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Der Schweizer als Reisemangel — Trachtenkapelle statt Karibiksound

(reload vom 9.2.07)

  • Drei Menschen sind Vieh
  • Eine Bauernweisheit, die wir im Schwabenland lernten besagt. „Ein Mensch ist ein Mensch, zwei Mensch sind ein Paar, drei Menschen sind Vieh“. Will meinen, dass jeder Artgenosse, sobald er in Massen auftritt, nicht mehr leicht zu nehmen ist.

  • Deutsche Handtücher am Hotel-Swimmingpool
  • Die Deutschen in der Überzahl am Strand von Mallorca stören, historisch gesehen, vor allen die Engländer, deren Anti-Deutsches Lieblingsklischee besagt, dass gerade diese Deutschen immer morgen extra früh an den Strand oder an den Hotelpool kommen, dort mit ihrem Handtuch einen Liegeplatz reservieren, und dann wieder boshaft eine weitere Mütze Schlaf holen gehen, nur um die Engländer zu ärgern. Das scheint für viele Briten eine echt leidvolle Erfahrung gewesen zu sein, diese vielen reservierten Liegen mit deutschen Handtüchern. Wie man ein deutsches Handtuch von einem britischen „towel“ unterscheiden kann war mir bei dieser Geschichte noch nie ganz klar. Vielleicht liegen die einen ehr rechts und die anderen mehr links auf der Liege? Keine Ahnung.

  • Auch Schweizer können zum Reisemangel werden
  • Der Schweizer als Reisemangel
    Wir lasen in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung , kurz WAZ, aus dem Ruhrgebiet in einem Bericht von Stefan Wette:

    Auf einer Karibik-Kreuzfahrt hatten die Deutschen sich gefreut. Als sie ihre Zimmer bezogen, stellten sie fest, dass von den 560 Gästen 500 aus der Schweiz kamen. Das allein ist sicher kein Reisemangel. Auch nicht der Umstand, dass die Reise der 500 von einem schweizerischen Folkloreverein veranstaltet wurde. Doch damit begann das Unglück, erkannt das Gericht mit einem Blick auf das Bordprogramm, das eigentlich karibische Klänge versprochen hatte: 9:30 Uhr Trachtentanz in der Galaxis Disco, 10 Uhr Kapelle „Echo vom Toedi“ beim Schwimmbad, 10:30 Uhr „Folklorechoerli“ in der Galaxis Disco. Überall, drinnen wie draussen, waren die Schrammelgruppen und Blaskapellen im Einsatz. Nicht einmal in ihren Kabinen waren die Deutschen sicher. Alle Borddurchsagen erklangen im unverfälschten „Schwyzer Dütsch“.

    Trachtenkapelle im Dauereinsatz

  • Trachtenkapelle statt Karibiksound
  • Den Schweizern selbst war kein Vorwurf zu machen. Die hatten ihren Landsleuten die Kreuzfahrt nämlich mit dem Versprechen einer „meisterhaft und sauber gespielten Volks-Blasmusik“ schmackhaft gemacht. „Das garantiert jenes einzigartige Gefühl, in einer grossen Familie geborgen zu sein“. Auch die Schiffsleitung tat ihr Bestes und bot beim mexikanischen Mitternachtsbuffet karibische Musik auf. Aber auch dieses Vergnügen hielt nicht lange an. Nach wenigen Minuten ersetzte eine schweizerische Trachtenkapelle die karibischen Klänge.
    (Quelle: WAZ 12.01.07 )

  • Als echter Reisemängel eingestuft
  • So wurde sogar

    „ein umgängliches Volk wie das der Schweizer als echter Reisemangel eingestuft (…) Zu diesem Urteil rang sich zumindest das Landgericht Frankfurt (Az: 2/24 S 341/92) durch und verurteilte einen Reiseveranstalter, seinen deutschen Urlaubern 30 Prozent des Reisepreises zu erstatten.“
    (Quelle: WAZ 12.01.07)

    Besonders krass muss diese Situation auf dem Kreuzfahrtschiff den Deutschen vorgekommen sein, weil es ja dort kaum Fluchtmöglichkeiten gibt.

  • Die Holländer-Kolonie in Österreich
  • Auf einem Tiroler Campingplatz sahen wir uns einmal von hunderten freundlichen Holländern umringt, was zunächst sehr nett schien, uns dann aber in den Morgenstunden gegen 3:30 Uhr beim nicht enden wollenden „Lustigen Heimatabend“ mit zahlreichen lautstark gegrölten Saufliedern die Erkenntnis einbrachte, dass keine Nation dagegen gefeit ist, sich im Ausland daneben zu benehmen und für über die Stränge zu schlagen.

    

    9 Responses to “Der Schweizer als Reisemangel — Trachtenkapelle statt Karibiksound”

    1. Fabian Says:

      Ich als Schweizer möchte in meinem Urlaub meiner Heimat möglichst weit entkommen. Das *letzte*, was icc auf einer Kraibik-Kreuzfahrt hören möchte, ist Schwyzerörgeli und Alphörnrer.
      Aber ich frage mich ja auch ab denen, die tausende Kilometer in den Urlaub fliegen, nur um da in eine schweizer Bar zu sitzen, Florian Ast zu hören und Gummibärli zu saufen (Stichwort „Zic Zac“ in Aya Napa).

    2. neuromat Says:

      Das mit den Handtüchern stimmt so natürlich nicht. Wer ist schon so hirnrissig wegen ein paar Holländern oder Engländern frühmorgens aus den Betten zu hüpfen. Könner blockieren die Liegen schon am Vorabend, sägen die englischen an und verstecken tote Ratten unter den Handtüchern von den Holländern. (Es soll ja auch Nationen geben, die ihre Kinder abendlich auf den Liegen deponieren).

      Was gab es denn auf der Karibikfahrt zu essen? Käsefondue a la créole, Kochbananenrisotto und so weiter. Jeden Abend eine Fernsehansprache von Hans Rudolf Merz, damals Präser in spe. Manch Schweizer soll sich bis heute nicht sicher sein, ob er wirklich für die Kreuzfahrt das Land verlassen hat.

      Was können wir lernen? Völlig unterschiedliche Kulturen diese Schweizer und diese Deutschen. Die einen machen ne Karibikkreuzfahrt mit meisterhaft und sauber gespielter Volks-Blasmusik mit jenem jeinzigartigen Gefühl, in einer grossen Familie (auch Sekte genannt) geborgen zu sein. Und die anderen fahren in die Südsee, singen Oh du schöner Westerwald und haben das Gefühl eine einzige grosse Familie zu sein. Diese Unterschiede sind einfach unvereinbar.

    3. Holger Says:

      „Westerwald“? Singt man das nicht nur bei „Y-Reisen“? Hier ein kleiner Werbefilm des Veranstalters – vielleicht bekommt der eine oder andere Leser ja Appetit auf solch eine Kreuzfahrt: http://www.youtube.com/watch?v=Ib43gpKTxjs

    4. neuromat Says:

      ähm zum Thema „Kolonien“:

      „Geht es nach SVP-Präsident Toni Brunner und seinem Fraktionschef Caspar Baader, dann ist Schwäbisch bald der meistgesprochene Schweizer Dialekt. Und die grösste Schweizer Stadt heisst neu Stuttgart.“

      http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/SVP-will-der-Schweiz-Nachbargebiete-einverleiben/story/23529806

    5. AnFra Says:

      Habe aus patriotischer Heimattreue bei meiner milit. Stammeinheit (Raketen mit atom. Gefechtsköpfen) nachgefragt, ob nun die Reserveeinheiten wegen der Schweizerbedrohung aufgestellt würden.

      Nein war die Antwort, die dt. Südgrenze würde durch die freiwillige Feuerwehr aus Konstanz verteidigt. Man solle sich dort beim „Stosstrupp SVP“ melden. Die würden diese „Schweizer vigilantischen Pantoffelhelden“ und ihre heißen Köpfen mit dem großen F-Schlauch abkühlen und vertreiben.

      Maurers Kasperltruppe braucht wohl neue Aufgaben, diese „beste Truppe der Welt“.
      Die Schweizer SVP-Verwirrung hat einen neuen Namen: CHAOS! (Schweizerisch-alemannisch orientierungslose Simpel)

      Die etymologische Herkunft zeigt diese SVP-Geisteshaltung unbarmherzig: Bei den neuzeitlichen schweizerischen „Irrläufern“ herrscht in deren Hirnen wohl ne „klaffende Spaltung“ und „gähnende Leere“. Ne tolle Brand-Kette: Adolf, Toni, Casper, Dominique, Ueli und andere Confoederations-Hansels. Volk ohne Raum = Volk ohne Hirn.

      PS: Bei der freiwilligen Feuerwehr Konstanz gibt’s nun auch ne internationale Lösch-Brigade, für aufrechte Schweizer sogar mit D-Schläuchen.
      Wollmemarschauen was der Christusträger als Nothelfer, der Irre vom Berge, so von sich noch absondert.

    6. Milena Says:

      Das ist ja mal ein richtig liebenswürdiger und mitfühlender Vorschlag der SVP.

      (Ist die Meldung eigentlich echt oder nur ein falsch datierter Aprilscherz?)

      Also von mir aus kann BaWü der Schweiz gerne beitreten. Fragt sich nur, ob die vergrößerte Schweiz danach auch noch jene Schweiz ist, die sich Herr Baettig vorstellt… Aber mal im Ernst: Wäre Europa wirklich demokratisch und wären die Bürger wirklich die Herren im eigenen Land und auf dem ganzen Kontinent, dann dürften sie auch die Grenzen neu ziehen. Ganz friedlich und entsprechend ihren Mentalitäten. Andererseits wären Grenzen und Nationalstaaten auf diesem Traumkontinent sowieso ohne Relevanz und die Staaten, die aus Tradition noch existieren, würden sich respekt- und rücksichtsvoll gegenüberstehen, ebenso wie allgemein die Menschen und Interessengruppen. Also doch ein ganzes Stück anders als es heutzutage übliche ist.

      Ich weiß gar nicht recht, wie ich den Vorschlag von Herrn Baettig einschätzen soll. Einfach nur als ulkig oder doch eher als idealistisch und hilfsbereit, weil er sich so rührend um das Wohl der Menschen in den Nachbarregionen sorgt? Mir scheint, es ist eine SVP Eigenschaft, interessante und wichtige Dinge anzusprechen und trotzdem danebenzuliegen. Gut, wenn man sich dabei wenigsten amüsieren kann. Aber mal Hand aufs Herz: Ist es denn wirklich besser, was andere Parteien dies- und jenseits der Grenze von sich geben?

      Es ist durchaus wahr, dass Grenzziehungen manchmal sehr willkürlich sind, wenn man die Mentalitäten der getrennten oder vereinten Volksgruppen betrachtet. Auch wahr ist es, dass verschiedene Mentalitäten Spannungen ergeben können. Doch ebenso wahr ist es, dass ein gewisses Bewusstsein über diese Problematik diese bereits beenden würde, wenn sie überhaupt auf einer realen Grundlage beruhen sollte. Oftmals regiert da nämlich die Einbildung. Verschiedene Mentalitäten und die Wo-auch-immer-Grenzen müssten kein Hindernis sein, um friedlich miteinander auszukommen und sich dem anderen gegenüber schlicht und ergreifend anständig zu verhalten.

      Leider zerplatzt im Moment der Traum eines vereinten Europas in Frieden und Wohlstand. Schade, es war eine wirklich gute Idee, die dreistem Betrug und Betrügern zum Opfer gefallen ist. Da ist es durchaus verständlich, wenn sich die gebeutelten und betrogenen Bewohner nach Alternativen umsehen. Warum dann nicht die Schweiz? So viel Demokratie gab und gibt es nirgends. Auch wenn die Schweiz nicht meinen eigenen Sehnsüchten entspricht und ich nur unter Zwang und mit viel Bestechungsgeld dorthin zügeln würde, bleibt dies trotzdem eine Tatsache.

      Zu dem Kreuzfahrtschiff mit dem Folkloreverein:
      Was ist seltsam daran, wenn Menschen mit dem, was sie mögen und womit sie sich identifizieren, in die weite Welt hinaus reisen, die auch Schönes zu bieten hat? Schließlich sind sie friedlich und keine Eroberer. Ich finde das eher eine sonnige Meldung. Ärgerlich ist es nur für jene Urlauber, denen karibische Klänge versprochen worden waren und die man darum betrogen hat.

    7. Archer Says:

      Wenn Ba-Wü zur Schweiz übertritt, gibt’s einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg zwischen Badenern und Schwaben…

    8. Guggeere Says:

      @ Neuromat
      Dass es so problemlos möglich ist, den Übergang von der Blechmusik-Folklore-Kreuzfahrt zum kreuzdümmsten Vorschlag der Schweizerisch-Völkischen Politsekte seit Menschengedenken zu schaffen, kann gar kein Zufall sein; es zeugt vielmehr vom hohen Grad an «unité de doctrine» in jenem Milieu.

      @Milena
      «(Ist die Meldung eigentlich echt oder nur ein falsch datierter Aprilscherz?)»
      Die meinen es tatsächlich ernst; ich kenne persönlich mehrere SVPler, die schon lange so denken. Jetzt wissen wir, wofür Verteidigungsminister «Hanf»-Ueli Maurer (SVP) seine «beste Armee der Welt» üben lässt… 70 Jahre nach dem deutschen Gröfaz (grösster Feldherr aller Zeiten) haben wir in der Schweiz den Gröbaz (gr. Blocher a. Z.) und seine Bauchrednerpuppe Läbaz (lächerlichster Brunner aller Zeiten – oder, je nach Vorliebe, Baader oder Baettig).

      «Zu dem Kreuzfahrtschiff mit dem Folkloreverein:
      Was ist seltsam daran, wenn Menschen mit dem, was sie mögen und womit sie sich identifizieren, in die weite Welt hinaus reisen […]?»
      Für mich verkörpert so was das ultimativ Helvetozentrische und «Füdlischweizerische»; noch viel peinlicher als in Deutschland die Auftritte von Gotthilf Fischer und seinen Chören. Für die allermeisten Schweizer käme es allerdings einer Höchststrafe gleich, an einer solchen Kreuzfahrt teilzunehmen. Schlage deshalb vor, das Strafrecht entsprechend zu ergänzen.

    9. Schweizurlaub Says:

      Ich habe schon viele Reisen mit Schweizern unternommen und auch etliche Schweizer Freunde und kann dem Ganzen überhaupt nicht zustimmen. Die sind echt ein lustiges Völkchen und Verreisen mit Schweizern macht einfach nur Spass. LG aus München

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