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Was machen die Berner im Zürcher Unterland? Einen Verein gründen.

  • Es ist immer ein weiter Weg bis nach Bern
  • Die Schweiz ist ein ziemlich grosses Land. Vom nördlichen Grenzübergang bei Basel bis zur italienischen Grenze bei Chiasso sind es 286 Km, was laut unserem Routenplaner 2h 50 min Fahrt bedeutet. Knapp 85 Minuten braucht man von Bülach im Zürcher Unterland bis nach Bern, denn das sind immerhin 138 Km. Eine ziemlich weite Strecke in diesem grossen Land. So weit, dass es für die Berner, die es aus beruflichen oder privaten Gründen ins Zürcher Unterland verschlagen hat, als Grund genügt, hier einen Heimatverein zu gründen:

    Im Januar 1946 war es soweit. In Bülach wurde von einer stattlichen Anzahl „Heimweh-Bernern“ der Bernerverein Zürcher Unterland aus der Taufe gehoben. Gemäss den damaligen wie auch den heutigen Statuten bezweckt er „die Erhaltung und Förderung der bernischen Eigenart der im Zürcher Unterland niedergelassenen Bernerinnen und Berner. Neben der Pflege der Freundschaft und der Geselligkeit wünscht der Verein mit den in seiner Umgebung wohnenden Landsleuten auch das bernische Brauchtum zu pflegen. Mitglied des Vereins können Personen mit bernischem Heimatort werden. Es können auch Personen ohne bernisches Bürgerrecht, die den kameradschaftlichen Bestrebungen förderlich sind und sich dem bernischen Brauchtum verbunden fühlen, in den Verein aufgenommen werden.“
    (Quelle: bvzu.ch)

    Ob die auch Kurse in Bärntütsch anbieten für die sprachlich unbeholfenen Zürcher?
    Wenn Sprachkurse auf Bärntütsch, dann nur in gesungener und gejodelter Form:

    Unsere Aktivmitglieder singen und jodeln in einem Gemischten Jodelchor, spielen in der Theatergruppe, musizieren in der Örgeligruppe und fahren Velo und Töff in der Velo- und Motogruppe.

    Der Vereinspräsident heisst Fredy Lehmann. Sein Verein feiert gerade das 60jähriges Bestehen mit den 400 Mitgliedern. Über diese sagt Lehmann in einem Interview mit dem Zürcher Unterländer:

    „Wir sind es uns noch gewohnt, die Leute auf der Strasse zu grüssen. Hin und wieder werden wir deshalb schräg angeschaut. Scheinbar ist man sich das hier nicht gewohnt, besonders nicht die Jüngeren.
    (Quelle: Zürcher Unterländer vom 2.2.06, S.3)

    Wow! Diese reflexive Rückbezüglichkeit in der Form „es sich gewohnt sein“ beeindruckt unser verkümmertes norddeutsches Grammatikverständnis. Dabei dachten wir bisher immer, die Schweizer hätten die reflexive „Sich-Form“ abgeschafft! Wie in „das Wetter ändert“ statt „das Wetter ändert sich“ oder „das rentiert“ an Stelle von „das rentiert sich“.

    Offenbar ist das im Berndeutschen ganz anders. „Scheinbar ist man sich das hier noch gewohnt“.

  • Grüssen auf der Strasse
  • Stichwort „Grüssen auf der Strasse„: Wenn es danach geht, ist Bülach ein Dorf voller Berner, denn ausser „Downtown“ im Städle oder an sehr belebten Plätzen (wo man aus dem Grüezi sagen gar nicht mehr herauskommen würde), wird in jeder einsamen Wohnstrasse fleissig gegrüsst. Und wer nicht mitgrüsst, wird skeptisch angeschaut. Begegnen sich zwei Bülacher abends in der Innenstadt, kurz vor dem Hochklappen der Bürgersteige, grüssen sie sich selbstverständlich, ganz unabhängig davon, ob sie nun aus Bern stammen oder nicht.

  • Bratpfannen und Kaffeemaschine mieten
  • Was machen die Berner im Unterland sonst noch so? Nun, sie sind sehr geschäftstüchtig und halten mit ihren Dienstleistungen und Angeboten nicht hinter dem Berg:

    Organisieren Sie hie und da ein Fest? Benötigen Sie dazu ein Festzelt (max. 100 Personen), eine Kaffeemaschine oder eine Bratpfanne (Durchmesser 90 cm, mit Gasbrenner)? Sie können alles bei uns mieten! Wir singen, jodeln und örgelen auch für Sie!
    (Quelle: bvzu.ch)

    Ob die 100 Personen im Festzelt gleich mitgemietet werden können? Ach, und das hier keine Missverständnisse bei den Deutschen Lesern aufkommen: Wenn die Berner „örgelen“, dann hat das nichts mit „nörgeln“ zu tun, sondern dann spielen sie auf der Handorgel, das ist in der Schweiz ein Akkordeon.

    Morgen gehts weiter mit den Bernern in Zürich!

    

    6 Responses to “Was machen die Berner im Zürcher Unterland? Einen Verein gründen.”

    1. Phipu Says:

      Es gibt noch weitere sonderbare Musikinstrumente im schweizer Sprachgebrauch (Liste nicht vollständig):
      – De Heimetkomprässer (= „Heimatkompressor“, abschätzig für Handharmonika, da vorwiegend in der Volksmusik eingesetzt)
      – D‘ Muulgiige, d‘ Schnorregiige (= „Mundgeige, Schnorrengeige“, die Mundharmonika) in all ihren Dialektvarianten
      – De Schpöizchnebel (= „Spucke-Knebel“, abschätzig für Blockflöte oder Klarinette)
      – De Sinti, de Sünti (= der Synthesizer), manchmal auch für das Keyboard

    2. brevetto Says:

      Nicht zu vergessen:

      Ds Gröllhaldesaxophon = Alphorn
      Dr Heilsarmeekarabiner = Gitarre

      Uf-und-zue-More = Ein anderes Wort für „Heimetkomprässer“
      Quetschkommode = Ein anderes Wort für „uf-und-zue-More“ 😉

    3. Sandra-Lia Says:

      zzz.. duent jetzt doch ned so abschätztig zu dene schöne Inschtrument! Auso wirklich.. Schämed euch!

    4. HaegarCH Says:

      d’Grossmueter (Bassgeige)
      Chratzschiitli (Geige)
      Was häts schusch no alls?

    5. Res Says:

      Zuerst mal, eine wirklich tolle Site… ich musste beim lesen doch öfters wieder aufstehen, weil ich vom Stuhlegefallen bin (vor Lachen natürlich).

      Ein anderes Wort für Alphrn ist natürlich : Melchprissierene

    6. Guizza Says:

      Oder

      Psalmenvergaser = Harmonium

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