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Ent-rüstet das Gemüse! Ran an die Kartoffelmesser!

(reload vom 13.06.06)

  • Ist der Sackhegel schon eine Rüstung?
  • Die Schweizer „entrüsten“ sich nicht leicht. Sie sind eher ruhig und besonnen. Eine Rüstung haben sie nicht, die sie ablegen müssten. Höchstens das „Sackmesser“, auch als der „Sackhegel“ bekannt, wobei wir noch nicht herausfinden konnten, was das typische Kind aus Zürich, das „Zürihegel“ hier im Sack verloren haben könnte. Wahrscheinlich wieder eine komplett andere Etymologie, aber auf jeden Fall sackstark, wie wir finden.

  • Rüsten in der Küche
  • Wir haben es schon immer gewusst, die Schweiz ist ein durch und durch militarisierter Staat. Jedes Haus hat einen Atomschutzkeller, jeder Kleiderschrank enthält ein Sturmgewehr (dessen Geschosse, auch auf 2 Km noch einen Kofferraumdeckel durchschlagen) und in jeder Küche finden sich „Rüstungen“, nämlich die so genannten den „Rüstmesser“, mit denen fleissig gerüstet wird. Übrig bleiben bei diesen Aktionen die „Rüstabfälle“. So lasen wir im Tages-Anzeiger vom 29.05.06 über die Zukunft der Schweizer Bauern als Energieproduzenten:

    Eine Möglichkeit, die auch nahe liegt, ist die Verwertung von so genannter Biomasse – von Gülle bis zu Rüstabfällen – zu Biogas oder gar zu Strom

    Rüstabfälle

    Wir sind verunsichert und schlagen das gleich nach. „Rüstabfälle“ kennt unser Duden nicht, auch keine „Rüstmesser“, wohl aber:

    Rüstzeug, das:
    a) [Ausrüstungs]gegenstände u. Werkzeuge für einen bestimmten Zweck:
    b) für eine bestimmte Tätigkeit nötiges Wissen u. Können:
    (Quelle: Duden.de)

    Hier wird nichts von Gemüsemessern oder Biogaslieferanten erwähnt.

    Das richtige Rüstzeug kann man sich bei der Evangelischen Kirche in Deutschland abholen in einer „Rüstzeit“ . So werden dort die Wochenendseminare mit theologischem Anspruch genannt werden. Sie merken schon, „rüsten“ bedeutet wirklich ziemlich viel. Fragen wir doch den Duden, ob er es genauer erklären kann:

    rüsten sw. V.; hat mhd. rüsten, rusten, ahd. (h)rusten, zu: hrust = Rüstung, urspr. = herrichten, ausstatten, schmücken,: 1. sich bewaffnen; die militärische Stärke durch [vermehrte] Produktion von Waffen [u. Vergrößerung der Armee] erhöhen: die Staaten rüsten. [zum Krieg, für einen neuen Krieg]; sie gaben Milliarden aus, um gegeneinander zu rüsten.; schlecht, gut, bis an die Zähne gerüstet sein.

    Das war die uns bekannte Bedeutung aus dem Standarddeutschen. Nun zur Schweiz

    2. a) r . + sich (geh.) sich für etw. bereitmachen:
    sich zur Reise, für einen Besuch rüsten; sich zum Kirchgang rüsten. (schweiz.; sich festlich kleiden); Übertragung: rüstet sich die Sonne schon zum Aufgang (Bamm, Weltlaterne 56); auch ohne „sich“: zum Aufbruch rüsten; wir sind nicht dafür gerüstet; Es geht darum, das Unternehmen für die künftige Konkurrenz am freien Markt zu rüsten. (NZZ 23. 12. 83, 10);

  • Zur Hochzeit nur mit Rüstung
  • Als Quelle wird die NZZ aus der Schweiz zitiert, haben Sie es bemerkt? Das dürfen wir nicht vergessen, falls wir mal in der Schweiz auf eine Hochzeit eingeladen werden, uns zuvor angemessen zu rüsten.

    Am meisten schätzen wir allerdings die letzte Bedeutung, die uns der Duden bietet:

    c) (schweiz. veraltet) (von Gemüse, Salat u. Ä.) putzen, zum Verzehr vorbereiten: Spinat rüsten; Erdbeeren rüsten und halbieren (Basler Zeitung 12. 5. 84, 57).

    Und wieder steht da dieses hässliche „veraltet“ neben dem Attribut „schweiz.“. Vielleicht meint der Duden in diesem Fall: Gemüse und Salate putzt sowieso niemand mehr von Hand, die gibt es doch vorgewaschen und zerschnitten fertig bei der Migros zu kaufen. Damit kann sich das Wort „rüsten“ aus dem Sprachgebrauch verabschieden, es wird nicht mehr benötigt. 980 Belegstellen bei Google-Schweiz sprechen da eine ganz andere Sprache. Also ran an die Sackmesser und her mit den „Herdäpfeln“, wir wollen uns ohne Entrüstung ans Rüsten machen! Bratzkartoffeln (im Ruhrpott auch mit „tz“) brauchen viele fleissige Helferhände. Oder wollen wir uns mal an Röstis wagen? Vielleicht sind das ja nur mutierte „Rüstis“?

  • Schneller Rüsten per Seminar
  • Wem das Rüsten übrigens nicht schnell genug geht. In Deutschland können Sie lernen, wie man schneller rüsten kann. Es gibt das tatsächlich Intensivseminare und Workshops zu: schneller-ruesten.de

    Lange Rüstprozesse reduzieren die Produktivität, verschwenden wertvolle Kapazitäten, verlängern die Durchlaufzeiten und machen die Produktion von kleinen Losgrößen unmöglich. Die Unternehmen, die systematisch und erfolgreich Rüstzeiten reduzieren, verschaffen sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.
    (Quelle: schneller-ruesten.de)

    Und das ist garantiert keine kirchliche Veranstaltung aber dennoch sehr friedlich, keine Angst.

    

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