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Sprechen Sie einfach mit einer Socke im Mund — Dänisch für Anfänger

  • Alles Endkonsonanten weglassen
  • Viele Skandinaven sagten mir, dass sich Schweden, Norweger und Dänen gegenseitig gut verstehen, wenn sie sich nur ein wenig anstrengen. Das muss man sich ein bisschen so wie die Unterschiede zwischen Niederbairisch, Schweizer Höchstalemanisch und vielleicht noch Saarländisch im Vergleich vorstellen. Geschrieben wird vieles ähnlich, aber die dänische Aussprache unterscheidet sich oft gewaltig vom norwegischen Bokmål . Leise lesen kann man das noch gut, aber ein geschriebener Satz wie „Det er lige meget“ = „Das ist gleich viel“ hört sich im Alltag nur noch wie „De-li-ma“ an. Aus Lima also, in Peru. Und aus dem geschrieben „Jeg kan ikke finde den“ (=ich kann das nicht finden) bleibt gesprochen „jei-ka- ig-fin-de“, sämtliche Endkonsonanten wurden verschluckt. Wie in dem Kinderlied „Auf der Mauer auf der Lauer liegt ne kleine Wanze“, was in der dritten Strophe nur noch „Auf der Mau auf der Lau liegt ne kleine Wa“ gesungen wird. Muss für Schulkinder in Dänemark höllisch kompliziert sein schreiben zu lernen. Im Arabischen nennt man die „Pausalform“, wenn die Endsilben verschwinden. Da- sollt- wi- ma- au- Deu- probie-, wäre sicher lustig.

  • Sprachkurse für alle
  • Zugezogenen Migranten bekommen 3 Jahre lang kostenlosen Sprachunterricht angeboten, um die Sprache zu lernen. Wenn sie die Prüfung nicht bestehen, wird es kritisch mit der Aufenthaltsbewilligung.
    Im Magazin vom letzten Dezember lasen wir dazu:

    David, ein Nigerianer, ausgebildeter Buchhalter, findet, Dänisch klinge immer so, «als hätte man grad eine Socke im Mund». Er wird sich damit anfreunden müssen. David hat eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis erhalten, weil er mit einer Dänin verheiratet ist, doch wie bei allen Nicht-EU-Immigranten, die durch Hochzeit oder Familiennachzug ins Land kommen, haben die Behörden mit ihm einen sogenannten Integrationsvertrag abgeschlossen. Er beinhaltet, wie David aufsagt, «einen individuellen Plan, um mich möglichst schnell zu einem aktiven Mitglied der dänischen Gesellschaft zu machen». Dazu gehören Dänisch-Kenntnisse. Zwar sprechen fast alle Dänen fliessend Englisch, «aber sie tun es nicht gern», sagt David.

    Alle drei Monate wird überprüft, ob er seinen Zielen näherkommt. Um eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, muss er mindestens zweieinhalb Jahre lang eine Vollzeitanstellung gehabt haben, er muss einen Integrationstest bestehen, und er muss den Dänisch-für-Fortgeschrittene-Kurs «Prøve i Dansk 2»abgelegt haben. «Das schaff ich schon», macht David sich Mut, er will bleiben, ein Leben lang, denn Dänemark, sagt er, «ist einfach das beste Land der Welt.»
    (Quelle: Das Magazin)

  • Ein vorbildliches Konzept für die Schweiz
  • Das wäre doch mal ein vorbildliches Konzept für die Schweiz. Wer hier bleiben will, muss einen Integrationsvertrag abschliessen und bekommt 3 Jahre lang kostenlosen Schweizerdeutschunterricht bezahlt. Alle drei Monate wird der Lernfortschritt überprüft. An Stelle von «Prøve i Dansk 2» müsste dann allerdings „Biwiis diin Züritüsch 2“ oder „Biwiis diin Bärndütsch 2“ stehen. Wer die Prüfung nicht besteht, muss wieder abreisen aus dem „besten Land der Welt“. Wo können wir den Vertrag unterschreiben?

    

    5 Responses to “Sprechen Sie einfach mit einer Socke im Mund — Dänisch für Anfänger”

    1. Guggeere Says:

      «An Stelle von „Prøve i Dansk 2“ müsste dann allerdings „Biwiis diin Züritüsch 2“ oder „Biwiis diin Bärndütsch 2“ stehen.»

      Ein Detail: Die Prüfung hiesse dann «diis», nicht «diin Züritütsch». Dieser (wie jeder ausserhalb des Kantons Zürich weiss) hässlichste aller Schweizer Dialekte ist nämlich ebenso wenig maskulin wie «diin Hochtütsch», sondern vielmehr sächlichen Geschlechts.
      Je nachdem wäre also bereits der Urheber dieser Prüfungsidee aufgrund seiner eigenen Züritütsch-Prüfung die Aufenthaltsbewilligung losgeworden…

      Solche Kurseund Prüfungen fände ich übrigens eine gute Idee; obligatorisch sollten sie allerdings vor allem für jene Deutschschweizer sein, die ihren akustischen über Radio und Fernsehen verbreiten. Wer an der Prüfung danach beispielsweise «Schaukelpferd» statt «Gampiross» von sich gäbe oder etwas Ungeheuerliches wie «es noch Arbon faarends Motorrad»*, bekäme fünf Jahre Mikrofonverbot.
      * In meiner Mundart hiesse das korrekt: «en Töff, wo uf Arbon gfaare n isch».

    2. Guggeere Says:

      Nochmals ich…

      In meinem Beitrag sollte es heissen: «…; obligatorisch sollten sie allerdings vor allem für jene Deutschschweizer sein, die ihren akustischen Brei über Radio und Fernsehen verbreiten.»

    3. Smilla Says:

      @Guggeere:
      Was heisst denn dann der Refrain des Liedes in Deiner Mundart „Meine Oma fährt im Hühnerstall Mororrad“?

    4. Guggeere Says:

      Die Motorrad-Version kannte ich bisher nicht.
      Wir sangen zum Beispiel: «Tante Schuggi hät en BH mit Belüüchtig» oder «Tante Schuggi hät en Gummibuuch mit Wasser». Es gibt noch viele weitere Versionen. Einige sind eindeutig weder blogwiesen- noch salonfähig; aber genau jetzt lässt mich leider mein Gedächtnis im Stich.

      Den Motorrad-Beispielsatz hatte ich erwähnt, weil man tagtäglich solche Spitzenleistungen des alpenalemannischen Medienschaffens in den Mundartnachrichten auf den diversen Lokalradiosendern hört. Man merkt jeweils, dass die Sprecher eine standarddeutsch geschriebene Agentur- oder Polizei-Unfallmeldung vor sich haben und diese live Wort für Wort – und somit ziemlich schlecht – «vermundarten». Ich zappe dann immer unverzüglich weg, weil das weitere Zuhören mit unerträglichen Schmerzen verbunden wäre.

      Von solchen Radiosprechern (und natürlich Tante-Schuggi-Sängern) abgesehen, sagt kein Deutschschweizer Motorrad.

    5. neuromat Says:

      Etwas in dieser Art gibt es schon. Ernst Maurer, Experte für Konzepte und Projekte zur Sprachförderung, leitet das Büro «Sprache und Integration» in Zürich.

      Der Klettverlag produziert die Unterrichtsmaterialien. Das Ziel ist die Vermittlung von produktiven Deutschkenntnissen (gemeint ist Deutsch) und rezeptiven Dialektkenntnissen. Dies etwa im Verhältnis 3:1.

      Die Realität sieht sicher anders aus. Aber allemal interessant, dass es so ein Büro gibt.

      ansonsten, die BH Version gefällt mir 100mal besser als die Töff-Variante. Die Erklärzng betreffend die Wort für Wort Uebertragung erscheint mir absolut nachvollziehbar. Der Anteil „ursprünglicher Mundart“ zu „dialketgefärbter Hochsprache“ dürfte 10:90 entsprechen. Wer die Meldungen mal mitschreibt, wird feststellen, dass diese Hypothese von Guggeere stimmen muss und dass diese Dialektvariante problemlos verstanden wird – aber es eben kein Dialekt ist.

      Im Fall hat die COOP Zeitung vor kurzem das „Chuenägele“ entdeckt. Und stolz erwähnt – was wir Blogwiesler schon längstens wussten – dass es keine Entsprechung im Hochdeutschen gäbe. Wer sich noch an die Diskussion erinnert, erinnert sich auch an den Chuenagel. Mit Wörterbuch bewaffnet habe ich dann da angerufen … hihi…

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