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Er traf den Entscheid beim Hinschied – Paradoxe Gedanken zum Sterben

(reload vom 4.4.07)

  • Kurze Wörter in der kleinen Schweiz
  • Die Schweizer pflegen in ihrer Alltagssprache eine ganze Reihe von Wörtern der Deutschen Sprache, die wir als Deutsche zwar erkennen, aber in der Regel nur nach kurzem Nachdenken auch verstehen können. Ein Schweizer hätte jetzt wahrscheinlich eher geschrieben: „Nach kurzem Nachdenk“ , denn der Trend geht zur Kürze in der Schweiz. Ursus & Nadeschkin prägten die Frage ans Publikum: „Verstehen Sie uns? Gut! — Begreifen Sie es auch?

    Aus der „Entscheidung“ wird so der „Entscheid“ bei den Schweizern, und aus einer „Unterbrechung“ ein „Unterbruch“, oder aus der „Badeanstalt“ die „Badi“. Ganz besonders deutlich wurde uns dies, als wir lernten, wie aus dem „Hinscheiden“ der schweizerische „Hinschied“ wurde.

  • Schied oder Shit?
  • So wie manche Schweizer beim Wort „lecker“ eine akustisch begründete Aversion und Scheu haben und es ungern für die Beschreibung von „feinem“ oder „guetem“ Essen verwenden, weil ihnen dieses Wort zu stark nach einem Fluch mit „Läck‘“ klingt, sorry, natürlich „tönt“, so geht es uns Deutschen ähnlich bei Wortkombinationen mit „Schied“.

    Es klingt, schön nordisch kurz gesprochen, eher wie „Shit“. Und das ist nicht nur Englisch, sondern Platt, denn auf dem Deich kommt die Rede oft aufs „Schietwetter“, dem echten Mistwetter, wenn der Regen quer fliegt. Dann sagt schon mal der Bauer Maas zu seinem Knecht: „Knut, guck mal, da drüben schwimmt ne Mütze! — Nee, dat is der Bauer Hein, der mäht bei jedem Wetter“.

    Drum sind wir froh, dass der „Schiedsrichter“ ein „Referee“ bleibt in der Schweiz. Unser Lieblingsbeispiel hierzu ist Urs Meier, dem Vorzeige-„Swiss-Referee“, der mit seinem Ausspruch „Das schleckt keine Geiss weg“ entscheidend zum Bekanntheitsgrad Schweizer Redewendung im Deutschen Fernsehen beitrug (vgl. Blogwiese).

    Doch nun zum „Hinschied“. Wir fanden es bei Google-De nur schlappe 1540 Mal belegt, hingegen bei Google-CH an 14‘900 Stellen,
    also 9 Mal so häufig! Auch unser Duden weisst es eindeutig als Schweizer Variante aus:

    Hinschied, der; -[e]s ( schweizerisch für Ableben, Tod)

  • Gorleben, Senftleben, Ableben
  • Wer beim Gedanken an den Tod das Wörtchen „Hinschied“ eher präsent hat als das „Ableben“, und wer dabei überhaupt nicht mehr an Ausscheidungen denkt, der hat das norddeutschen „Schietwetter“ weit hinter sich gelassen und plant vielleicht schon sein preisgünstige Urnenbestattung unter einem Baum im Wallis (vgl. Blogwiese)

    Erst beim „Hinschied“ den „Entscheid“ zu treffen stellen wir uns jedoch schwierig vor, wenn nicht gar unmöglich, speziell beim eigenen. Das ist so, wie wenn du morgens aufwacht und feststellt, du bist tot. Dann hilft nur noch auf Neujahr zu warten. Kommt ja bald.

    

    2 Responses to “Er traf den Entscheid beim Hinschied – Paradoxe Gedanken zum Sterben”

    1. Brenno Says:

      Hätte nicht gedacht, dass das Wort „Hinschied“ im deutschsprachigen Ausland so exotisch daherkommt, schliesslich gibt es ja auch noch den Abschied. Oder ist das etwa auch ein Helvetismus? Zumindest in der Redewendung „aus Abschied und Traktanden fallen“ dürfte dies zutreffen. Gemeint war damit ursprünglich die Verabschiedung eines Gesetzes oder eines Erlasses durch das Parlament

    2. Stefanie Says:

      Ein paar Tipps für ein Reisli durch die Schweiz, für Zugezogene und alle anderen, findet man im Reise-Blog der annabelle! „Rollkoffer, Reisepass & Rigutto“, http://reisen.annabelle.ch/?s=schweiz

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