Wie betreibt man eine Betreibung?

September 2nd, 2005

Als Deutscher in der Schweiz hört man nicht auf, täglich neue Wörter der Deutschen Sprache zu erlernen. Wörter, die total Deutsch klingen, und doch zunächst völlig unverständlich sind für Deutsche:

So ungefähr das erste Wort, was man noch vor dem Umzug in die Schweiz lernt, ist die Betreibungsauskunft. Ein solche soll man nämlich vorlegen, will man erfolgreich eine Wohnung anmieten. Wo bekommt man die? Natürlich beim Betreibungsamt

Die Schweizer treiben es manchmal bunt, wenn es jemand ZU bunt treibt, wird er betrieben, passivisch gesehen, durch einen Betreibungsbeamten. Der heisst manchmal auch Friedensrichter, denn er soll Frieden schaffen ohne Waffen zwischen den streitenden Parteien.

Es geht nämlich um Schulden, die nicht bezahlt werden, und darum ein-ge-trieben werden vom Betreibungsamt. Ein solches hat jede Gemeinde, und weh‘ Dir, es liegt eine Betreibung gegen Dich vor! Dann hast Du keine makelose Betreibungsauskunft uns aus isses mit dem Traum von der schicken Wohnung.

In der Schweiz ist es theoretisch sehr einfach, jemanden einen „negativen“ Eintrag beim Betreibungsamt zu verschaffen. Man muss einfach behaupten ich bekomme noch Geld von dem für die und die Rechnung, und schon ist die Auskunft nicht mehr makelos. Soll in der Vergangenheit schon öfters passiert sein, wenn zwei potentielle Käufer sich beim alten Mütterchen um die alte Villa bemühen, und die eine saubere Betreibungsauskunft verlangt. Sie will ja schliesslich wissen, ob der Käufer keine Schulden hat. Flugs startet der eine Käufer eine Betreibung gegen den anderen, die dann zwar — irgendwann — unbegründet abgewiesen wird, aber bis dahin ist der Kauf der Villa längst über die Bühne gegangen.

Wenn man nicht ganz sicher ist, ob ein zukünftiger Geschäftspartner oder Arbeitgeber auch immer seine Rechnungen bezahlt, kann man sich bei der zuständigen Gemeinde gegen eine Gebühr immer eine Betreibungsauskunft holen, und da steht, je nach Ausfertigung und Preis, genaustens drin, ob diese Firma alles bezahlt hat in der Vergangenheit, oder ob man da lieber nicht anfangen sollte.

Also es nicht übertreiben, mit dem be-treiben!!!