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Ist Waldmeisterlimonade typisch Deutsch? — Götterspeise in Deutschland und in der Schweiz

  • Eine Limonade für 40 Pfennige
  • In meiner Kindheit kauften wir uns am Kiosk, was im Ruhrgebiet „an der Bude“ genannt wird, an heissen Tagen gern ein Glas Waldmeister-Limonade. Kostete 40 Pfenning, schmeckte herrlich künstlich und war grün. Auch als Pudding oder Götterspeise konnte uns der Geschmack begeistern. Ein echter Kindheitstraum war, einmal in einer Badewanne voller Waldmeister-Götterspeise zu sitzen und zu warten, dass es fest wird, um sich anschliessend rauszufressen. Leider wurde da nie was draus. Das Produkt „Götterspeise Waldmeister-Geschmack“ wird von Dr. Oetker produziert.
    Wackelpudding Waldmeister
    (Quelle Foto: essen-und-trinken.de)

    Der Klassiker unter den Dr. Oetker Götterspeisen ist die Götterspeise Waldmeister-Geschmack. Ganz besonders reizvoll sieht die Götterspeise aus, wenn man sie vor dem Servieren in Würfel schneidet. Seit 1920 ist Dr. Oetker Götterspeise bekannt als erfrischende Speise für die Sommermonate. Wegen ihres erfrischenden Geschmacks, ihrer wackeligen Konsistenz und ihrer faszinierenden Farbe ist Dr. Oetker Götterspeise Waldmeister-Geschmack immer wieder ein großes Vergnügen! (Quelle: Oetker.de)

  • Ist Waldmeister ein typisch deutscher Geschmack?
  • So oft ich Schweizer, Franzosen, Engländer oder Skandinavier frage, ob sie wissen, wie Waldmeister schmeckt, bleibt die Antwort aus. Ist das wirklich nur in Deutschland bekannt? Wer mal als Tourist in Berlin war, kennt die Berliner Weisse „mit Schuss“, also eine Schale Weissbier mit einem Schuss Rot (=Himbeersirup) oder Grün (Waldmeistersirup), an heissen Tagen mit dem Strohhalm geschlürft, damit es auch gleich schön zu Kopfe steigt. Ein billiges Besäufnis also, nicht nur in Berlin beliebt.
    Berliner Weisse it Waldmeister
    (Quelle Foto: wikipedia)

  • Kenne Sie Woodruff?
  • Aber Waldmeister als Limonade pur trinken? Auf Englisch heisst sie „Woodruff“, auf Französisch „Gaillet odorant“, doch trinkt das irgendjemand in England oder Frankreich? Die Amerikaner lieben ihr „Root Beer“ , das in Europa niemand über die Lippen kriegt. Sollten wir Deutschen allein Fans von Waldmeister sein?

  • Jägermeister trinkt man überall
  • Jägermeister für die ganz harten Kräuterschnaps-Fans, das verkauft sich in jeder Diskothek vom Nordkap bis nach Sizilien gut, doch Waldmeister gibt es nur manchmal in einer Maibowle. Es heisst auch „Maikraut“, und blüht von Mitte April bis in den Juni hinein.

  • Das Kraut mit den dämonischen Kräften
  • Bei essen-und-trinken.de lesen wir:

    Dem Kraut wurden früher dämonische Kräfte nachgesagt. Kühe, die nicht fressen wollten, wurden mit Waldmeister und Salz geheilt und Hexen mit einem Gemisch aus Waldmeister und Johanniskraut vertrieben. Kein Aberglauben ist, dass Waldmeister sich in vielerlei Hinsicht positiv auf die Gesundheit auswirkt. So gilt das Kraut als entzündungshemmend, entkrampfend und gefäßstützend. Den Kühen wird daher auch mehr die u.a. verdauungsfördernde Eigenschaft der Pflanze geholfen haben, als die ihr zugeschriebenen übersinnlichen Kräfte.

    Man kann richtig high davon werden:

    Die Inhaltsstoffe der Pflanze sind Asperulosid, Bitterstoffe, Gerbstoffe, ein Antraglykosid und ein Cumaringlykosid, das beim Vorgang des Trocknens Cumarin abspaltet. Das Cumarin wirkt beschwingend und kann bei leichter Dosierung hilfreich bei Kopfschmerzen und Migräne sein. Höhere Dosen dagegen können genau das Gegenteil bewirken und beides auslösen. Es gilt: nicht mehr als drei Gramm frisches Kraut auf einen Liter Flüssigkeit.
    (Quelle: essen-und-trinken.de)

    Nun, heutzutage passiert das garantiert nicht mehr, weil der Geschmack nur noch künstlich erzeugt wird.

  • Was ist Götterspeise in der Schweiz?
  • Bei Wikipedia lernten wir auch, das „Götterspeise“ in der Schweiz nichts mit Wackelpudding zu tun hat:

    In der Schweiz bedeutet Götterspeise eine ganz andere, mit dem englischen Trifle verwandte Süßspeise. Sie besteht aus Zwieback, Vanillecrème, Fruchtkompott (meist Apfelmus, Rhabarber oder Beeren) und Schlagrahm. Zwieback und Kompott werden in Schichten in eine Schüssel gefüllt, mit der kalten Crème und/oder dem Rahm übergossen und anschließend einige Stunden kaltgestellt. Oft wird Götterspeise als süßes Abendessen gegessen.
    (Quelle: Wikipedia)

    Vielleicht doch einmal den alten Kinderplan realisieren und mir eine Wanne voll mit Wackelpudding anrühren?

    

    9 Responses to “Ist Waldmeisterlimonade typisch Deutsch? — Götterspeise in Deutschland und in der Schweiz”

    1. Chaosblog Says:

      Das nenne ich doch mal Zufall!
      Erst diese Woche habe ich mich mit einer Schweizerin über Lebensmittel unterhalten. Sei es Schweizer Delikatessen, die ein Deutscher nicht kennt oder aber Deutsche Speisen die der Schweizer nicht kennt.
      Dort sind wir auch auf Waldmeister gekommen. Doch wie erklärt man jemanden den Geschmack von Waldmeister, der ihn nicht kennt?
      Der für mich leichteste Weg wurde gewählt!
      Beim nächsten Besuch wird Waldmeister Wackelpudding angerührt.
      Gibt es den eigentlich auch in der Schweiz zu kaufen oder ist es wirklich eine Deutsche „Eigenart“?
      Als Wackelpudding Profi, kannst du mir vielleicht auch noch verraten, wieso man den Wackelpudding in Würfel schneiden soll?
      Ich futter ihn immer direkt aus der Schüssel.
      Gruß,
      Marcus.

    2. neuromat Says:

      Götterspeise löffelt man direkt aus der Schale. Natürlich gehört da Vanillesauce drauf. Nur so kann man zugucken, wie die dann in die entstandenen Löcher nachläuft.

      Frohe Ostern

    3. rap Says:

      muss dazu sagen, dass in Süddeutschland „Waldmeister“ völlig unbekannt ist, ja, das Wort hat man sicher schön gehört, aber wie das mundet? Keine Ahnung, hat die Migros das im Angebot? 😉

    4. Peter Says:

      Als Süddeutscher kann ich nur sagen, dass Waldmeister als Limonade bei uns in Bayern in meiner Kindheit (70er) weit verbreitet war. Das brachte uns wöchentlich der lokale, kleine Getränkehänlder ins Haus geliefert, so Flaschen mit Bügelverschluss. beliebt war auch Himbeeraroma, neben Zitrone (für Radler unentbehrlich) und Orange. Mit dem Verschwinden der lokalen Abfüller verschwand irgendwann auch die Waldmeisterlimonade, man trank dann Cola, Fanta, Sinalco und SchwippSchwapp. Die grüne Götterspeise, ja, die war weniger bakannt…

    5. solanna Says:

      Waldmeister kennt man hierzulande tatsächlich vor allem von der Waldmeister-Bowle. Da es da aber meist noch mehr anderes drin hat als die Zweiglein mit den noch nicht ganz offenen, feinen, weissen Waldmeisterblümchen, die man wegen dem Cumarin zudem nicht allzu lange darin ziehen lässt, ist das Waldmeisteraroma nur dezent wahrnehmbar. Darum ist es kaum im Bewusstsein der breiten Bevölkerung (die wenn schon wohl eher Erdbeer-Bowle serviert oder serviert bekommt).

      Waldmeister-Bowle ist identisch mit Mai-Bowle, also im Zeichen des Immer-früher-Imports mitten in der Erdbeersaison oder eher an deren Ende.

      Ein einziges Mal habe ich ein Gütterli Waldmeistersirup gekauft, fand ihn aber sehr herb. Ich habe ihn dann mit Weisswein statt Wasser getrunken, aber eine grosse Liebe wurde es nicht.

      Das giftgrüne Wackelzeug kenne ich nicht. Ist wohl – wenn man obige Schilderungen liest – ein Verlust.

      Götterspeise ist jedenfalls bei uns tatsächlich etwas aus Löffelbisquit oder Zwieback als Basis, darüber Apfel- oder andern Kompott und zuoberst Pudding (z.B. angerührt mit Dr. Oetker-Puddingpulver oder von Migros oder sonstwem). Bei uns wars in der Mitte Apfelmus und oben Schoggipudding. Die heutige Bezeichnung kenne ich nicht, denn dazumal war sie politisch völlig unkorrekt „Negerhochsig“ (Hochsig = Hochzeit) und hoffentlich inzwischen ersetzt worden. Vielleicht einfach durch Götterspeise.

      Aber wo kann ich denn nun das göttliche Giftzeug kennenlernen?

      Süffige Bowlenzeit und en Guete bei all den süssen Verlockungen

      Solanna

    6. Brun(o)egg Says:

      Variante der Schweizergötterspeise: Statt Apfelmus frischen Rhabarber, Zwetschgen (D: Pflaumen) oder Kirschen. Je nach Jahrezeit.

    7. AnFra Says:

      Wenn die „grüne Götterspeise“ aus Waldmeister göttlich sei, dann ist die „Grüne Fee“ aus Absinth wahrlich himmlisch.

      Hicks……

    8. Jannis Says:

      Götterspeise mit Apfelmus wurde uns damals bei den schweizerischen Selbstverteidigungskräften gelegentlich als Hauptmahlzeit vorgesetzt. Resultat: die halbe Kompanie litt an Magenbrennen und war beschränkt einsatztfähig. Machte aber nichts, der Feind kam nicht.

    9. Guggeere Says:

      Waldmeisterlimonade ist in der Schweiz so gut wie unbekannt; ich habe sie hier weder jemals gesehen noch getrunken. Hingegen denke ich bei diesem Begriff automatisch an eine Szene aus Günter Grass’ Roman «Die Blechtrommel», in der Oskarchen mit Waldmeister-Brausepulver in Marias Bauchnabelkuhle zugange ist.
      Insofern hat das Zeug auch für mich etwas sehr Deutsches. (Und zwar ganz ohne Hintergedanken; das sei hier betont 😉 .)

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