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Fitze fitze fatze — Gleich gibt’s was auf die Glatze — Friedliche Nikolausbräuche in der Schweiz

  • Gleich gibt es Fitze
  • Wir lasen in 20 Minuten vom vom 7.12.06:

    „Werbechläuse erhalten vom Chefchlaus Fitze“
    (Quelle Foto: 20Minuten vom 7.12.06)

    Fitze erhalten

    Ein „Chlaus“ ist die Schweizer Kurzform von „Sami-CH-Laus“, der Kreuzung zwischen Sammy Davis Jr. und einem lustigen kleinen Insekt. Wir berichteten genau vor einem Jahr am 6. Dezember darüber. (vgl. Blogwiese) . Wenn Sie nun nach Lektüre der Pendlerzeitung 20Minuten auch glauben, dass hier der eine Klaus den anderen Klaus reich beschenkte, mit Gaben und einer Sache namens „Fitze“, dann hört sich dass zwar lustig an wie „Witze“, ist aber eher schmerzhaft.

    Diese Titelzeile aus 20Minuten mussten wir uns als Deutsche in der Schweiz erst erklären lassen. Zum Glück gibt es in solchen Fällen stets den freundlichen Schweizer Banknachbarn in der S-Bahn. Er erklärte uns, worum es ging: Falsche Nikoläuse waren in Zürich unterwegs und machten u. a. für die Scientologen Werbung, was den Chef der Zürcher St. Nikolaus Gesellschaft natürlich in Rage brachte. Er drohte mit Schläge, standesgemäss mit der Rute, und das Teil heisst in der Schweiz „Fitze“. Ob nun „die Fitze“ oder „der Fitze„, das trauten wir uns dann nicht mehr zu fragen.

    Wenn Gewalt angedroht wird in der Schweiz und im südalemannischen Sprachraum, heisst die passende Parole: „Willst Schlägle“? Diese Form von Schlägerei kann auch rein medizinisch interpretiert werden:

    Von einem „Schlägle“ wird im süddeutschen Raum gern gesprochen, wenn Patienten einen minderschweren Hirnschlag erlitten haben oder eine transitorische ischämische Attacke (TIA).
    (Quelle: aertzezeitung.de)

    Sie müssen nicht „ich schäm misch“ sagen, weil sie „ischämisch“ auch nicht verstanden haben. Ging mir genauso. Es heisst einfach nur „nicht blutend„, aber wenn das ein Mediziner auf Deutsch sagt begreift ja niemand mehr, wofür er eigentlich sein Honorar kassiert.

  • Mit dem Fiets unterwegs?
  • Jetzt in der Weihnachts Wiehnachts Wienachts Zeit sind Schmutzli und Samichlaus mit Fitzen unterwegs. Nein, sie fahren nicht mit holländischen Fahrrädern durch die Gegend, ganz ökologisch, also auf „Fiets“, sondern gehen zu Fuss oder nehmen einen Esel.

  • Es lebe Helge Schneider!
  • Ach mit einem äussert tiefsinnigen Liedtext des grossen Vorstadtpoeten Helge Schneider hat das Wort nichts zu tun:

    Fitze Fitze Fatze, Fitze Fitze Fatz.
    Fitze Fitze Fatze, Fitze Fitze Fatz.
    Fitze Fitze Fatze, Fitze Fitze Fatz.
    Fitze Fitze Fatz.

    Bist du einmal traurig auf der Welt,
    sing Fitze Fatze, wie es dir gefällt.
    Dann kommen Freunde von alleine
    Sie singen alle mit dir Fitze Fatze.

    Refrain

    Die Welt ist ein Jammertal ohne Musik
    Doch zum Glück gab es Bach, Beethoven, Händel und Goethe
    Sie kommen alle in unserer Musik vor
    Die Töne von ihnen, sie sind sehr gut.
    (Quelle lyricsdownload)

    Achten Sie besonders auf den markanten Binnenreim in der ersten Strophe : „allein auf der Welt – wie es dir gefällt.“ Ist das nicht sensationell?

    Nein,«Fitze » ist das Teil, welches der rote Ku-Klux-Klan Anhänger rechts im Bild neben dem braunen Ku-Klux-Klan-Mitglied in der Hand hält. Ein Mini-Reisigbesen, wenn Sie so wollen.
    Samichlaus mit Fitze
    (Quelle Foto: icu.unizh.ch)

    Der Mann in der Mitte ist übrigens nicht von Opus Dei sondern der Aufsichtsbeamte, der sich vom ordnungsgemässen Zustand der Fitze in der Hand des Samichlaus‘ überzeugt hat. Dann kann jetzt nichts mehr schiefgehen. Auf zur friedlichen Weihnachtszeit!

    

    10 Responses to “Fitze fitze fatze — Gleich gibt’s was auf die Glatze — Friedliche Nikolausbräuche in der Schweiz”

    1. Schwarzbueb Says:

      In katholischen Gegenden kommt der Samichlaus auch heute noch als Bischof gekleidet zu den Kindern. Die Fitze heisst bei uns „Ruete“.
      Ein einziges Mal hat der Schmutzli bei uns so eine Rute abgegeben, zur Freude unserer kleinen Tochter, die damit immer wieder den Stubenteppich fegte.

    2. sylv Says:

      und im Ct.Bern heisst die Fitze,’e Ruete‘.
      Samichlous, du liebe Ma,gäu I muess ke Ruete ha.
      Aber eine Rute gibts ja eh‘ nur für diejenigen die nicht brav waren:) und brav das war ich schon …….

      Übrigens Jens, ich finde deine Interpretation vom Wort Samichlaus.. hilarious!

    3. Chimaera Says:

      Willst Schlägle?

      Also das hab ich weder hier in Schwaben noch jemals in Baden gehört, mal absgesehn von dem Gehirnschlag.

      Man kan auch nicht überall -le (oder -li, gell liebe Schweizer) anhängen.

      Davon abgesehen, ist es nicht etwas kontraproduktiv, wenn man jemand ein bisschen Prügel androht?, Ihm ein klitzekleines bisschen den Hintern versohlt, eine kleines Ohrfeigchen verpasst?? Das widerspricht doch dem Grundprinzip einer Drohung, nämlich der Abschreckung

      [Anmerkung Admin:
      Wir empfehlen einen Besuch im Stuttgarter Bohnenviertel, Samstagsnachts um 2:30 Uhr. Es dauert bei entsprechendem Benehmen keine 10 Minuten, und Du wirst diesen Satz hören, ganz gewiss.]

    4. Phipu Says:

      Auch im Dialekt sprechen wir von „er hät es Schlegli gha“, wenn man zu (Nord-)deutsch sagen will, „er hatte einen Schlaganfall“. Man könnte also entgegen der schwerwiegenden Konsequenzen auf die Gesundheit, die ein solcher Schlaganfall hat, glauben, die verniedlichte Form „es Schlegli“ bedeute etwas Kleines.
      Um jemanden mit Gewaltandrohung einzuschüchtern, sagen wir deshalb eher in der „erwachsenen“ Mehrzahlform: „Wottsch Schleeg?“ (Willst du Schläge?)

      Die Antwort auf die Frage „der oder die Fitze?“ ist gar nicht so harmlos:
      Es heisst „d’Fitze“ oder aber auch zu hochdeutsch „die Fitze“. Nach Grimms Wörterbuch hat dieses weibliche deutsche(!) Wort etwas mit Textilweben/-Spinnen zu tun, das ich auch nach mehrmaligem Durchlesen des entsprechenden Textes fachlich nicht verstehe.
      http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GF04864

      Hat wohl Helge Schneider seine Inspiration aus Grimms Wörterbuch?
      http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GF04880

      In den zwei vergangenen Jahrhunderten waren im östlichen Landesteil viele Spinnereien, Webereien, Stickereien ansässig. Möglicherweise nennt man diese Peitsche/Rute deshalb besonders in östlichen Gebieten „Fitze“. In meiner eigenen Solothurner Mundart nenne ich dieses Droh- und Bestrafungsinstrument für Kinder ebenfalls „d’Ruete“ (die Rute). Als Passivwortschatz aus dem Zürcherdialekt kenne ich natürlich „d’Fitze“ auch – übrigens ebenfalls als Verb „es hät mer am Vehhüeter eine gfitzt!“ (kann ich nicht wörtlich, nur sinngemäss übersetzen: Am Weidezaun erhielt ich einen elektrischen Schlag)

      „DER Fitze“ existiert übrigens auch. (Ich meine nicht den Nachnamen, sonst hätte ich der HERR Fitze geschrieben, so höflich bin ich schon.) Nur müsste man das anders schreiben, und auch leicht anders aussprechen. Der „Schmutzli“ ist sozusagen der „Vize-Samichlaus“. Unterschied in der Aussprache beim i: „Vize“ (i wie in „Mieze“) und „Fitze“ (i wie in „Hitze“)

    5. myl Says:

      @Phipu:

      Das mit dem „Willst Schlägle?“ ist eindeutig nicht schweizerdeutsch. Die „Wottsch Schleeg?“ gibts schon, aber es gibt auch noch die verbalisierte Version:
      „Wottsch schleglä?“, so im Sinne von „ein bisschen Schläge austeilen“. In dem Sinne sind dann meist mehr als 2 in die Schlägerei verwickelt, und so ganz harmlos wird das wohl auch nicht ausgehen…

    6. Administrator Says:

      @myl
      Danke für den Hinweis. Da sind bei meiner apperzeptive Ergänzung des Schweizerdeutschen wie üblich das „ä“ und das „e“ durcheinander geraten, typisch norddeusche Hörweise.
      Mein „Willst Schlägle“ sei ein „Wottsch schleglä“, und hier geht es garantiert nicht um eine Einladung zu einem Philosophie Seminar zum Thema „Schlegel„, da sind wir uns sicher einig.

      Gruss, Jens

    7. Simon Says:

      Noch was zu „Fitze“ und „Vize“: In meinem (Winterthurer) Dialekt spricht man „Vize“ durchaus mit kurzem „i“ aus, so dass der Unterschied zur „Fitze“ (die mir auch noch aus Kindertagen bekannt ist – wenn auch zum Glück nicht aus eigenem Erleben) nur am „e“-Laut am Wortende hörbar ist: „Vize“ mit offenem, aber unbetontem „é“, „Fitze“ mit dem im Dialekt manchmal als „ä“ geschriebenen Schwa-Laut.

      „Fitze“ als Verb gibt es übrigens auch (siehe auch Phipus Kommentar). Es beschreibt den Schmerz, der entsteht, wenn man mit einem elastischen Gegenstand geschlagen wird. Wer jemals dicht hinter einer anderen Person durch zugewachsene Waldwege mit Ästen auf der Seite gegangen ist, weiss, wovon ich spreche… Übertragen kann man dann auch elektrische Schläge etc. mit diesem Wort beschreiben.

    8. solar Says:

      Zu „Fitze“ kommt mir auch das Wort „wunderfitzig“ für „neugierig“ mit einem Touch ins Vorwitzige in den Sinn. Es hat aber vielleicht keinen Zusammenhang mit Samichlausen-Fitze.

      Am Fitzestolebärgli
      Da woned sibe Zwärgli.
      Die boued a de Raine
      Es Stedtli under de Steine.
      Und z Abig, dänn wänns tunklet
      Und d Stärndli am Himel funkled,
      wänn d Chinde gönd is Bettli,
      dänn schlüüfeds us em Stedtli,
      und schliiched liis wie d Müüsli
      d Stäge duruf durs Hüüsli
      und rüefed uf der Winde:
      „Guet Nacht, guet Nacht, ir Chinde.

      Hier noch wörtlich in Standarddeutsch:

      Am Fitzenstollenberglein
      Da wohnten sieben Zwerglein.
      Die Bauten an den Rainen,
      ein Städtchen unter den Steinen.
      Und abends, dann, wenn’s dunkelt,
      wenn die Sternlein am Himmel funkeln,
      wenn die Kinder gehen ins Bettchen,
      dann schlüpfen sie aus dem Städtchen,
      und schleichen leis’ wie Mäuse
      die Treppe aufwärts durchs Häuschen
      und rufen auf dem Dachboden:
      Gute Nacht, gute Nacht, ihr Kinder.

      Als Kind fand ich die Kombination der „Fitze“, mit der uns nicht nur Wochen vor dem 6. Dezember, sondern auch noch Wochen danach, wenn die vom Samichlaus gebrachte Fitze in einer Ecke bereit stand, gedroht wurde, mit stehlen (gstole = gestohlen) sehr bedrückend, auch wenn der uralte Zürcher Kindervers eigentlich herzig war und nichts mit Stehlen, sondern mit Stollen zu tun hatte.

      Zu „Fitzestolebärgli“: wohl Fitzenstollen (ein Stollen ist ein Art Zapfen, z.B. ein herausstehender Felssporn, zurzeit zudem auch ein weihnächtliches Gebäck, das ich aber damals noch nicht kannte)

      Simon hat das Verb „fitzen“ als Schmerz zufügen mit einem elastischen Gegenstand, z.B. mit elastisch zurückschletzenden Zweigen querwaldein sehr trefflich beschrieben. Dann sagt man aber nicht etwa: Die Zweige haben haben mich ins Gesicht gefitzt, sondern unbestimmt „Es hät mer eis gfitzt.“ (Es hat mir eins gefitzt!)

    9. Luise Says:

      Bei uns in Hessen hießen die Teile auch einfach Rute. Ich kann mich auch noch erinnern, dass es früher in der Adventzeit im Laden Ruten zu kaufen gab, die mit Süßigkeiten behängt waren. Wenn man Glück hatte, hat man dann so eine vom Nikolaus bekommen. 😀
      Hab die aber schon ewig nicht mehr gesehen…

    10. bosshart Ueli Says:

      Sali jens
      Zur info , da gibts dann noch einen typisch schweizerichen Brauch die chlausjagd in Urnäsch appenzell!
      gruss ueli

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