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Sind Sie in Ordnung? Ja, ich stimme

  • Spielen Sie ein Instrument? Oder haben Sie eine schöne Stimme?
  • Auf diese Frage könnte man kurz und knapp antworten: „ICH STIMME“. Jawohl, ich habe eine Stimme und kann sehr gut singen damit. In der Schweiz wird regelmässig vier Mal im Jahr für Chormitgliedschaften geworben. Der Chor heisst „Direkte Demokratie“ und der plakative Aufruf an alle Sängerinnen und Sänger mit gutem Singorgan lautet: OK, ICH STIMME.
    OK ich stimme!
    (Foto vom Strassenrand in Zürich)

    Wir wissen natürlich genau, dass hier keine „Stimmung“ gemacht wird, sondern dass es um „Stimme“ geht, dem wunderbaren und leider viel zu selten benutzen Instrument. Auch wir möchten ein-stimmen in den Chor der Stimmen, und uns von ganzen Herzen dazu bekennen: Auch wir stimmen!

  • Muss der Stimmer kommen?
  • Doch jetzt fällt es uns wie Schuppen aus dem Haar, was hier gemeint ist: „OK, ich stimme!“ hat gar nichts mit unserem Gesang zu tun. Es stellt demonstrativ die Korrektheit eines jeden einzelnen zu Schau. Wenn etwas nicht stimmt, wenn etwas nicht in Ordnung ist, wenn eine Sache geregelt werden muss, gestimmt werden muss wie ein verstimmtes Klavier, dann muss entweder ein Stimmer, genauer gesagt ein Klavierstimmer kommen, oder wir lehnen dies demonstrativ auf Plakatwänden in der Öffentlichkeit am Strassenrand einfach ab: „Ich, für meinen Teil erkläre hiermit, dass ich mich gesund und in Ordnung fühle, keiner Stimmung bedarf, also frank und frei behaupten kann: OK, ich stimme!“.

  • Stimmen Sie auch?
  • Stimmt das bei Ihnen? Stimmen Sie auch? Können Sie auch von ganzen Herzen frei erklären, dass Sie stimmen? Dann geht sicher was ab. Dieses kleine „ab“ ist es, was uns irgendwie beim Stimmen abgegangen ist. Wir vermissen es ein wenig. Es wartet bei der Ab-stimmung, hoffen wir. Absolut stimmig, das Ganze.

    

    10 Responses to “Sind Sie in Ordnung? Ja, ich stimme”

    1. Phipu Says:

      „Abstimmen“ braucht man doch in folgenden Sätzen:
      In diesem Text sind die Wörter ziemlich harmonisch aufeinander abgestimmt.
      Es erinnert fast an die Fein-Abstimmung akustischer Messinstrumente, wie z.B. der „Stimmgabel“.

      Das gezeigte Plakat vor dem „Stimmlokal“ hatte durchaus seinen Erfolg. Es hatte letztes Wochenende eine hohe „Stimmbeteiligung“ von 48% (wenn ich die Zahl noch richtig im Kopf habe). So viel zu denen die „stimmen“ gehen dürfen.

      Deutschen in der Schweiz, die kein „Stimmkuvert“ heimgeschickt bekommen, müssen halt den negativen Ausdruck wählen und als logische Konsequenz nur das andere halbe Wort von „abstimmen“ benützen. So muss Jens, falls er nicht „stimmberechtigt“ ist, jeweils am „Stimmsonntag“ auf die Frage: „Bist du auch für die …-Initiative?“ antworten: „Das kann ich nicht ab!“ (für Schweizer: Dieser Ausdruck bedeutet etwa „das chan ich nöd ha!“ – „Das mag ich ganz und gar nicht“. Wird meistens eher entnervt als betrübt ausgesprochen)

      Wie erkläre ich nun einer/m Fremdsprachigen wo „abstimmen“ und in welchem Fall „stimmen“ stimmt?

      Was ist eigentlich die „Dem-öukey-ratie“, wie sie dort auf dem Plakat steht?
      Ist das die positive Version eines eingeschlagenen Schaufensters, eine De-KO-ration, „De-keyöu-ration“?

    2. Res Says:

      ..ist daraus zu folgern, dass mit vielen Schweizern was nicht stimmt, da ja eh nur etwa 40% (ab-) stimmen … das stimmt mich nachdenklich 🙂

    3. Phipu Says:

      An Res

      Mit den Schweizern stimmt bestimmt alles. Die bevorzugen einfach, wie andere Nationalitäten, am Abstimmungssonntag andere Bestimmungen mit Freizeitlaune und guter Stimmung als das Stimmlokal. Und dass man den Stimmzettel per Post an seine Bestimmung schicken könnte, daran müsste man halt einfach rechtzeitig denken. So bestimmt halt eine Minderheit das Geschick des Landes und die anderen stimmen in den Stammlokalen verstimmte Jammer- und Mecker-Tiraden an, dass „die in Bern oben sowieso alleine bestimmen, was sie wollen“.

    4. Res Says:

      @Phipu
      Danke für die stimmigen Worte, so kann ich bestimmt ruhiger schlafen und der Bestimmung seinen Lauf lassen ohne verstimmt zu sein oder ein unbestimmtes Gefühl zu haben….

    5. Basil Says:

      Ich habe leider schon so oft vergessen, das Couvert rechtzeitig einzuwerfen. Das ist mir im Grunde unglaublich peinlich. Wir haben eine einmalige Chance durch unsere direkte Demokratie. Aber grob 60% der Leute nutzen die Chance nicht. Es ist leider erbärmlich, und manchmal frage ich mich, wie repräsentativ das ganze dann noch ist. Ob nicht doch besser indirekte Demokratie, dafür mit höherer Wählerbeteiligung.

      Was mir weiter ganz ungeheuer peinlich ist, und ich bin froh, dass ich das loswerden kann: Das Abstimmungsergebnis von letzter Woche. Mann, um die 70% der Wähler sind der Meinung, dass es für einen Flüchtling möglich sein muss, innerhalb von 48 Stunden Beweise zu erbringen. Gerade ein echter Flüchtling kann doch genau das nicht. Der ist traumatisiert, spricht eine andere Sprache, und muss dann mir nichts Dir nichts einem wildfremden Menschen seine Geschichte erzählen. Ein gut vorbereiteter Fake klappt doch da viel besser. „Humanitär“ ist das ganz und gar nicht. Ich geniere mich.

    6. Original Michael Says:

      Dass nur die Minderheit das demokratische Recht wahrnimmt, ist bedauerlich. Ich bemühe mich immer, meine Stimme abzugeben (wieder so ein schweizerdeutscher Ausdruck). Mit der brieflichen Abgabe ist der Aufwand minim. Wer nicht abstimmt, versteht entweder den Inhalt nicht oder ist zu faul sich damit abzugeben. Für diejenigen, die unsere Stimmbeteiligung beschämend finden. Denkt daran, dass in der Schweiz 4-mal pro Jahr abgestimmt wird. In einem Wahljahr kommen die Wahlen noch dazu. Und jedes Mal sollte man sich informieren… Wahrscheinlich zuviel der Guten für den Durchschnittsschweizer.

    7. Chimaera Says:

      Ich hab mal irgedwo gelesen dass es in Schaffhausen ne Stimmpflicht gebe soll. Wer nicht hingeht zahlt 3 Franken? STIMMt das?

    8. viking Says:

      Zum Thema „schweigende Mehrheit“ gabs im Magazin vom letzten Samstag (u.a. Tages-Anzeiger) einen Bericht. Wenn ich da von einem leitenden Kadermitglied einer bekannten Taschenfirma den Spruch lese, er wolle den Politikern die Verantwortung nicht abnehmen, indem er abstimmen geht, dann fällt mir nicht mehr viel dazu ein. Schliesslich ist unsere Form der Demokratie eine Verantwortung, die mir gegeben wird und die ich nicht jemand anderem abnehmen kann. (Aber was versteh ich schon davon, ich habe ja im Gegensatz zu dieser Person kein HSG Studium 😉 ).
      Es gib ja hier den Spruch: „Wer nicht stimmt, über den wird bestimmt“.
      Anscheinend gibt es immer noch genug Leute in der Schweiz, die sich mit der aktuellen Politik sauwohl fühlen. Und von den anderen hätten an der letzten Abstimmung ruhig ein paar weniger an die Urne gedurft, dann müsste ich mich jetzt nicht schämen für das Abstimmungsresultat…

    9. kaba Says:

      @ chimaera: stimmpflicht existiert tatsächlich! ist allerdings mehr symbolisch und sehr umstritten….

    10. Nadja Says:

      @Chimaera

      jawohl, in sh gibt es eine stimmpflicht, und wer nicht stimmen geht hat CHF 3.– für das versäumnis zu bezahlen.
      (mir auch schon passiert *schäm*)
      dafür haben wir eine super stimmbeteiligung… jaja, hat schon seinen grund das ganze…

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