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Massnahmen gegen das Sinken des Schiffes

  • Tempo 80 auf den Autobahnen
  • Die derzeitige Inversionswetterlage mit damit zusammenhängender Feinstaub-Belastung in den Ballungsräumen der Schweiz führten dazu, dass am 12. Tag der kritischen Luftbelastung nach langer Beratung die betroffenen Kantone beschliessen, die Höchstgeschwindigkeit auf einem Teil der Schweizer Autobahnen auf Tempo 80 zu begrenzen. Uns erinnert diese entschiedene Vorgehensweise an die alte

  • Die Parabel vom Schiff und vom Eisberg.
  • Das Schiff ist mit einem Eisberg zusammengestossen. Der Eisberg riss ein grosses Loch in die Aussenwand des Schiffes. Wasser dringt ein. Das Schiff beginnt vollzulaufen.

    Als der Kapitän von dem Unglück erfährt, beruft er sofort eine Kommission ein, welche den Grund für das Auftreten von Eisbergen in diesen Gewässern klären soll.

    Wasser läuft in das Unterdeck. Die Passagiere beginnen sich zu beschweren, weil sie nasse und kalte Füsse bekommen, wenn sie über die Gänge laufen.

    Der Kapitän beruft eine weitere Kommission von Spezialisten, welche die Ursache für das Loch bestimmen und die Grösse des Loches vermessen sollen. Ausserdem werden sie die Menge des eindringenden Wassers pro Minute berechnen.

    Das Schiff beginnt zu sinken.

    Die Loch-Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass nicht das Auftreffen des Eisbergs auf das Schiff für das Loch in der Aussenwand verantwortlich ist, sondern der Zusammenstoss des Schiffes mit dem Eisberg. Ausserdem wird errechnet, dass pro Minute 500 Liter Wasser eindringen. Das Eindringen des Wassers wird weiterhin kontinuierlich und genau beobachtet.

    Auf dem Schiff sind mittlerweile alle genaustens über die derzeit pro Minute eindringende Wassermassen informiert. Die Gesamtlast des Schiffes liegt 240% über der zulässigen Höchstschwelle.

    Das Schiff liegt tief im Wasser und sinkt weiter.

    Die Eisberg-Kommission trägt ihr Ergebnisse vor, und man weiss nun ganz genau, was im nächsten Winter auf dieser Schifffahrtsroute getan werden muss, um das Auftreten von Eisbergen zu verhindern.

    Es wird diskutiert, das Schiff mit 80% seiner Kraft in Richtung Süden fahren zu lassen, um möglichst schnell in wärmere Gewässer vorzustossen. Das würde die nassen Füsse weniger unangenehm erscheinen lassen. Sie wären dann zwar immer noch nass, aber nicht mehr kalt.

    Das Schiff sinkt weiter.

    Der Steuermann lässt die Maschinen starten, damit endlich etwas geschieht. Das Schiff sinkt zwar immer noch, aber jetzt bewegt es sich dabei vorwärts.

    Es werden weitere Massnahmen diskutiert, die zukünftige Eisberge unmöglich machen sollen.

    Angesichts des immer weitere steigenden Wasserstands wird beschlossen, die Pumpen anzuwerfen. Dank 70%er Pumpleistung kann die eindringende Wassermenge um 7% von 500 Liter pro Minute auf 465 Liter pro Minute gesenkt werden. Ein grosser Erfolg!

    Das Schiff sinkt weiter.

    Der Kapitän ordnet an, dass die Passagiere am besten in ihren Kajüten bleiben und die Türen fest verschlossen halten mögen, um das Eindringen von Wassers zu verhindern. Die Passagiere sind unzufrieden mit dieser Massnahme. 57% wünschen, dass das Wasser nicht mehr eindringt und sie ihre Kajutentüren wieder öffnen können. Ausserdem soll der Steuermann entlassen werden, weil er zu spät gehandelt hat. Damit hofft man, die Lage in den Griff zu bekommen.

    Es wird erwogen, die Pumpleistung weiter zu erhöhen. Die Idee wird verworfen. Die Pumpen würden wegen der grossen Belastung in 3 Monaten nicht mehr funktionieren. Das würde grossen wirtschaftliche Schaden für die Rederei bedeuten.

    Das Schiff sinkt weiter.

    Der Kapitän informiert sich über Funk, welche Massnahmen andere Schiffe zur Vermeidung von Kollisionen mit Eisbergen getroffen haben. Es wird überlegt, diese Massnahmen gleich für die nächste Fahrt im nächsten Herbst verbindlich umzusetzen.

    Das Schiff ist gesunken.

    

    13 Responses to “Massnahmen gegen das Sinken des Schiffes”

    1. Harry.R Says:

      Jens, ich hab so gelacht! Schuld ist doch nur die Wetterlage, ändert sie sich, sind die Schweizer dieses Problem doch wieder los und können wieder richtig uffschnuffe 🙂

    2. Phipu Says:

      Ach, Jens, das ist doch alles nicht so dramatisch, wie du das schilderst. Ich bleibe jedenfalls zynisch optimistisch: Bisher wurden in ähnlichen Geschichten die Grenzwerte in Richtwerte umbenannt; und damit konnte man diese Werte weiterhin massnahmenfrei überschreiten. Von daher bin ich mir halt noch mehr politischen Einfallsreichtum zum Nichts-Unternehmen gewöhnt, als dies vielleicht in Deutschland der Fall wäre. Im aktuellen Fall jedoch wurde doch immerhin in gewissen Kantonen eine Massnahme entschieden, das ist doch schon was. Vergessen wir nicht, dass man die gewichtige Wählerschaft und Bundes-Sponsorschaft der Auto-Lobby nicht zu sehr erzürnen darf. Deshalb werden die Massnahmen auch nur auf Autobahnen eingeführt. In den smoggeplagten Agglomerationen, wo die S-Bahnen skandalös selten wie etwa alle 15 Minuten verkehren, ist ein generelles oder teilweises Fahrverbot absolut undenkbar. Solche Einschränkung der Freiheit wäre für die breite Bevölkerung, die unbedingt ihre Kinder von der 300m entfernten Schule abholen muss, einfach eine Zumutung, Gesundheit der Bürger (inkl. Kinder) hin oder her.

      Wenn die Politik nicht reagiert, sehe auch ich mich nicht verpflichtet, jetzt plötzlich mein Bewusstsein zur Luftverbesserung zu stärken. Im Gegenteil. Ich fahre weiterhin wie jeden Arbeitstag bei jedem Wetter mit dem Velo zum Bahnhof; und werde ab morgen sogar eine Atemmaske anziehen, damit den anderen Lungen mehr dieses Staubs übrig bleibt. Ein schlechtes Gewissen gegenüber den armen Autofahrern bleibt mir nur bei der Zugfahrt. Dort komme ich auf meiner Strecke nach wie vor mit bis 140 km/h vorwärts.

    3. eggestei Says:

      @Phipu toller Kommentar
      @ Jens, deine Geschichte ist super, schönes „Schmankerl“

      Das ist nun mal die Art wie Politik funktioniert, und 12 Tage halte ich für eine schnelle Reaktionszeit, ich hätte jetzt damit gerechnet, dass Ende März ein paar Vorschläge kommen….
      Ich hoffe einfach, dass man das was du in der Geschichte schilderst, getan wird und man wirklich Vorkehrungen fürs nächste Mal trifft, sich mal einen Ruck gibt, eben mal gegen die Auto-Lobby, für was brauch ich auch ein x Liter saufendes Ungetüm im Stadtverkehr. Damit die Kinder, die nicht von ihren Eltern abgeholt werden Angst haben müssen? 😉

    4. Oliver Müller Says:

      Das ist eine gute Metapher! Besser hätte ich es für Kinder nicht beschrieben können 😉

    5. räulfi Says:

      Frage mich nur gerade, wie gefährlich das Zeugs wohl war, dass früher aus all den Autos ohne Kat etc. gepustet wurde… Offenbar sind halt die Möglichkeiten zur Messung des Feinstaubs heute so gut, dass er überhaupt gemessen werden kann und wird… Was kommt wohl als nächstes, das an unserem Bild einer heilen Schweiz kratzt (Feinstaub gibts ja nur in der CH und vielleicht gerade noch in Konstanz, wenn ich den gestrigen baden-württembergischen Nachrichten glaube)? Etwa, dass unsere Milchkühe gentechnisch verändert wurden, und wir eigentlich schon längstens alle Sojamilch saufen?:-))

    6. eggestei Says:

      Feinstaub gibts nicht nur in der Schweiz wag ich jetzt zu behaupten, vielleicht hat man sich in den Grossstädten Deutschlands und anderswo einfach längst daran gewöhnt und macht kein Aufhebens mehr darum.

      Interessant ist ein Blick in die Google-Newssuche nach Feinstaub, schweizer Meldungen sind sowohl mit Google.ch als auch mit Google.de in der Überzahl.

    7. viking Says:

      @Jens So lange lebst du anscheinend doch noch nicht in der Schweiz, wenn du diese Beratungszeit als lange einstufst 😉
      Aber wie räulfi schon festgestellt hat, ist dies anscheinend nur ein lokal, schweizerisches Problem. Was hat die EU für ein Glück, sich damit nicht rumschlagen zu müssen ;))

    8. Administrator Says:

      @eggestei
      da irrst Du aber gewaltig: In Stuttgart haben vor gar nicht langer Zeit wegen der Feinstaubbelastung die Durchfahrt für LKWs, sorry, „Camions“ meine ich natürlich, ganz gesperrt!
      Gleiches geschah in Mainz, Essen, Dortmund, Darmstadt, hier ein paar Links dazu via Google:
      http://www.google.ch/search?hl=de&q=f%C3%BCr+lkws+gesperrt+wegen+Feinstaub&btnG=Google-Suche&meta=
      Gruss, Jens

    9. eggestei Says:

      @ Jens, dass es in Stuttgart so ist, wusste ich, aber es ist eben schon eine Weile her… und ich hab mich heute morgen eigentlich nur nach dem „Aufsehen“ das es macht umgeschaut, indem ich in der Newssuche „Feinstaub“ eingegeben habe, also mich auf die aktuellen Presseberichte beschränkt habe.

    10. Gery Says:

      nannte man den feinstaub früher nicht mal „SMOG“? schmunzel!
      ach ja, und wenn wir schon bei dem Thema sind. Die Geschwindikeitsbeschränkung hat nun rein gar nichts gebracht. Ein einziger „schönwettertag inkl regen“ hat gereicht um die belastung auf ein erträgliches mass zu senken. und die politiker sprechen von einem „erfolg der massnahme“ was für ein witz………….

    11. Gizmo Says:

      autofahrerlobby in der schweiz???? ich lach mich tot….

      frage: warum darf ein zug 140 fahren und die autos sollen 80 fahren… verstehe ich nicht…

      auch mit 80 sind viele lenker in der schweiz immer noch überfordert (auch wenns nichts mit dem thema zu tun hat)

      naja und das mit der politik… ich denke mal das selbstbeweiräucherung da zum handwerk gehört. in deutschland gibt es ja auch einen gewissen helmut kohl der von sich selber (und viele seiner anhänger auch) ernsthaft glaubt er hätte irgendeinen beitrag dazu geleistet das deutschland wiedervereint ist. zu dieser ehre ist er genauso gekommen wie ursprünglich zu seinem kanzleramt. oder anders ausgedrückt wie die jungfrau zum kind…

    12. Jean-Louis Says:

      @Jens-Rainer

      Massnahmen gegen das Sinken des Schiffes
      # Tempo 80 auf den Autobahnen
      oder
      # Die Parabel vom Schiff und vom Eisberg.

      Lieber Jens-Rainer,

      Ich schreib‘ einfach „lieber“, ohne Kommunikationshemmung, weil der DRS1-Auftritt äusserst aufschlussreich war. Und Ihre Arbeit seit 2005 ist beeindruckend witzig, auch vielfältig, und – auch wenn manchmal nur aus der Erinnerung „irrend“ – amüsant. Dank ehrlicher Distanz einerseits, dank kritischer Würdigung und Hintergründigkeit andererseits. Beeindruckend ist auch die Auseinandersetzung mit Sprache (Man kann seinen Hintergrund, den Rucksack nur schwer ablegen).

      Gewiss wunderschön ist die Parabel vom Schiff und vom Eisberg.
      Eben. Eine Parabel.

      Deshalb wohl nicht nur im Kontext des Tempolimits infolge Feinstaubmessgenauigkeit gültig!

      Geht es nicht so her und zu? Überall in diesem „Abendland“, wo doch langsam „Abend wird“?

      Eine Kommission zu bestellen ist eine „ABM“, eine „Arbeitsbeschaffungsmassnahme“, eine Ankurbelung der Wirtschaft, weil die Geldeinnahme der Kommissions- und Ausschussmitglieder (manchmal sind auch Frauen dabei) die Konsumkraft erhöht. Der Absatz steigt, die Produktion kann den Wachstumszielen des „mänätschments“ genüge leisten… Und schon haben wir wieder eine Erfolgsstory. Für die Medien in jedem Fall: Auch wenn ein Teil von Gewinn in Schwarzen Kassen verschwindet. Jetzt wird es aber sogar bei S. in M. besser… Mit neuem „mänätschment“.

      Wen interessiert schon auf dem gesunkenen Schiff, warum es dort Eisberge zum Begrüssen gibt?
      Sie hatten ihr „Er-lebnis“!

      Die Parabel vermittelt aber auch „Nachhaltigkeit“, weil ja die „anonyme Reederei dank Funksprüche und Kommissionsergebnisse jetzt mehr weiss“ und für künftige Passagiere die Reise risikoloser – damit vielleicht auch erlebnisärmer – gestaltet werden kann. [Inwiefern WISSEN verlorengeht, lassen wir heut‘ beiseite.]

      Jedenfalls muss es sich um eine „nordische Parabel“ handeln, ansonsten hätte das Schiff zwecks warme Füsse nicht südwärts fahren sollen…

      Freundliche Grüsse
      Jean-Louis

    13. M.L. Says:

      Feinstaub und Tempo 80 oder sind die Bauern mit ihren Traktoren schuld? Einige „politische Autolenker“ behaupteten das die Bauern daran schuld sind bzw. waren.
      Komisch, es gibt nicht gerade viele Bauern, die erstens im Winter Traktor fahren und zweitens auch gerade in den Orten, wo die belastung gross waren.
      Es würden nicht wenige befremdet schauen, wenn jemand mit dem Traktor in der Stadt herumfahren würde.
      In diesem Sinne: Feinstaub ahoi!

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