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Let’s talk Hochdeutsch — Standardsprache nur in Parodien möglich

(reload vom 5.3.07)

  • Die Gänsefüsschen in der Luft
  • Es gibt da ein merkwürdiges Phänomen, dass wir als Deutsche in der Schweiz immer wieder beobachten konnten, wenn wir in in einer Gruppe von ausschliessliche untereinander auf Züritüütsch sprechenden Schweizern an der Kommunikation teilhaben wollten. Im beruflichen Umfeld wird je nach Lust und Sprachvermögen der anwesenden Schweizer weiter mit uns Mundart gesprochen, oder es wird „geswitched“ auf Hochdeutsch, oder es werden Mischformen gepflegt. Jeder Schweizer praktiziert das so wie er kann oder will oder mag oder nicht mag.

    In privaten Bereichen, sei es in einem Verein, in einem Chor oder sonstigen, nicht „professionellen“ Umfeld (apropos: Was sprechen eigentlich Damen im Zürcher Langstrassengebiet?) haben wir beobachtet, dass manche gut gelaunten und uns wohl gesonnenen Schweizer dann plötzlich begannen, mit uns in Anwesenheit ihrer Kollegen oder Vereinsmitglieder in einem perfekten hochdeutschen Hochdeutsch zu sprechen, allerdings sahen wir bei jedem Satz zwei „Gänsefüsschen“ in der Luft schweben.

    Amerikaner machen in solchen Gesprächssitutationen eine bestimmte Geste, in dem sie gleichzeitig mit der linken und rechten Hand hochfahren und die ersten beiden Finger jeder Hand kurz zweifach einknicken, um so zwei „Anführungszeichen“ in die Luft zu malen und damit anzudeuten, dass das so Gesagte nicht „wörtlich“ gemeint ist.

  • Hochdeutsch in Gänsefüsschen
  • Hochdeutsch zu sprechen geht also nur als „Parodie von Hochdeutsch“. Wir haben das mehrfach von Schweizern gesagt bekommen oder gelesen, dass für sie die Aussprache von deutschem Hochdeutsch zwar rein lautlich kein Problem sei, psychologisch aber nur schwer über die Lippen komme. Das sei so ähnlich, wie wenn ein Deutscher im Englisch Unterricht plötzlich kein „Schulenglisch“ mehr spricht, sondern den breitesten Texas-Akzent hinlegt oder einen rollenden „Scottish-accent“ zu Gehör bringt.

    Der Leser Giacometti schrieb:

    Wenn ich will, kann ich gut Hochdeutsch sprechen – aber wenn ich das tue, verfalle ich jeweils automatisch in die Parodie. Alles, was ich dann sage, ist ironisch gemeint. Ernsthaft Hochdeutsch sprechen geht nicht – das klingt einfach zu doof. Man will sich ja einen gewissen Selbstrespekt bewahren. Nicht weil es “schlecht” klingt, sondern weil das nicht ICH bin.
    Gleichzeitig spreche ich mit Genuss andere Fremdsprachen, und wie mir oft bestätigt wird, auch mit einem gewissen Talent, was die Aussprache und Intonation betrifft.
    (Quelle: blogwiese)

  • Hochdeutsch nur im „Parodie-Stil“?
  • Es ist also nicht angesagt und schon gar nicht gesellschaftlich möglich, als Schweizer in Anwesenheit von anderen Schweizern ohne mit den Wimpern zu zucken auf Hochdeutsch umzuschalten, es sei denn man deutet dabei an: „Achtung, ich mache mir jetzt mal einen Jux“. Oder, „Jetzt reden wir mal aus Spass so wie die Deutschen“. Das nennt man in der Schweiz übrigens „angekündigte Ironie“.
    Die in einer solchen Situation anwesenden Deutschen würden es wahrscheinlich gar nicht merken, dass deutsches Hochdeutsch sprechen für einen Schweizer etwas anderes ist, als „helvetisches Schriftdeutsch“ laut zu äussern.

    Nach einer Weile pflege ich dann nachzufragen: „Bist Du eigentlich Schweizer?“ Vielleicht ist das der Moment, in dem unser Gegenüber die Angst bekommt, in seiner Identität nicht mehr wahrgenommen zu werden und dann flugs auf Schweizerhochdeutsch weiterspricht.

    Bei Kindern und Jugendlichen haben wir diese merkwürdige Hemmschwelle der Schweizer übrigens seltener beobachtet. Die plappern im originalen TV-Total-Ton los, oder je nach Alltagsgruppe hört man auch Peter Lustigs „Dürft ihr nicht machen, ist viel zu gefährlich“ Aussprache heraus.

  • Welches Englisch im Englischunterricht?
  • Als ich Englisch lernte, war es äusserst verpönt, einen speziellen britischen oder amerikanischen Akzent zu sprechen. Gefragt war deutsches „Schulenglisch“, damit auch jeder in der Klasse es verstehen konnte. Die Grundhaltung hat sich in der Fremdsprachendidaktik in der Zwischenzeit geändert. Wer Kinder in Baden-Württemberg beim Englischunterricht belauscht wird feststellen, dass dort sehr genau auf das britische Lautbild geachtet wird und dass die verwendeten Hörbeispiele der Lektionstexte alle von britischen Nativspeakern aufgenommen wurden. Wir gehen davon aus, dass es in der Schweiz genauso gehandhabt wird.

  • Helvetisches Hochdeutsch ja oder nein?
  • Beim Deutschunterricht gehen dann die Meinungen auseinander. „Mut zum helvetischen Hochdeutsch“ fordern die einen, und „Wie werde ich zum sprachlichen Chamäleon?“ praktizieren die anderen. Es gibt da diese Hemmschwelle: „Ernsthaft Hochdeutsch sprechen geht nicht – das klingt einfach zu doof. Man will sich ja einen gewissen Selbstrespekt bewahren. Nicht weil es “schlecht” klingt, sondern weil das nicht ICH bin“

    Warum klingt es „doof“, einen Standard zu sprechen? Hätten wir auch Probleme damit, Oxford-Englisch oder Pariser Französisch zu sprechen?

    Es haben uns auch Schweizer berichtet, wie ihnen im Deutschunterricht sehr pragmatisch die helvetische Aussprache abtrainiert wurde, wie man ihnen die perfekte Tarnung für den nächsten Deutschlandbesuch beibrachte.

  • Wenn Deutsche Schweizer parodieren
  • Deutsche kennen die Schweiz in der Regel nur aus dem Skiurlaub, von der Durchfahrt nach Südfrankreich, von den Schaltungen bei Thomas Gottschalk und durch die alten Emil-Folgen. In Unkenntnis der Schweizer Dialektvielfalt meinen Sie oft, mit ein paar „li“ am Ende der Wörter und einigen Krachlauten beim „ch“ sei Schweizer Mundart leicht zu parodieren.

    Warum wird eigentlich nicht zur besten Sendezeit in Deutschland ein Film wie „Strähl“ über das Drogenmilieu der Zürcher Langstrasse ausgestrahlt, original mit hochdeutschen Untertiteln (Beispiel siehe Trailer) , um so alle Klischees von der gemütlichen und langsamen Schweiz und ihrer „putzigen“ Sprache zu zerstören?

    Straehl als Sprachkurs für Deutsche
    (Quelle Foto: straehl.net)

    Die am häufigsten zu hörende Lautfolge in diesem Film ist übrigens der Ausdruck „Figgdii!“, mit dem keine Feigenfrüchte gemeint sind. Das Beispiel half uns endgültig die Erfahrung „Schweizer fluchen nicht“ ad Akta zu legen. (vgl. Blogwiese).

    Doch, das ZDF strahlte am 9.7.2006 den Film aus, jedoch erst um Mitternacht. Solche Filme bringen mehr „sprachliche Aufklärung“ über die Schweiz als jeder Kurs bei einer Migros-Clubschule. Zwar wurde auch der Lausbubenfilm „Mein Name ist Eugen“ mit einigem Erfolg in Deutschland in den Kinos gespielt, jedoch in einer rein synchronisierten Fassung. Untertitel hätten unserer Meinung nach ausgereicht, um die wunderbaren alten Berndeutschen Schimpfwörter zu erhalten. Hier eine Umfrage zum Film von der Webseite:
    Schimpfwörter aus Eugen
    (Quelle Foto: eugen-film.ch )

  • Triglossie oder Diglossie?
  • Bleibt zum Schluss die Frage zu beantworten, ob die sprachliche Zukunft der Deutschschweizer eher in einer Triglossie (Mundart, helvetisches Hochdeutsch, deutsches Hochdeutsch) oder in einer Diglossie (Mundart plus eine weitere Variante) zu suchen ist. Wer die Ansicht vertritt, es reiche aus, neben seiner gesprochenen Mundart die helvetische Hochdeutsch-Variante zu beherrschen, verbaut sich damit den Weg nach Deutschland. Denn dort über Jahre diese Variante im Gespräch mit Norddeutschen oder Berlinern durchzuhalten, das braucht eine Menge Selbstbewusstsein und Standhaftigkeit gegen den permanent aufblitzenden „Jöö-Faktor“.

  • Worauf ich mir dann schwor, ich werde Redaktor
  • Wer nie vor hat, nach Deutschland zu gehen und sich lediglich in der Schweiz mit Ausländern auf Hochdeutsch verständigen möchte, für den reicht die Diglossie mit der helvetischen Schriftdeutschvariante allemal. Falls es dann doch einmal zu einem literarischen Erfolg kommt, müssen die Verlagslektoren darauf achten, ob sich ein „es tönt“ an Stelle von „es klingt“ in den Text verirrte, oder „wir sind es uns gewohnt“ an Stelle von „wir sind es gewohnt“ zu lesen ist. Redakteur, sorry, „Redaktor“ des Tages-Anzeigers ist mit perfekt beherrschtem helvetischen Schriftdeutsch auf jedem Fall eine mögliche berufliche Perspektive.

    

    26 Responses to “Let’s talk Hochdeutsch — Standardsprache nur in Parodien möglich”

    1. mista lovalova Says:

      Also ich denke Mundart und deutsches Hochdeutsch (so gut es eben geht) ist der richtige Weg. Ich kenne so gut wie Niemanden meinem Umfeld der das deutsche Hochdeutsch nicht beherrscht, da eigentlich alle privat und beruflich mit Deutschen zu tun haben und auch das eine oder andere mal in Deutschland zu besuch waren (ob jetzt Praktikum, Studium, Arbeit oder Freunde besuchen). Das ganze Thema wird wohl früher oder später nicht mehr relevant sein.
      Bei mir hat noch kein Deutscher in Deutschland vor den ersten 30 Minuten Gespräch überhaupt gemerkt, dass da irgendwas nicht stimmt 😉
      Dennoch, viele Deutsche sprechen ja auch kein Hochdeutsch, sondern nur Dialekt. Das ist mir vor allem einige male in Berlin und Ostdeutschland aufgefallen. In München, Heidelberg, Kassel, Stuttgart, Frankfurt, etc. hingegen konnte eigentlich jeder auf Hochdeutsch „umschalten“.

    2. Brenno Says:

      Ein weit zurückliegendes Zeugnis für die Schwierigkeiten der Schweizer mit dem Hochdeutschsprechen liefert uns der österreichische Schriftsteller und Theaterkritiker Hans Weigel in seinem Buch „Lern dies Volk der Hirten kennen“ . – 4. Aufl. . – München 1969. Interessant an diesem Beispiel ist der Umstand, dass das Problem gerade lautlicher oder vielmehr körperlicher Art ist. Die nachfolgend geschilderte Szene spielt ungefähr im Jahre 1915:
      „Ich war mit sieben Jahren in Arbon am Bodensee, der Heimat meiner späteren Tante, welche die Wiener Oper „ganz nett“ fand. Ein etwas älteres Nachbarskind – das Margritli genannt, wenn ich mich richtig erinnere – war als Gespielin problematisch, da ich sie nicht verstand. Es stellte sich heraus, dass sie hochdeutsch sprechen konnte, aber nicht recht wollte. Von einer nationalen Abwehr gegen Deutsches war damals noch keine Rede. Ich fragte nach dem Grund der Abneigung. Margritli sagte: “ Es tut uns am Gaumen weh.“

    3. maarc Says:

      Migros Klubschule schreibt man mit K! Ist Allgemeinbildung und sollte klar sein, habe es schon oft falsch geschrieben gesehen in deinem Blog.
      gruss

    4. pfuus Says:

      „Jetzt reden wir mal aus Spass so wie die Deutschen“

      Das lässt sich zuweilen schon bei 4-5 jährigen beobachten. Natürlich mit freundlicher Unterstützung der Eltern, welche die „Gänsefüsschen beisteuern.

      Beim Parodieren im Allgemeinen und des Hochdeutschen im Besonderen, greift man ja auf ganz konkrete innere Vorbilder zurück und kostümiert sich sozusagen mal (von ganz böse- unsympathisch- halbwegs sympathisch, weil einfach gut..) als „Pickelhaubenhauptmann „ , „Nazi“, unangenehmer Tourist o. deutscher Arbeitskollege , Raab, Helge Schneider etc. oder einfach als die deutsche Figur, die familiär vererbt wurde.
      Ohne Kostüm(Marco Rima) habe ich von Schweizern noch nie fliessendes Hochdeutsch gehört, weder bei Vorträgen noch im Rundfunk o. TV.
      Es geht die Deutschen ja im Grunde auch nichts an, ob Herr und Frau Schweizer Hochdeutsch nun mögen, sprechen wollen, beherrschen, oder auch nicht, gäbe es nicht jene, die es bei Deutschen in Bezug auf Fremdsprachen dann allzu genau nehmen, ja zu„Tüüpflischisser“ werden.
      Hierzu ein kurzes Beispiel:

      D. Schau mal da, die Ballons(gesprochen wie geschrieben)

      CH: Warum sägget ihr Tüütsche immer Ballon(gesprochen wie geschrieben)
      „Ballon“: ( jetzt franz. Ausgesprochen) c’est francais!

      Es ist auch keine Seltenheit, dass Bundesdeutsche Dialekte als „gruusig“ ,und Begriffe wie „lecker“, „Nachtisch“ oder „Eisdiele“ als Merkmal schlechten deutschen Geschmacks gewertet ,die eigene Mundart und die Begriffe wie „s’isch fein gsi“ und „Dessert“ als heiliger Gral für Identität und guten Geschmack hochstilisiert werden.
      Ja, zuweilen kommt man ungewohnt arrogant daher. Meist wird Arroganz als gesichertes kompensatorisches Zeichen eines Minderwertigkeitskomplexes gesehen, auch wenn sie zuweilen als Projektion in Erscheinung tritt.

      Übrigens: Deutschland ist für Schweizer Karrieren unerheblich, weil diese gleich in Übersee starten.

    5. Smilla Says:

      Zu mir hat mal ein züridüütschsprechender Freund gesagt: „Donnerwetter, die Pfarrerin aus Deutschland hat total viel Gefühl in die Predigt eingebracht. Man hat gar nicht mehr gemerkt, dass das Hochdeutsch war.“

    6. der Denkende Says:

      Was ich an dieser stelle einmal sagen wollte:

      Als ich in die Oberstufe kam, lernte ich dort jemanden aus Deutschland kennen. Er war gerade frisch hier hergezogen. Wir haben heute noch viel Kontakt und sind gute Kollegen.
      Es ist nur so, dass ich die ersten zwei Jahre mit ihm immer Hochdeutsch gesprochen habe (Seine Eltern meinten sogar mit der Zeit, dass ich wirklich gut darin sei), jedoch sagte er mir nach ca. zwei Jahren ich solle damit aufhören, Zitat:“es kling beschissen“.

      Seit her spreche ich immer Mundart mit den Deutschen. Ausnahme ist, wenn ich in Deutschland bin oder sie mich nicht verstehen. (Aber hat mich noch nie jemand wegen meines Schweizerakzent angesprochen 😉 )

    7. LaukeMedia Says:

      Na endlich! Züri wird satirisch!

      ‚S isch guat so!

      http://www.hauptstadt-magazin.ch/

    8. neuromat Says:

      @ pfuus

      Schweizer Karrieren starten nicht in Uebersee, sondern im Weltall. Und wie passend hierzu der „Beobachter“ mit seiner Analyse, warum „wir Schweizer Weltmeister im Erfinden sind“ …

    9. pfuus Says:

      @Brenno

      Margritli sagte: ” Es tut uns am Gaumen weh.”

      Böse Leute würden jetzt behaupten:“ Spielt es jetzt eine Rolle, ob es in der Kehle(s‘ chroosed), oder am Gaumen weh tut?“

    10. Anästhtätiger Says:

      Laut Statistik sollen 70.000 Menschen in der Schweiz an Schizophrenie erkrankt sein. Also rund 1% der gesamten Schweizer Bevölkerung.

      Mögliche Symptome (Quelle: gesundheitstipp.ch):

      – Sozialer Rückzug
      – Sprachverarmung
      – Gefühlsverflachung
      – Überempfindlichkeit gegen Licht, Farben, Gerüche und Geschmack
      – Die Angst, verfolgt zu werden
      – Beziehen der ganzen Umwelt auf sich selbst
      – Nicht nachvollziehbare Gedankengänge
      – Unverständliche Sprache, unkontrollierter Redefluss

    11. Matthias Says:

      Ob es dieses Phänomen in der Romandie auch gibt und sich Genfer über Leute aus Lyon auslassen, oder Einwohner aus Locarno über die Nachbarn in Milano?! Muss wohl an den Wurzeln germanischer Stämme liegen sich nicht zu mögen! 😉

      Tja, so ist das nun mal … ob man es will oder nicht, ändern kann man es nicht – ob nun Schweizer Mundart, bayrisch, schäbisch, platt & kölsch kommen alle vom gleichen allemannischen Ursprung … das muss man wohl auch in CH akzeptieren.
      Oder man schwenkt gleich komplett um auf arabisch … da haben wir ja auch so’n schönes „ch“ im Gaumen … und es gibt gleich wieder mehr Minarette in der Schweiz, gell! 😉

    12. Yogibear Says:

      @ der denkende (???)

      (Aber hat mich noch nie jemand wegen meines Schweizerakzent angesprochen 😉 )

      Ja klar! NEIN…dazu sind wir Deutschen einfach zu höflich und nehmen den strakkken Akkkzent halt einfach hin!

      Hast mi?

    13. pfuus Says:

      Aktuell zum Thema(Heidi’s sheets):

      http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Wie-deutsch-kann-Schweizer-Boulevard-sein/story/21017588

      Ringier:
      „Wir holen die Deutschen nicht, weil wir germanophil wären, sondern weil wir Leute brauchen, die ihr Handwerk erlernen konnten.“

      Die Tonart dürfte somit bekannt sein!

      Hier beweist einer, dass der Unterschied nämlich nur in den Substantiven liegt, der Rest des Satzbaus spielt keine Rolle:

      Das ist skandalös und absolut nicht akzeptabel. Die Schweiz hat eine ganz spezifische deutsche Hochsprache. Wenn ich mein GIPFELI auf dem Weg zur BUEZ nur schwer essen kann, weil ich den Passanten mit meinem TROTTINET kaum ausweichen kann, kommt mir in den Sinn, dass ich doch besser das MORGENESSEN im Tram (EIN)genommen hätte. Solche Sätze macht kein Deutscher und das muss gepflegt werden.

      Lauter Heidis:

      „der Tagi hat auch so Anfaelle von Euro-Deutsch: wie Jungen (statt Knaben) oder Maedel. Brechreize verursachen auch Zuericher Bahnhofstrasse oder Baseler Fasenacht. Dies sind freche Zumutungen von einer stillen Unterwanderung.

      „verschont uns mit euren teutonismen. wenn ich „butterstulle“ lese, werfe ich die zeitung weg. nach den „jungs“ kommen unvermeidlicherweise auch die „mädels“ (bund deutscher mädels). “

      „fast schon wie moderne kriegsführung…die deutschen haben die schweiz längst übernommen. nur merkt es noch keiner.“

      Ein Kenner:

      „Der deutsche Stil ist nicht nur am unterschiedlichen deutsch zu erkennen, sondern in erster Linie am Mentalitätsunterschied zwischen Deutschen und Schweizern. Dies drückt sich vorallem in der Berichterstattung aus, das sich in Deutschland mehr in Richtung „so und nicht anders ist es“ und „eine andere Meinung ist nicht gefragt.

      „Goal wird zu Tor, Spital zu Krankenhaus etc. etc., dies ist nicht nur beim Boulevard so, auch beim SF usw.“

      Also ganz wichtig:

      liebe deutsche Schreiberlinge: in der Schweiz gibt es Poulet, keine Hähnchen!

    14. Jelishja Says:

      oh mann.. da bekomme ich doch glatt heimweh 🙁 Ich habe es umgekehrt gemacht und bin nach Deutschland ausgewandert mit meinen jungen 23 Jahren^^ Durch Zufall bin ich hier auf den Blog gestossen und lese mich hier seit über einer Stunde durch. So vieles ist wahr an deinen Erzählungen.

      Für mich ist das Hochdeutsche anfänglich auch eher Parodie gewesen. Ich habe mich mit Freunden gelegentlich über Deutsche lustig gemacht und gerne das Ruhrpott-Deutsch verwendet. Eigenartig… jetzt wohne ich in Essen 😀

      Mittlerweile fällt mir das Schweizerdeutsch schwer, weil es sich komisch anhört hehe. Aber Gott weiss, wie ich meine Heimat vermisse. So Dinge wie an dem Postschalter Schlange stehn. Ich komme mit dem Zahlungssystem in Deutschland absolut nicht klar. Und ja, ich bezahle meine Rechnungen stur 30 Tage nach Erhalt. Das sitzt so tief in mir drin, mir war bis heute nicht einmal bewusst, dass es hier keine 30 Tage Frist gibt O.o Und ich meckere nach einem halben Jahr immer noch bei den Unternehmen, dass die das Geld einfach so von meinem Konto abbuchen! Das geht mir nicht in den Schädel rein.

      Zu dem Thema Schnäppchen… nene, das stimmt so nicht. Die Deutschen jagen da eher den Schnäppchen hinterher. Das sehe ich an meinem Freund. „Oh ein Schnäppchen. Esse ich sonst nie, aber hey, ist ganze 2 Cent günstiger als sonst“ xD Da könnt ich mich jedes Mal von Neuem schlapp lachen.

      Über den Bunkermangel war ich auch erstaunt. Ich fühle mich ehrlich gesagt sogar etwas unsicher hier. Mir gefiel der Gedanke, dass ich im Notfall einen sicheren Ort direkt unter mir habe.

      Hach ja, es gibt hier noch so einiges was ich noch nicht gelesen habe, aber es in den nächsten Tagen nachholen werde.

      Mir fehlen so viele Dinge aus der Schweiz. Die Einbauküchen, die angenehmen Heizungen (was soll der Schrott mit diesen Elektrodingern?? Wer kam denn hier auf die Schnappsidee sowas zum Standart zu machen?), Behörden die länger als nur 5 Stunden täglich geöffnet sind (Deutsche Behörden sind faul… -.- ), die handelsübliche Mittagspause ab 12 Uhr… damit habe ich im Übrigen die meisten Probleme. Mir grummelt der Magen jedes Mal um 12 Uhr und ich bekomme dann noch keine Pause. Und die Pause dann auch noch gesetzlich erlaubt 30 Minuten pro Tag!!! Das ist doch igitt :S

      Hach ja… meine schöne Heimat.

      I däm Senn… ich gniess die Siite nochli. Fend si total enteressant ond loschtig. Au wenns mängisch ned ganz so stemmt hehe. Ah jo, SMS schriibi au emmer uf Schwiizerdütsch. Ich fende Dütschi SMS oder Mails vo Schwiizer total komisch^^

      Wönsche en guäti Nacht 🙂

    15. Heidi Says:

      Schön, dass für Deutsche unser Hochdeutsch so lustig tönt, dass sie sich köstlich dabei unterhalten. Umgekehrt klingt für mich manch deutsches Wort ebenso erheiternd. Wenn ich mir vorstelle, all die Dinge, die Deutsche lecker finden, aufzulecken, muss ich schon schmunzeln. Oder wenn ich in einem Ratgeber am Radio höre, ich solle meine Katzenkinder bespassen, muss ich mir erst mal den Bauch halten vor Lachen und komme somit gar nicht dazu, mit den kleinen Rangen zu spielen. Eine Eisdiele würde ich nur mit Nagelschuhen betreten, denn allein das Wort signalisiert doch schon: Rutschgefahr. Wer Sprache und Wortschatz der anderen ins Lächerliche zieht, begibt sich auf ziemlich glattes Parkett, denn es gibt hüben wie drüben Begriffe, die das Herz jedes Satirikers höher schlagen lassen.

    16. Schoggistaengel Says:

      lol, also das mit dem Straehl auf ZDF wär mal was. Ich fänds geil. Gar keine so schlechte Idee. Irgendwann würden wir vielleicht merken, dass wir eigentlich auch nur einen Dialekt sprechen. Ja gut, einer ist untertrieben, aber das wäre dann wieder ein anderes Thema.

    17. Smilla Says:

      Heute hat sich meine Schweizer Kollegin lautstark über eine typisch Schweizer Formulierung aufgeregt und zwar mit den Worten: „Wir schreiben hier Deutsch!“ Das fand ich spannend.

    18. neuromat Says:

      Hallo Heidi,

      Richtig: Wer Sprache und Wortschatz der anderen ins Lächerliche zieht, begibt sich auf ziemliches glattes Parkett. Darf ich Dir wieder aufhelfen? Sehr schöne Assoziation mit der Eisdiele. Bleib mal liegen, aber frier Dir den Arsch nicht zu sehr an.

    19. AnFra Says:

      @Heidi

      Nur für dich, mein eiskalter Engel.

      Heidi
      oder
      Das eiskalte Grauen

      Es kam geflattert mit eiskalter Briese,
      heruntergeschwebt auf Blogers Wiese,
      das Heidilein, aus der eisigen Alpenluft,
      möcht rausschaffen jedwelchen Schuft.

      Verlässt den liebsten Alpöhi geschwind,
      macht überall jedoch nur heftigen Wind,
      den geissigen Peter verlässt sie auch,
      in eisig Diele pflatscht sie auf den Bauch.

      Liegt dann erschrocken auf dem Rücken,
      Europa lacht diskret ob dieses Entzücken,
      ihre Hände greifen nach allen Knüppeln,
      will heimzahlen es den Teutonenrüpeln.

      Schlägt ein auf Germanen, den fiesen,
      damit die flüchten aus den Paradiesen,
      denn dann sei`s frei das Schweizerland,
      liege nicht mehr in teutonik Vögte Hand.

      Das arme Heidileinchen erkennet nicht,
      die Eisdecke, auf die sie schlägt, bricht,
      versinkt geschwind in eiskalten Fluten,
      was nun folgt konnt man nicht vermuten.

      In blinder Wut unterscheidet man nicht,
      ist es des Gegners oder eigen Gesicht,
      auf welches man da schlägt mit Macht,
      wenn Schädel und Eisdecke dann kracht.

      Denn schlägt man die Gegner zu heftig,
      trifft man auch die Eisdecke sehr kräftig,
      auf der Eisoberfläche gibt`s Reflektionen,
      vom Gegner und mir, welch Irritationen.

      Der Johanna Spyri ihre Moral ist diese,
      ihre liebe „Heidi“ ist niemals so miese.

    20. Florian Meier Says:

      Lieber Schweizer,

      um eins mal klarzustellen, die Sprache Deutsch stammt aus dem Land, wo Deutsch auch im Namen steht, nämlich Deutschland. Ihr dürft sie nutzen, wobei Euer Schriftdeutsch nur ein Sammelsurium aus verschiedenen Sprachen ist. Es heisst Bürgersteig und nicht Trottoir (franz.). Es heisst Eis und nicht Glacé (franz.). Es ist eine Frechheit, dass ihr Euch herausnehmt, diese schöne Sprache so zu verunstalten. Von mir aus nennt Eure Sprache Schweizerisch, aber nicht mehr Deutsch, denn Deutsch ist sie nicht!

    21. neuromat Says:

      Lieber Floria Meier

      welche Laus ist denn bei Dir ueber die Leber gehumpelt.

      Das rheinische „Tschö“ stammt auch aus dem Französischen, ne kurze Form von Adieu, das so an etwas lateinisch erinnert (Deus). Die Schweizer sagen halt Glace, na und, so ne Kugel Vanille“eis“ sieht ja auch aus wie ne Glatzé und bei Erdbeer, war dann jemand zu lange in der Sonne.

      Kann man alles ganz easy nehmen, ist auch kein Deutsch sondern Englisch. Trottoir sagt hier keiner, nur die Welschen, die anderen reden von Trottwar wie bei Gwafför. Erzählen uns dann aber immer, wie irre toll sie französisch können und glauben sie müssten bei Lena Reiher-Landwein das Englisch beurteilen. Darüber dürfen wir uns dann echauffieren, ähm aufregen, aber doch nicht wegen der Kleinigkeiten.

      Wenn die Sonntagszeitung vom Makel Deutscher zu sein spricht, und bis heute nicht den Funken eines gewissen Restanstandes besitzt, sich zu entschuldigen, dann können wir schon mal die Contenance verlieren. Dafür werden sie jetzt in die Sarrazin-Falle tappen. Eben schön zurücklegen. Wenn sie „besondere“ Worte benutzen, ist es doch eher eine angenehme Sache.

      Mit der Sprache ist das so: Weil jeder sprechen kann, denkt sie oder er man könne etwas dazu sagen.

      Damit meine ich nicht Dich persönlich. Und schon haben wir das schönste Sammelsurium. Was ist das eigentlich ein Surium zum Sammeln?

    22. Florian Meier Says:

      Ups, da habe ich doch glatt am Ende mein Smiley vergessen. Der Text war eigentlich ironisch gemeint 😉

    23. Guggeere Says:

      @ Florian Meier

      Das war jetzt wohl das, was Leute wie du mit Satire (= lateinisch) verwechseln, nicht wahr?

      Nur für den Fall, dass es dir tatsächlich ernst war, und auch ein bisschen zum Spass (= italienisch) lasse ich mich kurz auf dein Niveau (= französisch) hinunter:

      Dein Familienname ist lateinisch (der Grössere).
      Dein Vorname ist lateinisch (der Blumige).
      Lateinisch ist eine tote Sprache.
      Du bist also 1500 Jahre im Rückstand.

      Mit welchem Recht vergreift sich so einer an der deutschen Sprache des 21. Jahrhunderts? 😉

    24. AnFra Says:

      @Florian Meier

      Lieber Florian Meier,

      um unendlich mal klarzustellen, die Sprache Deutsch stammt nicht nur allein aus dem Land, wo Deutsch auch im Namen steht.

      Bei einem lässig-schnellen Überflug über die deutsche Sprachen kann gesagt werden: Hätten man die 2. Lautverschiebung und die entsprechenden Grundlagendominanten aus dem alemannisch-schwäbischen- Sprachraum nicht gehabt, könnte man nicht so hochdeutsch unqualifiziert schreiben wie in der obig gemeinten Schreibe.
      Da würden man wohl eine andersartige plattdeutsch-niederländisch-flämmische Hochsprache haben, die es so in Deutschland nicht / gotteisdank(?) gibt.
      Und nicht vergessen: Deutschland ist so gesehen sicherlich die größte Tochter der riesigen ollen Mutter Germania, jedoch gibt’s noch weitere, wenn auch etwas kleinere Töchter, die dadurch jedoch nicht unattraktiver sind, wie z. B. die Helvetia, Austria, Tyrolia, Flandria, Hollandia-Friesia, teilweise Bohemia uam.

      Florian, oller Zündler, immer schön im germanischen Stammbuch nachschauen und nicht etwa der sarrazinischen Gentheorie folgen wollen.

      Es taucht trotzdem das unsichere Gefühl auf, ob mit diesem Florian Meier hier etwa eine pawlowsche Hundefalle errichtet wurde.

    25. Florian Meier Says:

      Na, was ein vergessener Smiley so alles anrichten kann. Ich bin ja begeistert 😛

    26. Christian (der Andere) Says:

      @Jelisha

      Jetzt wirst du aber ungerecht, der einzige Grund warum Schweizer eher weniger auf Schnäppchen aus sind ist, dass es in der Schweiz kaum Schnäppchen gibt. 😀

      In der Migros hätte ich wahrscheinlich immer das Gefühl, übel abgezockt zu werden.

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