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Pech bei eBay — Wenn der Käufer die Ware selbst abholen kommt

(reload vom 5.12.06)

  • Pech bei eBay
  • Eine Schweizer Freundin verkaufte vor einiger Zeit via eBay ihre wertvolle Kamera mit Zubehör an einen Meistbieter aus Grossbritannien. Sie freute sich über den guten Preis. Der Kontakt verlief via E-Mail. Sie war naiv und unerfahren und liess sich von dem Käufer dazu überreden, die Bezahlung von 1‘200 Franken ausserhalb von eBay über einen „neutralen Bezahlservice“ (ähnlich PayPal) abzuwickeln. Sie fand die Website dieses Dienstes, registrierte sich dort aufwändig, bekam ein Passwort und Login zugeschickt auf eine gesicherte Seite. Alles sah sehr vertrauenerweckend und professionell aus. Als es nun ans Bezahlen ging überwies der Käufer den Geldbetrag an diesen Bezahldienst und unsere Freundin erhielt die Nachricht, dass Geld sei eingetroffen, sie möge eine Kontoverbindung angegeben, wohin es überwiesen werden sollte. Gleichzeitig schickte Sie die Kamera per UPS auf den Weg nach England. Kostenpunkt für den Transport nochmals 120 Franken, wovon der Käufer die Hälfte übernehmen wollte.

  • Der UPS Fahrer findet die Zielanschrift nicht
  • Zwei Tage später meldete sich der Fahrer von UPS vor Ort, weil er die Anschrift nicht finden konnte, per E-Mail bei unserer Freundin und beim Käufer. Der Käufer reagierte sofort: „Sorry, die Anschrift ist schwer zu finden. Ich komme direkt bei UPS vorbei und hole das Paket ab“. Ausweisen musste er sich nicht, er wusste ja die genau UPS-Buchungsnummer des Paketes und war so als Empfänger legitimiert.
    Die Kamera war futsch, und eine Stunde später existierte die Website des ominösen Bezahldienstes nicht mehr. Ich fand sie in einer langen langen Liste ähnlich lautender Namen von angeblichen „Bezahldiensten“, die alle als betrügerisch bekannt geworden waren und nun gesperrt sind.

  • Ein Internetbetrug mehr in der Statistik
  • Die Anzeige wegen Diebstahl und Betrug bei der Schweizer und bei der Britischen Polizei brachte keinerlei Ergebnis, ausser einem kleinen Häkchen mehr in der Statistik „Internet Betrugsfälle“ in jenem Jahr. Der Betrüger hatte mit einer anonymen E-Mail Adresse von öffentlich zugänglichen Internetcafés aus gearbeitet. Die fingierte Bezahldienst-Website war sogar ganz legal bei der Westernunionbank anonym bezahlt worden. Natürlich warnt eBay seine Nutzer vor solchen gefährlichen Angeboten, die Plattform aus Kostengründen zu verlassen und das Geschäft ausserhalb von eBay abzuwickeln, über die hohe Anzahl von solchen und ähnlichen Betrugsfällen wird allerdings Stillschweigen gewahrt. Es könnte ja Kunden abschrecken.

  • Impressum Pflicht in Deutschland
  • Zwar gibt es beispielsweise in Deutschland eine „Impressum Pflicht“ für eine Webseite, d. h. es muss irgendwo leicht erkennbar und über maximal 2 Klicks erreichbar vermerkt sein, wer die Seite betreibt, incl. Anschrift, Telefon und oder E-Mail, das ist aber noch keine Garantie dafür, dass diese Daten korrekt sind. Das Problem liegt bei der Registrierung.

  • Identität am Postschalter überprüfen lassen
  • Es wäre ein Verfahren wünschenswert, bei dem eine Webseite erst dann online geschaltet werden kann, wenn der Betreiber sich eindeutig identifiziert hat, z. B. durch Vorlage eines Ausweises am nächsten Postschalter. Wer ein Konto bei einer Bank erhalten möchte, der kommt nirgends um solch eine — natürlich teure — Legitimation herum. Wer eine Website einrichten möchte, bei dem reichen ein paar anonyme Klicks. Alles andere würde diesen Markt verteuern und die Kunden (incl. Betrüger) vergraulen.

    

    7 Responses to “Pech bei eBay — Wenn der Käufer die Ware selbst abholen kommt”

    1. Hajo Michels Says:

      Endlich fühle ich mich als fleissiger Mitleser mal bemüssigt einen Kommentar zu schreiben. Um sich vor derartigen und anderen Betrugsmethoden zu schützen empfehle ich die Webseite: http://www.den-trick-kenne-ich.ch der Schweizerischen Kriminalprävention und deren Blog http://www.skppsc.ch/blog/, welches vor aktuellen Betrugsmaschen warnt. Die ganze Kampagne gibt es auch gratis als 242 seitiges PDF.

    2. Franzl Lang Says:

      Mann mann mann, die Schweizer fallen aber echt auch auf alles rein.

    3. Marroni Says:

      sorry, aber blödheit muss bestraft werden.Egal ob CH oder D, kann doch einfach nicht sein, dass da immer noch jemand reinfällt.

    4. Hajo Michels Says:

      @ Franzl Lang & Marroni
      Genau die Einstellung vertreten viele: http://www.den-trick-kenne-ich.ch/4/de/4persoenlichkeitsmerkmale_betrugsopfer/207mich_kann_keiner_hereinlegen-glaube_nicht_manipulierbar_zu_sein.php
      Ich möchte nicht wissen auf was Ihr schon alles hereingefallen seid. Auf einen Betrug reinfallen ist definitiv nicht lustig und kann jedem passieren, sei er noch so ausgebufft, siehe Madoff!

    5. Urlaub Says:

      Das kann man so doch gar nicht sagen. Da war schließlich der „Bezahlservice“ mit im Spiel. Und wenn die Seite professionell aufgebaut war, sieht ein Laie doch gar nicht, dass es sich um Betrug handeln könnte. Das ist der Nachteil, wenn einfach jeder Internetseiten online stellen und wieder entfernen kann.
      Dass UPS die Kamera ausgehändigt hat, ist doch das viel größere Problem. Es muss auf jeden Fall an der Sicherheit gearbeitet werden.

    6. Skim Says:

      Leider immer wieder das gleiche.
      Benutzer folgen den ersichtlichen Links und sehen (bzw. prüfen) nicht auf welche Webseite sie wirklich geleitet werden.
      Auch von mir eine Empfehlung: http://www.phishtank.com/

    7. Franzl Lang Says:

      @Hajo Michels:

      Ich bin schon öfters auf andere Leute reingefallen, z.B. habe ich mir oft gedacht, dass Leute einen sinnfreien Satz als solchen erkennen können. Hab mich dann doch getäuscht.

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