Wenn die Standardsprache auch als Beziehungssprache akzeptiert wird — Neues aus dem Hochdeutschen Kindergarten in Schlieren
Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 22.09.06 auf S. 25 einen Artikel von Helene Arnet über den Schlieremer Kindergarten Zelgli, in dem die Kindergärtnerinnen konsequent Standarddeutsch mit den Kindern sprechen. Alle Zitate entstammen diesem Artikel. Die Standardsprache wird in diesem Kindergarten konsequent für in allen Situationen gesprochen:
Von der Begrüssung am Morgen bis zum Trösten, wenn ein Kind sich wehgetan hat.
Die Kindergärtnerin Monika Lappert hatte damit zu Anfangs noch ihre Schwierigkeiten:
„Mir war bei dem Gedanken nicht wohl, dass ich ständig Hochdeutsch sprechen müsste. In erster Linie wegen mir selber, weil ich mich nicht so sicher fühlte.“
Es ist nicht irgendein Kindergarten, sondern eine Gruppe mit hohem Fremdsprachen-Anteil:
Untereinander sprechen die Kinder Dialekt – oder in ihrer Muttersprache, die bei dreizehn der siebzehn Kindern nicht Deutsch ist. (…) Schlieren ist die Gemeinde mit dem höchsten Fremdsprachen-Anteil des Kantons.
Genau dies ist der Grund, warum das Projekt„Standarddeutsch im Kindergarten“ gestartet wurde.
Die These der Schulpflege: Wird schon im Kindergarten konsequent Standardsprache gesprochen, erleichtert dies den Fremdsprachigen das Deutschlernen — und den Schweizer Kindern den Einstieg in die Schule.
Die Erzieher sprechen kein gestelztes Schriftdeutsch, sondern es wurde ihnen zuvor in einer Fortbildung beigebracht, ein möglichst natürliches Standarddeutsch zu artikulieren:
Bei Monika Lappert haben sich die Hemmungen, Standardsprache zu sprechen, vollständig gelegt: „Ich spreche unterdessen automatisch alle Kinder, die kleiner sind als bis zu meinem Bauchnabel, Hochdeutsch an“
Diese absolut sensationelle Fähigkeit haben wir bei manchen Schweizer Müttern beobachtet, z. B. auf einer langen Bahnreise, oder bei Freunden mit kleinen Kindern. Wird einem Schweizer Kind etwas vorgelesen, dann übersetzen viele Schweizer automatisch und simultan den Hochdeutschen Text in ihren Dialekt. Eine sensationelle Leistung, wenn man bedenkt, dass die Kinder ja irgendwann über die Schulter schauen und mitlesen. Im Kindergarten in Schlieren ist das anders:
Monika Lappert erzählt den Kinderbuch-Klassiker „Pitschi“. Früher hätte sie den Text simultan in Mundart übersetzt. Heute liest sie Hochdeutsch vor.
Die Germanistin Karin Landert hat den Hochdeutsch-Erwerb in einem Hochdeutsch-Kindergarten mit einem Schweizerdeutsch Kindergarten verglichen. Sie kam dabei u. a. zum dem Ergebnis, dass
(…) Kinder aus dem standardsprachigen Kindergarten geläufiger, fliessender und auch reichhaltiger Hochdeutsch als die anderen [sprechen].
Wenn die Kinder erleben, dass ihre Kindergärtnerin in jeder Situationen, auch bei Streits oder beim Trösten, Hochdeutsch sprechen, ahmen sie dieses Verhalten nach:
(…) Sie sprechen spürbar ohne Hemmungen, und zwar auch in emotionalen Situationen, Hochdeutsch. Sie haben die Standardsprache auch als Beziehungssprache akzeptiert. Dieser Aspekt scheint mir eher wichtiger als der sprachformale.
Das Vorlesen in der Standardsprache spielt beim Spracherwerb ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es wirkt sich nicht nur ganz einfach positiv auf den Wortschatz der Kinder aus, sondern schafft es auch, die Standardsprache in einem anderen, besseren Licht erscheinen zu lassen:
(…) Es zeigt sich, dass Kinder, denen früh Geschichten in Standardsprache vorgelesen wurden, sich in der Regel problemloser auf Hochdeutsch ausdrücken können. Das hat viel damit zu tun, dass ihnen dadurch eine positive Einstellung zur Standardsprache vermittelt wird. Grundsätzlich zeigt sich, dass die Umgebung, in der das Kind mit der Standardsprache in Berührung kommt, eine grosse Rolle spielt. Das gilt für das Elternhaus und die Schule.
Wir finden die alte Theorie bestätigt, dass die negative Einstellung zur Hochdeutschen Sprache häufig mit dem Widerwillen der Lehrer zu tun haben, die vor den Kindern keinen Hehl daraus machen, wie ungern sie selbst die Standardsprache sprechen:
(…) Wenn Lehrerinnen oder Lehrer spürbar widerwillig Hochdeutsch sprechen, wird sich das auf die Kinder übertragen und deren Lerneffekt vermindern. Aber wenn die Lehrpersonen gerne Hochdeutsch sprechen, wirkt sich dies positiv auf den Hochdeutsch-Erwerb der Kinder aus.
Zum Schluss dieses hervorragenden Berichts von Helene Arnert können wir uns nicht verkneifen, ein wenig Erbsen oder besser Helvetismen zu zählen. Darum hier eine kleine Liste der nicht-standarddeutschen Wörter, die von Frau Arnert im Tages-Anzeiger verwendet wurde: Rekurs, hängig, Versli, innert, Zwängerei, Vernehmlassung, Entscheid.
Zitate haben wir nicht berücksichtigt.
October 13th, 2006 at 1:14 am
Lieber Jens
Woher leitest Du eigentlich Deine Gewissheit, dass man in der Schweiz die deutsche und nicht die schweizerische Standardsprache lernen und sprechen soll? Ist es die schiere zahlenmässige Mehrheit der in Deutschland Heimatberechtigten gegenüber den in der Schweiz Beheimateten? Findest Du es ein Armutszeugnis, dass die Schweizer und Schweizerinnen und Andere, die schon lange hier leben, Varianten haben gegenüber der ach so viel höher stehenden grossdeutschen Standardsprache? Sei doch dankbar, dass Sprache nicht nur lebt, sondern dank geografischer Unterschiede sehr reich und gerade durch Vergleichsmöglichkeiten ungeheuer spannend ist.
Du wirst zu Recht (oder hat die Rechtschreibung gerade wieder nach “zu recht” gewechselt?) mit Deiner Blogwiese immer prominenter. Wäre es für Dich allen Ernstes erstrebenswert, wenn von Kiel oder Greifswald bis nach Finsterhennen, Blitzingen, Bosco Gurin oder Klagenfurt ein identisches Einheitsdeutsch gesprochen würde. Danke für Obst! Und dann müsste es wohl natürlich irgendetwas Kaltgeschnarrtes (also eine der Varianten, die in unseren Ohren so arrogant tönen) sein.
Lieber Jens, unsere Schweizer Standardsprache ist absolut vollwertig!
Abweichungen von Deinem Idealdeutsch – bewusst eingesetzte oder kaum bewusse Helvetismen – sind hierzulande keine Fehler, sondern gehören zum Charakter unserer Sprache, die genauso deutsch ist ist wie Deine.Bei Dir schimmert noch immer die Einstellung durch, dass Dialekt rangmässig zwingend tiefer angesiedelt sei als “Hochsprache”. Das gilt definitiv in der Schweiz nicht.
Und eigentlich weisst Du das ja längst, nehme ich gutmütig an. Schliesslich lebt ja Dein süchtig machender Blog u.a. genau von solchen Provokationen wie im letzten Abschnitt Deines heutigen Beitrags.
Nüüt für unguet!
October 13th, 2006 at 1:40 am
Was will uns der Verfasser damit sagen? Etwa dass auch im Kindergaten gefälligst perfektes Hochdeutsch zu sprechen sei und sich jeder Chegelischüeler sich sämtlicher Helvetismen zu enthalten habe? Weil, klar (oder überhaupt) denken geht bekanntlich nur auf Hochdeutsch. Darum haben es die blöden Schweizer mit ihren Dialekten auch nur zu kaum bildungsfähigen Halbintelligenzlern gebracht, nur fähig am Rockzipfel unserer Hochdeutsch denkenden Freunde zu überleben.
October 13th, 2006 at 2:56 am
Ich begrüsse diese Entwicklung sehr und bedauere, dass ich keinen Hochdeutschen Kindergarten genoss!
October 13th, 2006 at 5:13 am
@solar
ich weiss nicht, aus welchen Postings Du auf meine vorgebliche Meinung gestossen bist, ich wäre der Meinung, alle müssten Hochdeutsch sprechen. Ich bin ein grosser Fan von Sprachen, ich vertrete die These, die Schweizer müssten bewusst ihre hervorragende Fähigkeit zur perfekten Diglossie pflegen, ich liebe Varianten, darum beschreibe ich sie hier ja ständig und erläutere sie. Der letzte Abschnitt des Postings sollte nur zeigen: Im Kindergarten den Kindern Standardsprache beibringen ist das eine, im Tagi einen Artikel schreiben das andere. Es war keine Wertung in der Auflistung der Helvetismen verborgen, sondern nur eine kleine ironische Feststellung.
Nochmals: Wenn Du irgendwo herausgelesen hast, ich wolle den Schweizern ihre Diglossie wegnehmen oder hätte was gegen Dialekt und Schweizerdeutsch, dann sag mir bitte wo das steht, damit ich das gleich löschen kann. Das ist absolut nicht Sinn und Zweck der Blogwiese.
October 13th, 2006 at 5:16 am
@Zydeco
Deutsch ist auch die Sprache der Schweizer, es ist nicht etwas, was sie den Deutschen überlassen sollten. Trotz Gottfried Keller, Frisch und Dürrenmatt und viele andere Autoren ist das bei den Schweizern nicht immer so bekannt. Perfekte Zweisprachigkeit ist das Thema, nicht einseitig nur Hochdeutsch.
Deutsch ist eine Sprache. Das hat was mit “Sprechen” zu tun. Nur auf Deutsch zu schreiben, es sonst aber nie zu sprechen, halte ich für den falschen Ansatz. Statt “Hochdeutsch” sage ich lieber “Standarddeutsch”, was als Grundlage dienen soll, zu dem die Varianten kommen. Ich liebe Varianten sehr und habe sie hier oft erläutert. Werten, geschweige denn “abwerten” würde ich Varianten nie. Es geht gar nicht ohne. Im Prinzip sprechen wir alle ständig in Varianten. Paradebeispiel ist die Geschichte vom “Brotanschnitt”: Dieses Wort existiert eigentlich nicht, es gibt nur Varianten für die damit bezeichnete Sache. Vgl Blogwiese
Für die am Ende des heutigen Artikels erwähnte “Zwängerei” fällt mir kaum eine brauchbare Standdeutsche Version ein. Varianten bereichern die Sprache.
October 13th, 2006 at 7:55 am
Interessant zu wissen wäre noch, wie hoch denn genau der Anteil an fremdsprachigen (= keine Landessprache sprechenden) Kindern im erwähnten Schlieremer Kindergarten ist. Dürfen wir das nicht wissen?
October 13th, 2006 at 8:02 am
@von Korf
es heisst doch: “bei 13 von 17 Kindern ist die Muttersprache nicht Deutsch”.
Bei wievielen die Muttersprache weder Italienisch, Französisch, Schriftdeutsch, Surselvisch, Sutselvisch, Surmeirisch oder Puter ist, wird leider nicht im Detail erwähnt. Habe ich eine Sprache vergessen?
October 13th, 2006 at 8:12 am
Gibt´s nicht noch das Idiom “Ladin”?
October 13th, 2006 at 8:22 am
@Administrator
Ich bin sicher, es fällt irgendein Trottel auf Dich rein und schreibt:
Vallader hast Du vergessen!
October 13th, 2006 at 8:44 am
guter ansatz, aber warum ALLES auf hochdeutsch?
einerseits sicher begrüssenswert, wenn man einen besseren bezug zu der schriftsprache bekommt, andererseits, hallo, man lebt in der deutschschweiz und warum sollte man dann nicht auch schwyzerdütsch schon von kleinauf benutzen?
October 13th, 2006 at 8:45 am
@lapsus
da mache ich lieber selbst zum Trottel und zitiere Wikipedia vollständig:
* Surselvisch (Sursilvan) (verbreitet im Vorderrheintal und dessen Seitentälern sowie in der Region Imboden (Il Plaun) mit den Ortschaften Domat/Ems, Rhäzüns (Razén), Bonaduz und Trin. Letztere Ortsdialekte gehören aufgrund ihrer sprachlichen Merkmale zwar eigentlich zum Sutselvischen, geschrieben wird jedoch nur Surselvisch.
* Sutselvisch (Sutsilvan) (in Gebieten des Hinterrheins, nämlich in den Berggemeinden des Domleschgs (Tumleastga) und des Heinzenbergs (Mantogna), sowie im Schams (Schons) und im Val Ferrera)
* Surmeirisch (Surmiran) (verbreitet im Albulatal, in der Gemeinde Vaz/Obervaz und im Oberhalbstein) (Sursès)
* Oberengadinisch (Puter) (im Oberengadin - und in Bergün (Bravuogn), das geografisch nicht zum Engadin gehört und einen dem Surmeirischen nahestehenden Ortsdialekt aufweist)
* Unterengadinisch (Vallader) (verbreitet im Unterengadin und im Münstertal (Val Müstair)).
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4toromanisch)
Jetzt haben wir sie alle, hoffe ich.
October 13th, 2006 at 9:41 am
Also Jens, ich finde es schön, dass meine Kinder berndeutsch sprechen. Ehrlich gesagt hätte ich ein Problem damit, wenn sie jetzt im Kindergarten “Standarddeutsch” sprechen sollen. Was nützt es ihnen letzlich? Wenn sie perfekt Hochdeutsch sprechen können, werden sie in Deutschland ja auch als Fremdkörper angesehen, weil sie keinen Dialekt haben.
Ein besserer Ansatz für mich wäre, wenn meine Kinder bereits im Kindergarten eine 2. Amtssprache wie z. Bsp. Französisch lernen würden.
October 13th, 2006 at 9:49 am
Da haben wir’s in Baden-Württemberg einfacher “Wir können alles - nur kein Hochdeutsch”.
October 13th, 2006 at 9:50 am
@ solar
was genau verstehst du unter einer schweizerischen Standartsprache ?
Züri-Tütsch, Bärn-Dütsch, Basel-Deutsch ? Ich sehe hier keinen Standart, sondern viele verschiedene Sprachen (oder Dialekte).
October 13th, 2006 at 9:53 am
Überall, wo ich im deutschsprachigen Raum hinkomme, (waren gerade im Tirol in den Ferien), wird Hochdeutsch als Kunstsprache empfunden. Das schleckt keine Geiss weg, und wenn da noch so viel mit intellektuellen Sprüchen herumargumentiert wird. Dass die Kinder später besser Deutsch sprechen mag sein, ist aber wohl noch kaum in grossem Rahmen empirisch nachgewiesen. Für die Umgangssprache brauchen wir kein Hochdeutsch, und für die im späteren Leben zu beherrschende Geschäftssprache Hochdeutsch ist die hochdeutsche Umgangssprache sowieso nicht relevant. -
Die ganze Sache liegt meines Erachtens doch so, dass unsere Kinder (ich meine die Kinder, welche mit dem Schweizer Dialekt leben) sich neuerdings den ausländischen Kindern anpassen müssen anstatt umgekehrt. Das liegt voll auf der Linie des von linker Seite beherrschten Lehrkörpers. die da lautet: Muli-Kulti wo’s nur geht, Was-bildet-ihr-euch-eigentlich-ein-Schweizer-zu sein, Förderung des Verlustes der nationalen Identität, Herunterreissen aller Werte, welche eine Gemeinschaft ausmachen, Schulung des Schuldgewissens, Schweizer zu sein (wie es bei Euch Deutschen in Reinkultur praktiziert wird - zu Unrecht) -
Der nächste Schritt wird wahrscheinlich die Förderung im Kindergarten des Übertritts zum Islam sein, damit die Schweizer Kinder sich besser ins ausländische Umfeld einpassen können, Zwangssitzungen in Solarien, damit sich die Schweizer Kinder auch äusserlich besser an die dunkelhäutigen anpassen - und….andere Vorschläge? -
Wir Schweizer sind nicht bessere oder schlechtere, nicht gescheitere oder dümmere, Menschen als alle andern. Aber wir dürfen Schweizer sein, wir sollten endlich wieder eine gesunde Achtung vor unserem Stand haben!
October 13th, 2006 at 10:06 am
Grundsätzlich begrüsse ich die Vielfalt der Sprache sowie die frühe Konfrontation der Kinder mit Fremdsprachen. Ich gebe aber zu bedenken, dass ein Kinde auch mit unseren verschiedenen Dialekten konfrontiert werden soll. Daher bin ich nicht sicher, ob die konsequente Benützung der Standardsprache bereits im Kindergarten etwas Gutes ist. Auch die fremdsprachigen Kinder sollen sich mit unseren Dialekten vertraut machen. Ich befürchte, dass diese Kinder unseren Dialekt überhaupt nicht mehr lernen.
Jens, die Nennung der Helvetismen sind für mich immer wieder interessant. Du hast mich mit einigen überrascht (was, das ist nicht Hochdeutsch?). Weiter so.
October 13th, 2006 at 10:09 am
Ich stelle mir immer wieder die Frage, weshalb so viele Schweizer beim Thema Hochdeutsch im Kindergarten dermassen panisch reagieren.
Ihr meint doch nicht im Ernst, dass die Kinder so den Schweizer Dialekt verlernen?
Ja ne ist klar, wird erst einmal im Kindergarten Hochdeutsch gesprochen, dann tut man das auch automatisch in der Familie, in der Freizeit und so weiter…
Was einem ein besseres Hochdeutsch nutzt?
Wie der Jens ja schon in mind. einem Blog geschrieben hat, gibt es in der Schweiz sehr viele Deutsche, die hier arbeiten.
An meiner Uni ist ungefähr jeder 3te Professor Deutscher, so erscheint es mir zumindest. Und diese Professoren trumpfen halt mit einem perfekten Schriftdeutsch auf, das zudem so wunderbar eloquent rüber kommt, dass wir armen Schweizer Studis richtig neidisch werden könnten.
Es ist (für mich zumindest) einfach sehr schwierig, wenigstens ein Deutsch zu sprechen, das ohne “Schweizer-Worte” auskommt, also Wortschöpfungen, die nur in der Schweiz bekannt sind.
Der Schweizer Akzent wäre mir freilich egal, würde ich nur ohne gross nachzudenken die richtige Wortwahl treffen.
Deshalb: Hochdeutsch an den Kindergärten und in den Schulen und zwar konsequent national!
October 13th, 2006 at 10:42 am
Mensch Jens, manchmal bewundere ich deinen Enthusiasmus. Jedes mal, wenn es um die “bestimmten” Themen geht und einige der Blogleser sich wiedermal reflexartig wehren müssen, du hast eine Engelsgeduld, rechtfertigst dich, erklärst, relativierst…. Mir würde das längst die Freude am Blog verleiden. Meinen Respekt hast du hiermit.
Was wäre es so schön, wenn all die aus dieser Ecke erst mal genau lesen und anschliessend mal nachdenken würden.
Keiner hat geschrieben dass, “gefälligst”, “alles”, “hoch”, “standart” Deutsch sein soll.
Es ist jedoch selbst in der Schweiz unbestritten, dass der “Schul-Horror Balkan-Deutsch” Slang um sich greift. Zitat: «Ich weiss wo din Huus wonnt!». Warum soll es schlecht sein, wenn man sich z.b. im täglichen Berufsleben klar ausdrücken kann? Vielleicht hat man es ja später mal mit Leuten zu tun, die Deutsch nur als Fremdsprache sprechen?
Oder lieber so: “Mir doch egal, wer was von mir will, soll sich gefälligst anpassen oder gleich dahin verschwinden, woher er gekommen ist!”
Wer natürlich nur das “Schwarz-Weiss-Denken” liebt und nicht bereit ist mal über seinen Tellerrand zu schauen, dem ist sowieso nicht zu helfen.
Zur Info: Ich komme aus Sachsen und liebe meinen Heimatdialekt. Vielleicht sollte ich den jetzt nur noch sprechen…
October 13th, 2006 at 10:42 am
Ich bin jetzt vielleicht ein ‘Liiribänz’…… Jens, bitte erkläre meinem langsamen Bernerhirni;
welchen der vielen Ausdrücke ‘die Sprache Deutsch beschreibend’,derjenige ist ,der für das in der Schweiz gesprochene Hochdeutsch gilt und welcher ist der Ausdruck der geläufigerweise verwendet wirtd um das Hochdeutsch ennet dem Rhein zu beschreiben.
I bi grad echli verhürschet;)
Ich finde die Schliemerer Idee gut,wenn schon soooo viele Kinder eine andere Muttersprache haben und unter Umständen nicht mal untereinander kommunizieren können, ist es sicher sinnvoll für den Alltag eine gemeinsame Sprache zu verwenden,in diesem Fall eben Hoch/Standard/Schrift/Ideal Deutsch.
grüessli syuv
October 13th, 2006 at 10:49 am
@Louis
Wir sind da ganz einer Meinung. Nur sollte es noch viel weiter gehen:
Wir plädieren daher schon seit langem dafür,
1. Zugbrücken an den Landesgrenzen zu bauen (siehe hier)
2. Die Zuwanderung zu stoppen und alle Zugewanderten konsequent wieder heim schicken (siehe hier)
3. Solarien zu verbieten
4. Ferienreisen in islamische Länder (Tunesien, Türkei, Ägypten) zu verbieten zur Förderung der Schweizer Ferienregionen. Am Bodensee ist auch schön.
5. Konsequenter „Schriftdeutsch“ durch Schwiitzerdütsch zu ersetzen, nicht nur bei Meteo, sondern auch sonst überall (siehe hier)
October 13th, 2006 at 10:50 am
Den folgenden Satz von Jens finde ich wichtig und richtig:
“Deutsch ist auch die Sprache der Schweizer, es ist nicht etwas, was sie den Deutschen überlassen sollten”.
Das Problem vieler Schweizer ist, dass sie die Sprache “Deutsch” automatisch mit der Nation “Deutschland” verbinden. Die Begriffe tönen ja auch fast gleich.
Das erklärt, warum viele Schweizer gar nicht Deutsch lernen und sprechen wollen. Man möchte sich doch vom grossen Kanton möglichst abgrenzen und unterscheiden. Es geht doch nicht, dass man die Sprache des ungeliebten Nachbarn spricht. Das wäre eine Anbiederung, die man unter keinen Umständen will. Deutsch den Deutschen und Dialekt den Schweizern. Zwei unterschiedliche Nationen mit zwei (total) unterschiedlichen Sprachen. So muss es sein.
Diesen Ansatz finde ich falsch. Die deutsche Sprache gehört nicht nur den Deutschen, sondern genauso den Schweizern, Österreichern und Südtirolern etc.
October 13th, 2006 at 11:18 am
@sylv
bi grad echli verhürschet;)
wipikedia kann mir nicht weiter helfen
als dütscher, der “nur” aargau-dütsch sprechen kann, ist dieser ausdruck nicht geläufig, meinst du wuschig nervös oder was ist das???
immer dankbar für hinweise - auf auf bärntüsch.
October 13th, 2006 at 11:18 am
Das ist leider ein auch von den PISA-Ergebnissen abgeleiteter und meiner Meinung nach falscher Schluss mit dem Hochdeutschen in Kindergarten und Schulen.
Ich ging in Österreich in den Kindergarten und genoss dann das Gymnasium und später die Universität: immer wurde in unseren Dialekten gesprochen. Es wurden sogar Referate in der Schule immer in der Mundart durchgeführt weil Zitat “es unsere Sprache ist”. An der Uni wurde dann halt Englisch für Vorträge verwendet - aber untereinander oder in den Lehrveranstaltungen blieb es beim guten alten österr.Dialekt (Ausnahme natürlich der Herr Prof. war Ausländer).
Heute hingegen ist das mehr und mehr verpönt. Schlimmer noch: Heute an den Schulen werden oft die Kinder die im Dialekt sprechen als “Bauernkinder” gehänselt. Es ist heute ein MUST Neudeutsch zu reden - Hochdeutsch mit klanglicher österr.Einfärbung - “das ist urgeil - na da hab’ ich aber schön g’schaut - “. Mir stellt es dabei die Haare auf. Aber das verdanken wir den PISA-Diskussionen, den vielen TV-Kanälen aus Deutschland und aber auch dem Nichtvetrauen in unsere eigenen Dialekte.
Dennoch fällt mir auf dass wir Österreicher meist besser Hochdeutsch sprechen können als Schweizer - wahrscheinlich liegt es an der alleman.Lautverschiebung und der eher “gleicheren” Grammatik und Bedeutungen von Ausdrücken. Wobei bei Gemüse und Obst wir eher wieder anders sind (Paradeiser=Tomate, Marille=Aprikose,…).
Peter
October 13th, 2006 at 11:30 am
Ich bein Deutscher, lebe seit sieben Jahren in der Schweiz und spreche die deutsche Standardsprache in einer umganssprachlichen Form. Nicht weil ich aus einer arroganten Haltung heraus dafür entschieden habe, sondern weil ich in einer Gegend aufgewachsen bin, in der genau so gesprochen wurde und wird.
Mit knapp 18 bin ich dann in die Stuttgarter Gegend gezogen. Da musste ich mit zum ersten Mal in meinem Leben anhören, ich sei arrogant. Ob ich glaube, ich sei etwas besseres, “weil ich so klug daher schwätze”? Nein glaube ich nicht, und wenn doch, dann sicher nicht wegen meiner Sprache. In der (Zentral-) Schweiz, meiner neuen Heimat; muss ich mir das auch immer wieder anhören (oder in den Kommentaren hier lesen). Sind Menschen schlechter, arrogant oder sonstwas, weil der Spracherwerb an einem anderen Ort stattfand? Wohl kaum.
Viele Zuschreibungen an die Fähigkeiten des Schweizerdeutschen etwa emotionales besser ausdrücken zu können, usw. gilt doch nur für Menschen die diesen Dialekt hier von Kindesbeinen an gelernt haben. Ich werde den Dialekt mit über 40 sicher nicht mehr so erlernen können.Ich drücke emotionales, sachliches, ironisches oder was auch immer eben in meiner als Kind erlernten Umgangssprache aus.
Hätte ich damals auch noch Plattdeutsch gelernt, könnte ich das vermutlich auch in diesem Dialekt. Was mir aber in der Schweiz nicht viel weiterhelfen würde. Zum Glück habe ich also auch noch eine weiträumig verständliche Form der Standardsprache gelernt, mit der ich mich hier heute verständlich machen kann und dafür ist Sprache doch wohl da, zur Verständigung. Nicht zur Abgrenzung.
Wenn Schweizer Kinder und Kinder anderer hier in der Schweiz lebender Nationalitäten im Kindergarten (ab dem 5. Lebensjahr! Vorher haben Sie sicher bereits irgendeinen Dialekt unauslöschlich gelernt) oder spätestes in der Primarschule Standarddeutsch lernen (gerne in einer regionalen oder lokalen Tönung, denn niemand will das originär Schweizerdeutsche ausrotten, jedenfalls ganz sicher nicht die hier in der Schweiz lebenden Deutschen. Die wollen nur so sprechen dürfen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und wurde) dient das vielleicht dazu, dass völlig gegenstandslose Anfeindungen aufgrund einer als unschuldiges Kind erlernter Sprache wegfallen und dass sich die Einwohner des deutschen Sprachraumes möglichst ohne Missverständnisse miteinander kommunizieren können.
Nebenbei: unser Au Pair aus der Romandie hätte sich hier auch weniger Schwer getan, wenn das Gros der Menschen mit ihr das Deutsch gesprochen hätten, das sie als Fremdsprache an der Schule in Fribourg gelernt hat. Und hat sie ganz gut verstanden, “Ureinwohner” überhaupt nicht.
October 13th, 2006 at 11:35 am
wolfi
verhürschet ist Berndeutsch für durcheinander sein oder zerstreut sein
syuv, always pleased to be able to be of help:)
October 13th, 2006 at 11:51 am
Hallo Jens
Zwischen Deinen Zeilen entnehme ich den Verdacht der Fremdenfeindlichkeit mir gegenüber. Ich kann daraus nur schliessen, dass Du es so verstehen WILLST. Auch eine Art der Voreingenommenheit. - Oder ein Abwehrreflex?
Hey Nussi,
Wenn Deine Profs nicht in der Lage sind, Schweizerdeutsch zu vestehen, tut’s mir leid. Ich dachte, ein Prof. müsse eine intellektuell etwas höhere Begabung und geistige Beweglichkeit haben als wir durschnittlichen Sürmel - Du kommst Dir klein vor, wenn die so geschliffen daher reden? Gib ihnen mal nur auf Schweizerdeutsch Antwort und sieh, wie sie plötzlich den unruhigen Blick bekommen! Wenn Du Dich da als armer neidischer Schweizer fühlst, hat man Dich mit dem Sprachimperialismus offenbar schon voll besiegt. - Dänn also è schööns Tägli.
October 13th, 2006 at 12:13 pm
Louis said:
“Überall, wo ich im deutschsprachigen Raum hinkomme, (waren gerade im Tirol in den Ferien), wird Hochdeutsch als Kunstsprache empfunden.”
Ich schätze mal, du hast es nördlich noch nicht über den Weißwurstäquator hinaus geschafft?
Ja, auch Mitteldeutschland und Norddeutschland gehören zum deutschsprachigen Raum. Und das letzte mal, als ich dort nachgesehen habe, wurde Hochdeutsch nicht unbedingt als Kunstsprache empfunden oder gar mit Unbehagen betrachtet, sondern eher als Hauptsprache, da dort die meisten Leute meiner Generation (ich werde in einigen Monaten 30) ausschliesslich Hochdeutsch reden, allenfalls mit einem leichten regionalen Akzent, der aber nicht mal ansatzweise als Dialekt gelten kann. Platt ist in der Umgangsprache fast nur noch unter den Älteren (50 aufwärts) hier und dort anzutreffen.
Zählt also die Hälfte der Bundesrepublik (und der grenznahe Bereich Dänemarks) nicht mehr zum deutschsprachigen Raum?
Im Übrigen sehe ich den Grund für die Aufregung nicht: die Kinder lernen im Kindergarten, sich auch auf Hochdeutsch auszudrücken, in diesem Fall aus der Notwendigkeit heraus, sich überhaupt mit den anderen Kindern aus nicht-deutschsprachigen Familien unterhalten zu können (die dazu noch den grössten Anteil in diesem speziellen Fall bilden). Warum wird das als Bedrohung des Dialekts wahrgenommen? Es zwingt doch niemand diese Kinder, auch ausserhalb des Kindergartens Hoch- oder Standarddeutsch (und Standard wird immernoch mit “d” am Ende geschrieben
) zu sprechen. Und wenn ich das richtig verstanden habe, dann haben die Kinder doch keine Nachteile davon, sondern eher ausschliesslich Vorteile?
October 13th, 2006 at 12:21 pm
@Louis
Gott bewahre, ich habe absolut keine Verdächtigungen dir gegenüber. Nein, ich finde, man muss gute Ideen einfach nur konsequent zu Ende denken.
Die Sache mit dem Ausländerstopp und -rückführung ist so eine Idee.
Dass man Solarien verbieten sollte, da war ich bisher noch drauf gekommen, aber eigentlich ist es eine gute Idee. Denn wie Du richtig sagst: Demnächst steht uns ins Haus, dass sie noch Pflicht für uns alle werden. Dem sollte man von Anfang an Einhalt gebieten. Am besten verbieten … etc.
Aber zurück zur Sache: Es hat doch niemand verlangt, dass die armen Schweizer Kinder sich anpassen sollen, und jetzt die Sprache der Zugezogenen lernen müssen. Es geht darum, dass alle eine “Standardsprache” lernen sollten, um eine gemeinsam Basis zu haben. Und weil es mit der Standarisierung in den Schweizer Varianten etwas komplizierter abgeht, warum dann nicht die Basissprache, die Mit-Muttersprache der Schweizer, nämlich Deutsch, lernen. Das ist, historisch gesehen, die Parallelsprache zum lebendigen Hochalemannisch, Höchsalemannisch etc, in der Schweiz. Es ist doch einfach nur für alle von Vorteil, zusätzlich auch Neuhochdeutsch zu können, weil das in weiten Gebieten ein Standard ist. Genauso könnten sie auch Französisch lernen, eine sehr schöne Weltsprache, nur nutzt das den Kindern dann später beim Schreiben lernen nicht ganz so viel.
October 13th, 2006 at 12:44 pm
Ein Unterschied in der Wertigkeit der Dialekte in der Schweiz und vielleicht auch in Österreich ist sicher der, dass Dialekt sprechen nie mit einer sozialen Wertskala verbunden wird. Ein Schweizer Politiker, ein Schweizer Wirtschaftsboss oder Gewerkschaftler wird in einem Interview für die Deutschschweiz in Schweizer Deutsch befragt und auch entsprechend antworten. An Sitzungen bei denen die TeilnehmerInnen verschiedene Dialekte sprechen empfinde ich die Dialekte als Bereicherung. Wenn Deutsche dabei sind, wünschen diese nicht selten, dass man beim Schweizer Deutsch bleibt.
Ich habe aber auch erlebt, dass 10 Gesprächsteilnehmer sich alle französisch sprachen, weil ein Schweizer aus der Romandie dabei war. Viele Schweizer haben Freude an der Vielfalt ihrer Dialekte. Sie ist nicht selten auch ein Gesprächsthema. In Deutschland wird ein Politiker aus Bayern, Sachsen oder Schwaben am ZDF möglichst in Standartdeutsch reden, vielleicht weil man dann ernster genommen wird. In meiner Kindheit in Westfalen hatten Dialekte immer etwas den Anstrich des Primitiven.
October 13th, 2006 at 1:33 pm
Hallo Jens die Kids sollen eine Standardsprache lernen? Warum ausgerechnet Deutsch? Lassen wir sie doch gleich alle English lernen, das macht es viel einfacher und die Dialekt-Schreierei hätte auch bald ein Ende. Mit dieser Sprache würden sie auch wesentlich weiter kommen, als mit Deutsch
.
Was mir an den ganzen Diskussionen auffällt, man traut den Kindern viel zu wenig zu. Mein kleiner Sohn kann kein Spanisch, Französisch oder Englisch, trotzdem kann er mühlos mit Kindern dieser Nationen spielen. Ich finde es schade, dass diese Eigenschaft mit zunehmenden Alter verloren geht.
Andererseits haben wir auch Verwandtschaft im Schwabenland, wenn ich bedenke wie sich meine Kids bemühen Hochdeutsch zu sprechen, und das machen sie gut, trotzdem werden sie gehänselt und man belustigt sich darüber, wenn ein Schweizer Wort mit einfliesst, dann Frage ich mich: Was müssen meine Kids noch tun, um meinen Landsleuten gerecht zu werden?
October 13th, 2006 at 3:11 pm
Jeden Tag freue ich mich auf blogwiese! zum Thema Standardsprache: toll, dass schon im Chindsgi diese Sprache gesprochen wird, dann ist es auch völlig normal, sich darin auszudrücken, ob man traurig, froh, glücklich usw. ist. Wir Schweizer tun uns deshalb doch so schwer, die richtigen Worte zu finden, weil uns schlicht die Übung fehlt.
An den teils harschen Kommentaren sieht man, dass Schweizer einfach einen eingefleischten Minderwertigkeitskomplex gegenüber den Deutschen haben. Wenn ein Deutscher spricht tönt dies für uns geschliffen, elegant, eloquent…..unser “Hochdeutsch” tönt schwerfällig, plump etc.
Schon lange wünsche ich mir, dass jeder schweizer Lehrer mind 3 Monate in Deutschland zur Ausbildung sollte und dort gutes Hochdeutsch lernt, das ihm dann geläufig ist und welches er auch gerne und fliessend anwendet.
Gerne hätte ich meinen Kindern jeweils vorgelesen….ist aber in der Schweiz gar nicht so einfach: entweder ist das Buch in Hochdeutsch geschrieben oder auf Schweizerdeutsch: versuch mal als Zürcher eine Geschichte, die auf Baseldeutsch oder Berndeutsch geschrieben wurde vorzulesen…eine Kathastrophe!
Schwiizertütsch isch ganz wichtig i eusem Läbe und diheim wird au so immer no di eige Sprach gredt, Schwiizertütsch oder jedi ander Spraach!
October 13th, 2006 at 3:18 pm
Louis, tut mir wirklich sehr leid, dass Du Dich von einer Sprache so sehr unterdrückt fühlst…:-(
Ich sehe hier immer nur Schweizer (inzwischen nurnoch wenige!), die auf dem Standarddeutsch “rumhacken”. Jedoch nie umgekehrt… Warum nur?
Vielleicht ist es ja einfach nur hilfreich wenn man schon im Kindergarten mit der Sprache (in der man ja sowieso liest und schreibt!!) spielerisch konfrontiert wird. Vielleicht kann ja somit die später entstehende Abneigung gegen die eigenen (Schrift-)Sprache frühzeitig verhindert werden.
Es wird ganz sicher nicht der eigene Dialekt dadurch unterdrückt.
October 13th, 2006 at 3:18 pm
at Friederike
zumindest für Ö kann ich dir teilweise zustimmen. Der Dialekt spiegelt nicht unbdingt den Bildungsgrad wider. Einzig gewisse Nuancen, Wortwahl etc zeigen dir sowas an. Es ist aber kein Malheur wenn ein Bundespräsident oder anderes angesehenes Organ des Staates oder der Gesellschaft in einem Interview in seinem Dialekt spricht. Aber es gibt natürlich gerade bei Politikern schon die Tendenz ein österr.Standarddeutsch zu sprechen, da zum Bleistift ein Tiroler einfach nichts mit einem wienerischen Dialekt anfang will und somit die Person als unsympathisch definiert (natürlich nur eine Verallgemeinerung, aber es trifft doch zu und gilt natürlich auch in der anderen Sprachrichtung: Wiener können auch abschätzig über die Dialekte im Westen schimpfen).
Somit sind Interviews mit Spitzen vom Staat und der Society doch meist nicht im breitesten Ottakringer Dialekt abgehalten. Landeskaiser (Landeshauptleute) oder noch regionalere Politiker zeigen aber schon deutlicher ihre Herkunft/Verbundenheit (”wir sind wir” Mentalität) durch Einsatz ihres natürlichen Dialektes.
Dialekte sind schön, bereichernd und gehören einfach zu jeder Region. Standarddeutsch soll uns verbinden aber im Umgang untereinander innerhalb einer Dialektregion ist es nicht notwendig und wird dann doch als fremde Sprache im Ohr des Sprechers aber auch des Zuhörers empfunden. Ich denke auch das meistens eine entschärfte Version eines Dialektes ausreicht um mit Menschen die einen anderen Dialekt reden sich zu unterhalten.
Ich bin mit einer Schweizerin verheiratet - treffen nun meine österr. Verwandten auf die schweizerischen verwandten so nehmen beide eine entschärfte Version der Dialekte an und das reicht so ganz gut. Wobei ich feststelle dass Schweizer eher dazu neigen hochdeutscher zu reden als meine Landsleute. Sie begründen dies mit einer Unsicherheit vielleicht nicht verstanden zu werden - was natürlich Quatsch ist. Wer flexibel denkt und spricht kann sich auch in fremden Dialekten zurechtfinden. Und Gespräche in entschärftem Dialekt sind sicher relaxter, umgänglicher, emotionaler und ehrlicher als Gespräche wo jeder zwanghaft versucht, lupenreines Nürnberger Standarddeutsch zu sprechen.
Ich liebe Dialekte und unser erwartetes Baby (Termin nächste Woche!) wird sicher mit den Dialekten aufwachsen (wird zwar ein Mischmasch aus meinem österr. und dem hier üblichen Basler Schweizerdeutsch - was aber sicher eine Bereicherung des Sprachgefühls darstellen wird).
October 13th, 2006 at 4:34 pm
Hochdeutsch wird auch in Süddeutschland nicht als Kunsstsprache empfunden, sondern als das Sprachniveau, in der man sich höflicherweise verständigt, wenn das Gegenüber nicht aus dem selben Dorf stammt. Ich habe absichtlich Sprachniveau geschrieben, nicht “Sprache”.
Auch die Deutschschweizer sollten es sich mal überlegen, ob es nicht äußerst unhöflich ist so zu sprechen, daß ein welscher, gut Deutsch sprechender Gesprächspartner sie nicht versteht. Zudem ist die Unfähigkeit vieler Deutschschweizer, sich auf Hochdeutsch schriftlich (wenn also Zeit ist nachzudenken bevor man schreibt) auszudrücken, wirklich erschreckend. Was da manchmal in meinem Email-Postfach landet, da wirds einem schlecht.
Und: Baden-Württemberger können alles-auch Hochdeutsch.
October 13th, 2006 at 6:17 pm
Ich versteh die Aufregung nicht. Vor allem bei den Schweizern. Es stellt sich ja schon die Frage warum Frisch und Dürenmatt nicht Schweizer- bezw. “Züridütsch” oder “Bärndütsch” geschrieben haben? Sondern Luthers Hochdeutsch wie alle Blogger hier. (Smile) “Au ich als Baasler ka mi däm Zwang, wo eigentlig kaine isch, nit entzie”. Und das ist auch gut so. Gerade im Kindergarten scheint mir das Projekt doch sehr vernünftig zu sein. Zu meiner Zeit, Primarschule 1954-58, (in Basel warens damals nur 4 Jahre bis zum Gymi) war das Hochdeutsch gang und gäbe. Mindestens im Deutsch-Unterricht. Aber “Rechnen” (Mathe) usw. im Dialekt. Geht doch!
Allerdings. Wenn man Chat und Blogs liest in denen fast ausschliesslich auf Schweizerdeutsch geschrieben wird, befällt mich die dumpfe Ahnung, dass die etwas anderes gar nicht mehr können. Obwohl auch der Blick hauchdeutsch daherkommt. Ein Pisa-Studie bei älteren Unterschichten- Semestern, nur Sprache, würde wohl katastrophale Ergebnisse zeitigen.
Zum Schluss: Nems nid so ernst mai Liaber! Stöll dir den intögrierten Meemet in München vor, der zom ersten moi anem Saupreissen aus Hesse(n) begegnet. Und der sagt: Moin, moin. Magsch no Äppelwoi und Handkäs? Kansch ruig sauffe, bin aus Schleswig-Hollstein. Meemet bricht zusammen wenn er kein Hochdeutsch kann.
Prost. (Oder wars ein Niederösterreicher?)
October 13th, 2006 at 6:20 pm
Ich würde gern mal die Tafel sehen, von der die Tele-Züri Nachrichten abgelesen werden…
October 13th, 2006 at 6:36 pm
@Frank
“Und: Baden-Württemberger können alles-auch Hochdeutsch”
Wo kann ich die finden? In das Hochdeutsche Sprachniveau würde ich gerne mal reinhören.
October 13th, 2006 at 6:57 pm
@Frank
=====
Naja, ich habe schon des öftern mit Deutschen zusammengearbeitet, deren schriftlicher Ausdruck mehr als blamabel war, auch wenn sie sich mündlich geschliffen zu verständigen wussten.
Das soll nicht heissen, dass Deutschschweizer sich besser ausdrücken können, sondern bloss dass ein etwaiger Umkehrschluss “alle aus BW können Hochdeutsch reden und schreiben” nicht einfach per se gilt.
Und ausserdem sollte es eigentlich zum Standard gehören, hochdeutsch zu reden, falls das Gegenüber den Dialekt nicht versteht. Ich weiss, dass gewisse Leute es leider aus Prinzip nicht tun. Es hilft natürlich nicht, diese Saumarotte zu ändern, wenn gleichzeitig das Deutschschweizer Fernsehen selbst die Wetterprognose nur noch in Dialekt ausstrahlt, um sich von dem genauso seicht vorgetragenen Wetter auf deutschen Kanälen abgrenzen zu können.
Zum eigentlichen Thema:
================
Die Schwäche vieler Deutschschweizer, sich auf Hochdeutsch auszudrücken, liegt v.a. an der Qualität der Primarschullehrer/-innen. Die Kinder kommen mit 7 Jahren in die Schule, sie haben also schon bewusst längere Zeit ARD, ZDF, RTL, SAT1, etc. mitgekriegt und können die Sprache auch sehr gut sprechen (hört mal auf einem Spielplatz zu, wenn Kinder Sportreporter nachahmen). In der Primarschule gibt es allerdings keine in den Finessen des Hochdeutschs ausgebildeten Lehrer, so dass diese das gerollte r und sämtliche Helvetismen inklusive schleppender Aussprache den Kindern beibringen. Auch wird im Unterricht nicht konsquent hochdeutsch gelehrt. Selbst in meiner Gymnasialzeit gab es Lehrer, die immer wieder in den Dialekt zurückgefallen sind, weil sie zu faul waren, hochdeutsch zu reden.
Zusätzlich zu einem besseren Gebrauch des Hochdeutschs an den Schulen wäre es allerdings angebrachter, im Kindergarten französisch anstelle von hochdeutsch zu unterrichten (natürlich durch muttersprachlerische Kindergärtner/-innen). Französisch braucht viel länger als Englisch, bis sie bei uns in Fleisch und Blut übergegangen ist. Und natürlicher Spracherwerb im Kindergarten ersetzt jahrelanges analytisches Lernen zu einem späteren Zeitpunkt. Bevor jetzt irgendjemand über mich herfällt wegen solch ketzerischer Ansichten, soll er/sie sich lieber fragen, warum immer mehr Eltern ihre Kinder in teure, zweisprachige Privatschulen statt in die öffentlichen Schulen schicken.
So long,
Max
October 13th, 2006 at 7:12 pm
Helvetismen … nicht-standarddeutschen Wörter …
Hallo Jens, es gibt sehr wohl ein Schweizer Standarddeutsch, das eben nicht Bärndütsch oder Züritüütsch ist. Schau dir mal das Buch an:
Schweizer Standarddeutsch
[Anmerkung Admin:
Wie kommst Du darauf, dass ich je die Existenz einer Schweizer Variante vom Standarddeutschen angezweifelt haben könnte?
Das Buch ist mir bekannt. Die Herausgeberin Christa Dürrscheid und ihre Arbeiten wurden hier schon mehrfach zitiert. Frau Dürrscheid hat sich hier neulich selbst als “Christa” in die Diskussion eingemischt. Im Beschrieb (auch so eine Variante) heisst es:
Daraus schliesse ich: “Helvetismen” sind neben “Teutonismen” eine Art von Varianten zum Standarddeutschen. Nenne sie “Schweizer Standarddeutsch” oder “Schweizer Varianten”, ist für mich kein Gegensatz. “Standarddeutsch” selbst ist die Menge von Wörtern, die überall, also von der Nordseeküste bis nach Tirol, in der Schweiz und in Österreich verstanden werden]
October 13th, 2006 at 9:15 pm
to Jens:
Da hast Du ja wieder einmal ein Wespennest angestochen: zurzeit 39 Kommentare! Da sind die Reaktionen auf meinen – diesmal erstplatzierten – Beitrag schon ziemlich kalter Kaffee.
Dennoch: Ich habe ja geschrieben, dass ich annehme, dass Dir die Stellung des Dialekts in der Schweiz durchaus bewusst sei, dass aber Dein Blog gerade von solchen teils bewusst “angezettelten” Diskussionen und Provokationen lebe.
Meine etwas harsche Reaktion erfolgte auf Deinen subtilen Hinweis, welche Abweichungen von der Standardsprache Helen Arnet verwendet habe. Standardsprache ist also nur, was rein deutsch, also in Deutschland erwünscht und möglicherweise ausschliesslich als Standardsprache geduldet wird. Wenn Du den Duden anschaust (den neusten habe ich mir noch nicht geleistet), heisst es darin bei vielen Wörtern “schweiz.” oder “österr.”. Das heisst, dass diese Wörter in der Schweiz bzw. in Österreich zur Standardsprache gehören.
Darum hättest Du anstelle von “Darum hier eine kleine Liste der nicht-standarddeutschen Wörter, die von Frau Arnert im Tages-Anzeiger verwendet wurde” allenfalls formulieren müssen: … Liste der von Frau Arnet … verwendeten Wörter, die sich in schweizerischer und deutscher Standardsprache unterscheiden …”
Wir pflegen unsere Standardsprache und Ihr die Eure. Es schadet aber nichts, die Wörter der jeweils anderen mindestens passiv zu kennen und im gegenseitigen Sprachgebiet auch aktiv anzuwenden! Darum darfst in der Schweiz Du bestimmt ungestraft Velo statt Fahrrad sagen und ich brauche dafür in Deutschland Fahrrad statt Velo.
to Stefan:
Schweizer Standardsprache ist das, was auch als “Schriftdeutsch” oder “Schriftsprache” bekannt ist. Es handelt sich um eine Sprache, die bewusst in bestimmten Situationen, sei es zwecks besserer Verständigung mit Fremdspracheigen (inkl. Deutschen, die unsere dialekte zu wenig verstehen) oder aber im Unterricht zum Üben verwendet wird. Darin sollen die Vokale so wenig dialektgefärbt wie möglich sein. Vor allem Baslern und Bernern hört man ihren Dialekt oft allzu sehr an, aber viele ihrer Landsleute beherrschen die Schweizer Standardsprache.
Typisch ist eine mittlere Aussprache des Vokals a (stell Dir das Wort “klar” einmal von verschiedenen Politikern mit Dialektfärbung gesprochen vor und daneben von einem Deutschen eher aus dem Norden und nimm eine mittlere Aussprache, etwa wie Deine Stimme tönt, wenn Du den Mund ohne jegliche Verrenkung weit aufklappst. Zur Schweizer Standardsprache gehört die häufigere Betonung auf der ersten oder zweiten Silbe.
Schweizer Standardsprache ist das, was jede(r) Deutschschweizer(in) anzuwenden bereit sein sollte im Umgang mit Fremdsprachigen. Weil das für so viele meiner Lqandsleute offenbar zu viel verlangt ist – andererseits aber schon Vorschulkinder mit Begeisterung in ihren Rollenspielen relativ korrekt schweizerische oder gar deutsche Standardsprache (ihnen von Fernsehen oder Tonträgern vertraut) verwenden – finde ich die Idee, schon im Kindergarten Standardsprache zu verwenden, gut. Besonders, wenn es viele fremdsprachige Kinder in der Klasse hat.
Dann hört man vielleicht in 15 Jahren weniger peinliches Gegaxe, wenn Erwachsene Standardsprache statt des scheinbar regellosen Dialekts sprechen sollten. Und die Dialekte sterben deshalb noch lange nicht aus, sondern gleichen sich wohl so oder so durch die Mobilität einander etwas an. Es könnte aber sein, dass Menschen in der Schweiz, die schon früh gelernt haben, Standardsprache auch zu sprechen, auch wieder eher fähig sind, Deutsch statt Mundart =Dialekt zu schreiben.
Standardsprache sollte auch für die SchweizerInnen so geläufig sein, dass die elektronischen Medien wieder dazu übergehen, in unserem Touristenland wenigstens die Wetterprognosen in dieser sprechen zu lassen. Mein schwedischer, aber Deutsch verstehender Besuch hat sich vor zwei Wochen sehr frustriert gezeigt, dass er nicht mal am Schweizer Fernsehen etwas verstehen konnte. Zu Recht!
October 13th, 2006 at 9:28 pm
Unterdessen habe ich alle Kommentare gelesen, einiges habe ich wohl in Nuancen wiederholt, aber etwas muss ich noch loswerden:
to Max:
Natürlich ist es ein Übel, wie schlecht und vor allem ungern viele Lehrpersonen Standardsprache sprechen.
Du kreidest Ihnen allerdings auch das gerollte “r” an. Zur Schweizer Standardsprache gehört eben auch auch ein SCHWACH gerolltes “r”. Dass BaslerInnen und OstschweizerInnen (und Leute aus andern Dialekten mit einem (oft nur durch Nachahmung entstandenen) diesbezüglichen Sprachfehler das “r” nicht rollen können, färbt deren Standarddeutsch sofort relativ mundartlich. Ebenso wirkt allerdings auch ein stark gerolltes “r”.
Jedenfalls sagt man meines Erachtens z.B. für “wir”
in der deutschen Standardsprache: wia
in der schweizerischen Standardsprache: wiir (schwach gerollt)
z.B. baslerisch gefärbt: wiich oder weech
z.B. in div. Dialektfärbungen: weer
October 13th, 2006 at 9:56 pm
@solar
Du schreibst:
Über diese starke Reaktion heute bin ich selbst sehr erstaunt. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Thema, welches schon mehrfach dran war, solch eine Diskussion auslöst. Ich hatte es als gemütlichen “Wochenendausklinger” geplant, aber freue mich natürlich über die Diskussion, die ich da angezettelt habe.
Diskussionen sind klasse, und ich werde sie weiterhin anzetteln. Denn offensichtlich sind sie notwendig. Und Provokationen? Ist das Leben nicht eine einzige Provokation? Ich muss ja auch damit leben, dass meine Rede als arrogant empfunden wird, kaum dass ich denn Mund aufmachen. Also ist das nix Neues.
Also ich weiss nicht, wo Du diese Erkenntnis her hast, aber sicher nicht hier auf der Blogwiese gelesen. Standardsprache ist der Teil der Deutschen Sprache, der von allen verstanden wird, die Deutsch sprechen, unabhängig ob sie in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien oder Tirol leben.
Da ist nix “rein Deutsches” drin, denn auch das Wort “leasen” ist Standardsprache, “mitkaufen” hat sich nie durchgesetzt, und das Wort “Handy” sowieso. (Natel hingegen ist die Variante in der Schweiz).
Den neusten Duden gibt es immer online unter http://www.duden.de, zwar kostenpflichtig, aber sehr praktisch.
Wenn Du Blogwiese länger liest, wirst Du bemerkt haben, dass ich häufig in den Duden schaue und diese Stellen zitiere. Die Zahl dieser “schweizr.” Wörter ist permanent gestiegen, seit es den Duden gibt. Das wirft das Problem auf: Ist der Duden nur für den Standard oder auch für die Varianten da. Weil die Duden Reaktion sehr pragmatisch denkt, haben sie beides aufgenommen. Das Variantenwörterbuch hingegen zeigt nur die Varianten auf.
Hier erstaunt mich dann doch die Schweizer Empfindlichkeit, die ich schon mal als Thema hatte, bei dieser spitzfindigen Differenzierung. Die Liste der Wörter sind jedenfalls zum Teil Wörter, die nicht im Duden stehen (”Versli” fällt mir spontan ein). “Zwängerei” steht nicht im Duden, obwohl es ein tolles Wort ist. Ich habe diese Liste nur angefügt, weil ich diesen Kontrast lustig fand: Im Kindergarten wird Standarddeutsch gepflegt, in der Tageszeitung hingegen häufig vom Standard abgewichen und die Schweizer Variante verwendet. Das ist ja auch nett, ich liebe diese Ausdrücke, noch mehr die Redewendungen und schreibe seit einem Jahr darüber.
Das war ohne Wertung oder so, es ging mir einfach nur um diesen Kontrast. Hingegen wird das offensichtlich von vielen gleich als Affront gesehen, dieses Faktum darzustellen. Das erstaunte mich dann doch.
October 14th, 2006 at 5:44 pm
Was genau bringt es mir als Schweizer wen ich perfekt Hochdeutsch spreche?
Ich habe während neun Jahren Schulzeit Hochdeutsch gesprochen! Was habe ich heute davon?
Wen sich die Deutschen bei uns im Betrieb unterhalten versteh ich jedes Wort! Toll, das könnt ich ohne die neun Jahre Hochdeutsch in der Schule sicher nicht. (haha)
Man sollte den Kindern in der Schule zuerst mal erklären woher ihre Muttersprache kommt! Und die Muttersprache ist nun mal nicht Hochdeutsch!
Wann fangen die Schweizer endlich an stolz auf ihr Land und ihre Sprache zusein? So wie es Deutschland diesen Sommer vorgemacht hat!
Ä Gruäss us äm näbligä Ämmitau
October 14th, 2006 at 9:16 pm
> Über diese starke Reaktion heute bin ich selbst sehr erstaunt. Ich hätte
> nicht gedacht, dass diese Thema, welches schon mehrfach dran war,
> solch eine Diskussion auslöst. Ich hatte es als gemütlichen
> “Wochenendausklinger” geplant, aber freue mich natürlich über die
> Diskussion, die ich da angezettelt habe.
> Diskussionen sind klasse, und ich werde sie weiterhin anzetteln. Denn
> offensichtlich sind sie notwendig. Und Provokationen? Ist das Leben nicht
> eine einzige Provokation? Ich muss ja auch damit leben, dass meine
> Rede als arrogant empfunden wird, kaum dass ich denn Mund
> aufmachen. Also ist das nix Neues.
Ich stelle mir einen Ausländer vor, der in Deutschland schreiben würde. Dieser würde bspw. öfters das Thema: “Die Deutschen klingen arrogant” in seinem Blog anführen und schreiben die Diskussion sei notwendig.
Meinst du nicht auch, er hätte ein viel schwereres Los? So ein Rollentausch wäre doch mal interessant, findest du nicht?
> Also ich weiss nicht, wo Du diese Erkenntnis her hast, aber sicher nicht
> hier auf der Blogwiese gelesen. Standardsprache ist der Teil der
> Deutschen Sprache, der von allen verstanden wird, die Deutsch
> sprechen, unabhängig ob sie in Deutschland, Österreich, der Schweiz,
> Belgien oder Tirol leben.
Die Standardsprache wird verstanden, aber wird sie auch akzeptiert? Kinder lernen mit grossen Elan und es ist nicht schön mit anzusehen, wenn ihr Einsatz von “Erwachsenen” durch belustigende Kommentare zu Nichte gemacht wird. Fasse dies jetzt bitte nicht als Angriff gegen die Blogwiese auf. Es gibt auch Personen die handeln aus einer anderen Motivation heraus.
> Da ist nix “rein Deutsches” drin, denn auch das Wort “leasen” ist
> Standardsprache, “mitkaufen” hat sich nie durchgesetzt, und das Wort
> “Handy” sowieso. (Natel hingegen ist die Variante in der Schweiz).
Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber ich dachte “leasen” ist ein Fremdwort und bedeutet so viel wie mieten bzw. pachten.
> Wenn Du Blogwiese länger liest, wirst Du bemerkt haben, dass ich
> häufig in den Duden schaue und diese Stellen zitiere. Die Zahl dieser
> “schweizr.” Wörter ist permanent gestiegen, seit es den Duden gibt. Das
> wirft das Problem auf: Ist der Duden nur für den Standard oder auch für
> die Varianten da. Weil die Duden Reaktion sehr pragmatisch denkt,
> haben sie beides aufgenommen. Das Variantenwörterbuch hingegen
> zeigt nur die Varianten auf.
Das klingt ja fast wie ein Vorwurf.
> Hier erstaunt mich dann doch die Schweizer Empfindlichkeit, die ich
> schon mal als Thema hatte, bei dieser spitzfindigen Differenzierung.
Wie gesagt, ein Rollentausch wäre mal eine Variante, dann könnten wir sehen wer empfindlicher reagiert.
> Im Kindergarten wird Standarddeutsch gepflegt, in der Tageszeitung
> hingegen häufig vom Standard abgewichen und die Schweizer Variante
> verwendet. Das ist ja auch nett, ich liebe diese Ausdrücke, noch mehr
> die Redewendungen und schreibe seit einem Jahr darüber.
Ich würde es nach wie vor begrüssen, wenn die Kinder bereits im Kindergarten eine Fremdsprache lernen würden. Eine 2. Amtssprache oder Englisch. Andeutungen wie, dass ist wegen PISA finde ich interessant aber merkwürdig, denn die Schweiz schnitt besser als Deutschland (sogar im Lese- und Textverständnis) ab. Liegt es vielleicht auch an der Vielfältigkeit?
> Das war ohne Wertung oder so, es ging mir einfach nur um diesen
> Kontrast. Hingegen wird das offensichtlich von vielen gleich als Affront
> gesehen, dieses Faktum darzustellen. Das erstaunte mich dann doch.
Du schreibst selbst, du findest den Kontrast lustig
October 14th, 2006 at 9:41 pm
@renegade
Gibt es alles schon, bzw. gab es schon. “Geisenpeter” hat es auf http://www.geissenpeter.blogspot.com eine Weile lang versucht, es aber aus Zeitgründen wieder sein gelassen. Es war für mich lustig und höchst interessant, seine Sicht als Schweizer in Deutschland zu lesen. Ihm sind Dinge aufgefallen, die fand ich cool. So dass alle Eisdielen “Venzia” heissen, und dass die Deutschen immer alles “einmal” bestellen, “einmal Pommes mit Mayo”, auch wenn sie allein sind an der Pommesbude.
Der Wladimir Kaminer hat als Russlanddeutscher in seinem Buch “Russendisko” seine Sicht als Ex-Russe in Deutschland sehr lustig geschildert. Es gibt weitere literarische Vorbilder. Sehr hübsch z. B. “Briefe aus der Chinesischen Vergangenheit” von Hans Rosendörfer, in der fiktiv die Sicht eines Chinesen in Deutschland erzählt wird.
Ich glaube, die Deutschen würden genauso gern Beobachtungen über sich selbst lesen, wie die Schweizer es offensichtlich tun. Ein Ausländer, der in Deutschland über die Deutschen schreibt, würde es nicht schwieriger haben, als wir hier in der Schweiz, da bin ich sicher.
Genau das ist das Problem. Englisch finden alle klasse, Französisch ist sexy, aber Deutsch, das ist einfach “bäh”.. Warum ist eine Verkehrssprache so negativ besetzt, und zwar nur in der Schweiz? (Holland und Dänemark hatte ich schon besprochen). Und auch nur von den Deutsch-Schweizern. Die Welschen haben mit Hochdeutsch auch keine emotionalen Probleme, wenn sie es gelernt haben. Gibt sogar Germanophile unter ihnen, habe ich neulich wieder eine kennengelernt.
Das musst Du genauer erklären: Sprichst Du hier von einer Schule in der Schweiz??? Dann haben doch die Erwachsenen (Schweizer) das Problem, und nicht die Kinder.
Bitte konkreter: Wer handelt wo und wie aus welcher Motivation heraus? Du sprichst zu unklar.
Nein, das war eine Feststellung. Der Duden beschreibt und hält fest, was von einer Mehrheit in der Sprachgruppe Deutsch gesprochen und geschrieben wird. So kommen auch Schweizerdeutsche Varianten in den Duden, weil es ein paar Millionen Sprecher gibt, die “das Bord” für “der Abhang sagen” und “der Unterbruch” statt “die Unterbrechung”. Vorwerfen würde ich dem Duden nur, diese Dinge auch zu werten, in dem ständig “veraltet” neben einem Ausdruck steht, den die Schweizer noch täglich verwenden. Das Variantenwörterbuch wurde geschaffen, weil der Duden die Varianten nicht genug berücksichtigt hat!
Oh, ich bin empfindlich wie eine Primel und reagiere sofort garstig, kein Problem.
Also ok, ich gebe es ja zu. Ich fand den Kontrast lustig. Darum habe ich ihn ja auch gebracht. Da berichtet eine Journalistin auf Hochdeutsch über einen Kindergarten, in dem man nur Hochdeutsch spricht, und schreibt selbst Wörter, die ein nur Hochdeutsch vielleicht Sprechender zunächst auf Anhieb nicht verstehen würde. Das fand ich cool
Dass dann manche darauf so verschnupft reagieren, dafür habe ich jedoch kein Verständnis. Ich will doch niemanden seine Sprache wegnehmen, und es soll auch nicht jeder immer nur Hochdeutsch sprechen in der Schweiz. Es geht nur darum, die Standardsprache als zweite Sprache auch zu können, zu pflegen, zu üben, sie zu akzeptieren, und sie nicht ständig zu verdammen, nur weil sie in Deutschland auch gesprochen wird. Was kann denn die Sprache dafür.
October 14th, 2006 at 11:21 pm
To Jens:
Du erwähnst die unterschiedlichen Standardsprache-Wörter “Abhang” und “Bord” in Deutschland und der Schweiz.
VBielleicht hast Du das nur in der Eile und der Kürze wegen so gesagt, aber da gilt es in der Schweiz zu differenzieren:
Abhang: das heisst bei uns “der Hang”, eventuell auch die “Halde”
Bord: ein Bord ist immer deutlich länger als hoch, etwa ein Bahnbord, ein Strassenbord. Ich würde sogar sagen, dass ein Bord selten höher als etwa 10 bis max. 20 Höhenmeter hoch ist, dann wirds definitiv zum Hang oder zur Halde.
Ob das Verb “helde” (zumindest im nördl. Kanton Zürich) mit Halde verwandt ist? Es bedeutet, (ein Gefäss voller) Flüssigkeit oder fliessender Masse schräg zu halten. Beispiele: “Pass uuf, du heldisch din Kafi!” oder “Muesches halt mee helde, das ales usechunnt.)
[Anmerkung Admin: Das Thema “Bord” wurde hier diskutiert http://www.blogwiese.ch/archives/250
Das Wort “Bord” für Hang steht auch im Duden. ]
October 15th, 2006 at 1:49 am
…Es geht nur darum, die Standardsprache als zweite Sprache auch zu können, zu pflegen, zu üben, sie zu akzeptieren, und sie nicht ständig zu verdammen, nur weil sie in Deutschland auch gesprochen wird…
Standartsprache? Für wen? Übt ihr in Deutschland auch Bärndütsch? Quasi als Standartsprache?
Ich würd auch gereizt reagieren wen die sogenannte Standartsprache plötzlich Französisch wäre…
Das hat doch nichts damit zu tun das die Sprache aus Deutschland kommt!
October 15th, 2006 at 12:52 pm
war schön von grossmami geschichten auf schweizerdeutsch vorgelesen bekommen. ich mochte diese übersetzung.
@ administrator
wieso willst du eigentlich, das leute auf “deine ironie” hereinfallen? damit ziehst du nur die empörten an.
mir entgeht zum glück diese ganze schweizer-tagi sache… dafür lebe in deutschland mit so informierenden medien wie die rtl-nachrichten.
October 15th, 2006 at 2:43 pm
Solange dieser Themen anspricht, die unseren Landsleuten nicht an einer empfindlichen Stelle treffen, stimme ich dir zu.
Französisch ist in meinen Augen nützlich, wenn man zur Grenze der französischsprachigen Schweiz wohnt. Warum Hochdeutsch so negativ besetzt ist, kann ich dir auch nicht beantworten. Ehrlich gesagt, habe ich es bisher nie als so gravierend wahrgenommen.
Nein, ich spreche hier nicht von einer Schweizer Schule. Ich spreche hier von Landsleuten gleich hinter der Grenze. Schlimm wird es, wenn diese uns in der Schweiz besuchen und ihrer Art freien Lauf lassen. Es sind nicht alle so, um dies klar zu stellen, aber Negativ-Beispiele verbreiten sich nun mal schneller. Die Akzeptanz der Standardsprache sollte deshalb im gesamten deutschsprachigen Raum vorhanden sein, nicht nur in Österreich und in der Schweiz.
Deine Idee, Beobachtungen festzuhalten, solltest du nicht als Standard definieren.
Es gibt andere, die verbinden dies mit einer Wertigkeit. Gerade beim Thema Sprache kommt das besonders zur Geltung.
Bsp:
Das ist in meinen Augen kein Beobachten mehr. Verstehst du, worauf ich hinaus will? Ich glaube nicht, dass so eine Art der Darstellung dein Ziel ist, dafür hängst du dich zu sehr rein.
Aber Schweizer werden auch damit konfrontiert und das macht es nicht gerade leicht für das festhalten von sprachlichen Unterschieden.
Konnte ich ein bisschen Licht ins Dunkel bringen?
Ich habe nicht behauptet, dass du empfindlich reagierst! Mit welcher Aussage habe ich dir das Gefühl vermittelt?
Wie bereits erwähnt, wir kennen die Erlebnisse der Personen nicht die so reagieren.
October 15th, 2006 at 4:26 pm
@moffi
>>wieso willst du eigentlich, das leute auf “deine ironie” hereinfallen?
>>damit ziehst du nur die empörten an.
Ganz im Ernst: Ich will das gar nicht, es passiert einfach immer wieder.
Und nackische Empörte finde ich nicht so hübsch anzugucken, da ziehe ich sie lieber an. Da muss ich Dir zustimmen. Lieber angezogene Empörte als gar keine Reaktion.
October 15th, 2006 at 4:37 pm
Emmentaler said:
“Standartsprache? Für wen? Übt ihr in Deutschland auch Bärndütsch? Quasi als Standartsprache?”
Dem aufmerksamen Leser dürfte nicht engangen sein, dass “Standardsprache” im Blog und den Kommentaren als Synonym für Hoch- oder Schriftdeutsch dient.
Aber ich (Hochdeutsch sprechender Mecklenburger) werde Deine Idee aufgreifen und meinem (hessischen) Chef vorschlagen, doch unsere nächsten Klausurtage dazu zu nutzen, uns nicht fachspezifisch, sondern sprachlich weiter zu bilden, indem wir einen Kurs in Bärndütsch (oder doch lieber die Zürcher oder Basler Variante?) belegen, um unsere Sprachkompetenzen gegenüber Platt sprechenden Mecklenburgen, bairisch sprechenden Bayern, schwäbisch murmelnden Schwaben und sächselnden Sachsen zu erweitern…
Im Übrigen wird Standard immernoch mit “d” am Ende geschrieben, wie ich bereits weiter oben erwähnte.
October 15th, 2006 at 6:00 pm
off topic
gibts im aargau eigentlich bärntütsch-kurse bzw. lieber wäre mir diskussionsabende uf bärndütsch?!
finde, man sollte sich auch innerhalb der schweiz ruhig einen weiteren “dialekt” aneignen…
wer was weiss, bin stets interessiert…:-)
wou, über 50 beiträge, gibt viele leute, die das thema sehr ernst nehmen.
grüssli
October 15th, 2006 at 7:12 pm
äh…guter witz, administrator.
[Anmerkung Admin: Sorry, die Steilvorlage war aber auch sehr gut
]
October 15th, 2006 at 7:38 pm
Ob es hilfreich ist wenn Kinder schon im Kindergarten Standarddeutsch lernen? Vielleicht ein bisschen. Ich bin mir aber sicher, dass meine Töchter mal profitieren weil sie von einem chinesischen Kindermädchen betreut werden, das mit ihnen Mandarin spricht.
October 15th, 2006 at 9:47 pm
an Solar (und ziemlich “off topic”!)
“helde” (in deinem Dialekt) hat garantiert etwas mit “Halde” zu tun. Auf Berndeutsch (und vielleicht anderen Mundarten auch) sagt man auch “abheutig” (wörtl. D: “abhaldend”) für “abschüssig” oder “abfallend”. Eben wie das Verb “heute” (nicht D: [höite] aussprechen).
Notier dir vielleicht diesen Link in den Favoriten, der ist eine wahre Fundgrube für diese Art von Fragen (z.B. Verb “hälden”):
http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GH01354
Eine Einschränkung: Man braucht ein Bisschen Gefühl und Phantasie für mögliche Lautverschiebungen. Also eher für (Auch-)Dialektsprechende geeignet - ob man diese Mundart nun im Chindsgi oder sonstwo gelernt hat…
October 16th, 2006 at 12:08 am
als Deutscher muss ich sagen:
Wieso wird in sämtlichen Medien immer diese Information verbreitet,die Schweizer hätten ein Minderwertigkeitskomplex,weil sie nicht so gut Hochdeutsch sprechen können.Einige Schweizer glauben dies sogar & verbreiten es weiter.Eigentlich sollten doch die sprachverkrüppelten Deutschen diesen Komplex haben.Die können doch kein franz.Wort nur ansatzweise richtig aussprechen geschweige denn Schwyzerdytsch perfekt reden.Ich übe seit 3 Jahren permanent Schwyzerdytsch.Spreche fast kein Hochdeutsch ,durch den Tag.Ich werde es aber wahrscheinlich nie so lernen können,das ich von Schweizern nicht mehr als Deutscher erkannt werde.
Ich habe den Minderwertigkeitskomplex!
Deutsche Besucher erkennen mich schon nicht mehr,wie toll!
Wenn ich dann ins Hochdeutsche umschwenke-schauen sie mich mit grossen Augen an.
Der Ausgleich für den Komplex!
viele Grüsse
Mike(Basel)
October 16th, 2006 at 10:49 am
@Mike:
Nur immer schön dranbleiben. Wie ich schon zuvor erzählt habe, gehe ich hier mittlerweile als Schweizerin durch und die Leute sind erstaunt, dass ich nicht hier aufgewachsen bin. Nur bei ein paar Wörtern verrate ich mich manchmal, aber das wird wohl auch noch.
“Die können doch kein franz.Wort nur ansatzweise richtig aussprechen”
Nun ja, mal ganz von der Verallgemeinerung abgesehen, kann ich das jetzt nicht ganz bestätigen. Ausserdem können auch die meisten Schweizer nicht gerade fliessend Französisch, obwohl sie im Gegensatz zu den meisten Deutschen viel mehr Kontakt mit der Sprache haben (TV. etc.). Dafür werden dann viele Worte einfach “einfranzösischt”, oder reden die Engländer etwa vom Göpp und vom Göver? (Und nein, ich will jetzt nicht behaupten, die Deutschen könnten alle perfekt Englisch sprechen.)
October 16th, 2006 at 12:29 pm
mike
.
das problem ist, das basler kein schwizerdütsch sprechen, komm in den aargau, dort lernt es sich leichter und vorallem auch richtig
grüssli
October 16th, 2006 at 12:53 pm
Die Angst, die ein paar Schweizer sicher haben ist doch die:
- Mit Standarddeutsch im Kindergarten fängt es an
- später wird mehr und mehr verlangt, dass man auch an offiziellen Orten so sprechen soll
- noch später überall in der Öffentlichkeit
- zuletzt sind wir eben auch da, wo man schräg angeschaut wird, wenn man einfach Schweizerdeutsch redet.
Mir geht es manchmal jedenfalls ein wenig so. Ist sicher eine Schweizer Eigenart, sich ein schlimmes, mögliches Zukunfts-Szenario auszudenken und sich dann mal auf Vorschuss sorgen zu machen und sich zu wehren.
Auf der anderen Seite führt eben genau das zu gewissen Schweizer Eigenschaften, welche wiederum voll zu begrüssen sind:
Alles richtig zu machen, Genauigkeit und Präzision, 100%-Philosophie (kommt leider eben ‘was aus der Mode, finde ich bescheuert!), …
Mir geht es manchmal so.
Dass man im Kindergarten einen auf Hochdeutsch macht - weiss nicht. Und damit meine ich wirklich, ich weiss nicht, ob das eher gut oder eher schlecht ist.
October 16th, 2006 at 4:09 pm
Wie lange ist das Kind im Kindergarten? Wie lange nicht?
Pro Tag ist das Kind ca. 4 Std. +/- im Chindsgi.
Gehen wir davon aus, dass ein Kind früh Sprachen lernen soll, warum nicht mit Deutsch als der 1. Fremdsprache?
Wenn das Kind zuhause und in seinem Umfeld “korrekten” Dialekt spricht, verlernt es ihn im Kindergarten nicht, die fremdsprachigen Kinder erhalten aber in der Tat besseren Zugang zur Kommunikation mit allen anderen.
Die Kinder haben kein Problem damit, aber offenbar nur “wir Alten”…
October 16th, 2006 at 8:25 pm
@wolfi
Also es ist so:Meine Frau kommt ursprünglich aus Trachselwald(Bern).Sie hat mir erzählt ,wie sie im Kindergarten in Basel wegen ihren Dialekt gehänselt wurde.Es ging sogar soweit,das sie erst mit dem Spielzeug spielen durfte,wenn sie der Kindergärtnerin auf Baseldytsch gesagt hat,mit was sie spielen will.
Dies hat u.a. zur Folge,das meine Schwiegereltern sagen:Mike du musst nicht Baseldytsch lernen,sondern Berndytsch.Dies habe ich auch,ohne zu merken getan.
viele Grüsse
Mike(Basel)
December 30th, 2009 at 1:32 pm
Ich find’s ehrlich gesagt ein bisschen scheisse, dass diese Kids nur Standarddeutsch im Kindergarten lernen. Schliesslich ist es für Fremdsprachige genauso wichtig Schweizerdeutsch zu lernen und im Chindsgi sollte genau dies erlernt werden (vor allem für Fremdsprachige), Standarddeutsch erst später. Ich bin mit sechs Jahren aus Indien in die Schweiz gezogen und hatte bevor ich in den Kindergarten kam, Deutschunterricht bekommen, der mit allerdings nichts brachte! Erst im Kindergarten lernte ich dann richtig Schweizerdeutsch und erst ab der ersten Klasse lernte ich Standarddeutsch, wie alle anderen schweizer Kinder auch!
Ich mag zwar kein Deutschexperte sein und meine Deutschkompetenz läge vielleicht höher, wenn sie mit Hochdeutsch im Chindsgi angefangen hätten, dennoch bin ich sehr froh darum im Kindergarten Dialekt erlernt zu haben. Wenn man mir zuerst Standarddeutsch beigebracht hätte, würde ich höchstwahrscheinlich immernoch Hochdeutsch reden! Für mich und meine jetzige Identität, undenkbar.
Meine Meinung: Schweizerdeutsch im Kindergarten, gerade für Fremdsprachige, ein Muss!