscher Nationalität. Den Pass kriegt man ja von den Eltern vererbt. Vielleicht kommen die ursprünglich aus Indien, haben sich mal in Deutschland einbürgern lassen und sind später nach Australien ausgewandert, wo man selbst geboren ist und mit Deutschland weder kulturell noch ethnisch etwas am Hut hat… 😉

      @ThomasW: Das stimmt. Um die Feinheiten eines Dialekts zu kennen, muss man in der Region gelebt haben. Ich habe z.B. auch keine Ahnung, was ein Baselländer meint, wenn er sagt, der Stadt-Basler Dialekt sei hässlich. Klingt für mich alles gleich. Ich meinte aber, dass man in seiner Muttersprache (oder einer Zweitsprache, die man gut beherrscht) wenigstens grob die Regionen zuordnen kann. So kann ich eben erwähnten Baselländer überhaupt als jemanden aus der Region Basel identifizieren, während ein Ausländer nur „Schweizerdeutsch“ hört.

    29. Micha Says:

      @DaniDo:

      Das Nicht-Schweizer-werden-wollen bzw. -können, ist ein deutsches hausgemachtes Problem. Ich sage nochmals (habe es in einem früheren Beitrag mal erwähnt), dass die Frage, ob ein Italiener Schweizer werden will, von einem Italiener ganz anders aufgefasst wird. (Es ist nämlich sehr nett, jemanden zu fragen, ob er Schweizer werden will. Es heisst dann nämlich: „Hey, ich gehe davon aus, dass du GLEICHWERTIG bist, wie ich, in politischen, rechtlichen und gefühlsmässigen Dingen in Bezug zur Schweiz.“) Für ihn geht es nicht um ein Ablegen einer alten Identität oder sowas, sondern um _zusätzliche_ politische Rechte. AUch für einen Holländer (und etlichen Europäern ist es so). Und das ist so, weil diese Staaten allesamt die DOPPELBÜRGERSCHAFT kennen. Nur die Deutschen weigern sich partout die Doppelbürgerschaft einzuführen.

      Warum ist das so? Wahrscheinlich ist die deutsche Bürgerschaft SOOO WICHTIG, dass sie unmöglich neben einer anderen stehen darf…

      Wenn also in (früheren) Einträgen geschrieben wird: „Warum soll ich Schweizer werden, ich bin schon wer“, dann wird eine Problematik der deutschen Staatsbürgerschaft auf die Schweizer übertragen. Wie wenn der Schweizer seine Staatsbürgerschaft überbewerten würde…

      Deshalb nochmals für alle Deutschen: Für uns Schweizer ist es nicht sooo entscheidend *nur* Schweizer zu sein, denn man kann auch Schweizer *und* Italiener sein, Schweizer *und* Holländer sein, Schweizer *und* Franzose sein und selbstverständlich auch Schweizer *und* Deutscher sein. Das Recht wäre da, wenn es Deutschland akzeptieren würde.

      Also, das Gejammere um „Schweizer werden oder Deutscher bleiben“ ist unsinnig. ES IST EURER PROBLEM: ÄTSCHIBÄTSCH …

    30. giacometti Says:

      @ Totom
      Wenn es Ihnen privat zum Vorwurf gemacht wird, dann sind in diesem Falle diese Leute ebenfalls nicht besonders kulturell sensitiv. Das finde ich daneben!
      Wenn es hingegen um den Beruf (die Vertonungen) geht – das ist etwas anderes. Dort spielt man ja eine Rolle, man stellt etwas dar – da geht es nicht um die persönliche Identität. Also soll man dort so sprechen wie das von Kundenseite verlangt wird.

      @ viele
      Ich hätte wetten können, dass wieder das Argument mit den Frauen bemüht wird. Daher auch das zweite „n“ bei man(n). 😉 Aber damit macht ihr es Euch wieder mal zu einfach! Ist die grundsätzliche Idee der Rechte & Pflichten denn tatsächlich so schlimm? Kann eine Gesellschaft ohne solidarische Beiträge zum Gemeinwesen gesund bleiben? Das muss nicht unbedingt Militär sein. Zivildienst ist auch eine Möglichkeit. Die Frauen haben zur Zeit tatsächlich den Vorteil, dass sie diesen Beitrag nicht leisten müssen. Man sieht halt das Kinder kriegen und grossziehen immer noch auch als einen Dienst an der Gemeinschaft an, sodass die Frauen nicht noch zusätzlich obligatorisch Zivildienst oder Militär leisten müssen. Vielleicht wird sich dies in der Zukunft einmal ändern, wenn die meisten Kinder tagsüber in den Krippen sein werden. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

      Wenn wir schon bei „zeitgemäss“ sind:
      – wie fortschrittlich in Frauenfragen war die Mehrheit der Deutschen vor der 68-er Bewegung in Wahrheit wirklich?
      – wo gab es die erste weibliche Regierungschefin erst im 21.Jahrhundert? In Deutschland oder in der Schweiz?
      – wo kann die Mehrheit der Frauen (abgesehen von den paar handverlesenen Politikerinnen) auch heute noch nicht demokratisch mitbestimmen bei all den wichtigen anstehenden Entscheidungen zum Beispiel bezüglich EU, Bildungsgesetze, Arbeitsgesetze, Energiepolitik, Armeepolitik etc. etc.? In Deutschland oder in der Schweiz?

      @ gerald
      Ich habe News für Sie: JEDE Kultur definiert sich durch Abgrenzung. Da staunen Sie, was? Vielleicht würden Sie es auch seltsam finden, Ihre Gefühle, ernsthaft, ohne Schalk, Schmäh oder Ironie, auf Holländisch oder Bündner Dialekt auszudrücken. Ausserdem, auch wenn das vielen Deutschen immerwieder schwerfällt zu verstehen: die Sprache ist nicht gleich Kultur! Kultur ist vielmehr als nur Sprache.

      @ neuromat
      Ob wir jemanden sympathisch finden, oder nicht, hängt wesentlich davon ab, ob wir das Gefühl haben, dass diese Person sich selber ist, oder ob er eine Rolle spielt. Das ist der Grundsatz. Der Schritt zum Hochdeutsch als erste oder zweite „Muttersprache“ ist für einen Deutschschweizer einfach grösser, als viele Deutsche denken. Aber wenn ein Schweizer schon relativ lange in Deutschland lebt, dann kann es durchaus auch echt seine eigene Sprache werden – und dann nehme ich es ihm auch ab.

    31. Bigolino Says:

      @Tomtom

      Habe das gleiche Problem. Hochdeutsch ist mein Dialekt. Kommt natürlich in der Deutschschweiz überhaupt nicht an. Mein Tipp: lege dir einfach irgendeinen Fantasiedialekt zu, das kann man hier eh nicht erkennen. Ich war mal ein Jahr in Holland und kann jetzt wie ein Holländer Deutsch reden. Kommt besser an. Auch gut ist eine abstruse Mischung aus Deutsch und Englisch, also so tun, als ob du ein Engländer, bzw Engländerin, wärst, der ein paar Brocken Deutsch spricht: „Mack ick nock eine Beer hebbe, bittschön please?“ Die Deutschschweizer werden dich lieben.

    32. Nightflyer Says:

      Ich finde es echt armselig das solche proletarische Artikel nicht nur in die Öffentlichkeit gelangen sondern dort auch noch heiss diskutiert werden. Wenn man den Artikel liest merkt man bereits nach zwei Absätzen das der Mann keine Ahnung hat. Ist doch schade um die Zeit drüber zu diskutieren…

    33. neuromat Says:

      @ romeo

      also: koppheister den Brenkel eronger.

      Alles klar?Wie wär s mit ner Uebersetzung?

    34. neuromat Says:

      @ giacometti
      „Ob wir jemanden sympathisch finden, oder nicht, hängt wesentlich davon ab, ob wir das Gefühl haben, dass diese Person sich selber ist, oder ob er eine Rolle spielt.“
      So langsam bekomme ich da wirklich ein Problem. Sie verbieten sich das Psychologisieren und was bitte ist das, ihre gefühlsmässige Einschätzung?

    35. KR Says:

      @AchimK
      „da saach noch aaner merr trifft nur Schwabe un Schweizer in de weide Weld! Mir Hesse sin iwwerall. Un es klingt net “baaäh”. “

      Also „mir Hesse“ is fer’n aale Frankforter (un Basler nadierlisch) so ebbes wie Maacheweh. Im Lewe kaan Hess‘. Des is en Schimpfwort in dere scheene Stadt. Un des wolle mir unserm W. Geede net anduhn. Awwer nur dann, wann Sie’s net inkommodiern dut.

      Ganz ohne Zweifel: Dialekt tut manchmal richtig gut!

    36. Gerald Says:

      @giacometti
      Falsch! Jede Kultur definiert sich durch die Gemeinsamkeiten ihrer Angehörigen. Nicht durch die Unterschiede zu den Aussenstehenden.

      Auch oder insbesondere bei der berühmt berüchtigten „Leitkulturdebatte“ ging es nicht darum was die Deutschen von den Zuwanderern unterscheided, sondern vielmehr um das, was in der Deutschen Bevölkerung als gemeinsam anerkannt ist.

    37. Romeo Says:

      @neuromat

      Ok, ok ich gibi mi jetz langsam gschlagä. s’einzig Wort wa ich ca erahnä isch Kopp – vo Fishkopp als Kopf aber Dialkt s’lässe und schribu isch sowieso viil schwiriger und nur die wenigstä Litini in der Schwiiz mächent das.

    38. giacometti Says:

      @ gerald
      Das ist ein und dasselbe. Ob man von den „Gemeinsamkeiten der Angehörigen“ oder den „Unterschieden zu den Aussenstehenden“ spricht, ist höchstens eine Frage der politischen Korrektheit, macht aber substanziell keinen Unterschied. Ohne die Unterschiede zu den Aussenstehenden zu kennen, können Sie gar nicht wissen, was die typischen Gemeinsamkeiten der Angehörigen sind.

      Gemeinsamkeiten gibt es im Allgemeinen viele. Zum Beispiel essen sowohl die Bayern als auch die Norddeutschen zu Tisch meistens mit Messer und Gabel. Das ist eine Gemeinsamkeit. Aber ist das nun typisch Deutsch? Das können Sie nur herausfinden, wenn Sie die Deutschen mit den Aussenstehenden vergleichen!

      Wenn Sie zum Beispiel Demokratie, Pluralismus oder Toleranz als Elemente der Europäischen Leitkultur sehen, so ist dies zwingend eine Abgrenzung zu den Aussenstehenden. Denn in Europa gibt es keine absolute Demokratie, keinen absoluten Pluralismus und keine absolute Toleranz. Wir nehmen diese Werte nur deshalb als „europäisch“ war, weil in unserer Warnehmung diese Werte bei den „Aussenstehenden“ RELATIV weniger stark entwickelt sind.

    39. neuromat Says:

      @ romeo

      kopfüber den Abhang hinunter. Aber ehrlicherweise muss ich dazu sagen: das war wirklich schwierig.

    40. AchimK Says:

      @KR:
      Recht hast Du: „Es will merr net in de Kopp enei. Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ (von F.Stolze, für alle Nicht-Frankfurter)und dann schlägt die Eintracht (mit Spycher) noch die Kiggäz 0:3!

    41. Varok Says:

      Wieviel von dieser Diskussion verträrgt der Mensch?

      Ich mag das Thema wirklich und finde es interessant, jedoch gibts für alles eine Grenze und so langsam ist doch zu den Unterschieden zwischen Schweizern und Deutschen hier wohl alles gesagt worden.

      Schweizer, Deutsche, Italiener, Franzosen, Österreicher und was weiss ich wer.. klar gibts Unterschiede und Gemeinsamkeiten.. sprachliche, kulturelle und und und.. (wer sucht, der findet auch)…

      Wie hies dies nochmals? Leben und Leben lassen?

    42. swissami Says:

      @giacometti

      Uiuiui… fühle ich mich also schon ein wenig angegriffen bei ihrer Aussage re: Militär. Als Frau habe ich absolut keinen Vorteil, auch nicht mit Blick in die Zukunft, falls ich meine (noch-nicht-existierende Kinder) in die Krippe geben würde. Warum die Krippe? Ach ja, weil Frau doch auch den ganzen Tag durch arbeiten muss. Und was passiert nach der Arbeit? Die Frau übernimmt, wie die Amerikaner so schön sagen, „the second shift.“ Die zweite Arbeitsschicht beginnt bei der Frau wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt und in der Migros einkaufen geht, den Znacht kocht, die Wäsche wäscht, den Boden fegt, und mit den Kindern Hausaufgaben macht.

      Möchte hier nicht alle Herren ausgrenzen, habe selber einen fantastischen Koch im Haus. Aber komm‘ mir bitte nicht mit Vorteilen. Kenne selber einige Frauen, die ein paar Wochen im Militär als absoluten Ferienluxus ansehen würden.

      ‚Tschuldigung vonwegen Thema-abweich…

    43. Klaus Says:

      Was die Verklärung des italienischen Dolce Vita angeht, kann man den Schweizern aber nicht wirklich nen Vorwurf machen, bzw. hat ein weiteres Indiz dafür, dass Deutsche und Deutschschweizer sich viel ähnlicher sind, als den Schweizern vielleicht lieb ist. Auch in Deutschland lästert man ja gerne über die eigene Spießigkeit und sehnt sich nach mediterraner Lockerheit, wenn man beim Italiener um die Ecke seinen Espresso schlürft. Siehe hierzu die sehr treffende Beschreibung von Florian Illies in seinem Buch „Anleitung zum Unschuldigsein:
      „Das Paradies hingegen bleibt Italien. Schon jetzt hat jedes deutsche Dorf seinen Italiener, in dem man abends Gewissen schonend Pizza essen kann, während nebenan das Gasthaus »Deutsche Eiche«, die Kneipe »Zum Hirschen« oder die »Marktstube« wegen mangelnden Zuspruchs schließen muss. Mit der Pizza, so hofft man, bekommt man auch einen Teller Lebensgefühl serviert und mit dem Eisbein, so befürchtet man, deutsche Schwermut als Sättigungsbeilage“

    44. giacometti Says:

      @ swissami:

      Also, hab ich’s erwähnt oder nicht, dass Kinder grossziehen implizit immer noch als gesellschaftlicher Beitrag der Frauen angesehen wird? Ich denke doch, ich habe.

      Tatsache ist – vor dem Gesetz haben die Frauen heute Vorteile gegenüber den Männern. In der Praxis hingegen ist ihr Beitrag häufig grösser. Aber bei weitem nicht immer. Gerade heutzutage gibt es viele Ehefrauen, die weder Kinder haben, noch arbeiten, noch Zivildienst leisten und sich dabei auch nicht gross um den Haushalt kümmern. Die Bandbreite ist gross.

    45. Branitar Says:

      @Selma
      „Im internationalen Völkerrecht wird auf die tatsächlichen Gemeinsamkeiten eines Volkes abgestellt. So haben nach Artt.1 und 55 des Charta der Vereinten Nationen Völker (nicht Staatsvölker!) ein Recht auf staatliche Selbstbestimmung und zwar unabhängig davon, ob sie bereits Teil eines anderen Staates sind (Selbstbestimmungsrecht der Völker).

      Das Recht der Bundesrepublik Deutschland wählt für seine Staatsbürger eine Mischform zwischen Staatsangehörigkeitsprinzip und Volkszugehörigkeitsprinzip.“

      Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalit%C3%A4t

      Man kann deutscher Staatsbürger türkischer Nationalität sein. Oder ein noch besseres Beispiel sind die Minderheiten in Deutschland, die schon immer hier gelebt haben: Friesen, Sorben, Dänen. Denn deren Nationalität ist nicht zwangläufig „deutsch“, sondern eben „friesisch“, „dänisch“ oder „sorbisch“ wenn sie Wert darauf legen.

    46. Branitar Says:

      @selma
      P.S.:
      Total vergessen: Insofern, hast du recht. Wenn aber ein (Volks-)Deutscher in die Schweiz geht und den Schweizerpass bekommt, verliert er eben NICHT die Nationalität sondern nur die deutsche Staatsbürgerschaft 😉
      Das war deine Aussage: „Es sind die Deutschen, die einem die Nationalität automatisch aberkennen, sobald man eine andere annimmt. „

    47. vierundachtzig Says:

      an Selma:
      Ich glaube kaum, dass man das Schweizerdeutsche als eigene Sprache bezeichnen kann, weil ungeübte deutsche Ohren keinen Unterschied zwischen regionalen Varianten hören. Ich bin vor ein paar Monaten nach Baden gezogen. Obwohl ich behaupten würde, dass ich ein gutes Ohr für verschiedene Dialekte habe, konnte ich keinen Unterschied zwischen Badisch und Schwäbisch hören. Und das bei den großen Rivalitäten zwischen den beiden! Deswegen sind das trotzdem eindeutig Dialekte und keine eigenen Sprachen. Ich konnte anfangs eben nur die Unterschiede zum Hochdeutschen oder mir geläufigen Dialekten hören, während ich nicht wusste, welche Abweichung jetzt zum Badischen oder zum Schwäbischen gehört. Da kam es dann vor, dass ich zwei Schwaben sagte, sie sollten mir doch mal Badisch beibringen, weil das so nett klingt. Böser Fehler… 🙂

    48. solar Says:

      @vierundachtzig

      So, so, Du kannst keinen Unterschied zwischen Badener Dialekt (oder meinst Du wirklich Badisch???, das wäre dann in Süddeutschland) und Schwäbisch heraushören, weshalb es sich nur um Dialekte handeln könne. Das ist ja auch alles nicht Standarddeutsch!

      Ich behaupte mal, gerade dass Du keine Unterschiede heraushörst, sondern diese unterschiedlichen Dialekte des Alemannischen Dir mit Deiner vermutlich weit nördlicheren Deutschgewöhnung relativ identisch erscheinen, deutet darauf hin, dass eben (deutsches) Standarddeutsch und alemannische Dialekte zwei Paar Stiefel sind.

    49. vierundachtzig Says:

      @ solar:
      Ich weiß nicht, warum, aber du hast mich gründlich missverstanden. Ich wollte nur sagen, dass Schweizerdeutsch nicht zu einer eigenen Sprache wird, weil ein ungeübter Deutscher innerhalb des Schweizerdeutschen keine regionalen Unterschiede hören kann, wie es Selma behauptet hat. Das habe ich hier in Baden (wo ist der Unterschied zwischen Badener Dialekt und Badisch?) im eigenen Land/Ländle hautnah miterleben können. Kurz und knapp: Dass ich sie anfangs nicht unterscheiden konnte, macht sie nicht zu eigenen Sprachen. Sie bleiben Dialekte der deutschen Sprache, die nicht nur die Sprache der Deutschen ist.

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