-->

Haben Sie schon einen Atomstromfilter? — Kampf den gefährlichen Notebook-Strahlen!

  • Ist das ein Notebook mit WLAN?
  • Neulich hatte ich auf dem Heimweg im gut besetzten Pendlerzug von Zürich nach Bülach ein seltsames Erlebnis. Es gab nicht mehr viele freie Sitzplätze und so war ich froh, gleich am Eingang des Abteils noch einen zu finden. Mein Gegenüber nickte zunächst freundlich, doch als ich mein Notebook auspackte und es aufstartete (auf deutsch sagt man „booten“ dazu), verfinsterte sich seine Miene. Es ist ein sehr kleines Notebook, das wirklich nichts Böses zu tun vermag. Der Sitznachbar fragte mich dann etwas sehr Merkwürdiges: „Ist das ein Notebook mit WLAN?“ Ich bejahte diese Frage, denn jedes handelsübliche Notebook kann heutzutage kabellos, d. h. „wireless“ in einem LAN, also einem „lokalen Netzwerk“ betrieben werden.

  • Auf der Flucht vor den Strahlen
  • Da ergriff er seine Tasche und machte sich mit ängstlicher Miene aus dem Staub, um ein paar Sitzreihen weiter wieder Platz zu nehmen. Was war das denn für eine Aktion? Hatte dieser Reisende etwa Angst vor den gefährlichen Strahlen, die der Funkadapter des Notebooks aussendet? Dann sollte er besser überhaupt nicht mehr mit einem Zug fahren in der Schweiz, denn die SBB rüstet seit einiger Zeit ihre Zugskompositionen mit Funkverstärkung für den optimalen Handyempfang aus. Und überhaupt würde ich, bei Angst vor Strahlen, die Nähe von Menschen im öffentlichen Raum grundsätzlich meiden, denn fast jeder trägt ein Handy auf sich, das in der Schweiz kaum mehr Natel und häufig gleich „mobile“ oder „cell phone“ genannt wird, wenn sein Besitzer aus England oder den USA stammt. („auf sich tragen“ ist ein Helvetismus, Deutsche dürfen die Dinger weiter „bei sich“ tragen)

    Jedes dieser Geräte enthält einen vielfach leistungsstärkeren Sender als ein Notebook. So stark ist dieser Sender, dass einem bei langen Telefonaten ohne Kopfhörer die Ohren warm werden oder dass er ein lautes Schnarren in einem Radio oder im PC-Lautsprecher in der Nähe erzeugt, wenn er eine Netzverbindung sucht.

  • 314 Jahre Kant, hilft uns das weiter?
  • Die Angst vor gefährlichen Strahlen ist Beleg dafür, wie wenig vom „Zeitalter der Aufklärung“ tatsächlich im Alltag zu spüren ist. Immanuel Kant, der nicht die Kanti (=“Kantonsschule“) gründete, definierte Aufklärung 1784 so:

    Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
    (Quell: Wikipedia.de)

    Schwierige Kost, zugegeben, da lassen wir uns doch lieber weiter von unseren irrationalen Ängsten leiten, schalten den Verstand aus und verbleiben in der selbstverschuldeten Unmündigkeit.

  • Jeder braucht einen Atomstromfilter!
  • Atomstromfilter
    (Quelle Foto: fh42.de)

    Ein paar Scherzbolde machten im Internet Werbung für ihren selbstgebauten „Atomstromfilter“: „

    Ein Atomstromfilter hält Radioaktivität aus Atomkraftwerken fern. Es kann auf jeden Fall nicht schaden, wenn Sie den Atomstromfilter installieren, ich gebe ihn Ihnen sogar verbilligt.“

    Die Macher der Webseite staunten nicht schlecht, als daraufhin Bestellungen en masse eingingen, auch wenn offensichtlich war, dass es sich hier um einen Scherz handelte, mit denen die Geldgeschäfte bei der Bekämpfung diffuser Ängste angeprangert werden sollten. Vor der Reformation waren es die Ablassbriefe, die einem ohne Anstrengung einen Platz im Himmelreich versprachen.

  • Schneller radeln mit dem Energiewandler-Lack
  • Heute verkaufen ernsthafte Zeitgenossen erfolgreich „Energiewandler-Lack“ für das Velo. Man streicht damit ein Velo ganz ein. Die negative Energie, die beim Fahren von vorn auf das Velo einströmt, wird durch den Lack in positive Energie umgewandelt und nach hinten abgegeben. Schon ist das Fahrrad 10 % schneller, und Radfahren viel gesünder. Das ist kein Scherz, dieses Produkt kann man wirklich bestellen. Vielleicht sollte ich einfach mein Notebook damit einlackieren, falls ich demnächst wieder diesem vorsichtigen Zeitgenossen im Zug gegenübersitze. Meinen Atomstromwandler kann ich ja schlecht immer mit mir rumschleppen, denn der ist fest mit unserem Flux-Generator daheim verbunden. Lang lebe die Aufklärung!

    

    14 Responses to “Haben Sie schon einen Atomstromfilter? — Kampf den gefährlichen Notebook-Strahlen!”

    1. ändu Says:

      So ganz mag ich dem Hausherren denn doch nicht zustimmen. Der Mann hat instinktiv richtig gehandelt: die Intenistät der Strahlung nimmt mit wachsendem Abstand exponentiell ab. Bei doppeltem Abstand hat man nur noch ein Virtel der Strahlung (und so weiter). Spass beiseite, die Sache ins lächerliche zu ziehen greift zu kurz. Wie bei radioaktiven Belastungen sind die Grenzen fliessend. Noch kann niemand sagen, welche Langzeitwirkungen die tägliche Einwirkung von „Elektromog“ auf Menschen haben wird. Viele haben vielleicht ein kabelloses Telefon mit DECT-Übertragung zuhause neben dem Bett, drücken sich an der Scheibe des Mikrowellenofens die Nase platt oder telefonieren stundenlang mit dem Natel.
      Eine Zehnerpotenz intensiver gibt es nachweisbar Spätfolgen, z.B. bei ehem. Soldaten der Radaraufklärung, welche Probleme haben/hatten, Schadensersatz zu erhalten: http://www.123recht.net/Krebs-durch-Starfighter-Radar-Rente-fuumlr-Witwe-von-Bundeswehrsoldat__a34367.html

      Grund hierfür sind die überaufgeklärten Pseudosachverständigen, die nichts hinterfragen können, was man nicht sofort sehen oder riechen kann.

      [Anmerkung Admin: Telefon macht warme Ohren, habe ich doch geschrieben. Natürlich ist Strahlung schädlich. Aber eine WLAN Karte im Notebook ist doch kein Vergleich zu den Handy-Sendern, die fast jeder im Zug in der Jackentasche stecken hat, mit einem vielfachen an Strahlung. Zudem ist zwar WLAN die Karte aktiv, bzw. bei mir meistens abgeschaltet, aber wenn kein WLAN im Raum vorhanden ist, dann gibt es auch keine Verbindung und die Karte sendet nicht, sondern sucht höchstens verzweifelt nach einem passenden Empfänger. Mir kam die Reaktion des Reisenden irrational vor, bei einem WLAN Notebook die Flucht zu ergreifen in einem geschlossenen Abteil mit schätzungsweise 40 Handybesitzern. ]

    2. Peter Says:

      Ich empfehle zu diesem Thema: http://www.bpes.de
      da findet sich sicher was passendes gegen WLAN und andere schädliche Energien 🙂

    3. Philipp Sury Says:

      Eine Anekdote:

      Ein Kollege von mir, ehemals Forscher an der ETH, war mal an einer Ausstellung zum Thema Ökologie mit einem Stand zum Thema Auswirkungen von Handystrahlung. Ein Passant kam an den Stand, schüttelte ab den Plakaten und ihren Aussagen den Kopf und reklamierte, dass Handystrahlung schädlich sei, dies sei kürzlich von der ETH in einer Studie bewiesen worden. Mein Kollege machte den Herrn darauf aufmerksam, dass er der Verfasser genau dieser Studie sei und keine Schädigung bewiesen wurde, aber der andere Herr liess sich dennoch nicht von seiner falschen Interpretation abbringen, die dafür in sein Weltbild passte.

      Fazit: Wissenschaft und Aufklärung nützen nichts, wenn man danach trotzdem beliebig interpretiert.

    4. neuromat Says:

      es soll ja auch Menschen geben, die fliegen tatsächlich noch nach Neuseeland oder Australien.

      Also ich finde das unverantwortlich. Raucher werden allerortens bestraft, aber die freiwilligen Selbstbestrahler kommen wieder einmal davon. Dabei wäre es so einfach und vermutlich auch günstiger im benachbarten Schwarzwald ein paar strahlungsarme erholsame Tage zu erleben.

    5. Sonne Says:

      Man hätte ihn ja fragen können, ob er sich eines Natels bedient und, falls ja, wo er es gerade hat und ob es eingeschaltet ist. *gg*

    6. Thomas Says:

      Ja, die gute Aufklärung wird heute von allen Seiten torpediert. Schade eigentlich, ich halte Sie für etwa so das Wichtigste, was die westliche Philosophie hervorgebracht hat. Sogar im DRS-Radio werden Horoskope verbreitet und wissenschaftliche Themen werden in allen Medien, wenn möglich, gemieden. Oder dann so rübergebracht, dass alles falsch ist. Wissenschaft hat es in Köpfen schwer, da wissenschaft ja eben nicht (wie religionen und esoterische sachen) sachen fix behauptet und als gegeben anguckt, sonder eben falsifiziert werden kann und auch wird. Daraus resultiert ja die Wissenserkenntnis.
      Auch ich finde Strahlung nicht einfach toll. Langzeitschäden, wenn es denn welche gibt, werden wir in einigen Jahrzehnten sehen. Trotzdem ist diese Sache völlig irrational. Vergleichbar ist es mit Autofahren. Es gibt ja kaum etwas gefährlicheres, aber die Leute haben Angst vor Fliegen, vor SARS, vor Vogelgrippe, vor Tieren, vor Handys, vor Deutschen…

    7. AnFra Says:

      Es gibt natürlich auch eine umgekehrte Erfahrung mit etwas seltsamen, wenn nicht sogar schwachsinnigen technischen Gerätschaften und den „schädlichen Strahlungen bzw. Erdmagnetwellen“: Der Wünschelrute!

      Wenn ich in meinem früherem Berufsleben mit so nem Ding durch die Landschaft gewackelt bin, um Rohre, Kanäle, Leitungen oder Bauwerksreste durch eine Wünschelrute zur Unterstützung oder Ermittlung der jeweiligen Standortmutung durchzuführen, sind etliche Baustellenzuschauer wie die Geier angekommen.
      Oft war das Weiterarbeiten nicht mehr möglich. Solch eine Wünschelrute löste in etlichen Menschen seltsame Heilserwartungen aus, die nicht rational erklärbar waren, wie z.B. die Erkennung und Auflösung von Problemstellen durch sog. „Störstellen“ und deren angeblichen „negativen Wirkungen“.

      Hierbei wurde die „Erdstrahlung“ oft als sehr gefährlich betrachtet, aber seltsamerweise zog es die „gläubigen“ Menschen heftig an.
      Die von den „bösen Erdstrahlen“ verursachten „Schäden“ reichten u. a. von Schlaflosigkeit, Familienzwist, kindlicher Lernschwäche, Inkontinenz bis zur Impotenz.
      Um einen Teil dieser Menschen doch etwas zu helfen, konnte ich mich manchmal als „Barfussarzt“ betätigen und den Gläubigen ein „strahlendes Placebo“ andingen.

      Habe eine interessante Beobachtung dabei gemacht:
      Bei so etwas wie dem Wünschelruteneinsatz entwickeln und vergrößern sich die Lachmuskeln immens.

    8. Brun(o)egg Says:

      Ach, ja die Strahlen. Wird schön regelmässig hochgekocht und nichts ist bewiesen, sei es Mobile oder was auch immer.

      – Natürliche Strahlung? Radon? Noch nie gehört?
      – Was? Wohnung lüften?

      Es gibt Gebiete in der Schweiz, da ist die natürliche Abstrahlung, Radon, höher als die zulässige Menge rund um die Atomkraftwerke.

      Könnte mir vorstellen, dass es isch mit den Strahlen diverser Radiosender im Vergleich WLAN Netzen gleich verhält.

      Nebenbei: Die Schädlichkeit von Mobile Strahlen ist nach wie vor nicht nachgewiesen, auch wenn Frau Rüdisühli im BLICK über Kopfweh klagt.

    9. peter tobler Says:

      Wo kann ich so ein Atomstrom-Filter posten?

      Wäre dankbar für einen Link

    10. ändu Says:

      @Admin: ich habe Dir keine Körperverletzung vorgeworfen und bin (fast) bei Dir 😉 Ich mag ebenfalls keine Kreationisten, Esotheriker und liiieebe die Karma-Mikes dieser Erde. Wir könnten sofort eine Menge Unterschriften gegen die industrielle Nutzung von Dihydrogeniumoxid (=Wasser) sammeln. Die unkritische Masse der Technologiegläubigen ist mir jedoch mindestens ebenso suspekt.

    11. Thomas Says:

      @peter tobler:
      http://www.nucleostop.de/
      Viel Spass!

    12. Gery us Büüli Says:

      Ich kanns nicht mehr Hören, das ist ja Volksverblödung hoch 2. Als Fachmann in elektrischen Installationen erstaunt mich die Unkenntnis der Laien immer wieder aufs neue! 1: es ist dem Strom aus der Steckdose nicht nachzuweisen aus welcher Quelle er wirklich kommt. Ob aus einem AKW in In- oder Ausland, ob aus einem Wasserkraftwerk oder Solarzellen. Also ist der Atomstromfilter reinste Volksverblödung. Ebenso wie die Gebühren für „Biostrom“. Es gibt KEINE Garantie das wirklich biostrom aus der Steckdose fliesst…. 2: JEDER stromdurchflossene Leiter erzeugt ein elektromagnetisches Feld um sich herum. Also gibt auch JEDER Leiter eine Strahlung ab!!!! Natürlich in einer viel tieferen Frequenz als die Funkstrahlung, aber man darf die „harmonischen Schwingungen“ dabei nicht vergessen. Ausserdem sind die Leistungen bei einem Toaster oder Haarfön exorbitant grösser als so eine kleine strahlung bei einem Natel oder bei der WLAN karte.
      Insofern ist das alles nur Panikmache und ich wäre schon längst gestorben, da ich ja berufsmässig viel grösseren Strahlungen ausgesetzt bin als der Normalverbraucher. Solange man nicht auf einen Radiosendemast klettert, wo Leistungen im kW Bereich abgestrahlt werden, besteht keine gefahr.

    13. Malatesta Says:

      Schlimmer als jede Strahlung ist der Sprachmüll, den man bisweilen mithören muss. Sei es nun die detaillierte Schilderung der letzten gynäkologischen Untersuchung, die fernmündliche Fortführung des Beziehungsdramas oder der neueste Klatsch aus der Kantine – für meine Seelenhygiene eindeutig schädlicher als die Strahlung.

      Schädlich war für meine Seelenhygiene auch die Meinung, dass es ein durchaus englischer Begriff sei, wenn man sagt, der Computer bootet – wie von Ihnen hier verwendet. Während einer Präsentation in den USA musste ich warten, bis mein Laptop hochfuhr. „My computer does boot“, erklärte ich der Zuhörerschaft in meinem MTV-Englisch und erntete einen Lacherfolg. Woher hätte ich wissen sollen, dass ich im Slang mitteilte, dass sich mein Rechner übergibt…

    14. strahlemann Says:

      eine klare antwort gibt es zu elektrosmog wohl nicht. es sind leicht studien für und gegen den nachweis von auswirkungen auf den menschen zu finden (google). eindeutig ist, wenn die dosis hoch genug ist, gibt es auch schäden (der arbeiter an der radaranlage..) was ist hoch? klar ist ein wlan im notebook _allein_ keine hohe belastung aber die quellen summieren sich und es gibt genügend.
      macht es sinn das zu verharmlosen indem man sagt: „es gibt viel stärkere quellen“?

    Leave a Reply