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Kein Blut am Hintern — Wenn es den Schweizern zu heiss wird

  • Der füdliblutte Wahnsinn im Blick
  • Wir finden auf der Titelseite des Blicks, der Schweizer „Bild-Zeitung“ mit eher links-konservativer Grundhaltung, die Überschrift:
    Der füdliblutte Wahnsinn
    Der füdliblutte Wahnsinn
    (Quelle: Blick vom 24.07.06 )

    Wer blutet da? Doch nicht etwas der schweizerische verlängerte Rücken, auch „Füdli“ genannt? Aus dem Kontext und den mitgelieferten Bildern können wir schliessen: „Blutt“ ist in der Schweiz nicht nur rot, sondern vor allem nackt, weil „blank“.

    Sogar unser Duden hat diesem Wort seine Weihen gegeben:

    blutt (Adj.) [mhd. blut, H. u.] (südd. mundartl., schweiz. ugs.)
    1. nackt, bloß:

    mit dem blutten Finger in ein heißes Fondue langen;
    Übertragung: einen Enzian auf blutten (nüchternen) Magen nehmen.
    2. einzig:
    sie hatte schon lange keinen blutten Tausendfrankenschein mehr gesehen.
    (Quelle: duden.de)

    Erneut haben wir so ein Wort gelernt, dass seit dem Mittelalter unveränderlich im Süden des Deutschen Sprachraums überwintern konnte, und zwar in der in der Bedeutung von „nackt, bloss, einzig und blank“, denn das ist alles was wir dazu beitragen können: „Den blanken Hintern“.

  • Mach Disch nackisch
  • Blut können auch andere Körperteile sein, so fanden wir im Tages-Anzeiger Online:

    Frauen beharrten darauf, sich ausziehen zu dürfen, ohne gleichzeitig angestarrt zu werden. «Wir liessen uns nicht vorschreiben, was ein blutter Busen zu bedeuten hatte», sagt Küng. Wehe dem, der dies missverstand und die befreiten Brüste als erotische Aufreizung begriff.
    (Quelle: Tagesanzeiger.ch)

    Auch im seniorenweb.ch kennt man sich beim Thema „blutter“ aus:

    Ob sie uns da eine Fälschung oder ein echter „blutter PoPo“ von?? zu sehen gibt??? Lamas Hinterteil sieht auf jeden Fall ganz, ganz anders aus – wolliger und runder……….einfach „echt Natur – nichts gefälscht.
    (Quelle: seniorenweb.ch)

    Ist das jetzt der „blutte“ Wahnsinn? Oder der „bluttere“ Wahnsinn? Und was wäre, wenn ein Bluter nackt herumläuft in der Schweiz. Wäre das dann ein „blutter Bluter“?

  • Wenn Kinder doch nicht bluten
  • Wir hatten versprochen, die Kinder unserer Nachbarin zu hüten. Es war im Sommer und der kleine Noah hatte sich heimlich im Badezimmer ganz ausgezogen. Dann sprang er nackend durch den Raum und rief entzückt „Ich blüttle, ich blüttle“, worauf wir ihn erstmal ängstlich nach eventuell vorhandenen blutenden Wunden absuchten. Muss alles erst gelernt werden.

    

    10 Responses to “Kein Blut am Hintern — Wenn es den Schweizern zu heiss wird”

    1. Helveticus Says:

      und „blüttle“ heisst FKK zu machen, nackend sein.

    2. doppelsack Says:

      ich fand das schon immer ein schreckliches wort 🙂

      ich denke aber das jeder in seiner landessprache einzelne oder gar nur ein einziges wort unglaublich doof findet.

      meine top 3 sind:

      03: blutt = naggisch.. aber das wisst ihr ja schon
      02: plätzli = n stück fleisch
      01: mängisch = manchmal

      unheimlich erschrecken war das wort blutt für mich erst mit etwa 16 jahren als mir meine damalige ex freundin „mach di blutt“ ins ohr keuchte und bei mir der ofen gleich aus war deshalb 😉

    3. Phipu Says:

      Hier haben wir auch wieder so eine Diphthong-Geschichte, die es ausschliesst, dass des Dialekts mächtige „blutt“ mit „Blut“ verwechseln. Ähnlich wie die klassische „Müsli“ (= kleine Maus) und „Müesli“ (= Flocken-, Früchte- Yoghurt-Gemisch)-Unsicherheit. http://de.wikipedia.org/wiki/Diphthong

      CH: blutt = D: nackt
      CH: Bluet = D: Blut
      CH: Blueter/Blüeter = D: Bluter
      CH: blüttle = D: nackt sein
      CH: blüete = D: bluten
      CH: Blüete = D: Blüte

      Zur Ferienzeit, der „Saure-Gurken-Zeit“ für die Presse, müssen sich die Journalisten halt die Themen für die Titelseite aus den „blutten“ Fingern saugen.

    4. fluchtwagenfahrer Says:

      Witzig finde ich das Titelblat. Gross etwas von Füdli schreiben und unten eine Werbung vom Auspuff Huber.

      Dinge passieren….

    5. vorgestern Says:

      Eine (amerikanische) Dentalhygienikerin offenbarte mir: „Ihr Zahnfleisch blühtet“!

    6. Herr Sprechtakel Says:

      Ich möchte da dann doch noch auf den ersten Teil des Kompositums aufmerksam machen: füdli-

      Als dialektal inzwischen völlig Orientierungsloser (zwischen St. Gallen, Basel und Zürich) mochte ich „Füdli“ eigentlich nie – wenn schon, war es das „Fuudi“. Aber ich sag‘ euch: In der Ostschweiz mit gedehntem U „Fuudi“ zu sagen ist eine besondere Herausforderung im Ausgelacht-werden.

      Seit ein deutschländischer Freund aber die Vokabel entdeckt hat, hat sich die Kombinationsmöglichkeit von füdli- markant erhöht: Statt nur „füdliblutt“ und „Füdligsicht“ nun auch: füdliguet, füdlischön, Füdlicomputer und en Füdliguetä (beim Essen)!

      Füdlipraktisch, wirklich.

    7. Nessi Says:

      da fällt mir doch noch die Redensart ein: dem chönti mit äm blutte füdli is g’sicht gumpe
      übersetzt: dem könnte ich mit dem nackten Hintern ins Gesicht springen
      was etwa bedeutet: den könnte ich glatt ohrfeigen

      bei der schweizer variante könnte sich die Ausführung allerdings als etwas schwierig erweisen ;o)

    8. Alettoria Says:

      Ich denke, das Unbehagen, das manche Deutschen bei „Füdli“ (in allen Schreibweisen) überfällt, liegt wohl darin begründet, dass ein verwandtes Wort im „Schriftdeutschen“ ganz in der Nähe liegt, aber sehr negativ behaftet ist. (Vulg. für das weibl. Geschlechtsteil).

      Ähnliches ist wohl auch der Fall, wenn die Schweizer den Mund meinen und Muul sagen. Beim ersten Zahnarztbesuch hätte ich der Helferin fast eine ins besagte Muul gehauen, da das ja in Deutschland nur für „Viecher“ verwendet wird. Der Einsatz bei Menschen ist per se eine handfeste Beleidigung.

    9. freiheitistunteilbar Says:

      Besagte Ausgabe des Blick handelt also von dem nacktarschigen Wahnsinn.

      @doppelsack

      Warum so prüde? Mancher Mann wäre froh, wenn er „mach di blutt“ ins Ohr geflüster bekäme.

    10. Maximilian Says:

      Aha, auch hier war die Tecadress aktiv, wie ich an dem oberen Kommentar erkennen kann. Die haben mich auch ordentlich geärgert, indem ich tagtäglich aufs neue x Kommentare löschen durfte. Nun hatte ich vor einigen Tagen mal dort angerufen, mich beschwert und über die Illegalität dieses Unterfangens aufmerksam gemacht. Die Dame hatte dies dann an die technische Abteilung weitergegeben. Und siehe da, seitdem hatte ich keinen Ärger mehr. Es sind mittlerweile sechs Tage her. Also bis jetzt siehts mal gut aus.
      Viele Grüße,
      Maximilian

      [Anmerkung Admin: Danke für den Hinweis, ist schon gelöscht. ]

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