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Haben Sie auch schon Sukkurs erhalten? — Wenn Fruchtbonbons nicht aus dem Lateinischen sind

  • Sugus ist nicht Sukkurs
  • Vor ca. 30 Jahren machte die Schweizer Firma Suchard im Deutschen Fernsehen Werbung für ihre Bonbons mit einem flotten Song, dessen Bekanntheit heutzutage bei „BiVies“ (= bis vierzig Jahre alten Menschen) nicht mehr vorausgesetzt werden kann, da muss man schon die „UHus“ (= unter Hundert Jährigen) fragen:

    Es gibt ein neues Fruchtbonbon
    Sugus von Suchard
    Brave Kinder kennen’s schon
    es schmeckt wunderbar
    Sugus Sugus, Sugus von Suchard

    Der Song wurde auch auf Spanisch als „Caramelos Sugus de Suchard“ in Spanien bekannt.
    Es gibt eine neues Fruchtbonbon
    An diese Werbung mussten wir denken, als wir zum ersten Mal in der Zeitung vom „Sukkurs“ lasen:
    Sukkurs erhalten
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 11.03.06 S. 15)

    Wir glaubten, hier werden Bonbons verteilt durch Luzi Stamm, denn wie man „Sugus“ schreibt, das war uns nicht mehr gewärtig.
    Dieser Ausschnitt aus dem Tages-Anzeiger bringt zum einen schöne Beispiele für Schweizer Schriftdeutsch wie „Sukkurs“ und „orten“, zum anderen wird tatsächlich in wörtlicher Rede eine Schweizerdeutsche Aussage wiedergegeben.:

    „Das Züüg isch materiell falsch“

    Wir wissen nicht, welche geheime Strategie dahinter steht. Vielleicht gehört es sich so, dass ein Nationalrat nur auf Höchstalemannisch zitiert werden darf, weil er sonst nicht deutlich genug seine Volksverbundenheit zum Ausdruck bringen kann?

    Doch nehmen wir jetzt „für einmal“ Rekurs zum Sukkurs. Er findet sich bei Google-Schweiz 645 Belege dafür, gern auch in der Kombination mit „hoffen auf Sukkurs“ oder „Sukkurs erhalten“.

    Auf Webseiten aus Deutschland finden wir hingegen nur 526 Belege, die entweder aus Schweizer Quellen (z. B. NZZ.de) stammen, in Mundart geschrieben sind (schwäbisches Dialektstück beim Projekt Gutenberg) , oder sich betont wissenschaftlich auch sonst mit zahlreichen Fremdwörter schmücken. Beispiel:

    Einerseits rief das Plenum die Parteimitglieder dazu auf, «veraltete Denkformen und marxistische Dogmen» fallenzulassen und sich von den Fesseln des «Subjektivismus und der Metaphysik» zu befreien, was mit etwas gutem Willen als impliziter Sukkurs für Jiangs Bestreben verstanden werden kann, (…)
    (Quelle: akidojournal.de)

  • Was bedeutet eigentlich Sukkurs
  • Laut Duden heisst Sukkurs:

    Suk|ku.rs, der; -es, -e
    [a: mlat. succursus, zu lat. succursum,
    2. Part. von: succurrere = helfen] (bes. Milit. veraltet):
    a) Hilfe, Unterstützung, Verstärkung;
    b) Gruppe von Personen, Einheit, die als Verstärkung, zur Unterstützung eingesetzt ist:
    „Bin hinauf bis nach Temeswar gekommen mit den Bagagewagen, … zog mit dem Sukkurs vor Mantua“ (Schiller, Wallensteins Lager 5).

    Ein lateinisches Fremdwort, noch dazu aus der Militärsprache, in der Schweiz absolut normal und gebräuchlich im Alltag. Das sollten Sie kennen und verstehen, wenn Sie hier leben und Zeitung lesen wollen. Es ist die Mischung dieser Sprachebenen, die uns beim Tages-Anzeiger am meisten fasziniert: Fremdwörter lateinischen Ursprungs neben Fachwörter der Soziologie (orten, verorten) neben geschriebenem Höchstalemannisch: Das gibt ordentlich was her und hält die kleinen grauen Zellen fit!

    

    7 Responses to “Haben Sie auch schon Sukkurs erhalten? — Wenn Fruchtbonbons nicht aus dem Lateinischen sind”

    1. Petra Says:

      Hallo Jens, hast du heute früh schon den Tagi gelesen? Auf der Seite 24 im Bellevue steht ein Artikel über die Blogwiese! Nach 200 Einträgen auf deinem Blog schreibt nun endlich auch der Tagi über dich, das wird ja auch Zeit. Zucker ist die Nährlösung für Sugus, der Tagesanzeiger ist die Nährlösung für die Blogwiese. Mach weiter so!

    2. Daniel Says:

      Dieses Wort ist meiner Meinung nach NICHT

    3. Daniel Says:

      Hey Jens,

      Bislang kannte ich alle deine „Trouvaillen“ (was ist jetzt das wieder…? 😉 ) aus dem Tagi, aber Sukkurs überstieg jetzt sogar meine Deutschkenntnisse!

      Dachte zunächst, dass dieses Wort eigentlich wirklich nicht mehr gebräuchlich ist, aber beim kurzen Suchen auf der Homepage der Berner Tageszeitungen musste ich mich eines besseren Belehren lassen.
      Habe ich als Schweizer hier auf der Blogwiese auch was lernen können 😉

      Gruess Daniel

    4. eggestei Says:

      Ach der Luzi Stamm… der könnte das mit dem Sukkurs am besten lassen. Hoffentlich wird dieses Buch, gerade weil er so blöd dagegen gewettert hat, im Unterricht eingesetzt.

    5. carlo2 Says:

      Hey Jens,
      wer sagt eigentlich, dass Deutsche besser deutsch können als Schweizer? Wer sich über andere lustig macht, sollte es selber besser machen :-)) (schau das Wort „Fruchtbonbons“ in deinem Titel mal genau an).

    6. Marc Somogyi Says:

      Guten Tag

      Herr Luzi Stamm ist Nationalrat und Herr Dr. Maximilian Reimann ist Ständerat von der SVP im Kanton Aargau, wer auch immer dieser Artikel geschrieben hat, versteht offensichtlich nichts von Politik!

      Bitte unter http://www.parlament.ch nachsehen, bevor falsche Behauptungen gemacht werden!

      Vielen Dank!

      Marc Somogyi

    7. (Ri)Vella Says:

      Ich weiss noch, wie das Sugus-Lied weitergeht:

      „Wie Orange, Ananas, Himbeer und Zitrone,
      alle Kinder kennen’s schon,
      kommt, lasst Euch belohnen.
      Sugus, Sugus, Sugus von Suchard“

      Fiel mir vor ein paar Wochen beim Zaunstreichen
      ein und finde es prima, dass ich es beim Blog-
      Nachlesen bei Dir finde. 🙂

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