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Heu, Häiw, oder Heuw — Bei Ortsnamen bitte kein Schweizerdeutsch

(reload vom 23.10.06)

  • Meteo auf Schweizerdeutsch ist in Ordnung
  • Vor einiger Zeit wurde hier auf der Blogwiese die Diskussion geführt, ob die Sendung METEO im Schweizer Fernsehen auf Schweizerdeutsch oder auf Hochdeutsch gesendet werden sollte. Eine grosse Gruppe sprach sich dafür aus, diese Sendung nicht auf Hochdeutsch sondern im heimischen Idiom hören zu wollen. Die wenigen Tessiner oder Westschweizer Zuschauer könnten ja entweder ihre eigenen Landessender über Kabel sehen, oder wie die ausländischen Touristen einfach nur die grafischen Symbole betrachten.

  • Landeskarten in welcher Sprache?
  • Die anregende Diskussion zum Thema „Hochdeutsch im Kindergarten“ zeigte weiterhin, wie emotionsgeladen jeder Bereich verteidigt wird, in dem das Schweizerdeutsche vom Hochdeutschen ersetzt werden soll. Es gibt jedoch einen Bereich in der Schweiz, da empfinden alle einhellig Hochdeutsch als eine ganz prima Sprache, und jede Bestrebung hier Dialekt im grossen Stil einzuführen, stösst auf erbitterten Widerstand. Die Rede ist von der Landeskarten, die Frage der Schreibweise von Flurnamen. So lasen wir in einem Artikel der NZZ vom 24.01.06, S. 13:

    [So] legt das Bundesamt für Landeskarten (Swisstopo) einen Entwurf zu neuen Richtlinien für die Schreibweise der Lokalnamen (Flurnamen) vor. Auf 57 Seiten werden wissenschaftliche Grundsätze und Regeln für die Schreibweise von Lokalnamen in der Schweiz, sogenannte «Toponymische Richtlinien», aufgestellt – und das in einer Rigidität, die an die Mundarttümelei der geistigen Landesverteidigung erinnert. So sollen in Zukunft folgende exotische Namen auf den Landeskarten stehen: Wannili, Bidumji, Glettiritza, Ghöcht, Chäästaal, Frooi Uusicht, Höje Laas, Düüheltor, Sundloue ne, Grüobini, Bir Heejen Schirr, Besch Hieti, Totuflieji.
    (Quelle: lokalnamen.ch)

    Bravo! Wenn schon die Schriftsprache aus dem Alltag verbannen, dann aber auch richtig. Wer braucht denn überhaupt noch Hochdeutsch? Wer „Wulche“ und „Ragge“ versteht, der kommt auch mit diesem Lieblingszitat unserer Schwester im Geiste, Frau Eichenberger-Reichmuth zu Rande:

    Deet, wotzunä tuät fürägüxlä, ischäs mäischtsunnig. Ond übrau viumiudr, wenns mitem näbu de nit chewtr wiird. Metem hööätüüf öberde naupä.
    (vgl. Blogwiese)

    Bei Meteo muss man das ja nicht lesen, sondern nur hören. Und beim Verstehen helfen uns die kleinen hübschen Piktogramme auf der Wetterkarte. Gegen die Schweizerdeutsche Schreibung von Flurnamen hingegen regt sich Widerstand:

    Was soll nun der einfache Kartenbenützer, was soll der Tessiner und Westschweizer mit diesen unlesbaren Namen auf den Landeskarten und Plänen anfangen?
    Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. 1947 entfachte sich ein Streit zwischen dem Linguisten der Landestopografie und Sprachwissenschaftlern und Kartographen. Die Landestopografie entwarf 1947 – ähnlich wie nun 2005 wieder – Richtlinien, wonach auf Landeskarten und Grundbuchplänen die lokalen Namen (Flurnamen) in extremmundartlicher Schreibung erscheinen sollten, das heisst, die Namen sollten so geschrieben werden, wie sie am entsprechenden Ort gesprochen werden.

  • Sprechen Sie auch extremmundartlich?
  • Den Ausdruck „extremmundartliche Schreibung“ müssen wir uns merken. Ob es auch eine „extremmundartliche Sprechweise“ gibt? Wir werden demnächst unser Schweizer Gegenüber bitten, weniger „extremmundartlich“ zu sprechen, und drauf aufpassen, wie die extreme Reaktion ausfällt.

    Diese starke dialektale Ausprägung des Regionalen hätte aus den Landeskarten sozusagen einen Dialektatlas mit mundartlichen Varianten gemacht. Allein im kleinen Kanton Obwalden wären so oft drei bis vier Schreibweisen (Heu, Häiw, Heuw) auf Karten zu schreiben.

    Na und? Endlich wird mal die Vielfalt der Schweizer Dialekte gehörig gewürdigt? Begeben Sie sich am nächsten Herbstsonntag auf eine Wanderung durch den Kanton Obwalden und lernen Sie Dialektologie hautnah und lebensecht kennen! Sie brauchen nur eine dieser aktualisierten Karten.

    Gegen ein solch dialektales Experimentierfeld erhoben schon 1947 bedeutende Linguisten und Kartographen Einspruch. So schrieb der bedeutende Kartograph und ETH-Professor Eduard Imhof an den Direktor der Eidgenössischen «Die Meinungsverschiedenheiten beziehen sich auf die Grenzzone zwischen mundartlicher Schreibung und schriftlichem Sprachgebrauch. Man darf sich über gewisse feste, allgemein vertraute Schreibgebräuche und über den Hauptzweck der Pläne und Karten nicht hinwegsetzen. Dieser Hauptzweck ist die Orientierung. Das Haupterfordernis ist möglichst leichte, allgemeine Lesbarkeit, und zwar nicht nur durch Ortsansässige, sondern in erster Linie auch durch Ortsfremde. Die allgemeine Schreibgewohnheit, die leichtere und allgemeine Verständlichkeit muss höher bewertet werden als sprachliche Einheitlichkeit, sprachliche Ästhetik und wissenschaftliche Einsicht.»

    Warum diese Erkenntnis sich lediglich auf die Flurnamen und Karten erstreckt, bleibt uns ein Rätsel. Rücksicht auf Ortsfremde, Lesbarkeit, Verständlichkeit — Beim Thema „Förderung der Hochdeutsch-Fähigkeit“ wurden diese Argumente nie angeführt. Da gilt es sich zu integrieren, einen Kurs zu besuchen, und so schnell wie möglich Schwiizertüütsch verstehen zu lernen, alles ganz ausser Frage.
    Der Beobachter schreibt:

    «Flurnamen leben in und aus dem Dialekt, darum müssen wir sie in der Mundart schreiben», beharrt Sprachwissenschaftler Erich Blatter. Sprichts und schickt sich an, mit neuen Richtlinien und einer Vernehmlassung der 60-jährigen Laissez-faire-Praxis Paroli zu bieten. Harmonisierung heisst das Zauberwort, und «Schreib, wie du hörst und sprichst» lautet das Motto.

    So wie wir es von den E-Mails der Schweizer Jugendlichen kennen, aus der SMS-Kommunikation und auch aus immer mehr Blogs.

    (…) Hochdeutsch? Spricht keiner. Also weg mit der Teufelsküche, her mit der Tüüfels-Chuchi. Dialektnah, wie es sich gehört. Kein Problem, was die Landeskarten betrifft: Sie werden alle sechs Jahre nachgeführt. «Und die Wanderwegweiser, Bergkarten, Tourismusführer und Interneteinträge», hakt Martin Schlatter abermals ein. «Bis die angepasst sind, dauert es Jahrzehnte und kostet Unsummen.»

  • Probleme gibt es bei der Verschriftung kaum. Oder doch?
  • Nicht nur dem Hochdeutschen geht es an den Kragen. Selbst an der regionalen Mundart wird gefeilt. In den Kantonen, in denen Volkes Mund Bärg sagt statt Berg, soll künftig der Bärg auch auf der Karte stehen. Bloss: Wie Volk selber hört, dass es spricht, die Experten ihrerseits aber meinen zu wissen, wie es korrekt sprechen und damit auch schreiben soll – das sind nicht selten zwei Paar Schuhe. (…)
    Mehr Harmonie sollen die neuen Richtlinien doch schaffen. Wie bloss, wenn selbst aus dem gewohnten «Hochbüel» ein «Hoochbüül», das «Rifeld» zum «Riifäld» und die «Lehmgrueb» zur «Laagrueb» werden muss? Dann ist es mit der Einsicht der Ortsansässigen in Sachen Erhalt des Kulturguts schnell vorbei.
    (Quelle: Beobachter 23/05, zitiert nach lokalnamen.ch)

    Das Umstellen der Karten kostet Geld. Die Lesbarkeit und Verwendbarkeit für Ortsfremde sollte das geringere Problem sein. Die könnten ja
    1.) endlich mal den lokalen Dialekt anständig lernen, wenn Sie hier schon Urlaub machen wollen und
    2.) alle paar Jahre eine neue Karte oder einen neuen Reiseführer kaufen, um die Binnennachfrage zu beleben.

  • Wer gefunden werden will, soll gefälligst einen Kurs machen
  • Aber es gibt noch ein drittes Argument, welches gegen die Veränderung der Flurnamen spricht:

    Robert Frey ist bei all dem gar nicht zum Lachen. Der Projektkoordinator bei Schutz & Rettung Zürich sieht das neue Regelwerk skeptisch. Der Rettungsdienst stützt sich auf die Namensdatenbank von Swisstopo, die – regelmässig aktualisiert – den neuen Richtlinien folgen soll. «Für uns ist jede Minute kostbar», sagt Frey. «Müssen wir lange nach korrekten Ortsangaben recherchieren, kann das gefährlich sein.» Was aber, wenn sich der Verunfallte erinnert, dass auf dem Wegweiser «Beim Babental» stand, die Datenbank aber nur noch die Form «Boobedel» kennt?

    Sollte das wirklich ein so grosse Rolle spielen? Wer mit dem Handy unterwegs den Rettungsdienst alarmiert, der soll gefälligst zuvor den ortstypischen Dialekt gelernt haben, sonst ist es nix mit Rettung. Deswegen nun Hochdeutsch bei Ortsnamen beibehalten? Nein, das braucht es wirklich nicht. Ausserdem sind Handys heutzutage sowieso leicht zu orten.

  • Wird das wirklich kommen? Aber sicher doch…
  • Die Sachlage hat sich seit dem Erscheinen der Artikel im Beobachter und in der NZU leicht geändert. Die swisstopo hat die „Toponymischen Richtlinien“ von 2005 im Mai 2006 ersetzt durch den „Leitfaden Toponymie 2006“, welcher zwar etwas weniger schlimm ist wie die „Toponymischen Richtlinien“, „Bärg“ (wo so gesprochen wird) wird immer noch propagiert anstelle immer „Berg“ zu schreiben. Den weiterern Verlauf der spannenden Diskussion kann jeder bei lokalnamen.ch verfolgen. Paul Märki fasst dort am 06.08.06 die momentane Situation so zusammen:

    Das Bundesamt stützt sich in diesen Richtlinien (2005 und 2006) ausschliesslich auf sprachwissenschaftliche Überlegungen und blendet nach meiner Meinung die zahlreichen praktischen Probleme aus. Die bisherige Schreibweise hat sich mehr oder weniger bewährt. Es geht nun nach meiner Überzeugung nicht darum abzuwägen, ob die revidierte Schreibweise besser ist als die bisherige. Es geht vielmehr darum zu realisieren, dass die fraglichen Vorteile einer revidierten Schreibweise die klaren Nachteile einer jahrzehntelang dauernden Umstellungsphase nicht rechtfertigen. Die Lokalnamen (Flurnamen) auf der Landeskarte und in der Amtlichen Vermessung sind heute in erster Linie eindeutige Lagebezeichnungen und erst in zweiter Linie ein Spiegel der Mundarten. Darum soll die gegenwärtige Schreibweise der Lokalnamen (Flurnamen) unverändert bleiben.
    (Quelle: lokalnamen.ch)

  • Wo geht es hier zur Randesstroos?
  • Die Umstellung ist derzeit im vollen Gange. Der Kanton Schaffhausen hat Schleitheim bereits im Kartenwerk umgestellt. 66% aller Namen mussten angepasst werden. Hier die derzeitige Karte von Schleitheim, der Lendenberg heisst noch Lendenberg.
    Schleitheim bei Swisstopo
    (Quelle: Ortsplan Schleitheim)

    So lasen wir zu Schleitheim SH auf der Geometa.info Seite:

    Änderungen in der Amtlichen Vermessung in der Gemeinde Schleitheim SH
    2002 / 2003 wurden in Schleitheim Kanton Schaffhausen von 315 Lokalnamen deren 209 geändert (66%) vgl. Flurnamenliste. Die Lokalnamen wurden von einer mundartlichen Schreibweise (Weisungen 1948) auf eine lautnahe Mundarschreibweise geändert. Gemäss Leitfaden Toponymie 2006 wäre es wegen der restriktiveren Handhabung von Doppelvokalen möglich, dass sich ca. 30 Lokalnamen weniger ändern würdern (es wären dann insgesamt 179 geänderte Lokalnamen, was 57% aller Namen entspricht)
    72 Veränderungen weglassen stummes –n z.B. Brüelgarten > Brüelgaarte (alle Beispiele)
    34 Veränderungen Schriftsprache -> Mundart z.B. Altes Schulhaus > Aalts Schuelhus (alle Beispiele)
    30 Veränderungen einfacher Vokal -> Doppelvokal z.B. Auhäldeli > Auhääldili (alle Beispiele)
    23 Veränderungen e -> ä z.B. Gähweg > Gääwäg (alle Beispiele)
    50 Veränderungen Diverses z.B. Ischlag > Iischleg (alle Beispiele)

    (Quelle: geometa.info)

  • Vom Pflägheim zum Alprestorã
  • Hier die komplette Flurnamenliste der 2003 beschlossenen Namensänderungen als PDF. Sie sollen auf den nächsten Karten gedruckt werden. Der auf der abgebildeten Karte von Schleitheim gezeigt „Lendenberg“ soll also in der nächsten Fassung zu „Lendebärg“ mutieren. Dann muss auch der „Lendenbergsteig“ zum „Lendebärgstiig“ werden, und die „Lendenbergstrasse“ zur „Lendebärgstroos“. „Under em Lendebärg“ gibt es bereits. Underberg auch, ist lecker.
    Aus Lendenberg wird Lendebärg
    (Quelle neue Flurnamenkarte: museum-schleitheim.ch)

    Hübsche Aufträge für die Hersteller von Strassenschilder und eine Reihe von Adressänderungen wären die praktische Folge. Aber es gibt ja sonst nichts zu tun als Flurnamen anzupassen.

    Auf der Liste der beschlossenen Änderungen steht, dass aus dem Alters- und Pflegeheim ein „Aalters- und Pflägheim“ wird. Wenn das auf der Karte steht und Sie wollen Ihren „Aalten“ oder die Oma im Altersheim besuchen, dann viel Spass beim Suchen.

    Das „Alpenrestaurant Babental“ heisst zukünftig „Alprestorã Boobedel„. Ob da dann noch ein Ausflügler aus dem Schwarzwald hinfindet? Zumindest werden sie endlich begreifen, dass das da ein handfester Nasal am Ende vom „Restorã“ ist. Auf der neuen Karte steht unten links noch „Alprestaurant Babental„, aber es liegt nicht mehr dort im Babental, sondern schon im „Boobedel„, unweit der „Brüggliquäll„, die ganz ungequält dort hervorquellt. Ob der Wirt sich da quergestellt gegen das neue Restorã?
    Babental oder Boobeldel
    (Quelle neue Flurnamenkarte: museum-schleitheim.ch)

    Und ob unser „Bobbele“ Boris Becker vom „Boobeldel“ weiss? Vielleicht tät er ja sonst hierhin umziehen?

  • Wir machen eine Uusbilding
  • Zivilschutzuusbildingszentrum
    (Auszug aus der Flurnamenliste, Original siehe hier)

    Wir hoffen sehr, dass die Bildung im „Zivilschutzuusbildingszentrum“ nicht leiden muss, so lange sie unter Zivilschutz steht.

    Wir können uns nicht sattsehen an dieser fantastischen Karten, müssen unbedingt in nächster Zeit mal eine Wanderung durch diese Gegend einplanen. Zum „Staabruch Harnischbogg“, wo die Stare oder Stars gebrochen werden, zum „Rachistelwääldli“, zum Röötebärg und zum „Randestroossbrunne“, in dem die Randen (Rotebeete in der Schweiz), gewaschen werden? Gelebte Dialektologie an jeder Waldecke, das fängt richtig an Spass zu machen.
    Staabruch und Randestrooss

    

    21 Responses to “Heu, Häiw, oder Heuw — Bei Ortsnamen bitte kein Schweizerdeutsch”

    1. swambo Says:

      oh ja, bitte bitte bitte schnellstmöglich umsetzten, dann hätte wenigstens dieser unsägliche Eiertanz ein Ende. Diese ewige Rumgenerve ist wirklich anstrengend. Aber die Boelis bekommen es halt nicht so auf die Reihe wie die Franzosen….
      Ich denke jeder, der auch nur ein kleines bischen Hirn hat und Engagement zeigt, versteht nach spätestens 4 Wochen Mundart. Erfahrungsgemäss tun sich da die Schweizer mit den deutschen Mundarten viel schwerer. Deswegen sprechen wir auch immer so laut und deutlich 😉

    2. neuromat Says:

      In Norddeutschland werden die Ortsnamen schon seit längerem auf Plattdütsch und dem ungeliebten von den „höheren Ländern“ her eingeführten Hochdeutsch auf den Ortschildern verschriftet.

      Warten wir mal die ueblichen 5 – 10 Jahre. Ob es dann unbedingt Autobahnschilder sein müssen. Na ja, wir wissen ja von wem der Vorschlag stammt.

    3. neuromat Says:

      noch kurz der Nachweis:

      http://www.ins-bremen.de/presse/files/Ins1003.pdf

      schon umgesetzt 2004; wird dann also nicht die klassischen fünf Jahre später sondern zehn Jahre später nachgemacht und für Eigene Erfindung erklärt… 😉

    4. swambo Says:

      heeeeeeeeeeeeeyyyyyyyyyyy
      In Norddeutschland gibt es doch gar keine Mundart, das weiss doch jeder.

    5. hein Says:

      gibt es in dem fall analog zu den mundart karten, übersetzte ausgaben ?
      zB. thurgauisch – berndeutsch, oder rintldüütsch – ämmitauerisch ?
      dann könnten ja auch die rettungskräfte mit dem „topofish“ automatic-translation tool schnell und effizient an den bestimmungsort.
      et mut jo nich op düvel komm rut ömmers eenfach sin…

    6. AnFra Says:

      @Kein Züricher

      Super Idee mit den schweizerdeutschen Autobahnschildern. Aber wieder bist du mal zu spät!

      Heute habe ich am Reichsautobahnübergang von Konstanz nach Kreuzlingen TG ein Leit(d)schild zur Schweizerautobahn nach Zürich gesehen: „Nach Zürich 59 km“.

      Dieses Schild war im reichdeutschem Signalblau RAL 5005 gehalten. Darunter war ein neues Schild des „Eidgenössisches Bundesamtes für unsinniges Fehlbeschriftungswesen“ angebracht, mit welchem auf Schweizerwiesengrün CHAL 08/15 die neu zu erprobende Verkehrsbeschriftung im zürichdeutschen Dialekt zum jeweiligen Zielort erprobt wird: „ Nach Ouagadougou 59 km“.

    7. Phipu Says:

      An Anfra

      Jaja, diese blöden Normen überall! Uns armen, freiheitsliebenden Bürgern und Milchkühe der Nation (typischer Slogan für Autosüchtige) zwingt man genormte Längenmasse für die Angabe der Entfernung zum hintersten Bauerndörfchen (wie bei deinen 59km), die präzise Sprache der Ortsnamen auf Schildern und Karten und sogar die gewählten Farben auf. Wo bleibt denn da Tells freier Geist? Ich aber sage euch, fürchtet euch nicht, denn die Freiheit wird mit der Klimaerwärmung und bei Erschöpfung der Erdölvorräte schon bald ganz von alleine wieder kommen. Da wird dann das Palmengrün der Strassenschilder wieder ziemlich zweitrangig. Wenn nämlich der Zürichsee zur Oase geschrumpft ist, darf auch wieder etwas gestalterische Freiheit aufs Strassenschild. Ich bin sicher, du dachtest schon in deinem vorigen Text an so etwas (natürlich zweisprachig, bitte sehr!):
      http://www.alovelyworld.com/webmaroc/gimage/mar31.jpg
      Allerdings wird ohne Erdöl dann die Wahl der Transportmittel erneut in unverschämter Weise eingeschränkt:
      http://datenhirn.com/wp-content/uploads/2008/03/schwimmensiedurchdenatl.jpg
      Wer keine Sensibilität für diese ökologischen Sorgen unserer und künftiger Generationen hat, schicke ich in die Wüste, aber mit etwas Gutmenschen-Humanismus erlaube ich für diese Reise natürlich auch den städtischen Trolleybus:
      http://www.t-l.ch/images/pdf/10/module10/2_a_B-AIR_N.pdf

    8. AnFra Says:

      @Phipu

      Bin soeben wieder von der Schweizeroase in die deutsche Wüste zurückgemacht.

      Dabei ist mir noch so´n Ding an der CH-D-Grenze aufgefallen und zwar eine neu aufgestellte Züricher-Herme (Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Herme) mit der Steinplatte: „Nach Ouagadougou 10 kmh“.
      Dies ist noch so ein geheimer libysch-schweizerischer Versuch, sich in neuer zürich-libyscharabischer „Sprache“ auf die nahe Zukunft einzustellen.
      Das Ding „kmh“ hat mein technisches Verständnis arg durcheinander gebeutelt, bis mir ein Verwandter, welcher Arabistik studiert, sagte, diese Entfernungsangabe in Zeiteinheiten sei in der Sahelzone schon längst üblich und wie es auch dein Foto mit den 52 Tagen beweist. Dies würde „kmh=Kamelstunden“ bedeuten! Man, sind einige Züricher fortschrittlich, wie z. B. auch euer BR Merz. Solche Mannen erkennen die Zeichen der Zeit.
      Die Zukunft ist Grün, Ökologie und Islamismus (Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Libyen ) in der Schweiz.

      Jetzt erschließt sich auch das Raunen, welches durch die Blogwiese zieht: Der Ochsentreiber Züricher lässt sich jetzt zum Esel- und Kameltreiber umschulen. Den passenden Slang hat er ja schon.

      Die Sache mit der Farben-Normung kann man sicher unterschiedlich sehen, aber die RAL-Kennzeichnung ist schon so ein tolles Ding.
      Haben unsere dt. Militärs um GFMS Rommel schon 1939 gewusst, dass eines Tages die dt. Bundeswehr die RAL-Farbe RAL 8020 für den Kriegszug in Afghanistan u.a.O. auch noch brauchen wird.

      Der neue dt. Kriegsminister VON und ZU hätte seine Weste am liebsten RAL 9010, aber – sie ist nun halt RAL 9021!

      PS 1: Nicht vergessen, Zürich kann seinen Namen auf „Trockener Platz“ ableiten. In der zukünftigen Libysch-Schweizer Zusammenarbeit wird diese Stadt sicherlich ein international bedeutender Handelsplatz für Esel und Kameler werden.

      PS 2: Wir haben auch viele Wüsten, wie z. B. u. a. D-18516 Wüsteney.

    9. croco Says:

      Die spinnen, die Schweizer.

      Früher waren das die Römer.
      Ach, egal. Jetzt ist es so.

    10. vierundachtzig Says:

      @ AnFra:
      Entschuldigung, aber die Ausdrücke „reichsdeutsch“ und „Reichsautobahn“ empfinde ich als eine Frechheit! Wenn du schon den Unterschied zwischen deutsch und deutsch-aus-Deutschland betonen willst, dann schreib doch bitte „bundesdeutsch“. Die Zeiten irgendwelcher Reiche auf deutschem Boden sind Gott sei Dank viele Jahrzehnte vorbei und es wäre schön, wenn auch der letzte in der restlichen Welt das mitbekommen würde.
      Falls du das ironisch gemeint haben solltest, entschuldige bitte meine Empfindlichkeit, aber ich kann alles, was an Nazi-Mist mit dem heutigen Deutschland in Verbindung gebracht wird (bis auf die paar unverbesserlichen Spinner) nicht mehr hören.

    11. Stephan Says:

      Ich bin ja schon mein Leben lang Norddeutscher, aber so ein offizielles plattdeutsches Ortsschild ist mir bisher nie untergekommen.

      Und auch die These, dass Hochdeutsch hier verhasst sein soll, halte ich mal für ziemlich gewagt. 😉

    12. Guggeere Says:

      @ AnFra/Phipu
      Gehört vielleicht nicht so ganz zum Thema, fühle mich trotzdem herausgefordert, die Dinge ins rechte Licht zu rücken: Zürich, diesen nach Geld und Anmassung stinkenden Steinhaufen, wo «die nackte Brutalität» (so definierte der Schriftsteller Franz Hohler die Zürcher Mundart) akustisch dominiert, mit Wagadugu und Timbuktu in einem Atemzug zu nennen, ist eine Beleidigung für die beiden afrikanischen Städte.

    13. tobi Says:

      Naja, ich kann AnFra ein wenig verstehen, schliesslich hat ein anderer mit dem Südgau angefangen. 🙂

      Offizielle Ortsschilder auf plattdeutsch gibt es meines Wissens auch nicht, ich bitte um Gegenbeweise!

      Davon abgesehen sind die Ausdrücke „reichsdeutsch“ und „Reichsautobahn“ im Grunde nicht falsch, da Deutschland keine vom Volk verabschiedete Verfassung hat. Deutschland steht nach wie vor unter dem Protektorat der Alliierten mit dem seinerzeit iniziierten Grundgesetz. Jeder Deutsche, der von Verfassung redet, sollte sich somit auf die letzte gültige Verfassung von 1919 beziehen. Und da ist eben vom deutschen Reich die Rede. 🙂 Es gibt sogar Gerichtsurteile die bestätigen, dass das deutsche Reich rechtlich nicht untergegangen ist.

      Ich will damit nur sagen, dass das deutsche Volk im Gegensatz zu den Schweizern quasi entmündigt wurde – auch wenn die meisten Deutschen das nicht glauben oder wissen. Das sind eben die Folgen, die infolge der Adolf-Anbetung zu tragen sind. Spürbar ist auch die Ausbeutung Deutschlands in Richtung EU …

      Zurück zum Thema … Ortsbezeichnungen in Mundart sind absoluter Blödsinn. Es sei denn, man will sich abschotten und die Inzucht pflegen.

    14. AnFra Says:

      @(19?)vierundachtzig

      Tja, die damische Ironie. Mal fällt sie auf fruchtbaren Boden, mal nicht.

      Kann mir gut vorstellen, dass bei dir „reichsdeutsch“ eine heftige Allergie auslöst. Aber sprachlich ist dieser Begriff eine historische und eigentlich gänzlich harmlose Sache.
      Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsdeutsche und http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Reich
      sowie http://de.wikipedia.org/wiki/Ironie

      Das Problem bei der deutschen Sprache ist, weil viele Begriffe durch die Nazis absolut missbraucht, verbraucht und teilweise sinnentlehrt bzw. verkehrt wurden, wie „Heimat, Bauernschaft, Nationalbewusstsein, Nationalstolz, Vaterland, Ehre, Mutterschaft, Rasse, Soldatenehre, Leben, Arbeit, Pflichterfüllung, Treue und Glauben“ usw, usw.
      Der Begriff „reichsdeutsch“ ist ein Begriff, der 100 Jahre VOR der Hitlerei auftauchte und tatsächlich ein allgemeingültiger und ideologisch harmloser Begriff war. Er sollte nur den Unterschied zwischen „den Deutschen“ im Reich und den Deutschen außerhalb des Dt. R., also im übrigen Ausland unterscheiden. Wie den Deutschen (Achtung: Nur im damaligen historischen Sinne gemeint!) in Österreich-Ungarn, Liechtenstein, Rumänien, Russland, Bulgarien, Balkanstaaten usw. Selbstverständlich NICHT die Schweizer!!!

      Auch soll dieser Begriff die „reichsdeutsche“ Umschreibung aller Vorgänge Deutschland betreffend in der Zeit vor dem 08. Mai 1945 historisch darstellen und ist somit nicht im ideologischen Sinne gemeint.
      Resümee: „Reichsdeutsch“ ist auch nur ein Wort, eigentlich harmlos, ohne politischen Hintersinn, jedoch wegen mit einer gewissen Mehr- und Missdeutigkeit somit für gewisse „ironische“ Winkelzüge recht gut brauchbar.
      Wie derzeitig in der Schweiz der Begriff „Minarett“ unterschiedliche Reaktionen im Schweizerland und bei den Nachbarn auslöst. Dies nicht ironisch gemeint.

      PS 1: Die technischen Benennungen auf den Autobahnen in deutschsprachigen Ländern gehen nun mal auf die erste Reichsautobahn zurück, die vom Reichsautobahnbauamt der Deutschen Reichsbahn ab ca. 1921 geplant wurden und die dann den entsprechenden Reichsautobahnplan reichsweit im Deutschen Reich auszuführen hatte. Das Kindermärchen, der Hitler und die Nazis hätten die Reichsautobahn „erfunden“, eine glatte Lüge!
      Die Ironie: In allen deutschsprechenden Ländern, und nicht nur dort, werden noch immer „reichsdeutsche“ Begriffe im Autobahnwesen gebraucht.
      Eine Bedrohung geht nicht vom Begriff „Reich“ aus, sondern von pervertierten Nationalismus, ob von Nationalsozialisten in einer „Demokratie wie im damaligen Dt. Reich“ oder von Faschisten in einer „Monarchie wie im damaligen Italien“.

      PS 2: Im heutigen Deutschland gelten noch immer Gesetze, welche in Reichsgesetzblättern NACH 1933 veröffentlicht wurden. Das Deutsche Reich ging am 08. Mai 1945 komplett unter, aber ein Teil der nationalistischen Gesetzgebung gilt noch immer.
      Das ist in Wirklichkeit ein „reichsdeutsches“ Problem und zugleich eine „bundesdeutsche“ Schande.
      Die Spezies der Juristen, in Besonderheit die der Verwaltungsjuristen, überleben JEDEN und ALLES und pflanzen sich geschlechts- und hirnlos weiter.
      Daran hätte der selige Darwin seine Freude.

      @Guggeere

      Lass doch dem „stinkenden Steinhaufen“ eine Chance sich zwischen zwei wunderbaren Rosen zu verbergen.

    15. AnFra Says:

      @tobi und Co

      Folgend ein schöner Blog:

      http://roopel.blogspot.com/

    16. pfuus Says:

      Schaut euch mal den Film “ Bäckerei Zürrer“ an und achtet darauf was der Marcel während des Platzkonzerts der Trudi über Zürich sagt………..gäll Zürcher luegsch au!

    17. neuromat Says:

      Also Gegenbeweis, schau aber selber nach zum Beispiel Aurich bei Wiki da ist dann unten das offizielle Ortsschild oder die Ortstafel auf der ganz offiziell noch Auerk drauf steht. Um welches gelb nach DIN – Norm oder ähnlich es sich handelt bitte bei AnFra erfragen, ebenso die Schrifttypen und alles weitere, womit beweisbar wäre, dass die Schilder „offiziell“ sind.

    18. AnFra Says:

      @ neuromat
      @ Stephan

      Das mit dem Ortsschild Aurich in Standartdeutsch UND Plattdeutsch hat mich umgehauen!

      Habe beim kurzen Telefonat mit dem Amtsvorsteher des Landkreises Aurich, dessen Abteilung für Straßenplanung und Unterhalt verantwortlich ist, folgenden Sachverhalt erfahren:

      Das Bundesland Niedersachsen hat in 2004 dem Landkreis Aurich eine Ausnahme-Genehmigung ergänzend zu den bundeeinheitlich geltenden Richtlinien, Verordnungen und Normen bezüglich des dt. Verkehrszeichen Nr. 310 (Ortsschild) gegeben, den Orten, welche im relevanten Gebiet dieser des Ostfriesischen und Plattdeutschen liegen, nach sehr strengen sprachlichen und historischen Untersuchungen den Ortsnamen ihre Ortschilder zusätzlich zur gesetzlich zwingenden Standartsprache auch noch die Benennung im heimatlicher Sprache darunter zu setzen.

      Beim Beispiel der Stadt Aurich eben oben in 100 % Größe „Aurich“ und darunter in ca. 50% Größe „Auerk“.

      Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Aurich

      Lieber @ neuromat, da ich z.Z. keine Zeit habe, könnten weitere Infos, wenn gewünscht und benötigt, unter: http://totes-wissen.hc gesucht werden.

    19. AnFra Says:

      Nachtrag

      In Deutschland gibt es noch weitere zweisprachige Ortstafeln im Gebiet der Sorben (Wenden), einer westslawischen Minderheit: Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Sorben

      Über die nationlistischen Peinlichkeiten des ehem. Haider Jörgel im österreichischem Kärnten braucht man als Deutscher oder Schweizer sich keine Gedanken zu machen. Trotz zwingendem österr. Bundesgesetz wird in Kärnten proklamiert: Nix da mit Slowenisch auf zweisprachigen Ortstafeln. Mir seind mir. : Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Ortstafelstreit

      Das ist überlebter Nationalsozialismus!

      Beim hochalemannischen „Wifälde“ anstelle dem standartdeutschem „Weinfelden“ auf den Ortschildern kommen jedem Menschen Tränen.
      Vorschlag: Dann lieber nach einen anderem ehem. Zuwanderervolk dieses Kaff dann „Campovino“ benennen.

    20. vierundachtzig Says:

      @ AnFra:
      Du sprachst von der „Reichsautobahn“. Die Autobahn als solche wurde zwar vor der Machtergreifung der Nazis erfunden, aber von diesen entscheidend vorangetrieben. Fangen wir also nicht an mit Haarspaltereien (z. B. deine juristischen Ausführungen), die Assoziationen sind wohl klar. Du wirst von dieser Autobahn ja auch kaum auf eine Reichsstraße abbiegen – die heißen nämlich seit geraumer Zeit Bundesstraßen.

      Ach ja, und doch noch mal für das Jura-Seminar: Dass in Deutschland Gesetze aus der Nazizeit gelten, ist doch nichts Besonderes. Staatsrechtlich ist das Deutsche Reich nicht mal untergegangen, sondern identisch mit der heutigen Bundesrepublik ( http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Reich#Staatsrechtliche_Fragen ). Wenn auch nicht geographisch und ideologisch identisch.

    21. schwiizer Says:

      Okay, Ortsname chönd ächt problematisch wärde… Aber wie ihr Dütsche am Afang nöd emal s’gschprochne Schwiizerdütsch vostönd, bruuchts au ganz eifach nur üebig bis mer au s’gschribne vostat.

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