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Wenn alte Traditionen verschwinden — Teppichklopfer gehören in jede Besenkammer

(reload vom 11.01.07)

  • Wehret den Anfängen
  • Die alte Schweizer Tradition, den Teppichklopfer daheim im Besenschrank aufzubewahren, gut geölt und allzeit für den Ernstfall einsatzbereit, ist bedroht. Es mehren sich die Stimmen, die diese Tradition abschaffen wollen. Denn — zugegeben — ein Teppichklopfer kann auch missbräuchlich verwendet werden. Es soll vorgekommen sein, dass damit Kinder geschlagen oder Ehefrauen bedroht wurden. Mittlerweile und in der Öffentlichkeit immer deutlicher wahrnehmbar hat sich eine Liga der Teppichklopfer-Gegner gebildet, die nun versucht, den Teppichklopfer für immer aus der häuslichen Umgebung und der Obhut des Schweizer Mannes zu entfernen.
    Teppichklopfer (aus Wikipedia)
    (Quelle Foto: Wikipedia)

    Die stets in den Medien zitierten und aufgezählten Zahlen über die Missbräuchen mit Teppichklopfer sind in Wahrheit kaum nachprüfbar. Tatsächlich sind es, wenn man genau in die Statistik schaut, die kleinen praktischen Handstaubsager, welche zu Missbrauch verleiten, weil sie viel besser in der Hand liegen, und damit den Ruf einer ganzen Reinigungsgilde in den Schmutz ziehen.

  • Wahr ist was war!
  • Teppichklopfer gehörten schon immer in einen echten eidgenössischen Haushalt. Dies ist für Besucher aus dem Ausland leicht ersichtlich an den überall in der Nähe von Häusern befindlichen Teppichstangen und Gittern für das Ausklopfen von kleinen Läufern.

    Teppichausklopfstelle bei einem Schweizer Wohnhaus
    Foto: Teppichausklopfstelle bei einem Schweizer Wohnnhaus

    Damit diese unmittelbare und sofortige Bereitschaft zur Reinigung von Teppichen funktionieren kann, reicht es nicht, die Teppichklopfer bei Bedarf durch eine zentralen Verteilstelle auszugeben. Auch der Einsatz von hauptberuflichen und nicht mehr freiwilligen Reinigungskräften mit hochmodernen technisierten Geräten wie Staubsaugern wäre keine echte Alternative. Der entscheidende Zeitvorteil bei der Schweizer Teppichreinigung ist der daheim aufbewahrte Teppichklopfer. Darum muss dies auch in Zukunft so bleiben. Gerade jetzt in Zeiten von globaler Schmutzbedrohung ist der direkte und sofortige Einsatz das entscheidende Plus im Kampf gegen Staub und Dreck.

  • Sollten Teppichklopfer getrennt aufbewahrt werden?
  • Vieles spricht dafür, Teppichklopfer getrennt aufzubewahren und sie erst für den unmittelbaren Einsatz parat zu machen. Hier ein schlechtes Beispiel zweier gemeinsam aufbewahrten Teppichklopfer:
    zwei Teppichklopfer
    (Quelle Foto: hytta.de)

    Doch wer weiss heute noch, wie man einen Teppichklopfer sachgemäss zerlegt und dann unter Stress und psychischem Druck wieder zusammensetzt? Darum sind wir entschieden gegen diese Alternative. Ein gut geölter Teppichklopfer braucht kein langwieriges Zusammensetzen und setzt auch keinen Rost an. Lediglich den Schallschutz könnte man optimieren. Aber bei den regelmässigen Einsätzen (Frühjahrsputz, Grossreinemachen im Herbst) wird das laute Knallen der im Einsatz befindlichen Teppichklopfers am Samstagnachmittag kaum wirklich wahrgenommen. Es gilt vielmehr als Erinnerung und Bestätigung für das gepflegte Brauchtum des Teppichklopfens.

    Die private Teppich-Ausklopfstelle
    (Foto: Private Teppich-Ausklopfstelle, daneben vermutlich der versteckte Nebenausgang zum Atomschutzbunker)

  • Sind Teppichklopfer gefährlich?
  • Nicht gefährlicher als andere Gegenstände des Alltags, wenn sie in falsche Hände geraten, sei es nun ein scharfes Küchenmesser, ein Hammer, eine Stichsäge oder der vielfach unterschätzte Korkenzieher. Es kommt eben wie immer auf den richtigen Gebrauch des Teppichklopfers an. Gut verwahrt im Schrank, am besten sogar in einem abschliessbarer Metallschrank (Vorschrift in Deutschland!), vermag er keinen Schaden anzurichten und soll auch auf Einbrecher eine gewisse abschreckende Wirkung entfalten.

  • Das Recht auf den persönlichen Teppichklopfer für alle männlichen Eidgenossen

  • Ein Staat, der seinen Bürgern das Recht auf den Besitz eines Teppichklopfers zugesteht, beweist damit, dass er Vertrauen in seine Bürger hat und für einen souveränen Umgang mit diesem Reinigungsgerät einsteht. Diktaturen und undemokratische Staaten beschneiden bei ihren Bürgern als aller erstes das Recht auf private Teppichreinigung und möchten am liebsten, wie in allen sozialistischen Systemen, diesen Dienst gleich verstaatlichen und kontrollieren. Schauen sie sich um, in keinem Nachbarstaat der Schweiz gibt es noch freie Teppichstangen und Ausklopfstellen! Es gehört zum eidgenössischen Selbstverständnis einfach dazu, den eigenen anvertrauten Teppichklopfer für den Ernstfall im heimischen Schrank verwahrt zu wissen. An dieser Tradition sollte niemand zu rütteln wagen.

  • Hilft eine staatlich Registrierung von Teppichklopfern wirklich gegen Missbrauch?
  • Nein, wir sprechen uns gegen eine solche Massnahme aus. Sie würden nur einen hohen bürokratischen Aufwand mit entsprechend hohen Kosten bedeuten ohne wirklich das damit verbundene Ziel, nämlich die missbräuchliche Verwendung von Teppichklopfern zu verhindern, garantieren zu können. Über die genau Zahl der in allen Schweizer Haushalten existierenden Teppichklopfer gibt es daher nur wage Vermutungen, und das ist gut so, denn so bleiben der ärgsten Gegner der eidgenössischen Reinigungstradition im Ungewissen.

  • Nachsatz
  • Der obige Artikel ist reine Fiktion. In der Wirklichkeit hat sich das Prinzip des Teppichklopfens schon längst überlebt. Heute werden Teppichklopfer nur noch von Sammlern aus nostalgischen Gründen erworben und dienen als Wandschmuck und als Erinnerungsstück an eine längst vergangene Zeit. In Österreich ist der Teppichklopfer oder Ausklopfer übrigens auch als „Pracker“ bekannt. Wikipedia meint:

    In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geriet der Teppichklopfer zunehmend aus der Mode, da das Reinigen des Teppichs mittels Staubsauger einfacher vonstatten geht. Teppichklopfer sind somit nur noch in Fachgeschäften erhältlich, und auch die Teppichstangen sind in neueren Wohnvierteln nicht mehr installiert
    (Quelle Wikipedia)

    So kann es gehen mit alten Traditionen. Manchmal verschwinden sie einfach von selbst. Manchmal.

    

    6 Responses to “Wenn alte Traditionen verschwinden — Teppichklopfer gehören in jede Besenkammer”

    1. Yolke Says:

      *hi hi hi*

      Als eine, die nicht mehr zur Teppichklopfergeneration gehört und in einem Einfamilienhaus aufgewachsen ist, musste ich 20 jährig werden, um die Funktion dieser ‚Gestänge‘ vor den Mehrfamilienhäuser zu verstehen. Aber wie wurden den die Teppiche damals in Deutschland gereinigt? Gar nicht?

      Übrigens werden die Teppichklopfgestänge nach wie vor teilweise benutzt. Durch die Generation 70+ und u.a. durch Einwanderer aus dem Balkan und der Türkei. Deshalb weiss ich auch, wozu diese Gestänge da sind.

    2. Guggeere Says:

      Als Kinder foutierten wir uns um den Begriff aus der Erwachsenenwelt und nannten die Teppichstange immer nur Turnstange. Fast jedes Mal, wenn man draussen spielen ging, war man irgendwann bei der Turnstange, kletterte daran herum und versuchte sich an Kunststücken mit Bezeichnungen wie «Glocke» oder «Gorilla Blauarsch». Die Mutigsten unter den Knirpsen kletterten bis zuoberst und setzten sich lässig auf die Querstange. Ziemlich oft wurde das Gireizli (= die Kinderschaukel) mittels S-Haken daran aufgehängt, was nach intensivem Gebrauch zur Folge hatte, dass die Querstange an jenen Stellen die Farbe einbüsste und mit der Zeit rostete, was wiederum dem Hausabwart einen Grund zum Jammern und Meckern lieferte.
      Ja, wenn diese Teppichstangen sprechen könnten…

    3. neuromat Says:

      Wieder einmal der Herr Wiese. Da will er den Eindruck erwecken, der Teppichklopfer gehöre zur Schweiz, wie – ja was weiss denn ich. Und das gehört ja wirklich zur Schweiz.

      Ja, wir Deutschen, wir einigen natürlich unsere Teppiche nicht. Wir waschen uns ja auch nicht. Auch nicht unsere Kleidung, ist auch nicht nötig, wir gehen ja immer nackt aus dem Haus.

      Wenn da was klopft, dann ist das der Klopfer, der Hase mit seinem dicken Schwanz. Alles andere Wummern und Bimsen (wichtig ist, das die Vokale nicht vertauscht werden), was in den Mietshäusern zu hören ist, muss auf eine anderes Gestänge zurückzuführen sein.

      Manch eine muss 20-jährig werden, um die Funktion all dieser Gestänge von Mehrfamilienhäusern zu verstehen. Wir hätten natürlich gesagt: „Erst mit 20 …“ Manchmal ist das eben immer ein „müssen“. Was kann man sich das Leben schwer formulieren.

      Aber – das ist eben diese völlig andere Kultur. Die einen haben die Teppichstange und den Klopfer und die anderen, die warten bis der Läufer schwarz ist und dann bringen sie ihn heimlich in die Schweiz und lassen ein auf einer geheimen Teppichstange reinigen. Das ist eben alles so völlig verschieden. Die Schweizer essen mit Messer und Gabel, wir Deutschen ganz ungezwungen mit unseren Freunden, spontan und ohne stundenlange Einladungen.

      Dem Wiese glauben wir aber kein Wort. Der kleine Grillrost, da neben der Stange, der ist bestimmt für die Badvorleger. Badvorleger ist mein erklärtes Lieblingswort. Also, ich bin ja Verleger, da ist was ganz anderes als Vorleger, genauer gesagt bin ich Schlüsselverleger. Klar landen die dann auch schon mal in der Besenkammer, wenn man schnell den Teppichklopfer holt. Aber niemals unter dem Badvorleger.

      Badvorleger ist auch wertfrei. Wenn man in Deutschland „Besenkammer“ sagt, dann kommt bestimmt die Antwort „Bum, Bum, Boris“. Und dann fällt uns auf, dass der Teppichklopfer ja wie ein Tennisschläger ausschaut. Und heisst der Hase Klopfer in der Schweiz nicht Rammler. Aber, das ist ja eine ganz andere Kultur. Hier heisst der Geissen Peter. Und in Deutschland heisst der Oliver. Der Intelligenzquotient dürfte der gleiche sein.

      Nun zur Wahrheit. Vergessen wir die Wiese Fiktion. Kein Volk ist mehr durch und durch Teppich Klopfer als die Deutschen. Ich selbst wuchs unter einer solchen Stange auf. Gut, zugegeben, da hing nie ein Teppich, aber an den Klopfer erinnere ich mich noch gut. Auf dem konnte man hervorragend die Monkeys auf der Gitarre begleiten, wenn man auf die Geschwister in der Schaukel aufpasste, die an der Teppichstange angebracht war.

      Es gab in Berlin noch bis 1985 eine Bauordnung, nach der bei Errichtung von mehr als drei Wohnungen eine Teppichstange „fussläufig erreichbar“ aufgestellt werden musste. Die einen müssen zwanzig werden, die anderen Stangen aufstellen. Es gab Prozesse, die das Land zu spalten drohten, um das Recht des freien Bürgers, seine Badvorleger klopfen zu dürfen. Meistens gaben die Gerichte den Klopfern Recht, manchmal unter dem Hinweis, dass es vielleicht wichtigere Dinge als diesen Pipifax geben könnte.

      Aber, wenn man das mal ausrechnet, dann muss irgendwann in Berlin auf etwa jeden zehnten Einwohner eine Teppichstange gekommen sein. Das waren noch Zeiten. Teppichstange, Turngerät und Fitnessstudio jeweils für drei Haushalte. Uebergewicht kannte man zu den diesen Zeiten nicht. Eigentlich ist alles schlechter, seitdem die Teppichstangen abmontiert und heimlich in die Schweiz geschafft wurden.

      Denkt mal drüber nach.

    4. Brun(o)egg Says:

      @ Guggere

      Die Teppichstange eignete sich auch hervorragend für die ersten Federballspielversuche. Wenn dann noch der Boden um die Stange mit Platten belegt war hatte man zusötzlich ein begegrenztes Spielfeld.
      Sie hatten auch Nachteile die Stangen: hängenbleiben mit den Hosenstössen beim runterklettern was zu unliebsamen Rissen in denselben führte.

    5. Wahnfried Says:

      Dieses Blog wird immer gehässiger und spielt mit billigsten Klischees. Schade eigentlich, das Thema Deutsche-Schweize böte Potential. Bleibt wohl nur, auf andere, auch mehr frequentierte Quellen auszuweichen. Hier ist ja eh kein Mensch.

    6. Yolke Says:

      Gell Wahnfried. War auch ziemlich erstaunt. Aber man kann natürlich alles böse und negativ und gar rassistisch auffassen, wenn man will. Und schon schreibt man ‚ihr‘ und ‚wir‘. Meine Frage mit der Teppichreinigung in D war eigentlich nicht böse gemeint, aber der Herr Wiese vermittelte in seinem Text ja doch (mit Absicht), dass Teppichklopfer was ganz exotisches wären 😉

      Eigentlich schade, dass solche Traditionen hier verschwunden sind. Wenn meine Nachbarin ihren Teppich vor dem Haus ausklopft ist immer ein Schwätzchen drin. Gut für jedes soziale Gefüge. 🙂 Andererseits bin ich doch sehr dankbar für Staubsauger und Waschmaschine 🙂

      Ich hoffe, ich hab diesmal genug Smilies gesetzt, um Missverständnissen vorzubeugen?

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