Wie fluchen die Schweizer?

August 3rd, 2007

(reload vom 03.10.05)

  • Wer flucht denn hier?
  • Die Schweizer fluchen nicht. Jedenfalls nicht, wenn Deutsche dabei sind.

    Ich habe in den ersten 6 Monaten in der Schweiz keinen Fluch gehört. Vielleicht weil ich Kunde war, und man ausgesprochen nett zu mir sein wollte, vielleicht weil die Schweizer so glücklich sind, dass sie nie fluchen müssen. Wer das nicht glauben will, kann ja mal das Orakel des 21. Jahrhunderts, nämlich Google fragen: Für „Schweizer Flüche“ gibt auch bei Eingrenzung der Suche auf die Schweiz keine verwertbaren Treffer.

    Die einzigen Verweise auf das Thema „Flüche in der Schweiz“ sind offensichtlich Erinnerungen von Schweizern daran, dass es früher mal so was wie Flüche gab:

  • Früher gab es Flüche
  • In einem Interview mit dem Texter André Küttel, der bei der Schweizer Parodie von „Der Herr der Ring“ die entscheidenden Textpassagen mitgestaltet hat, sagt dieser zum Thema Flüche:

    In Ring Thing hat es klassische, Schweizer Flüche, die ich von meiner Jugend her kenne. „Du bisch so en Mongo“ oder „Gorilla Blauarsch„, um mal zwei zu nennen. Woher kommen die?
    (…)
    Und das sind halt wirklich Ausdrücke, die ich von meiner Schulzeit kenne. Und diese Ausdrücke sind halt inzwischen ein bisschen verloren gegangen. Die heutige Jugend flucht auf Englisch und sagt halt „Fuck“ oder so, während wir uns noch anders ausgedrückt haben. (Quelle)

    Und in einer Besprechung des Schweizer Kinohits „Mein Name ist Eugen“ heisst es

    Dass der Film gerade richtig kommt, passt zum Zeitgeist und zum Retro-Trend. In Nostalgie baden liessen mich vor allem die Schimpfworte, die längst aus der Mode sind: «Halbschueh», «Höseler» und Flüche wie «Dammisiech!» sollte man bei Gelegenheit verwenden, um sie am Leben zu erhalten. (Quelle)

  • Fluchfreie Zone Schweiz?
  • Doch jetzt habe ich den wahren Grund gelesen: Die Schweizer würden ja gern fluchen, aber es wurde ihnen verboten:

    Eishockey-Fans wird das Fluchen verboten
    Die ZSC-Fans müssen immer strengere Regeln befolgen. Nach dem rigorosen Durchgreifen gegen das Rauchen im neuen Hallenstadion gilt jetzt auch: «Fluchen verboten!»

    ZSC-Lions-Sportchef Simon Schenk rief die Fans letzte Woche zu sprachlicher Disziplin auf: Das Singen von beispielsweise «Sitz, du Sau», dem langjährigen Schmähruf der Zürcher, sei per sofort verboten. Denn fortan, so will es die Eishockey-Nationalliga, kosten ehrverletzende Worte aus dem Publikum die Klubs 300 Franken plus Schreibgebühren. Als Spitzel werden Verbandsmitglieder eingesetzt.

    Beim ZSC stösst die neue Verordnung auf wenig Gegenliebe: «Wir werden damit vor grosse Probleme gestellt, denn das Einhalten dieser Regel ist schwer umsetzbar», sagt Schenk. Die Stossrichtung sei aber sicher die richtige. Quelle

  • Sitz, du Sau

  • Da ist er, der berühmte Schmähruf der Zürcher. Ein knallharter Fluch, würde ich sagen. Kaum auszuhalten in seiner Krassheit und Direktheit, mit einer hübschen Alliteration (=Stabreim) übrigens. Das gehört natürlich verboten, bzw. abgestraft. Ist doch praktisch, wenn man mit Flüchen auch noch Geld verdienen kann. Die Zürcher sind zu allem fähig.

  • Kampf dem Fluch mit Musik

  • Was der Artikel nicht verrät , ist wie die Geschichte weiterging. Als die Zürcher ZSC-Fans dennoch anfingen ihre Flüche zu skandieren, wurde zur Unterdrückung einfach die Lautsprecher-Musik lautergestellt, so laut, dass normale Zuschauer sich die Ohren zu halten mussten, um keine Gehörschäden davonzutragen.

  • Fluchen auf Schweizerdeutsch ist lernbar

  • Wer gern lernen möchte, wie man auf Züridütsch korrekt flucht, hier ein kurzer Auszug aus einem Sprachkurs Kurs: Fluchen auf Züridütsch (MP3 231Kb)

    Nabbel im Buuch-Nabbel — Der Schweizer Wetterbericht

    August 2nd, 2007

    (reload vom 02.10.05)

  • Nabbel und Wulche
  • Eine unserer Lieblingssendungen im Schweizer Fernsehen ist der abendliche Wetterbericht auf Tele Züri zu jeder vollen Stunde nach den News. Die Sprecherinnen sind stets apart anzusehen, von den Sponsoren der Sendung eingekleidet, und dann geht es los: Von „Wuulche“ und von „Ragge“ ist die Rede, von „Sunnschiin“ und nicht zu vergessen der berühmter Unterländer „Nabbel“ (im Winter friert er, und soll dann Schnee darstellen. Im Zürcher Unterland kennt man keinen Schnee, sondern nur gefrorenen Nebel).

    Wir hängen wie gebannt an den Lippen der Moderatorin und sprechen jedes Wort langsam nach, eine perfekte Lehrstunde für das Hörverstehen und die sprachliche Kompetenz im Schwiizerdütschen. Ob uns der Nabbel dann auch bis zum Buuch-Nabbel reicht, fragen wir uns. Und auch der gelegentliche Raggen-Sprutz hat es uns angetan.

    Unsere absolute Lieblingswetterfee ist Jeannette Eggenschwiler.

    Die Schweizerdeutsche Wetterfee

    Sie lässt es tüchtig krachen bei den „Wulchen“ und beim „Raggen„. Wir könnten ihr stundenlang zuhören, zum Glück gibt es fast alle 60 Minuten eine Wiederholung. Wir sollten uns mal ein Endlosband zusammenschneiden zum Üben der perfekten Aussprache. Ein kleines Beispiel für so eine Endlosschleife kann man sich sogar runterladen bei Tele Züri: Filmchen Wetterfee(Videodatei MPG 3.7 MB)

  • Was spricht die denn nun für einen Dialekt?
  • Unklar ist nur, was sie da eigentlich für einen Dialekt spricht. Züridütsch ist es nicht, und reines Berndütsch auch nicht. „Wahrscheinlich eine Berndeutsche die zu lange in Züri gelebt hat„, meint meine Kollegin. Oder ist das kalkulierte Absicht? Weil reines Berndütsch östlich der Albiskette niemand mehr verstehen würde?

  • Der Zürcher versteht schlecht Berndeutsch
  • Als die jungen Stars des neuen Schweizer Filmerfolgs „Mein Name ist Eugen“ auf Tele Züri zu ihrem grossen Erfolg interviewt wurden, bat der Moderator sie darum, den letzten Satz nochmals auf Züridütsch zu wiederholen, weil er das Berndeutsche nicht verstanden habe. So kann es gehen in der kleinen Schweiz. Vielsprachigkeit wird hier in allen Bereichen verlangt.