-->

Die Schweiz ist kein französisches Departement — Lebenshilfe für Franzosen in der Schweiz

  • Wie vermeidet man Fettnäpfchen?
  • Der Franzose David Talerman lebte 6 Jahre in der Westschweiz und erfuhr am eigenen Leibe, wie fremd der Schweizer Alltag, die Kommunikation und der Umgang mit den Westschweizern für einen Franzosen sein kann. Fettnäpfchen reiht sich an Fettnäpfchen. Aus seinen Erfahrungen machte er ein ziemlich erfolgreiches Buch:
    Travailler et vivre en Suisse

    Travailler et vivre en Suisse

    Ausserdem führt er einen Blog zu diesem Thema blog.travailer-en-suisse.ch.
    Blog de David Talermann

    Sehr eindrücklich auf diesem Blog finden wir die 10 Grundregeln für ein Leben inHarmonie in der Schweiz, am Arbeitbeitsplatz und im Alltag:
    „10 règles de base pour bien vivre en harmonie avec votre entourage en Suisse, au travail ou dans la vie de tous les jours“

    1 – La Suisse est un pays à part entière, et pas un département Français.
    [1 – Die Schweiz ist ein eigenständiges Land, und kein französisches Departement.]

    Wie oft bekamen wir als Deutsche von Schweizern direkt oder indirekt vorgeworfen, wir würden die Schweiz als ein weiteres Bundesland betrachten und nicht als eigenständiges Land. Ist doch beruhigend zu hören, dass die Deutschen mit diesem Vorwurf nicht allein darstehen. Ob die Italiener im Tessin diesen Spruch auch zu hören bekommen?

    2 – En Suisse, l’étranger, c’est vous.
    [2 – In der Schweiz sind SIE der Ausländer. ]

    Stimmt, denn merkwürdiger Weise ist jeder Mensch überall Ausländer, sobald er oder sie sein Heimatland verlässt. Wie sagte uns ein ostdeutscher Bekannter vor nicht langer Zeit: „Die Schweiz ist ein wunderbares Land, wenn da nicht die vielen Ausländer wären“. Einfach mal an die eigenen Nase fassen mag helfen in diesem Fall.

    3 – Votre culture française est „bruyante“ pour un Suisse : faites profile bas, apprenez la modestie, ne faites pas en sorte que les projecteurs soient continuellement braqués sur vous.
    [3 – Ihre französische Kultur ist „laut“ für einen Schweizer. Halten sie sich bedeckt, lernen sie die Zurückhaltung. Sorgen sie dafür, dass sie nicht ständig im Rampenlicht der Aufmerksamkeit stehen.]

    Die berühmten „lauten Deutschen“ im Tram zu Zürich. Es gibt also auch „laute Franzosen“. Selbstüberschätzung, lautes Auftreten, stets im Mittelpunkt sein wollen, alles Vorwürfe, die auch Deutsche in der Schweiz zu hören bekommen. Eine weitere interessante Parallele also.

    4 – Vous êtes l’ambassadeur de la France en Suisse : vous avez la lourde responsabilité de colporter l’image de la France à l’étranger. Donnez une image positive de notre pays, et fixez-vous pour objectif de faire changer d’avis les Suisses qui pourraient avoir des a priori.
    [4 – Sie sind Botschafter Frankreichs in der Schweiz. Sie haben die schwere Verantwortung das Bild Frankreichs ins Ausland zu tragen. Geben sie ein postives Bild ihres Landes, und nehmen sie sich vor die Meinung der Schweizer ins Postive zu ändern, die diese von Franzosen als Vorurteil haben. ]

    Botschafter seines Landes ist man als Deutscher gleichfalls überall auf der Welt. Ob wirklich jeder den Kampf gegen Vorurteile und Klischees aufnehmen mag, sei dahingestellt. Es ist verdammt anstrengend auf die Dauer. Man kann sich ja auch vornehmen zurücknehmen und, „einfach mal die Schnauze halten“.

    5 – Partez sans a priori sur les Suisses et la Suisse.
    [5 – Verlassen sie Frankreich ohne Vorurteile über die Schweizer und die Schweiz im Handgepäck.]

    Welche Vorurteile? Alle Schweizer sprechen langsam, essen ständig Schokolade und Käse, und werden mit einem Gewicht an den Füssen in den Genfersee geworfen, wenn sie beim Fondue ihr Brotstück zum dritten Mal verloren haben?

    (2. Teil morgen)

    

    9 Responses to “Die Schweiz ist kein französisches Departement — Lebenshilfe für Franzosen in der Schweiz”

    1. cocomere Says:

      Lange dachte ich, die Welschen seien die Verbündeten von Wiese gegen die Deutschschweizer. Nun sind es also die Franzosen gegen die Schweizer im Allgemeinen.

      Übrigens wundere ich mich, dass die in Genf ansässige UN-Menschenrechtskommission sich diesen Problemen in ihrem Bericht zur Lage in der Schweiz nicht angenommen hat…

    2. Charlie Says:

      Ich bin halb Deutschschweizer, halb Westschweizer, spreche beide Sprachen perfekt (so eine Art Urs Schwaller), bin in beiden Gegenden des Landes aufgewachsen. Daher habe ich auf beide grossen Nachbarländer eine Perspektive.

      Die Tips von David tönen ähnlich wie das, was man den Deutschen mit auf den Weg gibt. Aber ich kann allen versichern: die Deutschen in der Deutschschweiz sind VIEEEL lästiger als die Franzosen in der Romandie.

      Natürlich sind „Franzosen“ (in Anführungszeichen, da unzulässige Verallgemeinerung) ausgelassener als Westschweizer – aber eben nicht so trampelig wie die Deutschen im allgemeinen. Das Frankreich-Französisch stört das Romandie-Ohr nicht so sehr wie das Deutschland-Deutsch das Deutschschweizer Ohr. Und letztendlich sind es auch einfach nicht so viele! Klar, in Genf und etwas weniger im gesamten bassin lémanique gibt es sehr viele Frontaliers, aber während in der Deutschschweiz die Zuwanderer aus dem grossen Kanton inzwischen in jedem Winkel zu finden sind, ist das in der Romandie noch nicht so verbreitet.

    3. Mare Says:

      Ein Bekannter arbeitet in Zürich, wohnt aber im Kanton Solothurn. Kürzlich, nachdem er abends nach Hause kam und uns traf, meinte er: „Jetzt bin grade von Deutschland in die Schweiz gefahren.“ Mit „Deutschland meinte er Zürich, das seiner Meinung nach voller Deutscher ist.

    4. swambo Says:

      @Charlie
      Schön, dass Du grober Verallgemeinerungen vermeidest.
      Meiner persönlichen Erfahrung nach liegt es aber eher daran, dass die Welschen viel enspannter und weit weniger arrogant drauf sind als die Deutschschweizer…..

    5. jacqueline Says:

      har har, der „zürcher“ kommt in wirklichkeit aus mecklenburg vorpommern, hab das immer schon gewusst. har har.
      bei der lindenstrasse suchen sie noch laienschauspieler, wäre deine grosse chance, dich zu verwirklichen. har har.

    6. AnFra Says:

      @Kein Züricher

      Nix jacqueline!

      Für dich habe ich die 5-Tonnen-Dampframme bereit! 😉

    7. AnFra Says:

      @jacqueline

      Verbesserung: Tausche MeckPom gegen Braunau / Austriakien!

    8. jacqueline Says:

      „geschliffen – intelligente Schreibe“ schreibt sich mit Bindestrich in der MITTE, Züricher.
      Doch doch, sehr erheiternd, wenn jemand nicht merkt, dass er als Sau durch das Dorf getrieben wird, weiter so!

      Grüess

    9. AnFra Says:

      @jacqueline

      Möchte das arme Dorfsau, „Züricher“ gerufen, nicht so benannt sehen, sondern gerechterweise art- und sachgerecht „Sus scrofa“.

    Leave a Reply