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Die Dänische Judenrettung und Schweizer-Dänische Ausspracheverwandtschaft

  • Hvad fik du?
  • Dänemark ist wie die Schweiz auch ein „kleiner Nachbar“ von Deutschland. Es findet sich die ähnliche „Grosser Bruder – Kleiner Bruder“ Problematik. Kulturell ist Dänemark eng mit Deutschand verzahnt. Sucht man lange genug in der Etymologie eines dänischen Wortes nach, so findet sich immer eine germanische Wurzel. Es gibt auch zufällige Ähnlichkeiten mit dem Schweizerdeutsch: „Hvad fik du?“ ist keine Frage nach dem Geschlechtsleben des Gesprächspartners sondern heisst übersetzt „Was bekamst du?“ Denn „fik“ ist Vergangenheit von „få“ = bekommen. „Jeg skrev et brev“ = ich schreibe einen Brief hört sich an wie von einem Berner ausgesprochen, „skre-u bre-u“, mit sauberer Trennung der Dipthonge beim e und u am Wortende. Es gibt darüber hinaus ein besonderes „th“, das mit der Zungespitze an den unteren Schneidezähnen artikuliert wird. Für korrekte dänische Aussprache gewöhnt man sich einfach ein Dauerlispeln an und stellt sich vor auf einem „ss-pitzen Ss-tein zu ss-tehen“ wie die Hamburger.

  • Eng verzahnt mit Deutschland
  • Im Norden von Schleswig-Holstein gibt es eine dänische Minderheit, auch sonst fühlt man sich dort innerseelisch mit den Dänen mehr verbunden als mit Preussen oder Bayern, ähnlich wie Alemannen im Breisgau und Elsass die sprachlich-kulturelle Seelenverwandschaft zur Deutschschweiz empfinden.

  • Die dänische Judenrettung
  • Doch während man in der Schweiz zur Zeit der Naziherrschaft über Deutschland die Juden an der Grenze abwies und von den Deutschen das „J“ im Judenausweis verlangte (Hintergründe zum Schweizer J-Stempel), half in Dänemark in einer bespiellosen Nacht-und-Nebel Aktion die Bevölkerung, über 7‘000 Juden mit Fischerbooten und allem was sonst auf dem Wasser fährt hinüber ins neutrale Schweden zu retten, kurz bevor die Deportation in die Konzentrationslager begann. Eine Zivilcourage und Heldentat, die in dieser Form in Europa zur Zeit des Holocaust in dieser Grösse einmalig war.
    Dansk Jodisk Museum in Kopenhagen
    Die Geschichte dieser Judenrettung ist gut dokumentiert im Dansk Jødisk Museum, dem Dänisch-Jüdischen Museum, das vom Stararchitekten Daniel Libeskind einen ganz ungewöhnlichen Innenausbau erhielt:
    Daniel Libeskind Innenarchitektur
    Libeskind entwarf auch das Jüdische Museum in Berlin und lieferte den Entwurf für die Freedom towers am Platz des alten Word Trade Centers in New York.

    Die Rettung der dänischen Juden im Oktober 1943 während der Zeit des Nationalsozialismus ist in der Geschichte der im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebiete in Europa ohne Beispiel. Sie wurde durch die Tat des deutschen Diplomaten Georg Ferdinand Duckwitz (1904–1973) möglich und verhinderte den Mord an vielen Juden im Zuge des Holocaust.

    Duckwitz, seit 1932 Mitglied der NSDAP, hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon lange vom Nationalsozialismus abgewandt und verfügte über gute Kontakte zu führenden dänischen Sozialdemokraten. Am 29. September 1943 erfuhr er vom deutschen Reichsbevollmächtigten für Dänemark, Werner Best von der für die Nacht vom 1. auf den 2. Oktober 1943 bevorstehenden Deportation der dänischen Juden über Deutschland in die Konzentrationslager. Über seine dänischen Bekannten bei den Reedern informierte er den Oberrabiner von Kopenhagen, Marcus Melchior, einen aus dem oberschlesischen Beuthen geflüchteten Rabbiner. Dank eines jüdischen Feiertags verbreitete sich die Nachricht innerhalb kürzester Zeit unter den Juden in ganz Dänemark. Duckwitz reiste heimlich ins unbesetzte Schweden, wo er dortige Regierungsstellen über die bevorstehende Massenflucht informierte, so dass diese die Möglichkeit hatten, sich durch Bereitstellung der Ferienheime auf die Situation sehr kurzfristig einzustellen.

    7000 der 8000 dänischen Juden konnten damals in einer Nacht- und Nebelaktion über den Öresund, das Kattegat und die dänische Ostseeinsel Bornholm nach Schweden geschmuggelt werden. Vor allem Ärzte, Pastoren und Studenten konnten die allermeisten dänischen Juden verstecken, als am 1. Oktober mit der Deportation in Konzentrationslager begonnen werden sollte. Dänische Fischer spielten dann eine zentrale Rolle bei der Organisation der Flucht über das Meer in das sichere Schweden. Polizei und Küstenschutz der Dänen schauten bewusst weg.
    (Quelle: Wikipedia)

    (Teil 3 morgen: Fahrpläne sind relativ in Dänemark)

    

    13 Responses to “Die Dänische Judenrettung und Schweizer-Dänische Ausspracheverwandtschaft”

    1. SamWeiseVielleicht Says:

      Zur Geschichte des Judenstempels:

      Zwar ist heute klar, dass der Judenstempel auf deutsches Betreiben hin eingeführt wurde, (Georg Kreis dürfte des Revisionismus nun wirklich nicht verdächtig sein) die schweizerische Kooperation mit den Nazischweinen vor allem zu Beginn des Krieges ist aber dennoch beschämend genug.

      Was mir zu denken gibt ist die Tatsache, das wir uns in der Schweiz noch nicht genug mit dem Thema befasst haben, damit wir wissen, worauf wir nicht Stolz sein sollten (bspw. eben die erwähnte, beschämende Praxis der „selektiven“ Aufnahme von Flüchtlingen) und auf welche Dinge wir Stolz sein sollten: Nicht etwa auf das das Reduit, sondern auf Personen wie Carl Lutz, Paul Grüninger, etc.

      Würden wir das tun, so wären diese Personen vielleicht dann auch dem Herrn Wiese ein Begriff….

    2. neuromat Says:

      „Zwar ist heute klar, dass der Judenstempel auf deutsches Betreiben hin eingeführt wurde, (Georg Kreis dürfte des Revisionismus nun wirklich nicht verdächtig sein)“

      ich muss da irgendwie eine andere Ausgabe des Buches besitzen. Bei mir steht:

      ”Man drängte die NS-Behörden zur Einführung einer bestimmten Regelung und will damit nichts zu tun haben.” Wer „man“ war bedarf keiner Belehrung. Sicher ist Georg Kreis nicht des Revisionismus verdächtig. Aber auch hier wird mir der Satzzusammenhang nicht klar. Seit 1997/98 feiert der revisonis ja fröhliche Urständ.

      Heute noch im Bundesrat vertretene Politiker der Schweiz erklärten: ”Deshalb hat man, unter anderem als Schutz für die Juden, den
      Stempel eingeführt. Damit man wusste, dass diese Juden nicht mehr
      aus der Schweiz ausgewiesen werden.”

      Also wie ist das jetzt wieder zu verstehen? Zuvor wurde von den Revisionisten der J-Stempel als ein von den Deutschen auferlegtes Diktat interpretiert. Die Personifizierung des Bösen fand in Heinrich Rothmund, dem Leiter der eidgenössischen Polizeiabteilung, der Initiant des J-Stempels gewesen sei und die deutschen Behörden 1938 veranlasst habe, die jüdischen Pässe zu kennzeichnen, ihren Protagonisten.

      Aber all das widerlegt Georg Kreis. Wir haben also offensichtlich zwei unterschiedliche Ausgaben.

      Es erscheint mir auch nicht sinnvoll, bei allem Respekt oder eben aus genau dem Respekt vor der einzelnen Leistung das Gute dann zu personifizieren und dann wiederum zu einem Gut nationalen Stolzes zu erklären. Dies quasi auch noch als Entlastung.

      Mir erscheint dies ueberhaupt nicht sinnvoll. Wichtig ist, wie wir heute denken. Mit welchen „J“s wir heute zu schaffen haben. Müssen wir beständig immer wissen, woher einer kommt? Was nützt uns das?

      Nichts, rein gar nichts. Dieses Schubladisieren, welches ja bei der sprachlichen Zuordnung beginnt, möglichst unterstützt durch eine „Reinheit“ der verwendeten Aussprachetechniken und des passenden Vokabulars ist ein Armutszeugnis. Nach zwei Stunden im Land durfte ich lernen: „Das ist ein Walliser. Und von einem Walliser kauft man keine Occasion.“

      Auf diesem Denken gedeihen schlussendlich Plakate mit Schafen.

      „Was mir zu denken gibt, ist die Tatsache, das wir uns in der Schweiz noch nicht genug mit dem Thema befasst haben, damit wir wissen, worauf wir nicht Stolz sein sollten …“ Ob Revisionist oder Anti-Revisionist – wichtig erscheint hier wohl vor allem, dass es in die Gesamtdoktrin passt. Die Ereignisse werden gefügig gemacht, bis zum offiziellen Erscheinungsbild einer Staatsdoktrin passen. Das dauert natürlich.

      Oder ist das anders gemeint: eben doch die Rolle dieser Personen als Einzelleistungen würdigen. Das hätte doch etwas: Die offizielle Rüge, die Carl Lutz erhalten hat, wird noch in diesem Jahr zurückgenommen und der ganze Revisonismus samt seiner Vertreter gleich mit.

      „wir in der Schweiz“ … da kann ich beruhigen, das ist kein alleiniges Schweizer Problem (na ja, die permanente Verwendung dieser Floskel schon). Aber in anderen Ländern hat „man“ sich im Grunde genausowenig ernsthaft mit der Misere befasst. Da sassen dann die alten Richter in neuen Roben und sprachen wieder ihre Urteile – und das ist doch das eigentliche Problem.

    3. Aggel Says:

      Buchtipp:

      Die Deutschen und ihre Nachbarn: Dänemark (Gebundene Ausgabe)
      von Bernd Henningsen (Autor), Helmut Schmidt (Herausgeber), Richard von Weizsäcker (Herausgeber)

      ISBN-10: 3406578470

    4. SamWeiseVielleicht Says:

      Wäre ja auch komisch, wenn ein Deutscher in Deutschland eine Erklärung lokaler Gepflogenheiten mit „wir in der Schweiz“ beginnen würde.

      Zum J-Stempel: Das ist billlige Wortklauberei. Die Schweizer wollten eine allgemein allgemeine Visumspflicht, haben aber der deutschen Lösung (kein blödes Wortspiel beabsichtigt) schliesslich nachgegeben (wobei die Praxis der inoffiziellen Kennzeichnung von Pässen durchaus nichts Neues war).

      Mit Kreis kein Revisionist wollte ich dann zum Ausdruck bringen, dass damit aber keinesfalls (von Kreis) gemeint ist, dass das Verhalten der Schweizer Behörden als unbedenklich, moralisch, was auch immer, zu werten ist, nur weil der konkrete Vorschlag nicht von schweizer Seite kam.

      Mich hat ganz einfach die ausnhemend plumpe Gegenüberstellung der, historisch eben gerade nicht korrekt dargestellten, Einführung des Judenstempels mit der Junderettung durch mutige Dänen genervt. Wenn schon, und ich finde „Längenvergleiche“ bei solch abscheulichen Verbrechen wie dem Holocaust nun so gar nicht angebracht, hätte der Herr Wiese dann eben Gleiches mit Gleichem vergleichen sollen. Oder noch besser: Das Ganze sein lassen und einfach einen Bericht über die Rettung der dänischen Juden einfliessen lassen.

    5. SamWeiseVielleicht Says:

      Zu Carl Lutz: Ich finde, wir sollten stolz darauf sein, dass es solche Menschen wie ihn gab. Genau wie auch die Deutschen über ihre Gerechten unter den Völkern stolz sein dürfen. Dass diese Personen aber nicht für eine nationale Erteilung der Decharge vereinnahmt werden sollten, darin gehe ich mit Ihnen einig.
      Zu den Wallisern. Das ist sicher ein Beweis dafür, dass alle Schweizer (ausser die Walliser) niemals einen Gebrauchtwagen bei einem Walliser kaufen würden. Da sind Sie, Ihre Schubladen vor sich hertragend, direkt über eine Verfügbarkeitsheuristik gestolpert. Aber volle Kanne, generalisiert.
      Schlussendlich muss ich Ihnen Recht geben. Ich finde auch, dass Dialekte ein totales Armutszeugnis sind. Wie einfach wäre es doch, wir würden alle genau gleich sprechen. Und so viel interessanter wäre das dann auch noch. Man denke nur daran, wie viel einfacher es für den Herrn Wiese gewesen wäre, über all die inexistenten sprachlichen Unterschiede zu schreiben. Ich sags ja schon lange, Englisch reicht.

    6. neuromat Says:

      Da muss ich Ihnen in die Parade fahren.

      Nicht die Dialekte sind das totale Armutszeugnis, sondern der nicht mehr rein sprachliche Gebrauch. Es handelt sich um ein Vehikel der Kommunikation und nicht um ein GPS-Gerät mit anschliessender Schubladisierung. Ich habe allerdings die Hoffnung aufgegeben, dass dies mal auf fruchtbaren Boden stossen könnte.

      Aus meiner Sicht halte ich das oben Gesagte nicht für „billige Wortklauberei“. Vieles entspringt im Fall den Gedanken von Georg Kreis. Zu den Einlassungen des obersten Armee- und Sportchefs wird wie immer untertänigstes Schweigen herrschen, wie dies in einer plebiszitären Diktatur so üblich ist.

      Wie Sie sehen, auch wir in Deutschland beherrschen das Stilmittel der heiteren Polemik, ohne das wir etwas billig nennen müssen.

      Zum Abschluss: Das mit den Wallisern haben Sie einfach nicht verstanden. Ich habe auc gar nichts dagegen, dass man weiter fortfährt, Menschen gemäss ihrer Herkunft in Laute, Ungehobelte, Kulturlose und Geldgeile, Goldgeile und HInterträchtige einzuteien. Das waren ja schom immer die entscheidenen Erkenntnisse menschlichen Denkens und warum sollten wir das Grundgerüst unsrer abendländischen Kultur einfach abschaffen?

      NarrHallamarsch – lassen wir ihn rein!

    7. SamWeiseVielleicht Says:

      Das stimmt, Dialekte sind als GPS wirklich ungeeignet, die lassen sich ja schliesslich geografisch nicht verordnen. Da lob ich mir dann die Soziolekte, da kann man ganz einfach zwischen Wannsee und Neukölln unterscheiden. Und der Boden in Wannsee ist ja auch eindeutig fruchtbarer als ein Trottoir, pardon Bürgersteig (reicht das passive Wahlrecht?), in Berlin 44. Deshalb hab ich das mit den Wallisern auch nicht verstanden, denn das mit dem Gebrauchtwagen hab ich so noch nie gehört. Aber wenn SIE das sagen, dann müssen wir Schweizer dann eben husch ins Schublädchen.
      Was die billige Argumentation angeht, da haben Sie ebenfalls recht, ich finde natürlich nur den Strohmann in Ihrem Argument billig. Schliesslich isser ja aus Stroh. Genauso ist es natürlich zulässig, meine Nichtbeachtung von „Bester-Armee-der-Welt-Ueli“ als Beweis für allgemein untertäniges Verhalten des homo helveticus schubladensis zu deuten.

    8. neuromat Says:

      Warum versuchen Sie so hartnäckig, mich in meiner Hoffnungslosigkeit zu bestätigen?

      Was anderes als allgemeine Untertänigkeit soll es denn sein, wenn derartiges kontinuierlich unkommentiert bleibt. Ich gehe mal davon aus, da Sie dem ja nicht widersprechen, aber sich ansonstmassig ins Zeug legen, dass Sie mit Ueli nahezu einer Meinung sind, oder nicht. Oder Angst vor der Enttarnung durch Revisionisten, berufliche Nachteile, ungemütliches folgendes WK – man weiss ja nie.

      Braucht man aber auch nicht. Man hat das weite Feld des Nordens. Von Glückspost bis Weltwoche über Blick bis SF, die kritischen Nachrichten aus eben jenem Ausland scheinen zu ueberwiegen.

      Der Tagi berichtete ueber den deutschen Bundespräsidenten und schliesst mit den Worten, seien wir froh, dass wir so etwas nicht besitzen. Toll. Hat man hier keine eigenen Türen? Und (gem. SamWeise): da nervt dann ganz einfach die ausnehmend plumpe Gegenüberstellung des eben nicht gerade korrekt dargestellten.

      Und was soll das nutzen, dass Sie versuchen den Spiess zu kehren, nur weil Ihnen der Spiegel der permanenten Schubladisierung vorgehalten wird. Schon mal darüber nachgedacht, dass die, die andauernd schubladisieren, erklären wie die „Merkel funktioniert“, wie DER DEUTSCHE tickt, Gefahr laufen selbst ganz schnell in der Schublade der Schubladisierer zu landen.

      So erlebe ich auch den Alltag. Es lassen sich Fakten nennen, die Einzelheiten darlegen … es wird dann irgendein Boden in Wannsee, der deutlich fruchtbarer ist als ein Trottoir erwähnt, dann kommt die billige Wortklauberei .. und so fort .. und dann hat man das alles noch nie gehört und gesehen (kommt mir historisch betrachtet sehr deutsch vor, habe ich da schon öfters gehört, man wusste und weiss von nichts). Und dann wir man direkt persönlich, wenn SIE das sagen …

      also mal das Ganze auf Ihr eigentliches Statement reduziert: Es hat Sie geärgert. Es hat Sie geärgert, dass Herr Wiese, diese Geschichte mit dem J-Stempel erwähnt. Es hat Sie geärgert, dass die Dänen, da in einen Vergleich genommen wurden und somit die Schweizer schlechter wegkamen. Kann ich gut verstehen, hätte mich auch geärgert. Aber die Reaktion, dann wieder etwas besser aussehen lassen zu müssen, zu erklären, so könne man das nicht sehen …. und so weiter, die nervt nun einmal… und vergleicht man nicht selbst ständig, egal, ob das passt oder nicht(siehe Tagi und Bundespräsident) – ja, jetzt werden Sie wieder einwednen dies Vergleichen lasse sich ja nicht vergleichen…

      … es gibt da ein altes Zitat von AnFra: „In Zürich sind sogar die Hundehaufen besser“

      dabei gibt es mittlerweile vieles, das hanebüchend ist in Ihrem Land. Aber permanent macht man ein ungeheures Gesumse um die paar Ausländer und Deutsche, die hier auf Einladung und zum Teil aktive Abwerbung arbeiten. Der Erfinder der geregelten Armut, ein Mann namens Hartz, ist den meisten hier bekannt, die prekäre Lage der eigenen IV nicht.

      Zwar kennt man Hartz den Vierten, aber weiss man, dass dieser zwei bis drei Millionen aus dem Geldumlauf seiner Firma umgeleitet hat. Keine Ahnung wohin – wirklich nicht. Rechtskräftig verurteilt wurde er in Deutschland nie.

      Fassen wir uns also ein Herz. Bekennen wir einfach, das mit dem J-Stempel ist nun wirklich nicht gut gelaufen, ja, da wurde unanständig geschafft und bringen wir weiter zum Ausdruck, dass derartige Einlassungen unseres Ueli nun wirklich nicht angebracht sind (er hat seine gerechte Strafe erhalten und nahm mal mehr unfreiwillig an einer gefakten Kindersendung teil) und achten wir nicht so viel darauf, wie jemand spricht, sondern was er zu sagen hat und vor allem, was er macht.

    9. SamWeiseVielleicht Says:

      Wo beginnen? Mit Ihrem Schlusswort haben Sie recht. Ich glaube Ihnen auch gerne, dass dies Ihr Anliegen ist. Ich hege nur den Verdacht, dass es Ihnen bei Ihrer Erwiderung nicht wirklich darum geht.
      Zu Sache: Ueli Maurer ist ein Vollpfosten, solche Aussagen (wie die von Ihnen zitierte) sind wirklich unter aller Sau. Zufrieden? Und nein, Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass ich mit ihm einer Meinung bin. Genauso wenig wie Sie davon ausgehen dürfen, dass alle Italiener, die sich nicht dazu bemüssigt fühlen, bei jeder Erwähnung des Namens Berlusconi Stellung zu beziehen, nun deshalb mit dem Cavaliere einig gehen oder seine Politik unterstützen. Und ebenfalls nein, daraus werden mir keine beruflichen Nachteile etc. erwachsen, wenn überhaupt eher das Gegenteil.
      Was die Medien angeht haben Sie durchaus recht (insbesondere Weltwoche: Pfui bah) und ich rege mich da auch über plumpe Gegenüberstellungen auf, denn ich mag die ganz allgemein nicht. (Könnten Sie mir freundlicherweise zugestehen, dass ich auch als Schweizer differenziert denken kann? Bitte, danke.) Und ja, ich weiss, dass man schubladisiert, wenn man erklären will, wie DER DEUTSCHE tickt.
      Wo Sie sich irren ist, dass Sie mir einen Spiegel vorhalten würden. Sie unterstellen mir An- und Absichten eines von Ihnen konstruierten „DER SCHWEIZER“ und versuchen dann, mir dafür den Spiegel vorzuhalten. Ich bin ganz einfach nicht der Meinung, dass „DER SCHWEIZER schubladisiert gerne, sollte er nicht, kommt nichts Gutes bei raus“ einen gelungenen Ausgangspunkt für eine Argumentation gegen Vorurteile darstellt.
      Es lassen sich weiter Fakten nennen, die ein Gesamtbild ergeben (Medien), und es lassen sich Fakten nennen, die Einzelheiten darlegen und nicht für Verallgemeinerungen geeignet sind.
      Sie bezichtigen mich der Lüge (weil ich mich erdreiste zu sagen ich würde das von Ihnen genannte Vorurteil nicht kennen) und rücken mich noch in die Nähe von… Persönlich aber würden Sie, Gott sei Dank, nie werden…
      Schliesslich: Nein, es hat mich nicht grundsätzlich genervt, dass der J-Stempel erwähnt wurde. Das unterstellen Sie mir einfach, um dann dagegen argumentieren zu können. Genervt hat mich, dass das nur dazu da war, einen billigen Punkt einzufahren.
      Gut gemacht fand ich übrigens das ad hominem (ich könnte doch vielleicht der tumbe Zürcher sein) und die reductio ad absurdum (weil ich einen Vergleich nicht gut finde, bin ich gegen alle Vergleiche). Ich habe zwar nicht die Absicht, mich weiter auf den jetzigen Schlagabtausch einzulassen, für die Zukunft werde ich mir aber vorsichtshalber noch einmal Schopenhauers eristische Dialektik zu Gemüte führen.

    10. Wahnfried Says:

      @ neuromat: du gibst hier doch recht penetrant den ewigen Oberlehrer. Natürlich passt auch mir als Deutscher in der Schweiz so einiges nicht. Nicht immer hat man es als Auswärtiger, speziell als einer aus dem Norden leicht hier. Aber wenn ich in der Zeit was von den Schweizern gelernt habe, dann ist es doch eine gewisse Gelassenheit. Ausserdem wissen wir ja seit dem Züricher, wer das Rad erfunden hat. Wahrscheinlich kommt jetzt auf der Sechsenläutewiese (hat man hier früher etwa Sachsen geläutert) raus: Das Pulver gehört auch dazu 🙂

      Wer aber wie du meint, auch in fremden Landen dauernd den nervenden Besserwessi geben zu müssen, hat bald keine Freunde mehr. Und apropos nicknames: Ich vermute mal, der Erfindung verschiedener Nicks können sich andere rühmen. Dafür war der Züricher zu, naja, ich sach mal, redlich.

      Alle tohopen, sen de Buern…

    11. SamWeiseVielleicht Says:

      @ Wahnfried:

      Die zwei gehören aber definitiv nicht in die gleiche Schublade;) Diejenige des Zürchers lag dabei so ca. 10 Stockwerke tiefer. Im Falle des Zürchers sollten Sie zudem Dummdreistigkeit nicht mit Redlichkeit verwechseln.

    12. neuromat Says:

      @ wahnfried

      bei Deinem Nick kommen mir auch Zweifel. 🙂

      Es ist natürlich leicht mit Begriffen wie nervender Besserwessi zu agieren und sich in guten Ratschlägen zu üben. Dennoch sollten mir meine Gedanken erlaubt sein. Zumindest versuche ich, mich aus den persönlichen Beleidigungen weitestgehend rauszuhalten. Bin da wahrscheinlich gelassener, wobei ich die hier nicht gelernt habe. Da habe ich zu viel Zeit im Rheinland zugebracht. Dagegen find ich es persönlich hier recht pedantisch hektisch, was dann nicht verstanden wird, weil es eine andere Form von Ungeduld ist (wenn man die Codes versteht: „es wäre noch guet, wenn gelegentlich = gestern erledigen!!!)

      Zudem glaube ich, dass SamWeise auch ein kleines „Geplänkel“ mit manchem nicht ganz von Ironie und Sarkasmus freien Austausch selbst sehr gut einschätzen kann. Wie wenn nicht durch Austausch von Gedanken, soll es denn schon funktionieren. Zumindest habe ich seine Position besser verstanden.

    13. mik Says:

      Wie ein „Vorschreiber“ schon erwähnt hat: Herr Wiese, es ist ganz schlechter Stil, Vorkommnisse in einem Krieg gegeneinander zu vergleichen, erst recht wenn sie falsch sind (die Schweizer haben den J-Stempel nicht gefordert). Noch schlimmer finde ich, dass sie versuchen, implizit damit der ganzen Schweiz einen „Minus-Punkt“ zu verpassen und sich dabei wahrscheinlich ins Fäustchen lachen.

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