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Deutsch statt Dolce — Ein Leserbrief im Tagesanzeiger

  • Nicht die Meinung des Tages-Anzeigers
  • Der gemässigte und liberale Tages-Anzeiger aus Zürich, ein Blatt das in letzter Zeit regelmässig für seine besänftigenden und neutralen Artikel zum Thema „Deutsche in der Schweiz“ von sich reden machte, druckte am 29.02.08 diesen Leserbrief von L. Grego aus Stäfa zu diesem Artikel ab:

    Deutsch statt Dolce
    Wir Italiener haben euch Mode, Esskultur, Dolce Vita und das Lachen gebracht, und ihr habt uns gezeigt, wie man arbeitet, was Ordnung und Pünktlichkeit bedeutet. Und jetzt kommen die Deutschen! Sie haben es im Zweiten Weltkrieg nicht geschafft, die Schweiz einzunehmen und zu kontrollieren. Jetzt versuchen sie mit ihrer «Europavorherrschaft», mit Fluglärmstreit, Banken- und Steueraffären etc. die Schweiz zu kontrollieren. Hut ab, sie können es. Rennt, Schweizer, rennt!

    Natürlich gibt der Einsender dieses Leserbriefes NICHT die Meinung des Tages-Anzeigers oder sonst eines Schweizers wieder, sonst wäre dieser Beitrag ja nicht gedruckt worden. Es ist deutlich zu spüren, wieviel Dankbarkeit und gegenseitige Hochachtung zwischen den eingewanderten Italienern und den ortsansässigen Schweizer besteht. Wo würde die Esskultur mit Pizza, Spaghetti Carbonara und Zweiliterflasche Lambrusco in der Schweiz heute ohne die Italiener stehen? Auch kulturell wichtige Begriffe aus einem Kartenspiele wie „Tschingg“, „Tschingili“ wurden den Schweizern dankbar durch die eingewanderten Italiener beigebracht. Auf dem Höhepunkt der Schweiz-Italienischen Freundschaft feierert man dann gemeinsam die „Schwarzenbach-Initiative“ als völkerverbindendes Fest.

  • Italien hat nicht kontrolliert
  • Die Deutschen „haben es im Zweiten Weltkrieg nicht geschafft, die Schweiz einzunehmen und zu kontrollieren.“ Wozu auch, die Schweiz war ja von den „Achsenmächten“ , d. h. von Mussolinis Faschisten in Italien im Süden und von Nazideutschland im Norden fest im Griff und liess brav alle Transportzüge durchfahren.

  • Kommen sie oder werden sie geholt?
  • „Und jetzt kommen die Deutschen!“ heisst es im Leserbrief. Das stimmt nicht so ganz, es müsste heissen: „Und jetzt holt ihr die Deutschen, warum nicht mehr die Italiener?“. Nehmen wir das Beispiel der Verkehrsbetriebe Zürich. Die finden für die Trams und Busse in Zürich nicht genügend Fahrerinnen und Fahrer, also Chauffeusen und Chauffeure, ganz ohne Feuer zum heizen, und gehen nach Berlin, der Hauptstadt Deutschlands, um dort gut ausgebildete Strassenbahn- und Busfahrer abzuwerben. Leider sind dort schon ein paar andere Nationen mit Abwerben beschäftigt, also kamen sie zu spät und rekrutierten geeignete Bewerber aus Ostdeutschen Provinzen, die die besten Voraussetzungen für den Job mitbrachten. Warum gingen die VBZ-Leute nicht nach Mailand oder Rom, um dort Fachkräfte mit „Dolce Vita“ und „Dolce far niente“ Spezialknowhow anzuwerben?

    VBZ suchen deutsche Buschauffeure
    Zum ersten Mal gehen die Verkehrsbetriebe Zürich gezielt im Ausland auf Personalsuche. In Berlin sollen zehn bis zwölf Busführer angeworben werden. Je besser die Wirtschaftslage, desto schlechter finden die VBZ Fahrpersonal. Schichtdienst, Arbeit am Abend und am Wochenende oder der Ersatzdienst für erkrankte Kollegen sind die wenig attraktiven Seiten des öffentlichen Verkehrs. 2008 brauchen die VBZ mindestens 42 neue Tramführer und -führerinnen sowie 44 Busführer. Neben den üblichen Rekrutierungskanälen wie Stelleninserate oder Prämien für Mitarbeiter, die einen Interessenten finden, versuchen es die VBZ jetzt erstmals direkt in Deutschland, genauer in Nord- und Ostdeutschland, wo die Arbeitslosigkeit höher ist als im Süden.
    (Quelle: Tages-Anzeiger 20.12.07)

    Damit wir jetzt nicht ganz in Sarkasmus verfallen, gehe ich jetzt erst mal Panettoni kaufen und Gelati beim Lieblingsitaliener um die Ecke. Vielleicht bringt er mir ja wieder ein bisschen „das Lachen“ bei im tristen Schweizer Alltag, so wie es L. Grego beschrieb. Was wir nicht begriffen haben bei seinem Leserbrief ist die Aufforderung „Rennt, Schweizer, rennt!“. Wohin denn, nach Italien vielleicht?

    

    30 Responses to “Deutsch statt Dolce — Ein Leserbrief im Tagesanzeiger”

    1. Neuromat Says:

      nun ja eben, Mode, Esskultur, Dolce Vita und das Lachen sind ja schon da. Jetzt liefern wir noch Ordnung, Pünktlichkeit und Arbeitsmoral … dann ist die Schweiz endlich wieder perfekt. Nur eine Frage noch, welche Mode, welches Fondue, welche Dolce Vita und ähm, welches Lachen …. ?

    2. mario II. Says:

      Ach Jens, dass dich so ein Leserbrief noch in Wallung bringen kann…

    3. Thomas Says:

      Hast du die Leserbriefe in der gestrigen NZZaS gesehen? Uiui

    4. gerbera Says:

      Vor 30 Jahren wurde über die einwandernden Italiener gewettert, jetzt wettern die Italo-Schweizer selbst.

      Das sollte all den Deutschen in der Schweiz doch Mut machen! In zwei, drei Jahrzehnten dürft ihr dann auch über die Einwanderer schimpfen, sogar öffentlich via Leserbrief.

      Falls dann noch jemand in die Schweiz einwandern will.

      😉

    5. Motta Says:

      Panettoni! Aber seid mal ehrlich, am liebsten esst ihr doch zwei Pizzas Proskiuto trinkt dazu einen Schianti und als Nachtisch gibts dann noch Schtrazziatella-Eis…

    6. Philipp Sury Says:

      Ich freue mich jeden Morgen im Tram, wenn ein deutscher Chauffeur resp. Chauffeuse die Haltestellen ansagt, denn bei meinen Brüdern Eidgenossen reicht es in der Regel nur für undefinierbare Grunzlaute. Zwischen einem schön klingenden „Kalkbreite“ und „Chlchbrti“ (inkl. Ausatmungsgeräusch) besteht halt schon ein gewisser Unterschied. =)

    7. Neuromat Says:

      @ Thomas

      ich habe da zu den Themen Mode, Esskultur, Dolce Vita und Lachen keine Leserbriefe in der NZZ gefunden.

      Zu einem Thema gibt es aber für die Redakteure einen auf den Deckel von wegen schlechter Recherche …

      zu welchem Artikel war denn der Leserbrief von L. Grego. Oder hat der Tagesanzeiger den Brief selbst geschrieben 😉

    8. Administrator Says:

      Ich vergass zu erwähnen, dass ich beim Italiener stets ausgiebig alle wichtigen Szenen des letzten Halbfinals Deutschland-Italien durchzusprechen pflege… ja, wir verstehen uns wunderbar…

      Jetzt habe ich extra nachgeguckt, wieviele Ts in Panettoni sind, und doch ist es falsch… na ja, gleich ein Schluck Schianti drauf trinken.

    9. Thomas Says:

      @Neuromat:
      der im Blogtext erwähnte Leserbrief ist eine Reaktion auf des Verhalten der dt. Regierung in Sachen Steuerfragen etc. Und genau dazu hatte es eben in der NZZaS (nicht NZZ) diesen Sonntag sehr geharnischte Leserbriefe gegeben.
      Tagi lese ich nur sporadisch und kann deshalb die andere Frage nicht beantworten.

    10. Simone Says:

      @Motta:
      Ich esse heute gar nichts, mir ist total schlecht. Und wenn ich dann noch Leserbriefe wie diese lese, dreht sich mein Magen erneut.
      Wenn die Deutschen so schlimm sind, warum leben dann so viele Italiener in Deutschland? Die deutsche Esskultur wäre ohne sie gar nicht mehr denkbar. Für mich ergibt sich die Frage, wie sich Deutsch-Italiener und Schweiz-Italiener unterscheiden.

    11. Neuromat Says:

      Danke an Thomas. Ich glaube ein Teil dieser Briefe könnten fast von Deutschen stammen.

      Und nochmaliger Versuch eher an den admin:

      auf welchen Artikel bezieht sich den der Leserbrief?

      [Antwort Admin: Auf diesen Artikel des Tagesanzeigers vom 28.02.08]

    12. Lupino Says:

      Soviele ‚warums‘ Jens! Für alle gibt es nur eine Antwort: in unserer globalisierten Welt kann man heute für Mode, Esskultur und Dolce Vita eben nichts kaufen. Darum. Und Länder die sich auf nichts anderes konzentrieren enden so, dass sie die Nachbarn bitten müssen um die Strassen sauber zu halten…

      Aber L. Greco hat Recht auf seiner Meinung. Was mich entsetzt ist dass sein Leserbrief gedruckt würde. Es ist für mich ein Akt der Aggression und ich werde meinerseits Zeichen setzen mit meiner Portemonnaie – wenn mein Tagi Abo abläuft, wird es nicht verlängert – ich muss nicht für meinen täglichen Tracht Prügel noch zahlen.

      In den Letzten wochen gab es viele Beispiele für ‚Volksverhetzung‘ seitens der Tages Anzeiger. Es wird immer sehr clever gemacht – meistens nur der Headline (erwartet man dass die Artikel nicht gelesen werden?) enthält was brisantes und der Artikel selber ist oft unschuldig. So wie der Artikel der L.Grecos Hasstirade provoziert hat. Die Überschrift lautete ‚DEUTSCHE VERDRÄNGEN ITALIENER‘ und es ging darum, dass die deutschen jetzt die grösste Ausländergruppe sind. Eine sehr aggresive Wortwahl, ich glaube nicht an Zufall. Ich bin schon konditioniert – ich habe so einen Leserbrief erwartet und wurde nicht enttäuscht. Ganz goldig war dass irgenein Funktionär interviewed wurde und er erzähle das 40% der Leistungsträger die in den letzten Jahren eingewandert sind, Deutsche sind (wer sind die anderen?) und dass es ihm eigentlich nicht viel ausmacht dass es so ist. Eine gute Seele, oder?

      Ganz infam war ein Überschrift im Magazin ‚Jeder ist ein Deutscher‘. (An dem Tag habe ich mich entschlossen die Deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen wenn es noch geht, aus Protest, schliesslich habe ich 15 Jahre da gelebt und Land und Volk lieben gelernt!) Es ging um Littells Buch, und statt zu sagen dass das Böse in jedem lauert reich eben ‚Jeder ist ein Deutscher‘. Also Deutsch = Böse.

      Sonst im Gedächtnis hängen geblieben ist der Deutsche Makel…

      Eine Menge Seitenhiebe die nicht mit der jeweiligen Sache zu tun haben, die sogar ablenken…

      Und meine Lieblingsüberschrift, an Zynismus nicht zu übertreffen: ‚DEUTSCHE JAGD AUF SCHWEIZER ARZTPRAXEN‘. So die Überschrift. Was stand im Artikel? Dass schweizer Ärzte ihre Praxen zu überhöhten Preisen in Deutschland über irgendeine Organisation anbieten und dass sich nur langetablierte spitzen Ärzte den Kauf leisten können. Also gehen junge schweizer Ärzte leer aus, was verheerend ist da neue Praxen nicht gegründet werden dürfen. Eindeutig eine aktive Jagd, kann nicht eine Folge von gierigen Einheimischen sein…

      In dem Professorenstreit gab es auch viele unsägliche Beispiele. Ich bin nicht mehr bereit dies finanziell zu unterstützen. Es regt mich sehr auf und alle Versuche das sportlich oder mit Humor zu sehen sind erfolglos geblieben, Temperamentsache. Ich habe sehr nette Menschen um mich die mein ‚Anderssein‘ nicht als Makel sehen und ich bin zu dem Schluss gekommen das es nur einen Weg gibt diese ständige Aufregung zu verhindern: ich werde die schweizer Zeitungen nicht mehr lesen!! Where ignorance is bliss… Die Fernsehnachrichten müssen reichen, und da geht es auch Anständig zu.

      Vielleicht würde sich was ändernwenn der Tagi den Unmut deutscher Leser zu spüren bekam?

    13. Marroni Says:

      Gratuliere, Jens, Du lernst rasend schnell, Du trinkst „nur“ einen “ Schianti“, Deutsche Neuzuzüger trinken nämlich “ Schianti – Wein „. Dazu folgendes: Die erschossene, tote Leiche sass auf einem weissen Schimmel, der von einem schwarzen Rappen verfolgt wurde, offensichtlich hatte der verstorbene Leichnahm vorher zuviel Schianti- Wein getrunken“

    14. neuromat Says:

      @ Motta 😉

      weiss i schon, setze dick mal hin. Abs tu schon mal gedackt, was fur eine Gluck mit die deutsche Appetit? Naturlich nickte. Statt desse mackte lustig über Deutsche. Deutsche nix iste Experte für Italienisch.

      Aber, was würdest Du denn denken, wenn es sich anders herum verhielte. Deutsche trinken nun mal gerne einen Expresso. Wir gehen, wo wir gehen und Du gehste woanders.

      @ Simone
      ganz einfach. Das italienische Restaurant heisst in Deutschland „La Capaninna“ und in der Schweiz „Kreuz“ oder „Bären“.

      Ich darf so schreiben. Viele gute, sympathische Bekannte sind Italiener. Ganz getreu dem Schweizer Motto: Ich darf so reden ueber die Deutschen, meine Frau ist Deutsche. 🙂
      Nein, was bin ich froh. Die deutschen sind jetzt Gastarbeiter Nation Nummer 1. Offensichtlich ist der Kanton Zürich jetzt endgültig deutsch. Was bin ich froh, dass ich in der Schweiz lebe. Dazu in einer Region, die traditionell stark italienisch besiedelt ist.
      Ist aber noch irgendeiner in Deutschland, also Deutsche, mal abgesehen von der Regierung?

    15. Brun(o)egg Says:

      Ihr müsst Euch einfach bewusst sein, dass Imigranten aus südlichen Ländern nach einiger Zeit ja nichts mehr verlieren wollen was sie sich erarbeitet haben, – verständlicherweise. Hat aber zur Folge, dass sie bedeutend konservativer eingestellt sind als der Durchschnittsschweizer. Ja nichts verändern. Ein echtes Reservoir für die SVP.

    16. Marroni Says:

      @neuromat grins. ertappt. Ma, ai ache pensato a i tedeschi in espania? Chiamato “ Mallö“?? E sempre lo stesso!

    17. Francesco Says:

      Finde die Argumente der Leser nicht ganz falsch. Italiener haben viel an der Deutschschweizerkultur gegeben. Als Beispiel könnte man erwähnen die italienische Ess- und Modekultur, die natürliche Freundlichkeit und Sympathie, die Grosszügigkeit und Spontanität oder die Mediterranisierung von Städte wie Zürich (Strassencafés, usw.). Das gleiche kann man nicht von einem Teil der Deutschen sagen, die oft Arroganz, Jammern und Geizigkeit „exportiert“ haben. Ich habe das Gefühl, gewisse Deutsche glauben, dass sie gegenüber derjenigen die südlich von Deutschland geboren und aufgewachsen sind, besser seien (Superioritätspinzip). Das gleich gilt übrigens auch für Deutschschweizer gegenüber Tessiner:-). Ein bisschen mehr Bescheidenheit würde diese Leute bestimmt nicht schaden!

    18. Frank Says:

      @Francesco: na da können die Schweizer ja froh sein, daß sie nicht auch noch Chaotentum, Faulheit, Nachlässigkeit, Machoismus und Muttersöhnchensein mit übernommen haben.

    19. neuromat Says:

      @ Francesco

      Bescheidenheit!

      Scheint nicht gerade Dein bevorzugter Wesenszug zu sein bei der abgelieferten Liste von Vorzügen.

      Und Vorurteile hast Du auch noch, dass sich jede Schublade nur so freut. Im Grunde ist die Bemerkung „kann man nicht von einem Teil der Deutschen“ sagen eine echte Unverschämtheit. Man möchte als Sizilianer fast meinen Deine Wurzeln sind Norditalien (betreffend das Superiorätsprinzip).

    20. Simone Says:

      @Francesco:
      Was ist es denn, das Deine Landsleute nach Deutschland lockt, wenn dort alle so schlimm und arrogant sind?

      Es ist schön, dass Du als Eingewanderter, sozusagen im Glashaus sitzend, so unbesorgt mit Steinen wirfst! Solltest Du Verwandtschaft in Deutschland haben, grüß sie von mir. Die eingewanderten Italiener in Deutschland werfen nicht so wie Du mit Steinen, sondern bringen viel eher einen Grappa auf Kosten des Hauses nach dem Essen.

    21. Schwiizerli Says:

      L. Grego aus Stäfa hat noch die Ostmilliarden vergessen. Das ist ein anderes düsteres Kapitel das wir Brüssel/Berlin zu verdanken haben.
      Kann nicht mal endlich jemand die Rechung für die NEAT, die ja auch gaaanz Europa dient, in den Norden senden? So als Gegenleistung?
      Zumindest bezahlen ja die VBZ-Fachkräfte aus dem Norden bald mit.
      Aber wie Philipp Sury gesagt hat…immerhin können die deutsch… 🙂

    22. Guggeere Says:

      @ Brun(o)egg: SVP-Reservoir: Das habe ich auch schon festgestellt. Erinnert irgendwie an das Phänomen, dass unter den schlimmsten Glaubenfsanatikern immer überproportional viele Konvertiten zu finden waren (und sind). Verstehen kann ich es trotzdem nicht.
      @ Schwiizerli / Francesco: O Herr, schmeiss Hirn vom Himmel!

    23. AnFra Says:

      Ja wo rennen sie denn hin, die Schweizer?

      Habe lange überlegt und habe nun die Lösung dieses existenzielle Problem unseres italienischen Briefschreibers.

      Was ist in seinen Augen bei den liebenswerten Alemannen in CH so ganz anders als bei den barbarischen Germanenstämmen im nördlichen D? Habe die ganze Nacht verzweifelt gegrübelt, gehirnt und studiert, all die kulturellen, gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Unterschiede gesucht, die unser italienischer Freund so dramatisch zwischen den beiden germanischen Brudervölkern dargestellt hat.
      Was habe SIE an Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit und Menschlichkeit, die UNS ach so fehlt?

      Und dann kam er in meinen Traum gewackelt: Publius Quintilius Varus ( http://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Quinctilius_Varus ), die Schande Roms. Blutverschmiert und zerfetzt, der große Heerführer.

      Das ist die Lösung: Rache für die Legionen im Teuteburger Wald ( http://de.wikipedia.org/wiki/Varusschlacht ). Unser Freund L. Grego will 2.000 Jahre nach Varus Rache! Das ist die Erleuchtung für diesen Leserbrief: Er will im bester römischer Tradition die germanischen Völkerschaften gegeneinander hetzen, wie in guter alter Zeit im cesarischen Rom.
      Er will Rache für die 20.000 Römer, die durch die germanischen Barbaren mit Mann und Esel vernichtet wurden, denn diese 3 Legionen wollten die lateinische Kultur in den Norden bringen: „Tomaten für die Pizza, Polante, Kürbiseis, Nudeln und Dolce“ und die „anderen“ Köstlichkeiten.

      Am 09.09.9 n. Ch. platzte diese einmalige Gelegenheit, in den Kulturkreis als Vasallen Roms aufzusteigen. Die Barbaren haben die eigene Sprache behalten, haben keinen römischen Röckchen ihren Männern umgelegt, haben die „deliziösen“ Köstlichkeiten der römischen Küche verachtet und haben die eigenen „leckeren“ Sachen gemampft.

      Drum kommt vom Schreiber dieses verzweifelte Fanal: „Rennt, Schweizer, rennt. Auf ihr Schweizer, auf in den Teuteburger Wald, lasst uns die Geschichte 2.000 Jahr nach dem 09.09.9 neu schreiben.“

      PS: Würde für die Schweizer bedeuten: Das Land nennt sich dann: Provinzia Helvezia!

    24. Inda Says:

      Ich find’s lustig: So bemüht man auf der Blogwiese ist, gängige Clichees zu entlarven, bei dieser Diskussion scheinen sich einige zu bewahrheiten: Die Italiener provozieren temperamentvoll, wenn auch etwas dumb, die Deutschen kontern mit geschliffener Rethorik und die Schweizer sitzen schweigsam in der Mitte 🙂

      @Lupino: Sie werfen dem ‚Tagi‘ gezielte Hetze vor. Dem will ich gar nicht explizit widersprechen, aber welchem Zweck soll das denn dienen? Ausser der bereits erwähnten Auflagensteigerung kommt mir nichts in den Sinn, und diesem Tun könnte man bestimmt mit etwas mehr Gelassenheit begegnen. Medien funktionieren nun mal so, das ist überall auf der Welt dasselbe.

    25. harzerchäs Says:

      ach nö, der tagi fand den leserbrief interessant und druckte ihn deswegen ab.
      der neueste fremde hat eben immer die arschkarte.

      aber noch was anderes. merkt ihr eigentlich wie eifrig und agressiv ihr hier gegeneinander seid? der ton den man hier antrifft ist so typisches „wäffele“. kleinkariert und empört ist das hier.
      ich finde von dort wo man herkommt, das muss man nicht verteidigen. man kann ja auch nix dafür.

    26. Kreis7 Says:

      Der Tagi ist doch nur in deutschen Sozi-Augen ein liberales Blättchen. Die NZZ bedient den Zürcher Liberalismus!

    27. Lupino Says:

      @Inda

      Ich habe da so eine Theorie… Herr und Frau Schweizer ist so gestresst vom ständig zurückhaltend, bescheiden und höfflich zu sein dass der Prügelknabe du jour herhalten muss sonst platzt was. 🙂

      Im ernst, warum? Weil man es kann und niemand protestiert. Es tut gut die Sau raus zu lasssen (ausser man ist on the receiving end). Darum. Unbefriedigend, ich weiss.

      @harzerchäs
      Du sprichst mir aus der Seele. Gilt das mit dem Herkunft auch für mich?

    28. Neuromat Says:

      @ Lupino

      die einen lassen die Sau raus, die anderen lassen die Sau(schwaben) rein.

    29. AnFra Says:

      Es ist mir soeben eine kleine Episode im Dreieck Italien, Schweiz und Deutschland im 2. Weltkrieg eingefallen, die ich hier nachschieben möchte.

      Unser ital. Leserbriefschreiber versucht verzweifelt die schweizer Weihen zu erhalten. Er schiebt die gesamten Vorurteile geflissentlich auf die deutsche Seite, aber:

      Im Jahr 1939/40 hat der ital. neocaesarische Benito für seine Schulen fürs Schuljahr 1941 neue Landkarten drucken lassen. Aus diesem Vorgang um die „neuen“ Landkarten kann der Spruch: „Rennt, Schweizer rennt!“ gut abgeleitet werden. Denn die Schweizer hätten in den nördlichen Teil der Schweiz rennen sollen, wie weiland zuvor die deutschsprechenden Südtiroler in Zusammenarbeit zwischen Benito und Adolf in das dt. Reichsgebiet umgesiedelt wurden.
      Benito hatte zuvor im Balkon ohne Absprache mit Adolf sich ausgetobt und ist in Albanien, sowie besonders in Griechenland unter extremen Druck gekommen. Sein Entsatz erfolgte durch Adolf auf sehr blutige Weise.

      Nun die Frage: Warum dieses Geschreibe? Weil Benito hier eine Generalübung zur Eroberung der südlichen Schweiz durchgeführt hatte, da in diesen Gebieten die Gebirgslandschaften überwiegen!!! Er ist dabei schwer gestrauchelt und hat sich eine blutige Nase geholt.
      Benito wollte mit aller Macht nach dem „erfolgreichen Balkankrieg“ die südlichen, romanisch sprechenden Teile der Schweiz „Heim in ital. Reich“ holen. Auf den o.g. Landkarten waren die „neuen“ Grenzen von etwa Chur über Freiburg nach Genf eingetragen. Das hat Adolf wg. eigener Pläne nicht gepasst, da die Operation Barbarossa bereits im Laufen war.

      So gesehen entsteht eine wahnsinniger und zugleich extrem ironischer Treppenwitz der schweizer Geschichte: Der Adolf als „Schutzheilige“ der schweizer Eigenständigkeit und Unversehrtheit im 2. Weltkrieg. Adolf als Erretter der Schweiz. Denn Adolf verbietet Benito den Kriegsbeginn zur Okkupation der südlichen schweizer Kantone.

      Über die kulturellen Ergebnisse dieser Zuwanderung möchte man nicht weiter sprechen wollen. Ob da den Schweizern das ital. Lachen vergangen, die aktuelle Modefarbe schwarz und das Leben sauer wäre?

    30. erwin Says:

      da ich auf grund meiner arbeit schon im gesamten eu-raum gearbeitet habe kann ich nur sagen das diese debatte um die deutschen fachkräfte eu weit geführt wird.seltsamer weise im verschärften ton nach wegfall der grenzen.am wenigsten in den alten sowjetrepubliken die freuen sich sogar auf die deutschen fachkräfte.