-->

„Goat’s euch guoat?“ — Erlebnisse in einem Schweizer Fitnessstudio

  • Fahrradfahren in der Natur ist out — Spinning auf der Stelle ist in
  • Das Firmenschild steckt schon voller Rätsel. Es ist blau, wie Oxygenium=Sauerstoff, und orange, wie altes Eisen das oxydiert, also rostet? Soll ausdrücken: Wer rastet, der rostet?

    Mein Fitnessstudio Oxygymn
    Rost-Orange
    liegt im Bülacher Industriegebiet-Süd . Schick und nobel, mit Blick auf die neue Migros. Da fährt man nun mit dem Auto hin am Abend, um dort 2 Stunden auf der Stelle stehend Velo zu fahren. Spinnen die? Nein, die machen „Spinning“ Und warum heisst das so? Na, weil bei den Dingern sich wie beim Spinnrad vorn nur ein einzelnes Schwungrad dreht. Damit das dann nicht zu schnell und leicht geht, wird es künstlich und freiwillig (!) gebremst.

    Welch eine köstliche Energieverschwendung. Könnte man doch einen Dynamo anschliessen und mit den aufgestellten TV-Geräten koppeln, oder noch besser mit der Musikanlage: Keine Muskelkraft, keine Musik, wäre doch enorm motivierend.
    Hier eine Spinning-Gruppe, kräftig am Spinnen (aber nicht im Oxygymn aufgenommen)
    Wie ein Spinnrad aber ohne Dynamo

  • Kraft durch Freude ist wieder angesagt
  • Kurz vor Weihnachten reichte es mir mit der Untrainiertheit und dem Übergewicht. Statt zum gemeinsamen Firmen-Besäufnis meldete ich mich schnell entschlossen zum Sport an.

  • Trainingsziel: Stark und schön werden
  • Auf dem Anmeldeformular sollte ich das Ziel meiner freiwilligen körperlichen Aktivitäten angeben. Das war einfach, das wusste ich genau, also schrieb ich: „Stark und schön werden“.

    Die Frage nach eventueller in der Vergangenheit aufgetretene Gebrechen und Beschwerden bereiteten mir dann schon mehr Kopfzerbrechen. Schwanger war ich damals zwar nicht, auch wenn es so aussah; also versuchte ich es mit einer Gegenfrage:

    „Muss ich alle drei Herzinfarkte angeben, oder reichen die letzten beiden.“ Als die Trainerin ganz weiss um die Nase wurde, beruhigte ich sie mit dem Nachsatz: „Sicherlich egal, bei Epileptikern sind Herzinfarkte nicht weiter tragisch…“ (zur Beruhigung: natürlich stimmt weder das eine noch das andere, Lumbago erfahrene Hypochonder kriegen nicht so leicht einen Herzinfarkt).

  • Eins werden mit den Hupf-Dolls um dich rum
  • Ich reihte mich als Tanzbär in die Gilde der buntbedressten Hupf-Dolls ein. Befehle wie „Great-Behind, Side-Step, Jambo-Step, V-Step (Wiii-Step), Marsh, Leg-Cuuurl“ gingen mir in Fleisch und Blut über. „Und Eisss, und zwei, und drüüü … und gumpe, und gumpe, hintershii und fürreshii, und schnuffe niit vergesse..

    Die wichtigen Körperteile sind „Buch“ (nicht zum Lesen, sondern zum Anspannen), „Rukke“ (den stets ohne Ruck bewegen), und das „Pfüadli“ (schwäbisch „Fiedle“).

  • Immer nett sein zum Drill-Sergeant
  • Ich liebte es, den jungen Drill-Sergeants mit vollem Einsatz nachzueifern, und wenn die aufmunternde Frage „Goat’s Euch guoat?“ gebrüllt wurde, brüllte ich stets zurück: „SIR, NO, SIR„, denn natürlich litt ich wie die Sau. Da stand ein hageres kleines weibliches Persönchen vor Dir mit einer Langhantel, die bei Ihr locker 15 Kg auf die Waage brachte, während ich Schwierigkeiten hatte, 2 x 3 Kg im gleichen Tempo zu stemmen, zu heben und zu halten. Da sollte man nicht frustriert werden?

    Ich lernte den Trizeps zu modulieren und den Bizeps zu dehnen. Die wichtigsten Vokabeln sind „höch“ (= hoch), „abba“ (=hinab, runter), und der Schweizer Lokativ von Mitte = „Mitti“.

  • Namen wie Jungmädchen-Parfüms
  • Die Trainerinnen heissen übrigens durchweg so wie vor 25 Jahren die Jungmädchen-Parfüms: „Conny S“ und „Anna B“ (klingt wie Ana-bolika), „Erika A“ und „Conny D“. Nein, eine „Jeanine D“ oder eine „Bony M“ ist nicht dabei.

    

    6 Responses to “„Goat’s euch guoat?“ — Erlebnisse in einem Schweizer Fitnessstudio”

    1. Isi Says:

      Hallo… bin durch 20min auf deine Homepage aufmerksam geworden. Find’s ja noch ganz witzig, was du über die Schweiz und ihre Bewohner schreibst… Ja, wir lachen gerne über unsere Bünzligkeit… ;-))
      Aber was mich nervt… Wenn Deutsche versuchen Schweizerdeutsch zu schreiben… Das klingt mehr als affig (eigentlich genau so, wie die Deutschen Schweizerdeusch sprechen… sorry… 😉 (ja und ich weiss, wir sprechen auch nicht besser Hochdeutsch). )
      Wenn ich zum Beispiel wie oben „Pfüadli“ lese… Naja, das soll „Füdli“ heissen? Oder „Rukke“ etwa „Ruggä“? Ja, wollte ich nur mal gesagt haben.
      Nichts für ungut… Auch ich lebe seit 2 Jahren in der Schlafstadt Bülach. 😉
      Lg Isi

    2. Eine Deutsche Says:

      ich lebe nun auch bereits 5 1/2 Jahre in der Schweiz. Und ich hätte mir deine Unterstützung damals gewünscht, um die Schweizer besser verstehen zu können. Aber eines ist klar; kein Deutscher darf sich anmassen schweizerdeutsch zu reden oder zu schreiben. Ich bewundere Deinen Mut 😉 und werde ein Auge auf Dich haben… Schön, dass Du diese Besonderheiten gesammelt hast. Ueber vieles habe ich damals auch gelächelt -ganz für mich allein-.Doch mittlerweile tauchen viele Kuriositäten in meinem hochdeutschen Sprachschatz auf: Ich parkiere, grilliere, vertausche einfach Paprika mit Peperoni und wischen mit fegen -ist doch ganz einfach- ich gehe auch in den Ausgang um eins zu ziehen (Bitte was?!?) und dann fang ich an zur Belustigung meiner Freunde schweizerdeutsch zu reden… aber NUR DANN….

    3. Nicole Says:

      Können sich die Schweizer endlich mal entscheiden, ob wir nun versuchen sollen ihre Sprache zu sprechen oder es lieber bleiben lassen sollen!
      Ich lebe seit knapp 3 Jahren in der Schweiz.
      Mal heisst es: WAS, du sprichst unsere Sprache noch nicht???!!!!
      Dann höre ich wieder: NEIN!!! Bloss nicht versuchen Mundart zu sprechen!!! Wir haben dann das Gefühl, du machst dich über uns lustig!!!
      Ja, was denn nun????

    4. viking Says:

      @Nicole
      Wenn du „die Schweizer“ mal triffst, dann frag sie doch einfach danach. Oder halte es so, wie du persönlich es für gut befindest.
      Mir persönlich ist es völlig egal, ob nicht Mundart-Muttersprachler diese lernen und in was auch immer für einer Perfektion nutzen (wollen). In meiner allernächsten Umgebung kriege ich eh alle möglichen Variationen geboten 😉

    5. semper Says:

      Auch ich habe mich in einem Fitnesstudio in der Schweiz angemeldet und schon in den ersten Kursstunden einige neue Vokabeln lernen können. Schon nach kurzer Zeit bemerkte ich im Spiegel, dass ich bei der Beinübung aus dem Vierfüsslerstand die einzige war, die der Aufforderung „häbe häbe häbe“ durch verzweifelt verschwitzte Versuche, das gestreckte Bein immer weiter zu heben (Häbe, so dachte ich, könnte man ja mit „heben“ übersetzen, oder?) auffiel, während die Schweizerin lässig in der eingenommenen Position verharrte (Häbe gleich „halten“). Auch das „Füteli“ kam häufig vor, wurde gut trainiert und als meine Kehrseite identifiziert. Als ich dann aber beim nächsten Mal an der Rezeption des Fitnessstudios eincheckte, sagte der freundliche Trainer, der dort die Karten einlas, „na, dann zeig mal dein „Füteli““, was ich als überraschend dreist empfand und ihm bedeutete, dass ich mich zwar gut mit ihm verstünde, aber nicht bereit sei, ihm meinen Allerwertesten vorzuführen. Er sah mich verständnislos an, lachte dann, und ich hatte ein weiteres Wort gelernt:“Föteli“, Foto nämlich (das auf meiner Mitgliedskarte, das auf dem Bildschirm erschien beim Einchecken)–der phonetische Unterschied ist für das ungeübte Ohr nicht so leicht zu hören.

    6. Gizmo Says:

      immer wieder zum totlachen wenn man angewiesen wird in einer grammatik freien schriftsprache die auch sonst keinerlei regeln hat, etwas so oder so zu schreiben weil es sonst falsch sei…

      alle sind sich einig das es kein Schweizerdeutsch gibt, sondern bestenfalls berndeutsch, zürichdeutsch, usw. und auch hier beinahe von haushalt zu haushalt jeder seinen eigenen dialekt hat der ebenfalls als grundlage für die geschriebene mundartvariante herhält.. aber eines ist ganz sicher.. das schreibt man aber Füdli und nicht Pfüadli… na so ein Frevel… Königsmörder, Gotteslästerer….

      einfach göttlich soviel sinn für humor wie man ihn in der schweiz erlebt, das sucht wirklich seinesgleichen auf diesem planeten… *gröööhl*

    Leave a Reply