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Nehmen die Deutschen den Schweizern die Arbeitsplätze weg? — Wie die Schweiz von deutschen Zuwanderern profitiert

  • Deutsche immer noch auf Platz vier
  • Seit der Liberalisierung durch die bilateralen Abkommen sind ungefähr 40.000 Deutsche in die Schweiz gekommen. Auf die Deutschen entfielen in den vergangen Jahren 56 Prozent der Nettozuwanderung, auf die ganze Schweiz bezogen rangieren sie mit 161’564 Personen immer noch auf dem vierten Platz hinter Italienern, Serben/Montenegrinern und Portugiesen.

    Wir lasen in der FAZ (Frankfurter Allgemeinen Zeitung) vom 7.8.06 in einer Analyse von Konrad Mrusek:

    Die Personenfreizügigkeit mit der EU war anfangs umstritten. Man fürchtete, Ausländer würden den Schweizern Stellen wegschnappen, die Löhne drücken und die Arbeitslosigkeit erhöhen. Diese Furcht war besonders gross, als 2004, zwei Jahre nach dem Inkrafttreten des Vertrags, auch der Inländervorrang entfiel. Dieser hatte die Einstellung von Ausländern zuvor nur erlaubt, wenn es für die Stelle keinen Einheimischen gab.
    Die Ängste waren offenbar unbegründet, wie jüngst ein zweiter Zwischenbericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und des Bundesamtes für Migration zeigte.
    (…)
    Eine Verdrängung von Schweizer Arbeitskräften gab es bisher nicht. In jenen Tätigkeiten, in den mehr Ausländer eingestellt wurden, nahm auch die heimische Beschäftigung zu.
    (Quelle: FAZ vom 7.8.06)

    Was nicht ausschliesst, dass im Wettbewerb um eine Stelle ein Schweizer Kandidat in unmittelbarer Konkurrenz zu einem Bewerber aus Süddeutschland das Nachsehen haben konnte. Der „Inländervorrang“ war hier bisher eine Schutzklausel, die es nun so nicht mehr gibt. Die Wirtschaft sucht sich den besten Bewerber aus dem Angebot heraus, der dann auch noch zu den günstigsten Konditionen zu arbeiten gewillt ist. Aber keine Angst, auch hier werden Angebot und Nachfrage die Lohnfrage über kurz oder lang regeln.

  • Kommt der Aufschwung durch die Deutschen?
  • Konrad Mrusek schreibt weiter:

    Die Schweiz, in den neunziger Jahren noch europäisches Schlusslicht, erzielt seit zwei Jahren höhere Wachstumsraten als Deutschland. Für 2006 erwarten Optimisten ein reales Wachstum von 3 Prozent. Bisher wurde kaum diskutiert, ob neben dem Exportschub auch die Zuwanderung gut ausgebildeter Ausländer das Wachstum beschleunigen half. Die Zurückhaltung ist verständlich: Es würden den Schweizer Stolz beeinträchtigen, wenn man feststellte, dass ausgerechnet die Deutschen die Wirtschaft produktiver machten.

    Also wollen wir diesen Gerüchten tunlichst keine zusätzliche Nahrung liefern und jede Art von Vermutung in diese Richtung verschweigen. Sehen wir es einfach pragmatisch:
    Gesteigerte Produktivität bedeutet höheren Umsatz und höhere Gewinne, die vielleicht auch höher sind, weil die zugezogenen Fachkräfte aus Deutschland günstiger arbeiten?

  • Die Ausbildung wurde von Deutschland bezahlt
  • Ein weiterer Faktor in dieser Gewinn & Verlust Berechnung sind die Kosten der Ausbildung. Ein Medizinstudium in Deutschland kostet ein paar Hundertausend, bezahlt von deutschen Steuerzahlern. Die in Deutschland ausgebildeten Fachkräfte bringen ihr Wissen und ihren Ausbildungsstand kostenfrei mit in die Schweiz. Ein Faktor, über dessen finanzielle Auswirkungen jetzt auch in Deutschland nachgedacht wird. Ein Hochschulstudium ist in Deutschland für jeden Studenten bis auf geringe Gebühren so gut wie kostenfrei. Je mehr Mediziner nach ihrer Ausbildung Deutschland verlassen, desto grösser wird dieses Verlustgeschäft für den deutschen Staat.

    In der FAZ heisst es dazu:

    Der Ökonom Hans-Peter Hausheer von der Grossbank UBS hält den Zusammenhang zwischen höheren Qualifikation der Migranten und höherem Wachstum für plausibel. „In ökonomischer Hinsicht hat das für mich eine gewisse Logik“.

    Die Seco-Studie verrät auch, dass es besonders bei Akademikerstellen einen parallelen Zuwachs gab:

    Hier hat sich die Zahl der Schweizer um 27’000 erhöht, die der EU-Ausländer um 9’000. Nur in die Riege der Führungskräfte schafften es die Ausländer bisher nicht: die 1’000 zusätzlichen Stellen in dieser Kategorie gingen allein an Eidgenossen.

    Tiefes Uffschnuufe, oder Einatmen, je nach Sprachvariante! Die Kaderstellen bleiben also in Schweizer Hand (darf man sagen „Schweizerhand“?)!

    Faktisch bleibt nicht viel übrig von der Befürchtung, dass alle Kaderstellen nach und nach von Deutschen eingenommen werden. Ausreisser ist in dieser Statistik die hohe Ausländerquote unter Konzernchefs: Nestlé führt ein Österreicher (Peter Brabeck) und Credit Suisse ein Deutscher (Oswald Grübel).

    

    28 Responses to “Nehmen die Deutschen den Schweizern die Arbeitsplätze weg? — Wie die Schweiz von deutschen Zuwanderern profitiert”

    1. T.M. Says:

      Mir sagt gerade ein Arbeitgeber, der Schweizer Arbeitsmarkt sei „wie leergefegt“. Er habe lange suchen müssen und sei nun froh, dass er mich gefunden habe. Der, dem ich etwas wegnehme, kann sich bei mir melden.

    2. coolman Says:

      An die Konzernspitze werden oft Ausländer bestellt, wenn das Unternehmen in der Krise ist. Da muss durchgegriffen werden und inner-schweizerische Freundschaften, gemeinsame WK-Erfahrungen und Überschneidungen im Familien- und Geschäftsumfeld sind da hinderlich. Leute entlassen und Löhne kürzen macht man halt ungern selbst, wenn man evtl. später wieder einen Job suchen muss…

    3. PeetTheEngineer Says:

      Grundsätzlich ist auch heute noch jedem Schweizer Betrieb freigestellt, ob er Deutsche einstellt oder nicht. Gründe eine Deutsche Bewerbung abzulehnen lassen sich immer finden.

      Die Schweizerwirtschaft hat immer von den Zuwanderungen profitiert – nicht nur in den letzten Jahren sondern während der ganzen Geschichte der Schweiz. Im Baugewerbe nehmen Deutsche oft Jobs an, welche die Schweizer gar nicht mehr machen würden. Die NEAT wird zu einem guten Teil von Ostdeutschen Mineuren gebaut.

      Das die Hochschulausbildung in Deutschland vollkommen gratis ist, empfinde ich als Unsinn. Wenigstens ein symbolischer Beitrag sollte von den Studierenden geleistet werden, denn dadurch wird Missbrauch und Dauerstudieren vermieden.

      Die grösste Gefahr bei der Deutschen Einwanderung in den Führungsetagen ist, dass die gerade von den Deutschen geliebte Schweizer Unternehmenskultur verloren gehen könnte. Auf den Chefetagen versucht man dann plötuzlich auch Ferien der Mitarbeiter zu streichen und Verweise zu erteilen.

    4. coolman Says:

      @peettheengeneer
      also gerade eine grosszügige ferienregelung ist ja wohl nicht eine schweizerische spezialität, oder? in deutschland gibt es doch viel mehr ferientage (und feiertage auch, zumindest im katholischen süden).

    5. Sandra-Lia Says:

      tja.. spannend das. Ja, alle sollen auswandern, dann hab ich Berlin für mich ganz allein *lach*. Aber es ist ja nicht so, dass die Schweiz nur einwanderer hat. Auch viele Auswanderer. Siehe mich 🙂

    6. Inländer Says:

      Ich mag deinen lustigen Immigrationsblog auch weil ich seit 13 Jahren mit Deutschen im Geschäft konfrontiert bin und irgendwann mal gemerkt habe dass gar nicht alle Deutschen Schwoobe sind.

      Was bringt mir einen Aufschwung der Deutsche hier im Land verursacht haben? Aufschwung bedeutet nicht mehr Jobs oder mehr Geld in der Tasche des Volkes. Schön wäre natürlich wenn der Aufschwung aus Deutschland käme. Warum kommt er nicht von dort? Ist der Osten/Kohl schuld? Oder doch Merkel? Oder liegts ev. daran dass jeder aus D der was in der Birne hat und fertig auf Staatskosten studiert hat über den Rhein in den Süden flüchtet? Wie lange ist dieser Brain drain noch finanzierbar? Oder schickt dann Berlin wieder mal einen Einzahlungsschein nach Bern, wie bei der EU Osterweiterung?
      Wobei mir ja (gescheite) Deutsche lieber sind als solche Balkan, um schweizerdeutsch bemühen sich ja leider weder die einen noch die anderen. 😉

    7. widi Says:

      Ich habe immer Mühe mit Studien wie diejenigen betreff der Arbeitswelt, wenn sie so kurzfristig gemacht werden und dann Entwarnung gegeben wird…

      Man sollte die Studie in 10 Jahren machen – dann könnte man eher sehen, was dies bewirkte.
      Zudem ist ja alles in Butter, wenn es der Wirtschaft gut geht. Aber wenn es schlecht geht, dann kommen doch Lohndumping (wenn es denn welches gibt) und ähnliches wirklich zum tragen und wenn es dann wieder mehr Arbeitslose gibt, dann muss man dann eben sehen: Stimmen die Proportionen oder werden mehr Schweizer oder mehr Ausländer entlassen?
      -> Erst da werden dann die wirklichen Auswirkungen sichtbar!

      Von da her halte ich die Analyse der FAZ für nicht repräsentativ…

    8. Michael Says:

      Die Darstellung der CH als Profiteur in der Bildung ist etwas gewagt. Klar, dass der ausbildende Staat der Blöde ist, wenn die Absolventen auswandern. Aber auch CH-Absolventen wandern aus. Global gesehen gleicht sich das in etwa aus. Wir können auch nichts dafür, dass deutsche Ärzte in die CH kommen weil wir 1. zuwenig Ärzte haben (Bsp. auf dem Lande) und 2. die Deutschen zu Recht die Schnauze voll von den Tarifstreitigkeiten haben.

    9. Mikki Studer Says:

      Da ging aber einige andere ausländische Konzernchefs von grossen Schweizer Unternehmen vergessen: Franz Humer (Österreich) bei Roche, Fred Kindle (Liechtenstein) bei ABB oder Carsten Schloter (Deutschland) bei Swisscom.

    10. renegade Says:

      Ehrlich gesagt hat auch Deutschland dadurch weniger Arbeitslose (Jobcenter-Poster Leben und arbeiten in der Schweiz) 😉 Und es gibt auch Schweizer die ihr Wissen in Deutschland einbringen.

      Es hat immer einen Grund warum Menschen ab- und auswandern, dass aber gerade Deutschland nur versucht die Symptome zu behandeln und nicht die Ursachen verstehe ich nicht ganz.

      Anmerkung: In Bern hat vor kurzen eine Schweizer Gewerkschaft Deutsche Montage-Arbeiter entdeckt, die weit unter Schweizer Tarif arbeiten.

    11. Branitar Says:

      Um das mal richtigzustellen: das Studium in Deutschland ist NICHT kostenlos.
      Bisher hatte man im Schnitt 200 Euro pro Semester an die Hochschule für Verwaltungsaufwand und das Studentenwerk für die Unterhlatung der Beratungsstellen usw zu entrichten. Zusätzlich kommen für studenten in Aufbau- und Zweitstudiengängen, sowie sogenannte „Langzeitstudenten“, die die Regelstudienzeit überschritten haben, je nach Fach 500 bis 1500 Euro pro Semester hinzu.
      In den nächsten Jahren werden in einem Großteil der Bundesländer zusätzlich Studiengebühren zwischen 500 und 1500 Euro pro Semester bereits für das Erststudium erhoben werden.
      Zusätzlich müssen natürlich die Lebenshaltungskosten getragen werden. Und für ein kleines Zimmer in einer WG oder in einem Studentenwohnheim zahlt man heute ab 200 Euro monatlich aufwärts, dazu kommen Futter und Strom.
      Ausserdem sollte bedacht werden, dass die so geschmähten „Langzeitstudenten“, die ja als Vorwand für die Einführung der Studiengebühren dienten, gerade mal 5% der Studentenschaft ausmachten, und bei vielen die lange Studienzeit auch auf die schlechten Studienbedingungen und den Zwang, nebenbei seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, zurück zu führen sind.
      Ich weiss nicht, wie es in der Schweiz ist, aber zu meiner Studienzeit war es durchaus normal, dass man wegen Überbelegung (40 Plätze, 200 Bewerber) aus Pflichtveranstaltungen rausgelost wurde und dann ein Jahr warten durfte, bis diese Veranstaltung das nächste mal stattfand, wobei auch dort wieder die Chance bestand, rausgelost zu werden….

    12. Branitar Says:

      P.S. die oben genannten Studiengebühren von 500 bis 1500 Euro werden mit ziemlicher Sicherheit in den nächsten Jahren noch stark steigen, Schätzungen gehen von etwa 3000 bis 4000 Euro pro Semester im Jahr 2012 aus….

    13. T.M. Says:

      Mein Studium war kostenlos. Ich habe keinen Pfennig dazubezahlt. Im Gegenteil, da ich sehr schnell fertig war, hat mir der deutsche Staat sogar noch einen Teil seines Kredits (BAföG) erlassen.

    14. Inländer Says:

      Es geht hier ja nicht um Fragen der Studiengebühren, sondern um Immigration. Hier kosten die Studiengebühren auch ca. 500 Fr. plus Lebenshaltungskosten. Aber Fact ist, dass egal was studiert wird, der Staat den grössten Teil davon bezahlt. Und nur darum geht es.
      Neu ist legidlich, dass nicht nur im Handwerkerbereich Lohndruck sprich dumping herrscht, sondern auch bei den höher qualifizierten Jobs. Eben Angebot und Nachfrage.
      Jeder kennt hier Storys/Gerüchte wie sie renegade erzählte. Frage: Stimmt es, dass Aldi seine Mitarbeiter für 3 Monate von Norddeutschland auf nen Campingplatz in der Schweiz karrt? Für jeweils nur 3 Monate weil sonst Pensionskassenbeiträge fällig werden?

    15. Fredy Says:

      > weil die zugezogenen Fachkräfte aus
      > Deutschland günstiger arbeiten?

      Ich schätze, dass Du der einzige qualifizierte arbeitende Deutsche in der Schweiz bist, der sich im Lohn drücken lässt. Deutsche sind sehr wohl über Lohnniveau und Lebenshaltungskosten informiert. Dass Deutsche günstiger als Schweizer arbeiten würden, ist eine Mär.

    16. Widi Says:

      @Inländer:
      Was ich gehört habe (stimmt ja vielleicht beides):
      Um Diese Beiträge zu sparen, werden die Leute zu 49% (statt 50%) oder 79% (statt 80%) eingestellt und solche Spielchen.

      Es ist eine riesen Schweinerei, wenn das stimmt (Nicht nur Aldi, jede Firma, egal, ob Inländisch oder ausländisch – auch egal, ob es genau darum geht oder „nur“ um ähnliche Dinge)! Die anderen Grossverteiler machen Mindest-Löhne, Mutterschafts-/Vaterschaftsurlaub und so, und dann kommt eine ausländische Kette und drückt sich darum – damit sie dann billiger ist.

      Die Leute, welche dann solche Geschäfte unterstützen begreifen nicht, dass sie dann die fehlende Unterstützung, welche diese Leute dann haben einfach später mit Steuern nachbezahlen – das Geld aber, das solchen Firmen gegeben wurde ist dann bereits weg…

      Widi

    17. coolman Says:

      @ Fredy
      bin anderer Meinung. Wenn man in D sitzt und keinen Job bekommt, dann nimmt man lieber einen in der CH an, auch wenn er vergleichsweise schlecht bezahlt ist und man das auch weiss. und den richtigen vergleich (was bleibt nach wohnung, essen, zahnarzt übrig) hat man erst, wenn man schon in der schweiz arbeitet.

    18. renegade Says:

      @Widi

      Aldi hat es ziemlich dick drauf. Die Teilzietbeschäftigten dürfen auch keinen weiteren Job ausüben, weil sie auch auf Abruf bereitstehen müssen. Hier verabschiedet sich die Lebensqualität langsam.

      Auch konnte ich mal 3 Montage-Arbeiter im McDonalds Bahnhof Bern zuhören. Sie haben sich sehr lauthals über die hohen Preise fürs Essen genervt. Einer meinte, sein verdientes Geld würde für die Verpflegung drauf gehn.

      Wenn es der Schweiz angeblich durch den Deutschen gut gehen soll, warum lahmt dann der Binnenmarkt in Deutschland so Jens?

      [Antwort Admin: Na, weil alle guten Leute in der Schweiz sind, warum denn sonst 🙂 ]

    19. Michael2 Says:

      So wie ich den Artikel betreffend den Studiengebühren verstanden hab, geht’s rein darum: Da – wie auch schon gesagt – der Staat den grössten Teil des Studiums bezahlt, ist ein Deutscher Studienabgäner, der in der Schweiz arbeitet für diese sozusagen kostenlos ausgebildet worden. Dass es in D keine Semestergebühren gibt, sagt niemand.

      Zum Thema Aldi: Es stimmt, dass dort Angestellte nur Teilzeit arbeiten dürfen, weil sonst Pensionskassenbeiträge fällig wären, ebenfalls müsste man ab einer gewissen Zeit eine Pause finanzieren.
      Dafür muss auch gesagt sein, dass der Stundenlohn eines Aldi mitarbeiters höher (!) ist als jener bei Coop oder Migros.
      Was ich zudem noch witzig finde: Bei Aldi wird stets eine Prämie ausgesetzt für die schnellsten Kassierer. Somit arbeitet jeder so schnell wie möglich und man kann gleichviele Kunden mit weniger Personal bedienen. 🙂
      Das mit dem Campingplatz glaube ich kaum, schliesslich habe ich bei Aldi-Suisse noch nie eine(n) Mitarbeiter(in), welche nicht Schweizerdeutsch sprach.

    20. Widi Says:

      @Michael2
      Tja, aber der Stundenlohn wird wohl kaum die 20% höher sein als Coop/Migros, damit diese Mitarbeiter sich die zweite Säule selber finanzieren können…

    21. Michael2 Says:

      @ Widi
      Das habe ich auch nie gesagt. Ich sage nur, dass man das auch beachten muss, wenn da jemand darüber wettert, dass es bei Migros und Co. Mindestlöhne gibt und bei Aldi nicht.

      Wenn jemand ohnehin nur Teilzeit arbeiten möchte (was bei Kassierern nicht unüblich ist z.b. Studenten Nebenjob) kann der höhere Stundenlohn sogar positiv sehen.

      Ach ja: Beim letzten Post fehlt im letzten Satz noch das Wort ‚gesehen‘. Aldi gehört nicht mir. 🙂

    22. Peter Stegemann Says:

      Wenn die Studienkosten in Deutschland hoeher werden, fuehrt das nur dazu, dass noch mehr junge Menschen ihr Talent nicht nutzen und auf eine hoeher qualifizierte Ausbildung verzichten. Und letztere ist es nunmal, die fuer einen wirtschaftlichen Aufschwung so wichtig ist – die niedrig qualifizierten Taetigkeiten koennen grossteils im Ausland billiger angeboten werden.

      Ein gewisser Teil wird dann auch gleich im Auslang studieren, wenn’s hueben wie drueben bezahlt werden muss, kann man ja auch gleich dort studieren, wo’s schoen ist und sich im CV besser macht. Und glaubt bloss nicht, dass die dann alle wieder nach Deutschland zurueckkommen, denn…

      …warum viele hoch qualifizierte Deutschland verlassen, ist die Jammer- und Neidkultur, die in Deutschland in den letzten Jahren so hochgekommen ist; auch noch durch die Politik gepusht. Wer etwas aus sich gemacht hat, steht in Deutschland doch unter Generalverdacht, er profitiere auf Kosten der Allgemeinheit, die hart arbeiten muss und zu nichts kommt. Dabei uebersieht man in Deutschland grosszuegig, dass die sogenannten Besserverdienenden den grossteils des Steueraufkommens tragen, auch wenn unter’m Strich mehr uebrig bleibt als beim kleinen Mann.

      Uebrigens bekommt man sein Diplom nicht vom Staat geschenkt, auch wenn man es nicht bezahlen muss – es will dennoch hart erarbeitet werden. Viele meiner Kollegen haben nach der Realschule eine schnelle Ausbildung gewaehlt, die wollten endlich Geld verdienen und von zuhause ausziehen – ich habe mein Abitur angehaengt, ein Studium gemacht (das sind nochmal 7 (!) Jahre und durfte mir dann waehrend 5 Jahren Grenzgaengerdasein, in denen ich meine dem Staat verursachten Studiumskosten locker abgetragen habe, von eben diesen Leuten anhoeren wie niedrig ihre Loehne sind und wie unfair ueberbezahlt ich bin.

      Nun ist Ruhe, ich bin endlich in die Schweiz gezogen – bis auf die paar kahlrasierte Trottel die einmal im Jahr die Ruetliwiese erobern wollen, bekomme ich hier von meinen Mitmenschen das Gefuehl vermittelt, dass mein Beitrag geschaetzt wird. Ich bekomme nicht mehr taeglich zu hoeren, dass mein Einkommen sozial ungerecht sei und ich muss nicht befuerchten, dass mein Auto von linken Faulenzern beschaedigt wird, wenn ich es mal am Strassenrand parke.

      In der Schweiz ist weiss Gott nicht alles so, wie es sein sollte – aber sehr vieles – auf das es ankommt – ist einfach besser. Ich wuerde die Verhaeltnisse hier schlicht als normal bezeichnen, auch wenn das den einen oder anderen Schweizer kraenken mag, der lieber ein ausserordentlich oder fantastisch hoeren wuerde. Aber das muss nicht sein – im Vergleich zu euren Nachbarn, wo normal schon eine utopische Vision ist, koennt ihr euch ruhig geehrt fuehlen.

      Trotz der kleinen Debatten hier und da ueber Immigranten fuehle ich mich in der Schweiz willkommener als in Deutschland. Es ist schon ein komisches Gefuehl, wenn man nach einem Wochenende bei den Eltern in Deutschland auf die Grenze zufaehrt und froh ist, wenn man an den deutschen Grenzern vorbei ist und auf die schweizer Grenzer zufaehrt. Da passt man sich doch auch gerne ein wenig an, auch wenn ich den Schweizern meine Version der hiesigen Dialekte lieber erspare (trotz geduldiger Schulung und guter Noten durch native Schweizer) und auf die Frage „verstehen die Schweizerdeutsch“ gerne mit „Ja, aber welches denn?“ oder mit „Nur Baselduetsch und Zueriduetsch“ antworte 🙂 Wenn mir morgen die Schweiz den schweizer Pass anboete, ich wuerde ihn ohne Zoegern nehmen.

      Unter’m Strich habe ich uebrigens nach meinem Umzug nicht viel mehr in der Tasche als vorher in Deutschland – aus wirtschaftlichen Gruenden haette ich also auch Grenzgaenger bleiben koennen.

      Btw, selbst als „Immigrant“ werde ich hier auf Behoerden besser behandelt als in Deutschland als Deutscher – aber das Thema hatten wir hier im Blog ja schon.

      P.S: Um nochmal auf die Studiumskosten zurueckzukommen: Wenn die noch hoeher werden und die Abgaben auch noch weiter steigen, muessen die Leute erst recht in’s Ausland gehen, um diese Kosten abzutragen. Wenn Dunkeldeutschland noch ein paar Jahre so weiter macht, wird der Arbeiter- und Bauernstaat doch noch bittere Wirklichkeit.

    23. Rouge Says:

      Ich möchte auch mal kurz was dazu sagen…

      Erstens kenne ich da ja auch einen schweizer Konzernchef einer ziemlich grossen Deutschen Bank…;-)

      Zweitens ist diese Diskussion finde ich ein bisschen sinnlos, denn in Zeiten der Globalisierung sind die Menschen einfach mobilder… Die Schweiz profitiert sicherlich von den eingewanderten Ausländern (nicht nur Deutsche) und heutzutage vielleicht sogar mehr als früher, da heute höher qualifizierte Leute kommen… Aber auf der anderen Seite wandern auch viele Schweizer aus, womit wir auch unsere Ausbildungskosten verlieren… Ich würde sagen das gleicht sich im grossen und ganzen schon aus…

      Drittens gibt es noch zu den ersparten Ausbildungskosten ein zusätzliches Phänomen zu beachten. Nämlich die junden zukünftigen Akademiker, die schon für das Studium auswandern… Ich habe an der Universität St. Gallen studiert, die etwa 30 bis 40 Prozent deutsche Studenten ausbildet. Wären sogar noch mehr, wenn nicht im ersten Jahr eine Begrenzungsklausel für ausländische Studierende bestehen würde. Diese Studierenden zahlen übrigens dein gleichen Semesterbeitrag wie wir Schweizer, sind also auch sehr vom Steuerzahler subventioniert… Das gleiche wirds wahrscheinlich auch an der ETH Zürich geben… Die meisten werden dann nach Studiumsabschluss wieder zurück nach Deutschland gehen…
      Ich denke aber, dass dieses Phänomen umgekehrt eher weniger stattfinden wird, da die öffentlichen Unis in Deutschland wie hier schon vielfach erwähnt völlig überfüllt sind und daher eine etwas tiefere Qualität in der Betreuung aufweisen. Und ich rede jetzt nicht von den privaten Unis, die sind sicherlich genauso gut, jedoch zahlt man für diese auch wesentlich mehr…

      Das war nur eine kurze Randnotiz, denn ich finde diese Diskussion überflüssig, denn am Schluss profitieren doch alle davon, dass die höher qualifizierten Arbeiter mobiler geworden sind und dort arbeiten können, wo sie gebraucht werden…

    24. Franzi Says:

      @Peter Stegemann:
      Manchmal habe ich das Gefühl, dass Deutsche, die ausgewandert sind, nicht fähig waren in Deutschland Anschluß zu finden und deswegen in einer neuen Umgebung besser klar kommen? Ich lebe gerne in Deutschland und habe mich nie in solchen Situationen befunden wie du. Ich habe aber auch während meines Studiums nie darunter gelitten, kein Geld zu haben und Jobs nebenbei zu machen. Man muss halt einfach akzeptieren, dass sich viele einfach ein Studium nicht leisten können, weil die Studiengebühren nur ein Bruchteil von dem sind, was es tatsächlich kostet nicht früher zu arbeiten. Und wenn du dich nur mit Neidern umgibst, dann brauchst du vielleicht auch das Gefühl von Überlegenheit? Ändere die Umstände, wenn dir etwas nicht passt. Also pack an, statt zu schimpfen, oder fahr einfach nicht mehr über die Grenze zurück.

    25. coop Says:

      zitat franzi:
      „Manchmal habe ich das Gefühl, dass Deutsche, die ausgewandert sind, nicht fähig waren in Deutschland Anschluß zu finden und deswegen in einer neuen Umgebung besser klar kommen?“

      hier lehnt sich aber jemand weit aus dem fenster!
      ich habe mich in D sehr wohl gefühlt! Hatte auch nie mit mir und anderen probleme.
      bei mir war es so das ich über google.DE meine firma hier gefunden habe! In deutschland gibt es schlichtweg keine jobs in diese richtung. tja und wo ich jetzt arbeite ist es so, das sie einfach keine passenden leute finden!
      ich fühle mich hier sehr wohl und werde auch akzeptiert, und der lohn ist auch nicht anders als der von nem schweizer! ein schweizer arbeitskollege verdient sogar weniger wie ich weil er einfach 1jahr jünger ist! also bin ich genau in der schweizer gehaltspolitik drinne.

      fazit: ich bin kein billigarbeiter, und jobs nehm ich auch keinen einen weg! schließlich suchen wir immernoch leute für freie stellen!

    26. Peter Stegemann Says:

      Am wenigsten vermisse ich die Hobby-Psychologen… 🙂

      Das mit den Nebenjobs war uebrigens jemand Anderes, da ich meine Hochschule nicht nach Freizeitaspekten ausgewaehlt habe, bin ich problemlos mit Praktikumsgehalt, Unterhalt & Bafoeg ausgekommen.

    27. Franzi Says:

      Dann solltest du wissen, das längst nicht mehr jeder Bafög bekommt, der sich sein Studium selber finanzieren muss. Mit Bafög kommt man sehr gut aus – auch ohne Unterhalt. Dass du damit zu den wohlhabenderen Studenten gehört hast ist dir warscheinlich nicht einmal klar. Ein Studium nach Freizeitaspekten auszuwählen war vielleicht einmal, aber Studium und Lebensunterhalt nebenbei verdienen bleibt nicht mehr so viel Freizeit. Also wäre ich an deiner Stelle vorsichtig, worüber ich mich lustig mache.

      Und man braucht kein Hobby-Psychologe zu sein, um zu sagen, dass jemand, der solch eine Wut auf seinen Heimatort hat, sich dort nicht wohl gefühlt hat.

    28. Peter Stegemann Says:

      @Franzi

      Irgendwie versuchst du meine Aussagen immer so hinzudrehen, dass deine Argumentation noch passt… natuerlich habe ich nicht 100% Unterhalt PLUS 100% Bafoeg bekommen. Und damit war ich auch nicht wohlhabend. Und wenn jemand kein Bafoeg bekommt, gibt es dafuer einen handfesten Grund – der sollte auch erwaehnt werden. Meist kommt dabei naemlich raus, dass der Nichtempfaenger bereits im n-ten Bildungsweg ist, eigentlich vollen Unterhaltsanspruch haette ihn aber nicht durchsetzt, sich mit den Antraegen gar nicht erst abgegeben hat, etc. pp. Es gibt dabei natuerlich auch ueble Luecken und Falltueren, wie immer im Leben…

      Und schrieb ich nicht von „sein Studium nach Freizeitspekten waehlen“ sondern von „die Hochschule nach Freizeitaspekten waehlen“. Das ist ein grosser Unterschied. Denn von den Lebenshaltungskosten her gibt es in Deutschland eine sehr grosse Spanne. Und dabei sind nicht einmal die besten Hochschulen in den teuersten Orten – man muss nur akzeptieren koennen, dass die Hochschule z.B. im tiefsten Schwarzwald oder im grauen Mitteldeutschland liegt. Natuerlich trifft auch diese Aussage nicht auf alle und jede Studiengaenge zu, wohl aber auf den Grossteil.

      P.S: Lustig ist das alles nicht, ich weiss nicht, wie du darauf kommst, hier wuerde sich jemand ueber irgendwas lustig machen.

      Btw: Ich frage mich gerade, wer hier eigentlich mehr schimpft…

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