-->

Beten auch zum Schweizerkreuz — Was bedeutet die Rote Farbe?

(reload vom 23.08.06)

  • 365 Tage beten
  • Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 26.07.06:

    Jugendliche beten 365 Tage ohne Unterlass
    (…) «Die Zeit ist reif, dass dieser göttliche Schrei den hintersten Winkel der Schweiz und das wildeste Herz erreicht. Betet. Junge Schweizer, betet!»
    Letzte Woche fand das Gebet in Effretikon statt. Im Keller der reformierten Kirche wurde eigens ein Raum eingerichtet – und mit einem Holzkreuz, einem Thron Gottes, frommen Posters und dem Schweizer Kreuz ausstaffiert. Stündlich wechseln sich die Beter ab, manchmal beteten auch ganze Gruppen.
    Tages-Anzeiger vom 26.07.06 Seite 4

    Betet, junge Schweizer, betet!

    Wir finden es enorm praktisch, dass die Schweizerflagge mit ihrem Kreuz in einem Betraum auch für religiöse Bedürfnisse eine praktikable Lösung bietet. Pilger auf dem Jakobsweg bräuchten künftig eigentlich keine Holzkreuze mehr mitschleppen. Ein zünftiger Schweizerflaggenwimpel erfüllt den gleichen Zweck. An und für sich könnte man doch in allen Schweizer Kirchen die unschönen Holzkreuze vorn über dem Altar durch eine Schweizerflagge ersetzten. Weiss als Farbe der Unschuld wie im Bild von „Christi als Lamm Gottes“,und Rot, zugleich Symbol für das verflossene Blut an Karfreitag während des Martyriums, aber auch Macht und Herrschaft über Leben und Tod:

    Die Farbe Rot gilt als Farbe des Feuers oder des Blutes. Im Hebräischen haben die Worte Blut und Rot den gleichen Ursprung: Rot heißt „dm“ und Blut heißt „dom“. Blut und Feuer besitzen sowohl eine positive als auch eine negative Besetzung. Dem Hass, dem Krieg, der Aggression und dem Blutvergießen stehen die Kraft, die Liebe, die Wärme und die Leidenschaft gegenüber. Das helle, leuchtende Rot war bei den Griechen und später auch im Christentum mit dem männlichen Prinzip verbunden, es war die Farbe der griechischen Kriegsgötter Phoebus und Ares.
    Der biblische Adam wurde aus roter Erde geschaffen. In den frühen Kulturen wurde das dunkle Rot des Blutes jedoch dem Weiblichen zugeordnet. Die „Mutter Erde“ spendete den Völkern der Steinzeit den roten Ocker, dem man lebenserhaltende Kräfte zuschrieb. In Japan wird das Rot noch heute eher dem Weiblichen zugeordnet.

    Christus am Kreuz
    (Quelle Foto: seilnacht.com)
    Matthias Grünewald: Auferstehung Christi, Teil des Isenheimer Altars, um 1515
    (Das Origininal ist in Colmar zu bewundern, nicht weit von Basel oder Freiburg i. Brsg.)

    Im Isenheimer Altar erscheint Christus mit einem zinnoberroten Mantel. Die Farbe Rot in Christus‘ Gewand verkörpert eine ganze Reihe von Symbolgehalten: Es ist die Farbe der Märtyrer und deren Blut, es demonstriert Macht und Herrschaft über Leben und Tod, aber auch Glaube, Erfüllung und Liebe. Das Gewand erinnert an eine lodernde Flamme und symbolisiert im Streben gegen den Himmel das Sinnbild des Göttlichen. Der Kopf von Christus ist von einem gelben Strahlenkranz umgeben: Christus ist der Erlöser der Finsternis und führt uns zum Licht. Noch heute werden an Pfingsten die Altäre in katholischen Kirchen rot geschmückt, als Farbe des heiligen Geistes.
    (Quelle: seilnacht.com)

    Für Schweizer oder Zugezogene, die irgendwann einmal die Nase voll haben von dem andauernden Rot-Weiss Kreuzen überall, und die mal richtig aufstampfen möchten, und den Dreck abkratzen von den langen Fussmärschen durch die Schweizer Agglos. Unser Tipp zum Selberkaufen: Die Schweizer Flagge gibt es auch in (falscher) Rechteckform als Fussmatte.
    Fussmatte mit Schweizerkreuz

    P.S.: Wir haben immer noch kein rot-weisses Toilettenpapier entdeckt. Gibt es das auch irgendwo zu kaufen?

    

    4 Responses to “Beten auch zum Schweizerkreuz — Was bedeutet die Rote Farbe?”

    1. AnFra Says:

      Bezüglich des Kreuzes der Pilger des Jakobsweges nach Santiago de Compostela noch ne besserwisserische Information:

      Diese Pilger hatten keine Holzkreuze mit sich geführt, sondern einen langen Wanderstab, um mit diesem Wölfe, Hunde und bettelnde Kinder vertreiben zu können. Am oberen Ende war oft eine oder doppelte kugelartige Ausformung angebracht und an dieser mindestens in den künstlerisch-religiösen Darstellungen eine Kalebasse (Getränkeflasche) als ein weiteres Sinnbild neben der Jakobsmuschel der Jakobspilger dargestellt.

    2. AnFra Says:

      Für gewisse eifernden und völkische Helveter ist natürlich die Herkunft der rot-weißen Landesfarben so ein Sakrileg. Mit viel Krämpfen, Windungen und Aberwitz werden die rot-weißen Farben vom Höheren, großem Wesen, ja sogar vom Gott als überlassen empfunden. In der guten alten Zeit des Mittelalters hätte man diesen Phantasten eine thermische Reinigung zukommen lassen: Den Scheiterhaufen!

      Das „Rot-Weiß“ als Landesfarbe der Schweiz, der Austriaken uam. ist auf die alten rot-weißen Waffenfarben der Franken zurückzuführen.

      Denn durch die mehrjahrhundertjährige Beherrschung der Gebiete der u.a. heutigen Schweiz und Österreich, südwestlichen Deutschland, südöstlichen Frankreich hat sich deren Signalfarbe „Rot-Weiß“ dauerhaft durchgesetzt und sichtbar erhalten.

      Die ollen ersten Habsburger waren entweder selber Franken oder fränkisch orientierte alemannische Vasallen und haben sicher deshalb instinktiv richtig ihre untergeordnete Farbkombination an die vorherrschenden fränkischen Machthaber angepasst! „Rot-Weiß“, „Rot-Weiß-Rot“ und die folgenden Ableitungen und Aufspaltungen ist m. E. auf das fränkische rot-weiße Ur-Signet zurückführbar.
      Diese Farbzusammenstellung war tatsächlich zunächst für lange Zeit die Waffenfarbe des Heiligen Römischen Reiches bis in die Kreuzfahrerzeit sowie bei den Grenzmarken.
      Wegen Verwechslungsgefahr bei den Kreuzzügen mit den englischen Waffenfarben „Weiß-Rot“ (heutig: rotes Kreuz auf weißem Feld) erfolgte durch die ebenfalls fränkisch abstammenden sigmaringischen Hohenzollern ausgelöste Farbenkombination als Waffenfarben im HRR langsam zu „Schwarz-Weiß“ übergingen.

      Eine religiöse Ableitung der Farbkombination der Schweiz erscheint nicht wahrscheinlich und realpolitisch auch aus der damaligen Zeit recht wenig gegeben, außer dem christlichen Kreuz, welches damals und insbesondere weit in der Zeit vor der „Schweizgründung“ bereits von vielen Wappennutzern im HRR und übrigen Europa verwendet wurde.

      PS:
      1.) Bin gespannt, was die Schweizer und Austriaken sagen werden, wenn sie merken: Die Deutschen legen u. a. im Fußball das „Schwarz-Weiß“ langsam, unauffällig sowie stetig ab und kleiden ihre Sportsklaven nun öfters in „Rot-Weiß“!

      2.) Diese Sache mit dem rot-weißen Schweizerkreuz beim Gebet erinnert einen frappant an die Zeit im Dt. Reich mit Hackenkreuzfahnen begleitend beim Gebet, diese Situation war wohl etwas öfters bei Reformierten als bei den Papisten vorzufinden!
      Der Weg zur arischen, nordischen und reichsdeutschen Kirche, frei von der Gängelung des jüdischen Jesus, wurde vorbereitet, trotz römischen Konkordat!

    3. Stereotypdeutscher Says:

      @Ein Zuercher:

      Was gibt es sinnfreieres, als die Schweizerflagge dort zu tragen, wo die Sonne nicht scheint? 😀

      Inzestöß verblödete adelige Vogte? Klingt nach Scheinkorrelation. Ihr habt doch schon genug nationale Sozialisten, sprich, Linksradikale hier, da brauch ihr doch nicht erst die sächsische Braunfront massakrieren.

      Wie schön, dass es auch in der Geschichte der Schweiz babarische Auswüchse gab – zumindest laut deinen Darstellungen.

      Nationalismus ist doch die schönste Form von Arroganz.

    4. Stereotypdeutscher Says:

      @Ein Zuercher:

      Wird getrocknetes Blut nicht eher braun? :0

    Leave a Reply