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Mit viel Gefühl in den Sündenpfuhl aus „Pfulmen“

  • Ein Kuss auf dem Kissen
  • Während einer Autofahrt hörten wir im Schweizer Radio Werbung für ein Matratzen- und Bettenhaus in Zürich. Als besonderes Lockangebot wurde für die (selbstverständlich ausschliesslich deutschen) Schnäppchenjäger versprochen, beim Kauf einer Matratze ein kostenloses „Gsundhiitschüssi“ als Zugabe geschenkt zu bekommen.

    Wir übten den Rest der Fahrt fleissig die Aussprache von „Gsundhiitschüssi“ und fragten uns, wie denn auf Schwiizerdütsch ein „Küsschen auf dem Kissen“ korrekt artikuliert werden müsste:
    äs küssli ufem chüssi“ vielleicht?

  • Pfulmen sind nicht fulminant
  • Wenig später stiessen wir bei einem Bettenausstatter auf das Wort „Pfulmen“. Es kam uns „fulminant“, also blitzartig in den Sinn, dass das sicher was mit „Pflaumen“ zu tun haben muss. Leider völlig verkehrt, denn nicht die Pflaume, sondern der „Flaum“ steckt in diesem weichen Wort, denn es bezeichnet in der Schweiz ein kuscheliges super breites Kopfkissen:

    Pfu.l|men, der od. das; -s, –
    [alemannische Nebenform von frühneuhochdeutsch ‚pfulwe‘ = Pfühl]
    (südd., schweiz.): breites Kopfkissen.
    (Quelle: Duden)

    Hier eins von pandashop.ch:
    Pfulmen
    Bildunterschrift: „Gefüllt mit neuen, halbweissen französischen Entenfedern (kein Lebendrupf)“
    Wir wollen lieber gar nicht so genau wissen, was eigentlich „Lebendrupf“ bedeutet.

    Das Wort Pfulmen müssen Sie kennen, wenn Sie in der Schweiz Kissen kaufen wollen. Google-Schweiz bietet 668 Fundstellen:

    Unser altes Grimms Wörterbuch kennt nur einen Fisch, der so heisst:

    PFULW,PFULWEN, s. pfühl; FISCHART Garg. 63a;
    (Quelle: Grimms Wörterbuch)

    Das kann es ja wohl nicht sein, denn das Wort kommt aus dem Latein:

    Pfühl, der, auch: das; -[e]s, -e
    [mhd. pfülw(e), ahd. pfulawi von lat. pulvinus] (veraltet):
    großes, weiches [Bett]kissen; weiche Lagerstatt:
    auf einem Pfühl ruhen;
    als ob es (= das Geräusch) auf einem weichen Pfühl glitte (Augustin, Kopf 237).

    Von den Römern haben sie es gelernt, die Schweizer und die Alemannen! Das bequeme „Pulvinus“ wurde zum „Pfulmen“, denn was bequem und praktisch ist, das geben wir ungern wieder her!

    

    4 Responses to “Mit viel Gefühl in den Sündenpfuhl aus „Pfulmen“”

    1. räulfi Says:

      @Jens
      >Wir übten den Rest der Fahrt fleissig die Aussprache von „Gsundhiitschüssi“ und fragten uns, wie denn auf Schwiizerdütsch ein „Küsschen auf dem Kissen“ korrekt artikuliert werden müsste:
      “äs küssli ufem chüssi“ vielleicht?

      Absolut korrekt!:-)
      Ist doch auch interessant zu sehen, wieviel Wörter aus der ‚toten‘ Sprache bis heute noch in der einen od. anderen Form überdauert haben:-)

    2. olli Says:

      Sehr witzig. Ich mußte erst mal googeln um zu erfahren, was leben-drupf ist 🙂

    3. HaegarCH Says:

      Oh, Lebendrupf ist genau das, was es heisst. Die Gänse werden bei lebendigem Leibe gerupft.

      Aber ich bin immer wieder erstaunt, wie alt die Schweizer Sprache ist. Immer wieder liest man (veraltet).

      Aber ich denke, dass es für euch mal interessant wäre, die Sendung „Schnabbelweid“ auf Radio DRS 1 zu hören (leider höre ich es nicht regelmässig, kommt aber wohl immer am Donnerstag Abend um 20 Uhr).

    4. Marion Says:

      Super, endlich mal ne Erklärung!!! Bin genau bei diesem Wort jedesmal gecheitert, wenn ich über online Bettwäsche kaufen wollte. Und immer hab ich dann nicht bestellt und bin ins nächst Kaufhaus und habs da gekauft.

      Durch Eingabe eben dieses Wortes bin ich auf auf diese Seite gestossen und habe nicht nur die Erklärung sondern auch jede Menge Spass gehabt an den Episoden, in denen ich mich oft wiederfinde.

      Danke

      Marion

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