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Sind Sie in Ordnung? Ja, ich stimme

(reload vom 28.9.06)

  • Spielen Sie ein Instrument? Oder haben Sie eine schöne Stimme?
  • Auf diese Frage könnte man kurz und knapp antworten: „ICH STIMME“. Jawohl, ich habe eine Stimme und kann sehr gut singen damit. In der Schweiz wird regelmässig vier Mal im Jahr für Chormitgliedschaften geworben. Der Chor heisst „Direkte Demokratie“ und der plakative Aufruf an alle Sängerinnen und Sänger mit gutem Singorgan lautet: OK, ICH STIMME.
    OK ich stimme!
    (Foto vom Strassenrand in Zürich)

    Wir wissen natürlich genau, dass hier keine „Stimmung“ gemacht wird, sondern dass es um „Stimme“ geht, dem wunderbaren und leider viel zu selten benutzen Instrument. Auch wir möchten ein-stimmen in den Chor der Stimmen, und uns von ganzen Herzen dazu bekennen: Auch wir stimmen!

  • Muss der Stimmer kommen?
  • Doch jetzt fällt es uns wie Schuppen aus dem Haar, was hier gemeint ist: „OK, ich stimme!“ hat gar nichts mit unserem Gesang zu tun. Es stellt demonstrativ die Korrektheit eines jeden einzelnen zu Schau. Wenn etwas nicht stimmt, wenn etwas nicht in Ordnung ist, wenn eine Sache geregelt werden muss, gestimmt werden muss wie ein verstimmtes Klavier, dann muss entweder ein Stimmer, genauer gesagt ein Klavierstimmer kommen, oder wir lehnen dies demonstrativ auf Plakatwänden in der Öffentlichkeit am Strassenrand einfach ab: „Ich, für meinen Teil erkläre hiermit, dass ich mich gesund und in Ordnung fühle, keiner Stimmung bedarf, also frank und frei behaupten kann: OK, ich stimme!“.

  • Stimmen Sie auch?
  • Stimmt das bei Ihnen? Stimmen Sie auch? Können Sie auch von ganzen Herzen frei erklären, dass Sie stimmen? Dann geht sicher was ab. Dieses kleine „ab“ ist es, was uns irgendwie beim Stimmen abgegangen ist. Wir vermissen es ein wenig. Es wartet bei der Ab-stimmung, hoffen wir. Absolut stimmig, das Ganze.

    

    7 Responses to “Sind Sie in Ordnung? Ja, ich stimme”

    1. Ric Says:

      Prä- und Suffixe gehen im südlichen deutschen Sprachraum regelmäßig „verloren“ bzw. werden einfach nicht benutzt.
      Im nördlichen Sprachraum geht es den umgekehrten Weg, ich weiss nicht wie sich das in Ihren Ohren anhört Herr Wiese aber für mich ist es kein Deutsch zu sagen man „bespaßt“ jemanden. Außerdem hat das für mich den Klang von Beamtendeutsch („verbringen“ anstatt bringen usw.) und damit alles andere als „spaßich“.

      Das halte ich letztlich lediglich für eine Geschmacksfrage, ebenso wie das „-e“ was in den letzten Jahrzehnten stetig mehr verloren ging und nur noch in feststehenden Phasen existiert („zu Hause“, aber keiner sagt mehr „ZeigE mir dein HausE“). Mein ostpreußischer Opa mütterlicherseits redet immer vom „Krieche“ (Krieg). Und auch hier wieder das Nord-Süd-Gefälle. In Oberbayern geht man nicht in die KirchE sondern in d‘ Kirch‘.

      So, das langt jetzt erstmal an Beispielen für meine Präfix/Suffix-Theorie ;o)

    2. Ric Says:

      PS: Wenn ich mich nicht täusche ist es aber allgemein üblich zu sagen „Ich stimme für…“ und nicht „Ich abstimme für/stimme ab für…“ ^^
      Schweizer beziehen sich hier also sprachlich auf das das Subjekt (die Stimme) und nicht auf das Verb (die Stimmabgabe). Das ist Gehupft wie Gesprungen.

    3. swambo Says:

      @Ricky
      und in Norddeutschland „in de Kerk“, so schnell ist nichts passiert.
      Durch Dein baruwarisch (nebst Ostpreussen-Opa und Ami) vernebeltes Weltbild hast Du leider verdrängt, dass genauso norddeutsche Mundarten (uns Brauchtümer) gibt wie Süddeutsche.
      Die Ostpreussen-Bayern versuchen ja immer den heiligen Gral des Brauchtums für sich zu beanspruchen. Fakt ist aber, dass sie nur am meisten darüber reden….

      Aso lot man Din Klönsnack sin….

    4. Ric Says:

      @swambo
      in de kerk? was soll das sein

      .. tja willkommen im 21. jahrhundert, meine sippe hat halt nicht über generationen ihr gesamtes leben im selben dorf verbracht. hab auch noch puerto ricanisches und sintiblut in mir ^^
      die bayern versuchen garnix, wir sind halt die einzigen die überhaupt noch brauchtaum außerhalb eines „heimatmuseums“ haben und leben! das ist ja auch der einzige grund warum doitschlant außerhalb europas meist mit bayern assoziiert wird – darunter kann man sich was vorstellen, das ist noch sichtbar und erlebbar. solange die norddeutschen den mund nicht aufmachen ist nicht unterscheidbar ob man belgier, holländer, dänen oder sonstwas vor sich hat. ihr habt euch ja seit jahrzehnten größte mühe gegeben jegliche unterscheidbarkeit auszubügeln. sei es über dialekte („man spricht hochdeutsch“), über architektur (regionale architektur als „butzenscheibenromantik“ verunglimpft) oder so dinge wie der gartenzwerg oder hausmannskost. „risotto“, nicht schnitzel, gibts auf der tageskarte.
      ich persönlich kann das außerbayrische deutschland nicht ausstehen das ist schon so, trotzdem finde ich ist es wichtig dass leute identität haben und ihre kultur pflegen und sich nicht alles in einem globalen – vor allem durch konsum und marketing geprägten – einheitsbrei verliert. durch euer demonstrativ „undeutsch“ sein wollen macht ihr euch nur noch unsympathischer in europa … das wirkt anbiedernd und rückgratslos.

      …so, wer mich auf einer persönlichen ebene angeht muss auch das echo vertragen können. guten „tach“.

    5. swambo Says:

      @Ric
      Kerk=Kirche
      Ich denke Du liegst falsch. In den ländlichen Gebieten Norddeutschlands finden sich selbstverständlich regionale Spezialitäten. Wenn ich „Risotto“ höre, denke ich eher an München als an Kiel. Wenn ich Identität, dann denke ich eher an Hamburg als Augsburg…
      Deinen Vorwurf, dass ausserhalb Bayerns die Leute keine eigene identität hätten, schreibe ich einmal Deinem Bajuwarenwahn zu. Das ist natürlich hahnebüchener Unfug und völlig unbegründet aus der Luft gegriffen.
      Aber seis drum. Dein persönlicher Rassismus sein Dir gegönnt, kein Problem.
      Aber die Unwahrheiten, die Du hier produzierst (wissentlich oder nicht) sind leider schon krass.
      Deine Behauptung, es gäbe in Norddeutschland keine Dialekte mehr ist falsch, denn es gibt sie
      Dein Behauptung, das es Bestrebungen gäbe diese Dialekte auszubügeln ist ebefalls falsch. z.B. Pattdeutsch erfreut sich höchster Beliebheitheit. Es gibt Literatur, Rasiosendungen, Sprachkursen, u.v.m.
      Deine Behauptung, das regionale Architektur keine Wertschätzung erfährt, ist ebenfals falsch. z.B. Reeddachhäuser erzielen regelmässig die höchsten Verkaufspreise.
      Deine Behauptung in Norddeutschland würde bräuche nur noch im Heimatmuseum gepfleg ist ebefalls falsch. Alte Bräuche wie z.B: das boseln sind sehr aktuell..

      Ich könnte diese Liste noch ewig weiterführen, ich denke nur, das dies keine Sinn machen würde. Deine Xenophopie werde ich sicher nicht ändern können. Ich kann aber den geneigten Lesern darstellen, dass nicht derjenige Recht hat, der am Lautesten und Häufigsten schreit….

    6. swambo Says:

      @Zuercher
      kann sein, kann sein. Ich persönlich finde jedoch das Verbreiten von Halbwahrheiten nicht besonders cool. Aber ich denke, da kann sich jeder selber ein Bild machen.
      Von Ihnen als Norddeutscher bezeichnet zu werden empfinde ich als Lob und Auszeichnung, denn Mitleid gibt es umsonst, Neid und Missgunst, die muss man sich verdienen (obwohl ich gar keiner bin, aber naja…).
      Mir ist eben ein ernsthaft an der Sache interessierter Norddeutscher hundertmal lieber als ein oberflächlich dahinredender Bayer. Wenn eine Auseinandersetzung mit den Fakten Ihnen unsympathisch ist, dann ist das eher Ihr Problem…

      sans eben net (und schon gar nicht in der Bundesliga…)

    7. Guggeere Says:

      @ swambo
      Um das Thema «Auseinandersetzung mit den Fakten» mit besonderer Berücksichtigung von Verlautbarungen des Trolls «lege artis» zu erörtern, reicht ein Wort: Almdudler.

      http://www.blogwiese.ch/archives/1202#comments

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