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Schade, bist Du nicht hiergewesen — Neues von der Schweizer Syntax

  • Schade, bist Du nicht hiergewesen
  • Fällt Ihnen an diesem Satz irgendetwas auf? Würden Sie ihn so verwenden? Oder eher nicht?

    Warum ist der Satz für Deutsche so nicht verwendbar? „Bist Du gewesen“ ist lang und schwerfällig. „Schad‘ dass Du nicht da warst“ würde mir eher gefallen. Zumal da auch noch ein doppelter A-Laut am Ende vorkommt. „Da warst“ klingt bei mir jedoch eher wie „da-waast“.

    Wir entdecken diese Erkenntnis in dem bereits erwähnten Artikel in der Sonntagszeitung vom 24.09.06:

    Bestätigt werden diese Befunde durch eine Internetumfrage zur Alltagssprache im ganzen deutschsprachigen Raum (www.philhist.uni-augsburg.de/ada) sowie eine Befragung von 70 Deutschen und 77 Schweizer Studenten. So gaben 55 Prozent der Schweizer Studenten an, dass sie den Satz «Schade, bist du gestern nicht hier gewesen» verwenden würden. Von den deutschen würden dies nur 6 Prozent tun. Worauf diese eigentümlichen Satzstellungen zurückzuführen sind, ist noch unklar. Zum Teil spielt der Dialekt hinein («Schad, bisch nöd cho.»). Doch das Wort «bereits» existiert in der Mundart gar nicht. Seine prägnante Stellung muss also einen andern Grund haben.

    Nun, wir haben ja jetzt gelernt was „Vorfeldbesetzung“ bedeutet. Ein „Schad“ am Anfang des Satzes ist ein ziemlich gut besetztes Vorfeld. Danach mit einer obligatorischen Inversion weiterzumachen und das finite Verb an die Schluss zu rücken, wer mag das schon? Weil, es ist eben unbequem. Die Sprache sucht sich immer den bequemsten Weg (Gesetz der Ökonomie von Sprache) und da ist „Schad, bisch nöd cho“ einfach schneller und eleganter als „Schade, dass Du nicht hiergewesen bist“. Der letzte Satz ist so penetrant hyperkorrekt, wenn Sie den hören, dann können Sie mal davon ausgehen, dass ihn ein Schweizer ausgesprochen hat. „Schade dass Du nicht da warst“ halte ich für üblich.

  • Der Plan für eine Variantengrammatik
  • Ein spannendes Feld, nun nach den Varianten im Deutschen Wortschatz auch die Varianten in der Grammatik zu bestimmen und zu beschreiben:

    Christa Dürscheid plant nun, analog zum Variantenwörterbuch eine Variantengrammatik zu schreiben. Ein Projekt mit drei Forschergruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist angedacht, erste Vorarbeiten liegen vor. Diese Grammatik, so Dürscheid, soll eine Bestandesaufnahme und gleichzeitig ein Nachschlagewerk werden.

    Davon profitieren könnten nicht zuletzt die Schweizer Schüler. Studien haben gezeigt, dass die Lehrer Helvetismen gerne als Fehler anstreichen. «Man bewertet oft mit teutonischem Massstab», sagt Dürscheid. Wenn die schweizerhochdeutschen Varianten in einer Grammatik kodifiziert werden, könnte sich dies ändern. Die Lehrer würden toleranter korrigieren, vermutet Dürscheid. «Und die Schweizer könnten selbstbewusster zu ihrem eigenen Deutsch stehen.»

    Halten wir fest: Wenn es im Buch steht und wissenschaftlich untermauert wurde, dann werden die Lehrer die Verwendung von Schweizer Grammatik und Syntax toleranter korrigieren. Die Frage ist nur, ob sie es jetzt überhaupt korrigieren, weil das voraussetzt, dass sie diese Variante auch wahrnehmen.

  • Ist Triglossie besser als Diglossie?
  • Es ist ein durchaus legitimer und frommer Wunsch, den Schweizern dabei zu helfen, „selbstbewusster zu ihrem eigenen Deutsch zu stehen“. Ist ihnen damit wirklich geholfen? Die bisherige Diglossie, also die Beherrschung der Schweizer Muttersprache PLUS des Standarddeutschen würde dann noch stärker durch eine Triglossie abgelöst: Dialekt PLUS Standarddeutsch PLUS Schweizer Hochdeutsch-Variante, wobei „Hochdeutsch“ hier wirklich mal angemessen wäre, denn wie schon oft erwähnt, ist „Hoch“ eine geographische Komponente, neben Mittel- und Niederdeutsch. Und Höher als die Schweiz liegt kein deutsches Sprachgebiet.

    Wir sind skeptisch, denn in den meisten Fällen passiert die Verwendung dieser Schweizer Grammatikvarianten jetzt schon, auch ohne „kodifiziert“ worden zu sein, aber den wenigsten fällt es auf. Während wir beim „Variantenwörterbuch“ verstehen können, wie wichtig es ist, die Varianten der Standardsprache zu kennen, sind wir uns bei einer „Variantengrammatik“ nicht sicher, ob hier nicht aus der jetzt schon schwierigen Diglossie eine Triglossie gezimmert wird.

    „Die Lehrer würden toleranter korrigieren“, vermutet Christa Dürscheid. Aber ist den Schülern damit geholfen, wenn sie quasi die Verwendung von spezifisch Schweizerischen Grammatikvarianten in der Schriftsprache erlaubt bekommen, und damit später im Berufsleben gewiss keinen leichten Stand haben, wenn es um Kommunikation mit dem restlichen deutschsprachigen Ausland geht.

    

    27 Responses to “Schade, bist Du nicht hiergewesen — Neues von der Schweizer Syntax”

    1. Roman Says:

      In Deinem gelungenem Beispiel „Schade, bist Du nicht hiergewesen“ oder eben „Schad‘ dass Du nicht da warst“ werden unterschiedliche Zeitformen verwendet. Während dem im ersten Satz Perfekt angewendet wird, ist der zweite Satz in im Imperfekt geschrieben. Will man diese Zeitform beibehalten, kommt man nicht um die seltsame Formulierung herum.

    2. solar Says:

      Schade, dass du nicht hier gewesen bist – Schaad, dass-t-nöd daa gsi bisch

      „Gsi“ oder „gsii“ (am Satzende) entspricht dem standardsprachlichen „gewesen“

      Schade, dass du nicht da warst – Schaad, dass-t-nöd daa gsi bisch , also nochmals dasselbe, weil das Schweizerdeutsche den Imperfekt nicht kennt. Das färbt wohl auch in die Schweizer Standardsprache ab.

      Schaad, dass du nicht gekommen bist – Schaad, dass-t-nöd choo bisch

      Tatsächlich lässt sich aber zunehmend eine Satzumstellung feststellen, eben
      schaad, bisch nöd cho
      schaad, bisch nöd da gsii

      Meines Wissens entspricht das der französischen Satzstellung und von dieser abgeleitet jener des Berner Dialekts. Oder liege ich falsch?

      to Jens:

      „… damit später im Berufsleben gewiss keinen leichten Stand haben, wenn es um Kommunikation mit dem restlichen deutschsprachigen Ausland geht.“

      Ich traue allen von Hause aus irgendwie Deutschsprachigen zu, dass sie uns dennoch gut genug verstehen werden, dass uns daraus keine Schwierigkeiten erwachsen werden. Wir werden allenfalls als Schweizer wahrgenommen – müssen wir uns deswegen schämen? Kaum.

      Was mir hingegen an gewissen Deutschen auffällt (ich weiss nur nicht, ob sie alle aus der gleichen Gegend kommen) ist, dass sie sagen „Ich war in der Stadt gewesen“, ohne dass dieses Plusquamperfekt (Vorvergangenheit) in einer Zeitenfolge begründet gewesen wäre. Es scheint mir jeweils eher, da werde Imperfekt und Perfekt kombiniert. Weil ich das aber immer wieder von anderen Deutschen höre, habe ich schon oft darüber gehirnt. Ich glaube diese Form wird nur mit „war“, nie mit „hatte“ gebildet.

      Was steckt dahinter oder ist es doch das Phänomen einer Region?

    3. zunderobsi Says:

      Nicht mal Sprachwissenschaftler sind auf die einfache Erklärung gestossen, dass es in den allemannischen Dialekten gar kein Imperfekt gibt? Sehr interessant – und in meinen Ohren ein schönes Beispiel für die je nach Herkunft unterschiedliche Verwendung der Tempi.

      Futur gibts übrigens auch nicht so richtig im Dialekt. Wir basteln da was, damit verständlich wird, dass es um die Zukunft geht, aber eine Regel kann ich leider nicht beschreiben.

    4. Louis Says:

      Was sollen wir uns auch mit dem Imperfekt (Unvollkommen) begnügen. Wir haben dem Pefekt den Vorzug gegeben. Weltweit Swiss Quality – perfect (ausgezeichnet, ideal, makellos, vollendet, vollkommen,

    5. T.M. Says:

      Ich lernte kürzlich eine Dame aus Frankfurt a.M. (allerdings im Badischen aufgewachsen) kennen, die diesen Satz mit „Schade …“ genau so sagen würde. Zu mir sagte sie „Gut ist nichts passiert.“ – eine Deutsche!

    6. wolfi Says:

      Was mir hingegen an gewissen Deutschen auffällt (ich weiss nur nicht, ob sie alle aus der gleichen Gegend kommen) ist, dass sie sagen “Ich war in der Stadt gewesen”, ohne dass dieses Plusquamperfekt (Vorvergangenheit) in einer Zeitenfolge begründet gewesen wäre.

      das ist ein typisches norddeutsches phänomen, über das ich auch hin und wieder staune, wenn ich es höre. welche region genau „betroffen“ ist, weiss ich auch nicht. „ich war gewesen“ ist völlig unmöglich im süddeutschen sprachraum….stell mir das in der schweiz gerade vor, ich waar det gsi, hmm….lieber nicht :-).

      tatsächlich ist es einfacher zu sagen, schön, bisch cho als schön, dass t-cho bisch….ne, das ist einfach eine frage des wortflusses, tiefere gedanken mach ich mir da nicht. ;-).

      caioi

    7. coolman Says:

      @solar
      diese seltsame konstruktion „war gestern in XXX gewesen“ ist tatsächlich für bestimmte regionen in deutschland typisch. aber auch falsch, denn hier müsste eigentlich das imperfekt stehen. die franken sagen das z.B. sehr gerne. in oberbayern dagegen findest du sicher niemand der sich so seltsam ausdrückt. genau wie im allemannischen wird hier ausschliesslich das perfekt benutzt (was aber auch nicht unbedingt richtiger ist).

    8. elisabeth Says:

      Warum Triglossie? Die Schweizer brauchen Dialekt und Schweizer Standarddeutsch, die Deutschen brauchen Dialekt und deutsches Standarddeutsch.

    9. Mikki Studer Says:

      Ich muss „zunderobsi“ zustimmen.
      Die Schweizer lernen zwar den Imperfekt in der Schule, da er jedoch im Dialekt-Alltag nicht vorkommt, nehmen sie im Zweifelsfall im Deutschen die Perfektform. Es soll ja im Deutschen auch Regeln zur Verwendung von Imperfekt/Perfekt geben, da ich diese in der (Schweizer) Schule jedoch nie gelernt habe, mache ich das Ganze nach Gutdünken (wie wohl alle Schweizer).
      Wenigstens etwas, das im Deutschen leichter ist als in anderen Sprachen.

    10. wolfi Says:

      @coolman

      diese seltsame konstruktion “war gestern in XXX gewesen” ist tatsächlich für bestimmte regionen in deutschland typisch. aber auch falsch, denn hier müsste eigentlich das imperfekt stehen. die franken sagen das z.B. sehr gerne.

      in franken kennt diese ausdrucksweise niemand, das kann ich dir versichern.

      was ist denn nun richtig:

      1. Er frug mich., Er buk einen Kuchen.
      2. Er fragte mich., Er backte einen Kuchen

      bitte ankreuzen. 🙂

      gruss
      wolfi – der urfranke 🙂

    11. solar Says:

      to Elisabeth:

      „Die Schweizer brauchen Dialekt und Schweizer Standarddeutsch, die Deutschen brauchen Dialekt und deutsches Standarddeutsch.“

      Besser und knapper kann man wohl das Wesentliche dieses ganzen Blogs nicht ausdrücken.

      to Jens:

      Toll, dass Du uns mit diesem Blog die Unterschiede der jeweils andern Standardsprache aufzeigst, die man verstehen, aber nicht unbedingt anwenden soll.

      To Mikki:

      Berufshalber wäre ich schon oft froh gewesen, im seltenen Zweifelsfall die richtige Zeitenfolge herleiten zu können aufgrund von Regeln. Beim Fremdsprachenlernen hat man solche nachher intus, aber im Deutschen scheint das Sprachgefühl ausreichend zu sein.

    12. solar Says:

      Äääm, sorry, Jens

      Natürlich ist das Wesen der verschiedenen Standard-Deutsch und Dialekte nur die eine wichtige Seite Deines Blogs. Mindestens so spannend sind auch die volkskundlichen (mancherorts heisst das heute kulturanthropologischen) Unterschiede. Das Herrlichste ist, wie wir einander augenzwinkernd gegenseitig den Spiegel vorhalten – und manchmal reagiert halt mal jemand etwas impulsiv …

    13. Tonja Says:

      @ Mikki:

      Im Muendlichen ist es im (Standard-)Deutschen ganz normal, als Vergangenheitsform das Perfekt zu verwenden. Ausnahmen sind die Verben sein und haben, „es gibt“ sowie Modalverben (z.B. koennen, muessen) und noch ein paar weitere Verben (z.B. wissen, denken).
      In geschriebenen Texten (ausser in persoenlichen Briefen, da schreibt man ja eher wie man spricht) wird dagegen das Imperfekt verwendet.
      Die Regeln sind also tatsaechlich einfacher als in vielen anderen Sprachen!

    14. Schwarzbueb Says:

      Vielleicht ist es auch eine Generationenfrage. Ich brauche „grossmehrheitlich“ : „Schad, ass de nit cho bisch.“
      „Schad, bisch nit cho“ geht einfach schneller.
      Für das Futur wird in der Mundart das Präsens gebraucht. „Morn goh ni uf Züri“, „Am Zischtig hani Geburtstag, denn überchumm i e huffe Päckli.“

    15. Christa Says:

      @ zunderobsi: Bei dem Beispiel *Schade, bist du nicht da gewesen* geht es gar nicht um das Perfekt oder Imperfekt (vgl. auch: „Gut, gibt´s die Schweizer Bauern“); mich interessiert hier nur die Wortstellung. Und da ist es eben so, dass diese Wortstellung v.a. im Süden des deutschen Sprachraums vorkommt. Das Ganze ist eine komprimierte Form aus Haupt- und Nebensatz (vgl. *Es ist schade, dass du nicht da gewesen bist*). Manchmal kommen diese Formen auch schon ohne Komma vor, dann lesen sie sich wie ein Satz vom Typ *Kalt ist es da nicht gewesen*, wo *kalt“ aber nicht Teil eines übergeordneten Satzes sein kann.

      @ alle: Ich nehme an, dass in der Schweiz der Satz *Schön hat sie gesungen* zwei Lesarten hat: *Es ist schön, dass sie gesungen hat* und *Sie hat schön gesungen“ . Stimmt das?

      @ Jens: Es ist wichtig, dass gerade auch bei den Lehrern das Bewusstsein gestärkt wird, dass die Schweiz ein eigenes Hochdeutsch hat – und zwar nicht nur im Bereich des Wortschatzes. Und warum sollten die Schüler soäter damit Probleme haben? Es geht ja nicht darum, dass sie sich im Beruf dem deutschen Standarddeutsch anpassen, sondern dass sie im Gespräch mit Anderssprachigen ihr Schweizer Hochdeutsch verwenden (d.h. es gibt, wie Elisabeth schreibt, nur eine Diglossie, keine Triglossie). Und verstehen wird man die Schweizer damit immer (anders als wenn sie Mundart sprechen).

      Sorry war das ein langer Beitrag – aber das kann man wohl so nicht sagen, oder?

    16. Luise Says:

      Mikki Studer Says:

      „Die Schweizer lernen zwar den Imperfekt in der Schule, da er jedoch im Dialekt-Alltag nicht vorkommt, nehmen sie im Zweifelsfall im Deutschen die Perfektform.“

      Hm, das entspricht nicht so ganz meiner Erfahrung. Im Gegenteil stelle ich immer wieder fest, dass viele Schweizer, wenn sie Standarddeutsch sprechen, immer fleißig den Imperfekt verwenden, ganz im Gegensatz zu den meisten Deutschen. Die Schweizer benutzen also sozusagen die Schriftsprache sowohl schriftlich als auch mündlich, während die Deutschen da einen Unterschied machen.

    17. Branitar Says:

      Um mal eine norddeutsche Sichtweise einfließen zu lassen: „Schade, dass du nicht hiergewesen bist“ oder „Schade, dass du nicht hier warst“ wären meine Varianten.

      Die Sache mit „war gestern in XXX gewesen“ würde ich nicht regional einordnen, denn ich kenne niemanden im Norden, der das so sagen würde. Plusquamperfekt wird in der gesprochenen Sprache meiner Erfahrung nach eher nicht benutzt, ausser der Sprecher hat Deutsch nicht als erste Sprache gelernt oder hat einfach ein mangelndes Gefühl für die Sprache, welches häufig aus einem niedrigen Bildungsgrad resultiert. Um es anders auszudrücken: es ist eher „Unterschichtdeutsch“.
      Aber das ist nur meine subjektiver Eindruck, der keinesfalls wertend oder allgemeingültig ist…

    18. Fiona Says:

      Die Beiträge heute beweisen wie eine Sprache sich ständig und rasant verändert! Genau das ist das Merkmal des Schwyzertütsch – da gesprochen aber kaum geschrieben. Sehr flexibel…

      P.S. 13 „Tenses“ gibt es in der englischen Sprache. Wen man Unterricht gibt (zum Thema „Zeiten“ / Tenses) tut man’s am besten mit Hilfe von Time-Lines.

      In der Mitte der TIme-Line setzt man einen grossen Punkt „NOW“ (the present). Hinten und vorn liegen die Vergangenheit resp. die Zukunft.

      Dadurch kann man feststellen, wieviele Tenses es in Schwyzertütsch tatsächlich gibt.

      Fiona

    19. Schwarzbueb Says:

      @ Christa
      Meine ich, dass es schön ist, dass jemand gesungen hat, ist es nötig, nach schön ein Komma zu setzen. Beim Reden merkt man ohnehin an der Betonung, was gemeint ist.

    20. Feustel Says:

      @ coolman
      Ich muss mich wolfi anschließen. In Franken sagt wirklich niemand „war gestern in xxx gewesen“.

      Gruss
      Feustel (Unterfranke)

    21. zunderobsi Says:

      @Christa: Klar, zu dem Schluss könnte ich nun beim zweiten Durchlesen auch kommen, – so ganz ohne Bettschwere. 🙂 Mir sind letzte Nacht als erstes die unterschiedlichen Zeiten aufgefallen.

      Inzwischen habe ich mich mal auf der erwähnten Seite der Uni Augsburg rumgetrieben und gesehen, dass dort ganz klar nach gesprochener Sprache gefragt wird; für die Schweiz also nach dem Dialekt. Insofern wird das Resultat für mich nachvollziehbar. Ich denke nicht, dass die Differenz so ausfiele, wenn nach Schrift- oder Standardsprache gefragt worden wäre. „Schade, bist du nicht hiergewesen“ würde ich eher nicht sagen oder schreiben, das Dialekt-Pendant dazu jedoch schon. Mündlich-Hochdeutsch würde ich sicher noch eins draufsetzen und die höchst umständliche Variante mit „dass“ und Perfekt radebrechen, wie Jens bereits treffend vermutet hat.

    22. Urs von T. Says:

      1. wichtig ist, was gemeint ist
      nur bei juristen ist das schon prekärer
      2. in europa gibt es 3 sprachfamilien slawisch,romanisch,germanisch.
      auch schweizerdeutsch gehört zu den germanischen sprachen-ob ihr wollt oder nicht;-)
      3. FIONA hat völlig recht mit ihrem hinweis auf das englisch.
      meines erachtens hat sich das englisch durch die insellage in der grammatikalischen ausprägung der germanischen sprache an reinsten erhalten und auch das schweizerdeutsch hat noch mehr elemente als das grosskantonsdeutsch… has been! ..gewesen/gesein/gsi
      im hochdeutsch wird umgangssprachlich mehr das imperfekt verwandt.
      vielleicht kommt daher auch der eindruck, dass die schweizer(berner) langsamer sprechen,weil sie überdehnen und sich anders ausdrücken.

    23. tim Says:

      @Luise:

      meiner Erfahrung entspricht das überhaupt nicht, dass die Schweizer den Imperfekt fleissig verwenden. Im Gegenteil, sehr viele Leute übersetzten einfach synchron vom Schweizerdeutschen (das ja wie gesagt nur den Perfekt kennt) und produzieren dabei häufig auch sehr eigentümliche bzw. kreuzfalsche Satzstellungen.

    24. Brun(o)egg Says:

      Es sind die Helvetismen Jens. Lass sie uns.
      Gleichzeitig „entgermanisiere“ ich als Texter Texte. Damit sie besser ankommen.
      Ganz einfach. Frag mal 100 Schweizer ob Tür hinten ein E hat oder nicht!?
      Du wirst Dich wundern.

      @ Urs. Schweizerdeutsch ist keine germanische Sprache sondern eine allemanische! (s.oben Crista / süddeutscher Sprachraum.)

      Also ich würde sagen: „Worum bisch nid ko, gopferdeggel!“

    25. Brun(o)egg Says:

      Nachtrag:

      Es gibt da übrigens einen wunderbaren allemanischen Dicher: Johann Peter Hebel. Es lohnt sich und man versteht die Sytax des allemanischen, auch schweizerdeutsch sofort besser.

    26. Administrator Says:

      @Bruno(e)gg
      Habe ich je einem Schweizer seine Helvetismen wegnehmen wollen? Es sind so praktische und wunderbare Varianten, das ich sie „für einmal“ selbst gern verwende.
      Tür oder Türe ist wie Frieden oder Friede, alles Varianten. Es gibt keine „Einheitssprache nach Norm“. Wir leben nur in Varianten. Bestes Beispiel ist der Hitzgi-Glucksi-Schluckauf oder Brotanschnitt-Knust-Knaus etc. Debatte.
      Gruss, Jens

    27. Phipu Says:

      Im obigen Text versteckt Jens ein weiteres sehr schweizerisches Beispiel dieser Vorfeldbesetzung. Hier sind jetzt Aussagen von Leuten wie Branitar und Wolfi gefragt.
      In Deutschland würde sicher niemand: „Weil, es ist eben unbequem.“ sagen. Man braucht dazu einen zusammengesetzten Satz, entweder mit „weil“ oder mit „denn“ und der entsprechenden Satzstellung: z.B. „Das mag niemand, weil ES eben unbequem IST.“ Oder mit „Das mag niemand, DENN ES IST unbequem“ Im Dialekt gibt es aber kein „denn“, deshalb „tönen“ diese „weil+Verb“-Sätze so „gesprochen“ und werden garantiert von Schweizer Lehrern korrigiert.

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