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Voll Freud und Wonne — „Wonig“ in Zürich

  • Wohneigentum nur für Schweizer?
  • Wie verhindert man als Anbieter von Wohnungen in Zürich, dass dort missliebige Ausländer, Ticinos oder Welsche alles aufkaufen? Ganz einfach! Man formuliert sein Angebot so sehr auf Schweizerdeutsch, dass es garantiert nur noch von sauberen, ordentlichen und gut betuchten Deutschschweizern verstanden wird:
    Wonnige Wohnung
    (Quelle: Tages-Anzeiger 23.01.06. S. 32)

    „Wotsch ä lässigi Wonig haa?
    Dänn click d Milchbuck aa!“

    Wie sich das Englisch geschriebene „click“ mit „c“ dazwischenmogeln konnte, ist uns ein Rätsel. Wir hätten, wenn schon – denn schon, ein alemannisches „gligg“ erwartet.

    „Nöi! Eigentumswonigä: www.xxx-xxx.ch
    Flug-, Ussäufnahmä, Wonigsplän und vil me, damit weisch, wie chasch huuse.
    Chasch au aalüüte“

    Wollen wir mal sauber auseinander sortieren, wie sich das für einen Deutschen liest:

    „Wotsch“ das kennen wir, das ist eine Uhr, wir haben eine Swotsch-Wotsch am Arm.

    „Nöi!“ = das ist Schwäbisch für „Nein“, denn wir kennen ja alle die Geschichte vom schwäbischen Quizkandidaten, der gefragt wurde: „Wie heisst die Hauptstadt von Vietnam?“ Antwort: „Ha-Noi“, dös woiss ii net!

    Eigentums-wön-i-gä: „Eigentum will ich gern“?

    Flug– = Moment, die ist doch wohl nicht in einer Flugschneise in Kloten gelegen?

    Us-säuf-nahmä“ = Ausser Säufer nehmen … = die nehmen alles ausser Säufer?

    Wonigsplän“ = ein wonniger Plan, jawohl das ist es bestimmt.

    Damit weisch, wie chasch huuse“ = Irre ich mich, oder werden wir hier von wildfremden Leuten geduzt? Obwohl, es ist keine Präposition zu entdecken, nicht ein mal ein klitzekleines „ihr“ ist zu sehen, geschweige denn ein „Du“. Sehr geschickt gemacht, diese Kumpeltour, das müssen wir neidvoll zugeben.

    Chasch au aalüüte“ = Hasch gibt es auch, für alle Leute?
    Nee, da gehen wir nicht hin, das ist sicher so dein Drogenkollektiv mit eigener Cannabis-Zucht im Innenhof und auf den Balkonen.

    Ja, so kann es gehen, wenn eine Anzeige zu freier Interpretation einlädt. Hoffentlich wird die Zielgruppe von Nicht-Säufern und Haschischkonsumenten, die sich nix aus Fluglärm machen, mit diesem Text auch gefunden, wäre ja sonst schade um das fehlinvestierte Geld für die Anzeige im Tages-Anzeiger.
    P.S.: Die Website ist übrigens komplett auf Hochdeutsch gehalten. (Siehe hier). So eine Enttäuschung! Richtig hinters Licht geführt fühlt man sich da. Erst mit Schweizerdeutsch so ködern, und dann mit Hochdeutsch abspeisen. Nicht die feine Art ist das.

    

    19 Responses to “Voll Freud und Wonne — „Wonig“ in Zürich”

    1. ichbins Says:

      gligg?

      Mensch Jens!
      Wir wollen doch verhindern, dass die Basler aufs Angebot einsteigen!

      Aber mit „klick“ wäre man doch näher am Züridütsch als mit „click“ 😉

    2. BadWürt Says:

      Liebe Schweizer,

      bitte bleibt so wie Ihr seid, nämlich mit eigener Selbstbestimmung. Die EU wird früher oder später im Blut enden, und nach dieser Zeit müsst Ihr die Zivilisation wieder aufbauen – sprich, dritter Weltkrieg.

      BadWürt

    3. geissenpeter Says:

      Im Schweizerdeutschen braucht man keine Anrede, um jemanden zu duzen, darum fällt es auch so leicht, und darum tun es alle. „Wotsch“ = Willst du. Das Siezen ist umständlicher, es lautet je nach Region: „Weit der“ oder „Wänd Si“, benötigt also eine Silbe mehr.

    4. eggestei Says:

      @Jens, zuerst überdeckst du die Internet-Adresse und dann gibst du sie doch 😉 Ist das wieder Blogwiese-Humor?

    5. Administrator Says:

      @eggestei
      Solange Heidiswelt nix Neues brachte, hatte ich sie einfach ausgeblendet. Jetzt ist Geissenpeter wieder da, hurra hurra hurra!

      Aber du dachtest mehr an die Web-Adresse von der Anzeige.. ich wollte mir nicht nachsagen lassen, plump Werbung
      zu machen. Darum habe ich die Adresse im Foto überdeckt.

      Gruss, Jens

    6. Administrator Says:

      @BadWürt
      Was bin ich froh, so eine freundlich-optmistische Einschätzung von einem Leser aus dem „Musterländle“ zu lesen.
      Wieso sollte die EU im Blut enden? Bisher sind doch alle ganz lieb zu einander. Euro klappt wunderbar, Österreich boomt, seit es in der EU ist, Irland und die baltischen Staaten machen ähnlich postive Entwicklungen durch. Deutschland und Frankreich werden es auch noch schaffen.
      Die einzige EU-Ecke, die noch ein bisschen blutet, ist Zypern mit den Griechen und Türken drauf. Aber die müssen sich das überlegen: Entweder in die EU oder weiter zoffen.
      Gruss, Jens

    7. Sandra-Lia Says:

      muhahahaha… u dschwiz wirds de so i 100 johr au no richte, mit em eu-biitrit.. also, kei panik, mer sind au die legschte gis, wo i d uno gange sind..

    8. Branitar Says:

      @Jens
      Nicht zu vergessen: Nordirland und das Baskenland. Hat zwar nix mit der EU zu tun, aber als Beweis, dass es „im Blut endet“, geht’s doch immer 😉

    9. maxheadroom Says:

      Hallo Jens.

      Vielen dank für deinen netten Eintrag in meinen Blog.
      Also ich dachte so bein Lesen in deinem Blog das „Die Parabel vom Schiff und vom Eisberg“ nicht mehr getopt werden kann, aber die Übersetzung des „Wohneigentum nur für Schweizer“ ist dann doch um einiges besser. Wobei ich nicht ein einziges Wort auf dem Schild wirklich verstanden habe. Was deine positive Einstellung der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands angeht wollen wir hoffen das es funktioniert…. 😉

      lg maxheadroom

    10. Administrator Says:

      @maxheadroom
      Heh, hat das auch jeder mitgekriegt? Da hat eben ein Deutscher aus Saarbrücken geschrieben, dass er „nicht ein einziges Wort auf dem Schild verstanden“ hat! Also die Zielgruppe „Deutsch-Schweizer“ wurde demnach doch erreicht, und die die Zielgruppe „zügelwillige Deutsche“ wie beabsichtigt erfolgreich ausgeklammert.

      Wir können uns halt immer nicht so richtig zügeln..
      Gruss, Jens

    11. BadWürt Says:

      Lieber Jens,

      seit wann haben wir eine eigene Meinung, seit jeher werden wir stets von anderen gelenkt und gesteuert – selbst die „Eliten Deutschlands“ lassen sich verblenden, sprich vor 60 Jahren.

      http://www.stern.de/politik/ausland/523321.html
      http://de.wikipedia.org/wiki/Korruption_in_der_EU
      http://www.ifo.de/portal/page?_pageid=36,105333&_dad=portal&_schema=PORTAL&item_link=ifointerview-CASH-18-11-04.htm
      http://www.politikforum.de/forum/archive/2/2004/02/4/50803
      http://www.die-stuetze.com/html/12.html
      http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=relhbi&sfn=buildhbi&CN=GoArt!200104%2C204966%2C719157&OBJECT=wiwo%2Cp&bt=0&SH=0&depot=0

      Aber was sage ich da, recherchieren können Sie ja selbst – vorrausgesetzt Sie sehen nicht nur rosarot.

      Grüsse aus Baden-Württemberg, nähe Basel,
      Heinrich W. S.

      PS.
      LIEBE SCHWEIZER, HANDE WEG VON DER EU!!!!!

    12. Phipu Says:

      Zu deinem Stolz auf Maxheadrooms Kommentar:
      Ja, Jens, wir haben es alle mitgekriegt, Bravo! Tatsächlich hast du einen hervorragenden Beitrag geleistet, dass kein Züridütsch-Aussenseiter etwas mitkriegt. Vor einer Sprache, dies es schafft, in einer Wohnungsanzeige so viel über Swatch, Hanoi, „das ich geben“ (won-i-gä), Säufer, Wonne und Leute zu schreiben, hätte ich unermesslichen Respekt, ja gar Angst, würde ich diese nicht schon zufällig seit Geburt verstehen! Hat also z.B. ein/e Deutsche/r nur das Inserat gelesen, und geglaubt, es zu verstehen, hast du die vermeintlichen Verständnis-Lichtblicke nun alle zerschlagen. Die Hemmschwelle vor Schweizerdeutsch-Verständnis sind dadurch ins Unermessliche gestiegen. Bravo, du hast erfolgreich viele Fremde abgewehrt. Es gibt sicher Organisationen oder Parteien, die dir nun mit dem goldenen Grenzgartenhag (…-zaun) gratulieren würden.
      Aber auch ernst gemeint, sehr phantasievolle Lautmalereien, bravo!

      Ergänzend zu Geissenpeters Aussage:
      In duzenden Sätzen fehlt übrigens tatsächlich dieses „du“ – zumindest in allen Fragestellungen und in weiteren Fällen, für die ich keine eindeutige Regel erkennen konnte. „Du issisch zmitts im Winter z’Hamburg e Glace“ ist eine gewöhnliche Feststellung. Also mit „du“. „Magsch tänk `s Aromat-Bildli au nümme aaluege, gäll?“ hat die Form einer Frage, also ohne „du“. Der Satz im Inserat „Chasch au aalüte“ ist ein Grenzfall, man könnte es sehr wohl auch mit „du chasch …“ schreiben. Es ist eine gewöhnliche Aussage. Das fehlende „du“ ist hier eher spontan gedacht, wie schnell, unüberlegt ausgesprochen. Wurde sicher nicht ohne kommerziellen Hintergrund gewählt. Ausserdem kosten solche Anzeigen pro Zeile, also ist kurz fassen erwünscht. Telegramme kosteten früher pro Wort. Beispieltext: „Ankomme um 16 Uhr“. Nebst dem zusammen geschriebenen Verb fehlt hier das „ich“; die Person ist am konjugierten Verb erkennbar. In vielen lateinischen Sprachen muss man ebenfalls anhand des Verbs die Person entschlüsseln: ital. „cercono un appartamento“ (sie [die anderen] suchen eine Wohnung), span. „no tenemos lavaplatos“ (wir haben keinen Geschirrspüler)

      (alle Beispiel-Sätze sind frei erfunden und jede Anspielung auf hier oben rechts unterdessen wieder erwähnte Blogs wäre rein zufällig)

    13. maxheadroom Says:

      @ Jens

      zügelwillige Deutsche…..schmunzel…..kommst du etwa auch aus dem schönen Saarbrücken….aber wer das Saarbrücker Platt oder Luxemburger Platt kennt weiss wie ein Schweizer zu verstehen ist…. 😉

    14. Dan Says:

      Da würde kein Deutscher aalüüte auch wenn er es verstünde. Wer will schon ‚hausen‘, unsereins will ‚wohnen‘. Jens, hast Du die Möglichkeit geprüft, dass hier ein Nicht-Schweizer annonciert, der nie auf der Schule Hochdeutsch schreiben gelernt hat? Es klingt nämlich irgendwie mehr wie Stefean & Erkan auf Züritüütsch.

    15. räulfi Says:

      Also hiermit erkläre ich offiziell, dass ich nicht mehr verstehe wieso dann einige Deutsche stets darauf beharren, dass CH-erdeutsch KEINE Sprache sei… Also alles, was ich def. nicht verstehe, ist für mich eine Fremdsprache (wie Holländisch, das ja die gleichen Wurzeln wie Deutsch hat)…
      Gleichzeitig schwöre ich hiermit, ab sofort wesentlich mehr Rücksicht auf deutsche Mitmenschen zu nehmen und in einem Gespräch sofort auf Hochdeutsch zu wechseln:-) Missverständnisse sind die Wurzel aller Übel. Was mit einer Karikatur beginnt endet in… Naja, wollen wir mal hoffen, dass so ein Inserat nicht eine ähnliche Wirkung hat….;-)

    16. Administrator Says:

      @räulfi
      frag solche Banausen doch mal nach einer ihnen geläufigen Definition von Sprache. Die Sprachwissenschaftler kennen um die 10 davon, kannst Du hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Sprache

      Danach klärst Du sie auf über die Ursprung, Bedeutung und Gegenwart von „Höchstalemanisch„, dann habe sie was zu knacken.
      Gruss, Jens

    17. räulfi Says:

      🙂 Denke, das ist eh eine unendliche Diskussion und sehr Ansichtssache. Mir ists im Prinzip egal, obs jetzt eine ist, od. nicht, Hauptsache man kann (und will vor allem!) sich (auch über Fremdsprachen-, Sprach- und Dialektgrenzen hinweg) verstehen…

    18. ix Says:

      übrigens:
      Ich habe den Eindruck, dass eine Annonce in der Schweiz sehr oft „Inserat“ und viel seltener „Anzeige“ genannt wird…

    19. Eidgenosse Says:

      Habe eine Eigentumswohnung inseriert. Es meldeten sich Schweizer ein Tscheche, eine Spanierin und ein Deutscher. Nur der Deutsche reklamierte – zu weit weg zum Einkaufen, zu teuer etc.
      Sicher werde ich die Wohnung keinem „Reklamierer“ vermieten. Wer sucht schon freiwillig Aerger?

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