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Schon mal das Geld vergessen am Bankautomat? — In der Schweiz können Sie ihren PIN ändern

  • Karte nehmen und Geld stecken lassen
  • Neulich ist mir etwas widerfahren, das mir unmissverständlich gezeigt hat, dass das Alter und seine normalen Begleiterscheinungen auch bei mir langsam anfängt zu wirken. Und das kam so: Ich stand im Glattzentrum an einem Bargeldautomaten der Schweizer Post, die in Wirklichkeit gar keine Bank ist, sondern nur in „Finance“ macht, was aber niemand wissen darf, und hatte soeben 200 Franken abgehoben. Dann schnappte ich meine Maestro-Karte und ging, ohne das Geld einzustecken. Ist Ihnen das auch schon einmal passiert? Herzlich willkommen im Club! Falls nicht, na dann sollten Sie einfach „zuwarten“, denn der Tag wird kommen. Es passiert jedem irgendwann.

  • Keine Geldbörse aber ein Portemonnaie
  • Ich bemerkte mein Missgeschick erst, als ich 2 Minuten später mit dem frisch gezogenen Geld etwas bezahlen wollte und feststellte, dass meine Geldbörse, exgüse, mein „Portemonnaie“ wollte ich natürlich sagen, genauso leer war wie vor dem Automatenbesuch. „Du hast das Geld stecken gelassen!“ kam mir sofort in den Sinn, und ich spurtete zurück um zu retten, was noch zu retten war. Wahrscheinlich hatte die Dame hinter mir in der Warteschlange das Geld in der Zwischenzeit schon längst an sich genommen. Doch die stand vor einem geschlossenen Schalter. „Ausser Betrieb“ war der Automat, kaum dass ich ihn verlassen hatte. Von den Franken hat sie nichts gesehen.

    Da kam auch schon ein Angestellter aus der Post herausgelaufen und fragte, wer hier eben sein Geld vergessen hatte mitzunehmen. Fünf Leute zeigten auf. Nein, das war ein Scherz, nur ich gab mich zu erkennen. Er überprüfte meine Kartennummer mit der Abbuchung und händigte mir sofort das Geld aus. Dann erklärte er mir, dass es praktisch unmöglich für den Nachfolgenden in der Schlange ist, das Geld abzugreifen. Ein Bewegungsmelder am Geldautomaten stellt fest, dass der berechtigte Geldbezieher das Geld nicht genommen ist und die Frontseite verlassen hat. Sofort macht es „schwupps“, das Geld wird wieder eingezogen und der Automat gesperrt. Beruhigend zu wissen. Ein paar Tage später war ich Zeuge wie die gleiche Geschichte einem nur wenig älteren Freund widerfuhr. Auch er stand nur mit der Karte und ohne Geld vor mir, weil wir während des Abhebevorganges gequatscht hatten, und er dabei vergessen hatte, die Scheine an sich zu nehmen. Auch bei ihm gab es keinen Verlust, das Geld wurde einfach wieder eingezogen. Das ist Schweizer Sicherheitsstandard!

  • Der PIN ist sechsstellig in der Schweiz
  • Wussten Sie übrigens, dass in Deutschland ein PIN-Code nur 4 Stellen hat und nicht einfach geändert werden kann, so wie in der Schweiz? Ob das allerdings ein wirklicher Sicherheitsvorteil ist, wage ich manchmal zu bezweifeln, wenn an der Migros-Kasse die Kundin neben mir offensichtlich 123456 oder 666666 als Code in den Kasten tippt. Nun ja, immer noch besser als das Geburtsdatum oder den auf der Karte notierten PIN.

  • Es gibt nur vier Sorten von Passwörtern
  • Ein Sprachwissenschaftler hat vor Jahren erforscht, was Menschen am liebsten als PIN oder Passwort verwenden, wenn sie die freie Wahl haben. Er befragte anonym einige tausend Computernutzer und bekam so heraus, dass es im Grunde nur vier Gruppen von Passwort-Benutzer gibt. Die erste Gruppe ist die grösste. Sie verwendet Familiennamen, den Namen der Freundin oder den eines Haustieres als Codewort. So denken Sie an den Liebsten oder die Liebste bei der Passworteingabe. Die zweite Gruppe, immer noch beachtlich gross, sind die „heimlichen Fans“, die den Namen einer verehrten Sängerin oder eines Fussballvereins als Kennwort benutzen. Die dritte Gruppe möchte sich selbst einen Kick verschaffen, wenn sie das Passwort eingibt, denn bei denen sind Wörter wie „Geiler Hengst“ oder „Toller Hecht“ oder „Du Schweizer!“ gefragt. Merkt ja keiner, wenn man sich bei der Passworteingabe so ein bisschen lobt oder anfeuert.

  • Sind Sie ein Kryptologe?
  • Die letzte und kleinste Gruppe der Benutzer, das sind die „kryptischen“, die Passwörter wie „xZ3%x_)8“ ohne Probleme eingeben, und dabei zweimal nach links und rechts schauen, ob auch niemand zuguckt. Als ob sich das jemand nur beim Zuschauen merken könnte. Diese „Kryptologen“ arbeiten meist in der Computerbranche und sind auch sonst gern ein wenig paranoid.

    Ein guter Trick für so ein komplexes Passwort besteht darin, sich einen ganzen Satz zu merken und dann nur die Anfangsbuchstaben zu schreiben. Beispiel: „Ie4*pWPmK“ = „Ich esse vier Mal pro Woche Pizza mit Käse“. Das kann man sich doch leicht merken, oder? Und Sie, gehören Sie auch zur Gruppe der heimlichen Fans? Oder doch mehr zu den Paranoikern?

    

    22 Responses to “Schon mal das Geld vergessen am Bankautomat? — In der Schweiz können Sie ihren PIN ändern”

    1. flip Says:

      Zwei analysen von echten passwörtern

      http://www.darkreading.com/blog/archives/2009/02/phpbb_password.html

      http://www.schneier.com/blog/archives/2006/12/realworld_passw.html

    2. Thomas Says:

      Also die meisten Bancomaten machen erst die Klappe zu beim zweiten Geldeinzug. Es ist aber für Bancomatenbetreiber und Unterhalter (hab das auch mal gemacht) sehr mühsam, wenn so eine Sache z.B. am Freitag passiert. Soll man bereits ausrücken oder warten und hoffen, dass am Wochenende kein weitere Fall passiert und man das ‚Problem‘ dann in der normnalen Füllroutine am Montag lösen kann?
      Geld wird meistens nach 3 bis 5 Sekunden, nach einigen Piepstönen, wieder eingezogen und landet in einem separaten Fach.
      Die Automaten sind übrigens extra so konstruiert, dass zuerst die Karte, dann das Geld ausgegeben wird. Wenn umgekehrt, würden viel zu viele das Geld nehmen und davonhasen, ohne die Karte mitzunehmen. Es ist im Übrigen nicht zu glauben, wieviele Karten in der ersten Januarwoche jeweils eingezogen werden, weil sie ‚abgelaufen‘ sind.
      Laut unbestätigten Quellen will Herr Steinbrück das automatische Einziehen von Geld in der Schweiz verhindern. 🙂
      Es sollte eigentlich auch funktiuoneren, den 4 stelligen deutschen PIN auf 6 zu verlängern.

    3. roko Says:

      Es gibt auch Fälle bei denen keine Scheine rauskommen …
      http://www.20min.ch/news/basel/story/15390330

    4. Rainer2401 Says:

      8-stelliger PIN-Code?

      Ich hab auch eine PostFinance-Karte, da ist der Code nur 4-stellig…

      [Anmerkung Admin: Du hast recht, es sind 6, nicht 8 Stellen in der Schweiz. Jedenfalls bei den Banken und Kreditkarten. Vielleicht nicht bei der Post]

    5. Simone Says:

      Und spätestens zum Jahreswechsel haben dann alle Schweizer folgendes Passwort: DwWzt10 (Deutschland wird Weltmeister 2010).

    6. solanna Says:

      Ich habe – vor schon bald 20 Jahren – einmal an einem frühen Abend in grossem Stress bei der CS beim Schwanenplatz in Luzern 500 Franken abgehoben. Vielleicht eine Viertelstunde später gings mir wie Jens. Ich wollte etwas bezahlen und das Portemonnaie war gähnend leer. Ich raste zurück. Alles menschenleer, aber die Bank gerade noch offen.

      Nach kurzer Prüfung bekam ich mein Geld sofort. Eine Person hinter mir habe meine Vergesslichkeit bemerkt, das Geld genommen und sei mir hinterher gerannt. Ich sei aber in der Menschenmenge verschwunden, weshalb der oder die ehrliche Finderin das Geld sofort zurück zur Bank gebracht und am Schalter abgegeben hat. Das ist Charakter!

      Leider konnte man mir Namen und Adresse des oder der Finderin nicht nennen. Ich bin ihm oder ihr aber noch heute dankbar!

    7. Marroni Says:

      Ich weiss, Ihr werdet mir die Story nicht glauben. Ich war irgendwo am Arschloch des Kantons Thurgau unterwegs, Kundentermin. ( Da bei der Ausfahrt der Schnellstrasse Egnach links ) Ich hab an einer kleinen Poststelle noch Kohle bezogen, musste den Kunden ja schliesslich zum Mittagessen einladen. Der Postomat spukte doch tatsächlich 2 200 er Noten aus. Ich schnurstracks zum Schalter, die hatten gerade noch offen, so ca. 1/4 vor 12) Die am Schalter wollte mir das aber nicht glauben. ( Die Post hätte gar keine 200 er am Automaten ) Ich hatte 200 eingegeben, brauchte nicht mehr. Ich hab der am Schalter ganz nett gesagt, die Post würde bestimmt 200 Stutz drauflegen. ( EHRLICH, wie ich eben bin ). Ich habe später auf der Abrechnung nachgeschaut, da waren echt nur 200 belastet. Jetzt kommt der HAMMER. Ich hatte kein Kleingeld dabei, ich frage die nette, aber wohl etwas bescheuerte Dame am Schalter, ob sie mir denn nicht wenigstens einen 200 er klein machen könne…..das tat sie. Nun, Im Restaurant, ich bezahle mit einem der 2 100 er. Die Serviertochter gibt mir auf 200 raus! Ich melde auch das, die scheisst mich zusammen, sie wüsste wohl, mit was ich bezahlt hätte. Der Kunde musste laut lachen, hatte ich ihm doch die Story von der Post vorhin erzählt. Mit einem Teil des Geldes hab ich den Kunden dann noch auf ein Dessert eingeladen, worauf dann der Bauer auf dem Nachbarfeld pünktlich um 13.00 die Gülle ausbrachte. Wir haben dann die Gartenwirtschaft fluchtartig verlassen. Beim nächsten Kunden merkte ich dann, dass ich meine Mappe mit den Unterlagen in der Gartenwirtschaft liegen gelassen hatte. GENAU SO WARS!

    8. Marroni Says:

      Ich musste einfach in der Datenbank nachschauen, das war der 28 Mai 08, Rest. Seelust.

    9. wolfi Says:

      mir ist das auch schon passiert, allerdings mit der karte. hab sie schon 2x vergessen wieder rauszunehmen, der automat frisst sie innert sekunden, wenn man sie nicht weg nimmt.
      allerdings führt das nicht zu einer automatensperre, nur dazu, dasses mich 30 franken kostet für die zusendung einer neuen karte.
      finde die passwortwechsel genial, meine deutsche ec-und visa karte haben einen unabänderbaren code, leider nicht einfach zu merken….

      an der coop-kasse schon „gehört“, wie eine ältere dame leise ihren zahlencode in die anlage einspricht.
      jüngere – meist die mp3-player generation – achtet garnicht drauf, tippt einfach vor sich hin, ohne das feld abzudecken. sehr oft 1234, aber auch 0815 ist allgegenwärtig….spricht man die leute auf ihren code an, erschrecken sie natürlich, obs was bringt, weiss ich auch nicht.

      grüssli

    10. dampfnudle Says:

      Ich erinnere mich, dass ich früher ein Kärtchen einer Kantonalbank hatte. Der Code war sechsstellig. doch damit konnte ich am französischen Atlantik aus den dortigen Automaten keinen franc (es war Anfang 90er-Jahre) bekommen. Beim Credit Agricole riet mir dann ein netter Herr, es einfach mit vier aufeinander folgenden der sechs Ziffern zu versuchen. Welche vier wusste er auch nicht. Ich schwitzte fast Blut vor Angst, mein Kärtchen werde eingezogen, ehe mein trial and error Erfolg habe. Es klappte, doch vergass ich inzwischen, ob es die ersten oder letzten oder mittleren vier Codeziffern waren.

      Offenbar könnte mich das gleiche Problem noch immer mal treffen in der EU …?

    11. willi Says:

      @dampfnudle
      Das habe ich noch nie im Ausland erlebt. So etwas sollte heutzutage der Vergangenheit angehören.

    12. Martin Says:

      In Holland war es auch 2008 noch so, dass die Billett-Automaten von NS (Bahn) nach 4 Stellen abbrechen und den Code verifzieren. Das klappt dann bei 6-stelligem Code nicht und die Karte wird beim 3. (Fehl-)Versuch wie üblich gesperrt. Das ist mir mit meiner Kreditkarte passiert.

    13. Guggeere Says:

      @ Marroni
      Also hör mal! Was du als «A… des Kantons Thurgau» bezeichnest, ist die unmittelbare Umgebung meines Bürgerortes! Ich bin empört!
      Zudem: Wer beim Thurgauer Darmausgang sein Mittagsmahl einnimmt, sollte sich nicht über seltsame Gerüche wundern…
      (Ganz im Unernst: Der oben zitierte Ausdruck gefällt mir trotzdem.)

    14. Johann Says:

      Bei der Dresdner Bank konnte ich die PIN frei wählen, sie war allerdings (2006) noch 4stellig. Bei der HypoVereinsbank ist die PIN 6stellig und ebenfalls frei wählbar.
      Jens, du vergleichst wahrscheinlich die Situation in Deutschland von vor 8 Jahren mit der Schweiz heute. Nicht ganz fair deinem Heimatland gegenüber 😉

    15. Bazz Says:

      Johann: Bin selber öfters in Deutschland unterwegs und wurde mit grossen Augen angeschaut, als ich sagte, dass man bei uns den PIN selber ändern kann. Genauso erstaunt war ich aber zu hören, dass das (anscheinend nicht mehr überall) in Deutschland nicht möglich sei.

    16. ipsos Says:

      Also bei der Deutschen Bank kann man seine PIN auch an jedem Automaten ändern, aber die wird ja auch von einem Schweizer geführt 😉

    17. Bense Says:

      Heißt es nicht „ihre PIN“? Von wegen DIE „persönliche Identifikationsnummer“? Meine Schweizerfreundin verhaut die Artikel auch oft gruselig *g*

    18. Ben-Kai Says:

      „Der PIN“ ist ein typisches Beispiel für ein Wort, das durch häufigen Gebrauch ein anderes Geschlecht bekommen hat, als ursprünglich laut Regeln vorgesehen war. Ein Beispiel aus dem Schwyzerdüütsch: Bleistift ist sächlich, obwohl Stift männlich ist, es heisst also in der Schweiz mehrheitlich „es Blisteft“ und nicht „e Blisteft“

    19. Ben-Kai Says:

      Der Begriff „persönliche Identifikationsnummer“ ist ja bereits falsch, denn der Kunde wird anhand der Karte identifiziert, nicht anhand der Nummer – sonst wären alle Kunden mit dem gleichen PIN identisch. Der PIN dient der *Authentifizierung*, also der Echtheitsprüfung der mit der Karte vorgegebenen Identität.

    20. Ben-Kai Says:

      Viele Wörter haben in der Schweizerdeutschen Sprache ein anderes Geschlecht. Dazu kommen Varianten in der Stadt Bern, wo zum Beispiel „das Tee“ und nicht der „de Tee“ (der Tee) für eine Tasse Tee heisst, dafür aber „de Schoggi“ (der Schokolade“ und nicht „d’Schoggi“ (die Schokolade).

      Ich glaube einer der Gründe wieso sich Schweizer oft von Deutschen in ihrer eigenen Sprache belehrt fühlen ist, wenn Deutsche von „etwas verhauen“ sprechen, wenn Schweizer die an ihrem jeweils gültigen und über Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte gewachsenen Regeln des Sprachgebrauchs korrekt anwenden.

      Also ist es eben doch so, dass man als Schweizer irgendwie das Gefühl hat, erst mal für alle sprachlichen Besonderheiten beweisen zu müssen, dass sie linguistisch erklärbar sind.
      Insofern ist das für die Schweizer sehr anstrengend, denn die meisten Menschen müssen in ihrem Land nicht für die (alltägliche) Anerkennung ihrer Sprache kämpfen.

    21. Ben-Kai Says:

      Und streng genommen ist ein PIN auch keine Nummer, sondern eine Ziffernfolge.

      Viele Ungenauigkeiten und Vergewaltigungen der deutschen Sprache kommen aus Deutschland. Da habe ich mal in einer Talk Show gehört: „Ich bin leider adaptiert worden, ich hatte nie die Möglichkeit, meine echte Gebärmutter kennen zu lernen!“.

      Umso schmerzlicher ist es, wenn man dann so etwas hört wie: „Jaja, die Schweizer, entspanntes Völkchen, die nehmen es auch mit der Sprache nicht so genau“. Ist mir schon passiert.

    22. Leon Says:

      Also den Sicherheitsstandart gibt es in Deutschland auch.
      Und den 6-Stelligen Pinnummern verdanken die Schweizer dann immer Probleme, wenn man dann z.B. in den USA sitzt und kein Geld abheben kann.
      Ich kenne jemand, der bei der UBS arbeitet, der davon öfters berichtet.

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