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You can ring my bell — Wenn es leicht geht in der Schweiz

  • Ring my bell
  • Die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch an Anita Ward erinnern, die 1979 einen funky Schmachtsong brachte mit dem Titel „You can ring my bell“. Ja, da hörten wir die Glocken läuten. Oder klingeln? Oder war es ein „ring“, was wir da hörten?

    Für die Jüngeren gibt es dann noch die Version von Julio Iglesias, Verzeihung, ich meinte natürlich den Sohn Enrique, der zur Zeit von Anita Wards „Onehitwonder“ 1979 gerade mal 5 Jahre alt war.

  • Ist „ring“ ein Schreibfehler?
  • Das Wörtchen „ring“ entdeckten wir bei der Lektüre des Tages-Anzeigers, und hielten es zunächst für einen Schreibfehler:

    Statt der nötigen 3000 Unterschriften brachte die Luzerner SVP 14’500 zusammen: «Noch nie», beteuert Kantonalpräsident Otto Laubacher, «ist das Sammeln so ring gegangen.»
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 8.3.08, S. 5)

    Aber schnell fanden sich weitere Belege für die Verwendung dieses hübschen Adjektivs:

    aber nichts da! Bin selber erstaunt, dass es jetzt so „ring“ gegangen ist. Aber wie schon erwähnt, ohne Druck wäre es nicht gegangen 😉
    (Quelle: wir eltern – forum.ch)

    Und sogar unser Duden verzeichnet es ganz offiziell als

    ring (Adj.) [mhd. (ge)ringe, →gering] (südd., schweiz. mundartl.): leicht zu bewältigen, mühelos.
    (Quelle: Duden.de)

    Das war doch jetzt echt ring, oder? Dann können wir ja weiter Enrique Iglesias gucken.

    

    7 Responses to “You can ring my bell — Wenn es leicht geht in der Schweiz”

    1. Brun(o)egg Says:

      Helvetischer als „ring“ gehts schon noch. Auch eingehochdeutscht oder so.
      Allbott, z.B. (Ich weiss nicht mal wie man das schreibt.) Gehört auf einem Perron im HB Zürich auf die Frage einer deutschen Dame an eine „währschafte“ Schweizerin: „Tschuldigung, wann fährt dann die nächste S 12?“ „Da fährt alle botte einer“.

    2. Phipu Says:

      Nun Jens,

      Du hast schon so viele Einträge zu verwalten, dass du über deine eigenen Nachforschungen keine Übersicht mehr hast. In den Steigerungsformen wurde „ring – ringer am ringsten“ schon mal behandelt.

      http://www.blogwiese.ch/archives/721

      Wie man im Zusammenhang der jeweils erwähnten Beispielen sehen kann, ist es auch nicht englisch, obwohl es „läuten/klingeln – Glöckner“ gäbe. (Der Superlativ ist dann definitiv nicht mehr Englisch.) Hier noch eine Verwechslungshilfe gegenüber dem Englischen: Ausgesprochen merkt man garantiert, ob damit englisch oder alemannisch gemeint ist. Die Buchstaben werden ja bekanntlich im Dialekt alle wie geschrieben ausgesprochen; und nicht wie in Englisch oder Theaterdeutsch: [-ing, -inga am –ingstn]

      Obwohl es sogar im Duden steht, würde ich es jedoch nicht als in Schweizer Hochdeutsch tolerierten Helvetismus betrachten, sondern als Dialektwort. Deshalb steht es hier auch im Zeitungsausschnitt in Anführungszeichen als Wiedergabe der mündlichen Aussage.

      [Antwort Admin: Habe das geahnt, aber schlichtweg nicht mehr gefunden. Also ging ich davon aus, dass es noch nicht dran war. Egal, doppelt gemoppelt hält besser.]

    3. Roland Says:

      …und da auch ich mich noch ring an Anita Ward’s „Ring my bell“ erinnere, kann man mich ring zu den ÄLTEREN zählen! BÄÄÄÄHÄÄÄÄ! Ich will wieder 20 sein!

    4. ch.atzefrey Says:

      Allbott in Basel, allpott in Zürich – herrlich, ich habe den Ausdruck heute schon in zwei Mails angewendet, weil er so süffiger Dialekt ist. Danke für den Erinnerungsschups (der ja wohl von Schub abgeleitet werden sollte, aber Schubs sieht so oberdoof aus.

    5. Phipu Says:

      An Ch.atzefrey

      Wäre das Wörtchen „einewäg“ auch noch etwas für deine Mails? Ein gewisses Bevölkerungsspektrum weiss ja nicht einmal mehr, dass das in korrektem Hochdeutsch „sowieso“ heisst. Denn die benützen eh alle „eh“. (= sowieso = einewäg = engl.: anyway).

    6. Kreis7 Says:

      In Zürich heisst es „allpot“! Doch Vorsicht! Bei einer unsachgemässen Anwendung im Lauschbereich eines Englisch verstehenden Ordnungshüter können Schwierigkeiten auftreten. Wird allpot als all pot ausgesprochen wähnt sich dieser im falschen Film und verhaftet sie wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.

      Engl. Pot = Hasch, Marihuana

      All pot, alles Marihuana….!

    7. Phipu Says:

      Wieso ist mir dieses Wort im hier lancierten Zusammenhang eigentlich nicht früher eingefallen?

      Häuser, deren Mauerwerk nicht besonders solide ist, sind „ringhörig“. (Wieso unterstreicht mir dies Word nun nicht? Das sagt man wohl auf Hochdeutsch sicher nicht so? Ich weiss zwar nicht wie, aber „hellhörig“ hat eine andere Bedeutung). Da kann man also auch durch die Mauern den Songtext von „Ring my bell“ verstehen, den sich der Nachbar etwas zu lauft abspielt.