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Was macht denn Ihr Arzt am Donnerstagnachmittag?

(reload vom 15.6.06)

  • Happy-Kadaver in Deutschland
  • Morgen ist Donnerstag. Fühlen Sie sich gesund? Überlegen Sie, ob Sie nicht lieber zum Arzt gehen sollten? In Süddeutschland war letzten Donnerstag ein Feiertag, „Fronleichnahm„, den wir als Kinder immer „Happy-Kadaver“ nannten, obwohl das „Fron“ nicht von „frohen“ sondern von der „Fron-Arbeit“ kommt, der Arbeit für den „Fron“, dem Landesherren. Deutsche wären dämlich, am Feiertag krank zu feiern. Das lieber am Freitag danach, um einen hübschen Brückentag zu sparen. Falls Sie aber in der Schweiz, vielleicht sogar in Bülach wohnen, dann beeilen sie sich jetzt mit der Entscheidung, ob Sie heute einen Arzt benötigen oder nicht, denn ab Mittag ist es zu spät.

  • Kein Arzt am Donnerstagnachmittag
  • Wenn man eine Weile mit Kind in der Schweiz lebt, kann es vorkommen, dass man auch mal an einem Donnerstagnachmittag einen Arzt konsultieren muss. Gar nicht so einfach, denn am Donnerstag, der in Deutschland als vielerorts als besonderer „Dienstleistungstag“ beworben wird, weil dann die Behörden, Geschäfte, Arztpraxen und Museen extra lange geöffnet haben, an besagten Donnerstagnachmittagen haben Arztpraxen in Bülach nämlich geschlossen. Vielleicht als Ausgleich zum ausgebuchten Mittwochnachmittag, an dem die Schulkinder frei haben und von Ihren Müttern dem Kinderarzt vorgestellt werden können? Oder gibt es am Mittwoch, weil die Kinder am Nachmittag schulfrei haben, mehr Unfälle als sonst? Wir wissen es nicht, haben aber den leisen Verdacht, dass alle Ärzte an diesem Donnerstag „ins Deutsche“ fahren um dort Behördenbesuche zu machen oder ins Museum zu gehen. Es soll eine coole Ausstellung geben bei „Feinkost Albrecht„.

    Bülach im Zürcher Unterland
    (Foto von Urs Hauenstein)

  • Schwiizerdütsch am Telefon
  • Jedenfalls versuchten wir mehrfach, telefonisch die Nummer des Notfalldienstes oder den Namen des diensthabenden Arztes herauszufinden. Schwierig für Nicht-Schweizer, wenn dann die Ansage auf Schwiizerdütsch vorgelesen wird. Selbstverständlich wird auch eine Nummer genannt, oder es heisst „Bitte telefoniered Sii eus ab em Friitig Morge wider. Für Notfäll lüüted Sii bitte em Dokter XY aa“. Und nun raten Sie mal, wie diese Nummer verlesen wird! Richtig, in einer Dreiergruppe gefolgt von zwei Zweiergruppen. Wenn Sie das beim ersten Mal auch begriffen haben und korrekt notieren konnten, dann müssen Sie diese Nummer nur noch wählen. Mitunter beginnt jetzt ein munteres „Wir haben leider heute geschlossen, bitte rufen Sie dort an... “Im-Kreis-herum-schicken“ Spiel, hierzulande unter der Bezeichnung „Telefonkette“ sehr beliebt.

  • In der Arztpraxis „Swissgerman only“
  • Was machen dann eigentlich Ausländer in Bülach, die kein Schwiizerdütsch verstehen, wenn sie rausfinden möchten, welcher Arzt gerade Dienst hat? Besser nicht krank werden am Donnerstag! Die Lautsprecherdurchsagen in den Zügen der SBB und sogar in den blauen Linienbusse der Zürcher Verkehrsbetriebe in der Agglomeration werden in der Regel auf Deutsch UND auf Englisch vorgelesen. Was dazu führt, das jeder Schweizer perfekt mit britischem Akzent „railway station“ aufsagen kann. Bis auf die Tonbänder der Anrufbeantworter (die in der Schweiz verkürzt „Beantworter“ heissen) in den Arztpraxen hat sich diese internationale Ansageform allerdings noch nicht durchgesetzt. Hier gilt es, sein Schweizerdeutsches Hörverständnis für zwei- und dreistellige Zahlengruppen rechtzeitig trainiert zu haben! Das sollte unserer Meinung nach in der Migros-Klubschule im Kurs „Schweizerdeutsch für Nicht-Schweizer“ intensiv geübt werden, denn das könnte in der Schweiz mal ein Leben retten.

    

    5 Responses to “Was macht denn Ihr Arzt am Donnerstagnachmittag?”

    1. generi Says:

      Brrr, es tschuderet mich jedesmal wenn ich dieses Clubschule sehe. Das heisst schon lange nicht mehr so. Typisch schweizerisch eben mit einem festen „K“. Bei der Aussprache muss es so richtig kratzen!

      [Anmerkung Admin: Danke für den Hinweis. Stimmt, schreibt sich mit „K“. Habe es schon korrigiert. Willkommen im Glubb ]

    2. Guggeere Says:

      «Happy Kadaver» – schon wieder ein überflüssiger Anglizismus! 🙂
      Frag mal x-beliebige Katholiken, am besten an Fronleichnam, wenn sie auf dem Weg zur Kirche sind, was Fronleichnam eigentlich ist. Jede Wette, dass es so gut wie keiner weiss…

    3. roko Says:

      Ich dachte nur Schweizer hätten das Problem Telefonnummern ausschließlich in Ihren 3/2/2 Zahlengruppen zu verstehen. In Deutschland ist man doch völlig frei wie man diese ansagt, ich habe dort noch keinem Menschen angetroffen der Mühe hatte Nummern zu notieren.

    4. Klara Schweizer Says:

      Immer schön lästern, das können sie die Deutschen. Grossmauligkeit, ein Geburtsprädikat der Deutschen. Geht doch einfach wieder zurück nach Deutschland. Bülach freut sich über jeden Deutschen der seine Sachen packt!

      Klara Schweizer

      [Anmerkung Admin: Klar, am allermeisten freuen sich die zahlreichen Hausverwaltungen und Vermieter, dass endlich wieder 10-20% weniger Mieteinnahmen und Verwaltungsaufwand zu bewältigen sind. Als nächstes wird im Spital der Notdienst reduziert, ach was, einfach gestrichen, die katholische Kirche hat keine Pfarrreferentin mehr, bei OBI und fehlt dann das Verkaufspersonal, auf den diversen Baustellen geht es nicht mehr weiter, da nur noch kleinmäulige Fachkräfte dort sind… und Freude herrscht, wenn dieser Tag kommt. ]

    5. roko Says:

      @Klara Schweizer
      Erschreckend wenn einmal zurück gelästert wird, gell?
      Aber Blick und Co. wird schon darauf achten dass weiterhin der richtige Ton angeschlagen wird.

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