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Junge, komm bald wieder —Liebeswerben der Swisscom

(reload vom 7.12.06)

  • Erst wollte die Swisscom uns nicht
  • Als wir in die Schweiz zogen und versuchten, einen Telefonanschluss zu bekommen, war das ohne gültige B-Bewilligung kein einfaches Unterfangen beim damaligen Monopolisten Swisscom. Internet bei der Cablecom gab es sofort, darüber konnten wir zur Not auch telefonieren, obwohl wir damit im Jahr 2000 noch zu einer kleinen exotischen Minderheit gehörten. Die Swisscom akzeptierte uns erst als Kunden, als nach einigen Tagen die Nachricht über den baldigen Erhalt eine Aufenthaltsbewilligung auf dem Tisch lag. Zur Sicherheit mussten wir eine Kaution von 500 Franken hinterlegen (vgl. Blogwiese )

  • Dann kassierten sie jahrelang für den Festnetzanschluss
  • Schon sehr bald wechselten wir zu einem anderen Festnetzanbieter. Zunächst Sunrise, später Ntel, um darüber unsere Schweizer Lokalgespräche und die Ferngespräche kostengünstiger abzuwickeln. Dennoch kamen monatlich die Rechnungen der Swisscom ins Haus, für die „Bereitstellung des Festnetzanschlusses“, die berühmte „letzte Meile“ ins Netz. Grob überschlagen 5 x 12 x 24 Franken waren das 1‘440 Franken, die die Swisscom in fünf Jahren an uns verdiente, nur für das Bereitstellen der Infrastruktur.

  • Und Tschüss —der Wechsel zur Digital Phone von Cablecom
  • Dann erlagen wir den permanenten Lockrufen der Cablecom. Wir sagten dem einstigen Monopolisten Tschüss. Keine 24 Franken pro Monat mehr für den Festnetzanschluss. Umsonst im Schweizer Festnetz ab 19.00 Uhr und an den Wochenenden, grundsätzlich umsonst (bis 1‘440 Minuten insgesamt) während der ersten 6 Monate ins Schweizer Festnetz tagsüber telefonieren, und dazu die Grundgebühr von 24 auf 20 Franken vermindert, das alles klang doch echt nett und kundenfreundlich. Wir hatten lange gezögert, denn bei den Nachbarn im Haus konnten wir live erleben, dass das Telefonieren über Cablecom zunächst doch nicht so ganz fehlerfrei wie erwartet ablief. Aber die Jungs der Cablecom bemühten sich redlich, schraubten kostenfrei neu Kabelbuchsen an die Wand, verlegten neue Kabel im Haus, vermassen immer mal wieder hochprofessionell die Stärke des Signals, bis die Sache rund und fehlerfrei lief.

  • Nun hätte sie uns gern wieder als Kunden
  • Was nun begann war ein „Dauerfeuer“ der Swisscom Marketingabteilung. Kein Monat verging, in dem wir nicht Post bekamen, ob wir es uns nicht doch wieder anders überlegen wollten und zur Swisscom zurückkehren. Wir erhielten auch besorgte Anrufe, die sich nach technischen Problemen mit dem Cablecom Digital Phone Angebot erkundigten. „Klappt das denn auch? Haben sie nicht eine sehr schlechte Verbindung? Bricht nicht häufiger mal die Kommunikation zusammen?“
    Wenn wir überschlagen, was die Swisscom in dieser Zeit in Geld und Ressourcen für Porto, den Druck von Hochglanzinformationen, in Manpower und Telemarketing-Zeit investierte, um uns als Kunden zurückzugewinnen, da mögen locker erneut ein paar hundert Franken zusammen kommen.

  • Die ultimative Leimrute: Ein Jahr umsonst mit der Swisscom!
  • Jetzt wurde ein stärkeres Geschütz aufgefahren. Sozusagen die ultimative „Leimrute“. Mit einem solchen Gerät fing man im Mittelalter Vögel, um sie zu verspeisen.

    Leimrute, die [spätmhd. līmruote]: für den Vogelfang verwendete, mit Leim bestrichene Rute, an der sich darauf niederlassende Vögel hängen bleiben: Leimruten legen.
    (Quelle: Duden.de)

    Eine Leimrute legen“ galt auch als Metapher für die verlockenden Angebote höfischer Frauenzimmer. So manch Dichter blieb dran kleben, wie uns die höfische Literatur erzählt.
    Wenn wir uns doch entschliessen sollten, zur Swisscom zurückzukehren, würde uns ein Jahr lang kostenloses Telefonieren im Wert von max. 100 Franken pro Monat bis zum Gesamtwert von 1‘200 Franken versprochen. Klasse, es tut richtig gut, so umschmeichelt zu werden, nach all der erlittenen Schmach, als sie uns nicht haben wollte als Kunde, die Schweizer Swisscom.

  • Junge, komm bald wieder
  • Das hört sich ja fast wie eine Drohung an, was die Swisscom da schreibt:

    „Tausende kehren zurück — jetzt sind Sie an der Reihe!“


    Tausende kehren zurück
    Die meinen doch nicht die 1’440 Franken, die ich ihnen einst zahlte? Plus das Geld, welches in meine Rückholung gebuttert wird? Sogar die „Einschaltkosten“ von CHF 43 will man mir schenken. Langsam kann ich richtig schwach werden, bei soviel Zuvorkommenheit und Bemühen um meine Wenigkeit als Kunden.

  • Vielleicht hilft es ja, Kunden zurück zu bekommen?
  • Es tut gut zu erleben, wie gesunder Wettbewerb zwischen der Swisscom und der Cablecom dafür sorgt, dass die Kunden von günstigen Konditionen profitieren können. Die Swisscom versuchte lange Zeit mit einer aufwändigen Kino-Kampagne den Abwanderungstrend umzukehren. In dem Spot wurde ein junger Mann auf der Autobahn gezeigt, der permanent versucht, mit seinem Wagen jede kleine Lücke zum Überholen auszunützen, um rascher als die anderen voran zu kommen, bis er schliesslich mit einer Panne am Strassenrand liegen bleibt. Das stellte den „Anbieter-Wechsler“ da, bei seinem Versuch, schneller und billiger zu fahren.

    Bildliche, vergleichende Werbung war so möglich, mit dem Fazit: „Lieber beim bewährten Festnetzanbieter bleiben“. Ob diese Werbung viele Kunden des einstigen Monopolisten zurückholen konnte? Sag „Swiss“ und „com“ zu uns zurück!

    

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