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„Einmal“ in Bern, „manches Mal“ auch im Oberland

Wer als Deutscher in die Schweiz kommt und anfängt, sein Hörverständnis für die Schweizerdeutschen Dialekte (=Sprach-Varianten) zu trainieren, wird früher oder später über diese hübschen Wörter stolpern, die vor allem im Kanton Bern häufig zu hören sind:

  • „Einisch“ sind nicht die „Ein-heim-ischen“
  • Nein, das Wort ist wirklich keine ultraverkürzte Form, mit verschlucktem „heim“ in der Mitte. Ganz im Sinne der dichtbesiedelten Schweiz mit ihrem Gebot, sorgsam und platzsparend mit jeder Fläche umzugehen. „Einisch“ heisst „einmal“, und es wird auch nicht nur einmal geschrieben. So finden sich bei Google-Schweiz 59.400 Erwähnungen. Das Wort wird in der ganzen Schweiz verstanden, aber nicht überall gleich ausgesprochen. Schon im Berner Oberland mutiert es zu „iinisch“.

    Die Schreibweise mit „ei“ am Anfang hat gemäss Aussage eines Berners, den wir dazu befragten, rein gar nichts zu sagen. Er versichert uns, dass dies in Bern wie „ä“ ausgesprochen wird. „Wänn äs näch dän Bärner gänge, kännte män sowieso auf älle „Eis“ verzichtän und nur noch „äh“ sprächen und schräbän“, sagt der Berner und lächelte dabei. Natürlich mit „ä“. Der will uns bestimmt auf die Schippe nehmen. Wir wissen ganz genau, da sind noch jede Menge „ou“ und „u“ im Berndeutschen. Für uns klang das mehr nach dem „Seele-Fant“ aus der Augsburger Puppenkiste Serie „Urmel aus dem Eis„.

    Wir stellten fest, dass es ungefähr 12 Aussprachemöglichkeiten von Lauten zwischen e-ee-ei-ä-eä-iä gibt, die sich kaum mit dem beschränkten Lateinischen Alphabet niederschreiben lassen.

    Das Wörtchen „einisch“ dann konsequent auch mit „ä“ als „ähnisch“ zu schreiben, fiel den Bernern nicht ein. Denn das erinnerte dann doch wieder zu stark an „eher nicht“. Und „einisch“ ist doch „eher doch“ nämlich „ein Mal“ zumindest. Zu „einisch“ passt noch ein zweites Wort, dass ebenfalls aus Bern stammt:

  • Mängisch oder mänggisch in der Schweiz
  • Hat es was mit „Mengen“ der „Mengenlehre“ zu tun, oder mit „Männern“? Wenn Weiber „weibisch“ sein können, warum sollten in der Schweiz nicht auch Männer „mängisch“ werden? Solchen Ideen gehen uns als Deutsche durch den Kopf, bis wir das Wort endlich dank des Kontextes, in dem es permanent verwendet wird, verstehen können. Mani Matter sei Dank! So in seinem Lied „D Nase“:

    Loset mit was für Methode
    Mängisch ds Schicksal eim tuet schla
    Loset mit was für Methode
    Mängisch ds Schicksal eim tuet schla
    Zumnen Arzt isch eine cho dä
    Het e zlängi Nase gha
    Het e zlängi Nase gha
    (Quelle: geocities.com)

    Oder im Lied „Hemmig“:

    I weis, das macht eim heiss, verschlat eim d’Stimm
    Doch dünkt eim mängisch o s’syg nüt so schlimm
    S’isch glych es Glück, o we mirs gar nid wei
    Das mir Hemmige hei
    (Quelle: geocities.com)

    Und in „Mir hei e Verein“

    Mir hei e Verein, i ghöre derzue
    Und d’Lüt säge: Lue dä ghört o derzue
    Und mängisch ghören i würklech derzue
    Und i sta derzue

    Mänggisch sollte laut alter Berndeutsch Schreibung eigentlich mit zwei „g“ geschrieben werden, sagt unser Berndeutsch Spezialist. Bei Google-Schweiz finden sich jedoch fast nur Verwendungen der knappen Form „mängisch“, dass dafür sensationelle 49.800 Mal!

  • Berndeutsch nur gesprochen?
  • Wir erinnern uns an die ständig gehörte Feststellung, dass Schweizerdeutsch nur eine gesprochene Sprache ist, abgesehen von Liedtexten bei Mani Matter, SMS und E-Mail. Wie kommen dann die fast 50.000 Einträge in Google zustande? Gibt es Berner, die ihre E-Mails von Google erfassen lassen?

  • Mängisch oder mengmal
  • Nein, aber es gibt dafür Menschen, die statt mängisch lieber mengmal sagen. Die kommen dann in der Regel aus dem Berner Oberland. Die restlichen 23 regionalen Versionen von „manchmal“ im haben wir dann nicht mehr weiter gesucht.

    

    7 Responses to “„Einmal“ in Bern, „manches Mal“ auch im Oberland”

    1. Phipu Says:

      Auf englisch gibt es die Verkürzung von „one time, two times“ ebenfalls mit den Wörtern „once, twice“. Aber „jamais deux sans trois“ (einmal ist keinmal) deshalb stocken wir gleich auf dreimal auf: „einisch zwöinisch, drünisch“. Siehe Google: . Zugegeben, der Internet-Auftritt dieser Aussagen ist selten und wird wohl mittelfristig bis auf den Ausdruck „einisch“ aussterben. Genau so, wie in moderneren Songtexten „one time, two times“ gesungen wird, womit die sprachlichen Ausnahmen so langsam ausgemerzt werden.

      Der Vergleich bei „mängisch“ mit „Menge“ entspricht sinngemäss der Bedeutung ebenfalls. (Eine Menge von Malen = „mängmal“). Ich ordne eher das standarddeutsche „manch“ einer älteren Sprachwurzel zu:

      Noch etwas zum Tüpfli-Schiisse: Einige Google-Resultate der im Eintrag aufgeführten Links (iinisch) stammen nach meiner Dialektanalyse ( + Hinweise auf Dorfnamen) aus dem Emmental und dem Freiburger Sensebezirk, bis hin zu den Kantonen Aargau und Luzern (mengmal). Eben, dutzende regionaler Varianten und dazu von hochdeutsch abgeleitete Schreibarten, da Deutschschweizer Schüler ja eigentlich diese standardisierte Schreibweise eher beherrschen sollten als Dialektschrift …

    2. Luise Says:

      Zum Seele-Fant empfehle ich folgenden Link: hr-online.de

      🙂

    3. Johnny Says:

      wobei ich als Zürcher auch „mängisch“ sage. „Einisch“ ist für mich auch Berndeutsch und sage ich nie.

    4. Peter Gloor Says:

      Zitat:
      „Die Schreibweise mit „ei“ am Anfang hat gemäss Aussage eines Berners, den wir dazu befragten, rein gar nichts zu sagen. Er versichert uns, dass dies in Bern wie „ä“ ausgesprochen wird. „Wänn äs näch dän Bärner gänge, kännte män sowieso auf älle „Eis“ verzichtän und nur noch „äh“ sprächen und schräbän“, sagt der Berner und lächelte dabei. Natürlich mit „ä“. Der will uns bestimmt auf die Schippe nehmen.“

      Da habe auch ich so meine Mühe damit. Da hat euch der Berner mit dem ä veräppeln wollen. „Einisch“ wird mit einem sehr geschlossenen E ausgesprochen, in gewissen Gegenden, wie eben dem Oberland, auch als „Eenissch“. Also:
      „We’s nach de Bäärner gieng“
      Also: Einisch, mängisch, undereinisch (= plötzlich).
      In Bülach hört man wohl eher „emaal“ bzw. „äi Maal“.

    5. Pesche Says:

      „Einisch“ heisst einmal. „es isch einisch e Maa gsy“ oder “ es isch emaal e Maa gsy“ heisst es war einmal ein Mann. „Mängisch“ heisst manchmal. „Aubeneinisch“ oder „albeneinisch“ heisst auch manchmal, oder ab und zu. „Oeppedie“ heisst ebenfalls ab und zu „Aer het lut gsunge, aber öppedie e chly fautsch“ Er hat laut gesungen, aber ab und zu falsch.

      Im Emmental oder im Oberland gilt dies auch, mit dem Unterschied, dass man dort „Inisch“ und „Aubeninisch“ „siit“ oder eben sagt.

    6. Etienne Says:

      Hallo Jens

      Hast du schon mal von dem „Roten Buch“ gehört?? Das ist die Bezeichnung eines Wörterbuches, welche (fast) alle Berndeutsche Wörter auflistet.

      Generell sagt man, dass das Schweizerdeutsch nur eine gesprochene Sprache sei. Das stimmt aber nicht so ganz! Es gibt in den letzten Jahren Bestrebungen die Dialekte zu verschriften. Nun haben es die Berner früher als die Zürcher oder Basler geschafft ihr Dialekt mit ihren vielen Varaianten und Idiomen niederzuschreiben. Diese (schnelle Meister-)Leistung sollte doch gerühmt werden oder? Wie wärs mit einem Bericht im perfektem Berndeutsch für dein nächsten Blog??

    7. Phipu Says:

      Wenn man auf die Frage nach der Anzahl (z.B. „Wieviele Leute waren denn eingeladen?“) nicht mehr genau antworten kann/will, kann man sich in die humorvolle Formel retten: „eine, mänge, viu“ (einer, mancher, viele). Dies klingt, als ob ein kleines Kind zählen möchte, aber die Zahlen noch nicht kennt; also ein Kind, das noch nie in der Primarschule mit Mengenlehre konfrontiert war, aber trotzdem schon „mänge“ sagen kann.

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