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Ganten auf der Gant

Ein Ganter ist eine männliche Gans. In Freiburg heisst die grösste Lokalbrauerei Ganter. Aber was ist eigentlich „ganten“ und eine „Gant“? Laut Duden sind das schweizerdeutsche Wörter für „versteigern“ und „Versteigerung“. Eine solche findet jedes Jahr im September in Bülach statt. Gestohlene und gefundene Fahrräder werden versteigert. Die meisten wechseln für 5-20 Franken ihren Besitzer. Interessant sind die rechtlichen Grundlagen für so eine Versteigerung: Unter anderem heisst es auf einem ausgeteilten Handzettel:

  • Keinerlei Garantie oder Nachwährschaft.
    Der Versteigerer entschlägt sich jeder Verantwortung bei allfälligen Abhandenkommen oder Untergang des zugeschlagenem Steigerungsguts.

Ich möchte mir den Satz erklären lassen vom Versteigerer. Wo können den hier Fahrräder untergehen, ich sehe gar keinen Teich? Doch der entschlägt sich seiner Erklärungspflicht und ich gebe es auf, Schweizer Schriftdeutsch zu verstehen. Ein Blick ins Obligationsrecht (korrekt heisst es „Obligationenrecht„) zum Thema Ganten bringt noch zahlreiche weitere schöne Wörter zu Tage:

  • Der Gantrotel (so eine Art Quittung für ein ersteigertes Objekt)
  • Die Gantbeamtung, der Gantmeister, die Gantbedingungen.
  • Es gibt sogar eine Fahrnisgant, bei der Holz, Gras oder Obst der Gemeinde versteigert werden können.

    Mein absolutes Lieblingswort ist der Gütergantroteldoppel, von dem es im Obligationsrecht heisst:

      Das Original eines Gütergantrotels übergibt die Gantbeamtung dem Grundbuchamt, das Doppel dem Verganter. Bei einer Fahrnisgant dagegen ist das Original dem Verganter zuzustellen, während die Abschrift in der Verwahrung der Gandbeamtung verbleibt“

    Das plötzliche d im letzten Gand ist kein Schreibfehler, sondern offensichtlich historisch gewachsen.

    

    9 Responses to “Ganten auf der Gant”

    1. Gaby Libanon Says:

      Nun, bitte nicht weinen! Die Ohnmacht ist beim Durchschnittsschweizer etwa gleich hoch wie beim Deutschen, wenn es um Schweizer Beamtendeutsch geht. Das ist eine Sprache für sich und hat oft mit der Realität nichts zu tun…

    2. Herr Baumstumpf Says:

      Ich denke, das Schweizer Beamtendeutsch ist für die Schweizer leichter verständlich, als das Beamtendeutsch in Deutschland für die Deutschen… 😉

    3. Sandra Says:

      das ist ja der oberhammer!!! *totlach* so was hab ich selbst als schweizerin noch nie gehört!!!

    4. HaegarCH Says:

      Sandra Says, dänn sötsch doch mol wider is Obligationerächt go läsä. Oder lisisch mol di EU-Veribarig: Übereinkommen über ein gemeinsames Versandverfahren. Dänn häsch e mol richtigs Beamtedüütsch.

    5. Joe B. Says:

      Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Gant klärt vieles.

      Man beachte die Erwähnungen ’süddeutsch‘ und östrreichisch!

    6. Bruno Says:

      Hier kann man Gaby nur recht geben.

    7. Biit Says:

      Hoi zäme,

      Es gibt in der deutschen Umgangssprache noch den Ausspruch „etwas verquanten“, soll heissen, unter dem Wert verkaufen, das dem Verb „verganten“ von der Bedeutung her nahesteht. Die lateinische Herkunft von „-gant-“ (von „quantum“) ist also recht wahrscheinlich…

      Exzellenter Blog – hab mich selten so amüsiert!

    8. Barbarella Says:

      Uah?!

      Da verstehste ja kein Wort!

    9. Ralf Says:

      Mir fällt dazu noch der Roman von Max Frisch ein, „Mein Name sei Gantenbein“. Ist „Gantenbein“ so etwas wie „Ramschknochen“ oder ein „Boinerkarle“ (schwäbisch, „Gebeine-Karl“ = Skelett, bildhaft verwendet für den Tod“), den man billig bei ebay ersteigern kann?

      rätselt Ralf

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