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Wie fluchen die Schweizer?

(reload vom 03.10.05)

  • Wer flucht denn hier?
  • Die Schweizer fluchen nicht. Jedenfalls nicht, wenn Deutsche dabei sind.

    Ich habe in den ersten 6 Monaten in der Schweiz keinen Fluch gehört. Vielleicht weil ich Kunde war, und man ausgesprochen nett zu mir sein wollte, vielleicht weil die Schweizer so glücklich sind, dass sie nie fluchen müssen. Wer das nicht glauben will, kann ja mal das Orakel des 21. Jahrhunderts, nämlich Google fragen: Für „Schweizer Flüche“ gibt auch bei Eingrenzung der Suche auf die Schweiz keine verwertbaren Treffer.

    Die einzigen Verweise auf das Thema „Flüche in der Schweiz“ sind offensichtlich Erinnerungen von Schweizern daran, dass es früher mal so was wie Flüche gab:

  • Früher gab es Flüche
  • In einem Interview mit dem Texter André Küttel, der bei der Schweizer Parodie von „Der Herr der Ring“ die entscheidenden Textpassagen mitgestaltet hat, sagt dieser zum Thema Flüche:

    In Ring Thing hat es klassische, Schweizer Flüche, die ich von meiner Jugend her kenne. „Du bisch so en Mongo“ oder „Gorilla Blauarsch„, um mal zwei zu nennen. Woher kommen die?
    (…)
    Und das sind halt wirklich Ausdrücke, die ich von meiner Schulzeit kenne. Und diese Ausdrücke sind halt inzwischen ein bisschen verloren gegangen. Die heutige Jugend flucht auf Englisch und sagt halt „Fuck“ oder so, während wir uns noch anders ausgedrückt haben. (Quelle)

    Und in einer Besprechung des Schweizer Kinohits „Mein Name ist Eugen“ heisst es

    Dass der Film gerade richtig kommt, passt zum Zeitgeist und zum Retro-Trend. In Nostalgie baden liessen mich vor allem die Schimpfworte, die längst aus der Mode sind: «Halbschueh», «Höseler» und Flüche wie «Dammisiech!» sollte man bei Gelegenheit verwenden, um sie am Leben zu erhalten. (Quelle)

  • Fluchfreie Zone Schweiz?
  • Doch jetzt habe ich den wahren Grund gelesen: Die Schweizer würden ja gern fluchen, aber es wurde ihnen verboten:

    Eishockey-Fans wird das Fluchen verboten
    Die ZSC-Fans müssen immer strengere Regeln befolgen. Nach dem rigorosen Durchgreifen gegen das Rauchen im neuen Hallenstadion gilt jetzt auch: «Fluchen verboten!»

    ZSC-Lions-Sportchef Simon Schenk rief die Fans letzte Woche zu sprachlicher Disziplin auf: Das Singen von beispielsweise «Sitz, du Sau», dem langjährigen Schmähruf der Zürcher, sei per sofort verboten. Denn fortan, so will es die Eishockey-Nationalliga, kosten ehrverletzende Worte aus dem Publikum die Klubs 300 Franken plus Schreibgebühren. Als Spitzel werden Verbandsmitglieder eingesetzt.

    Beim ZSC stösst die neue Verordnung auf wenig Gegenliebe: «Wir werden damit vor grosse Probleme gestellt, denn das Einhalten dieser Regel ist schwer umsetzbar», sagt Schenk. Die Stossrichtung sei aber sicher die richtige. Quelle

  • Sitz, du Sau

  • Da ist er, der berühmte Schmähruf der Zürcher. Ein knallharter Fluch, würde ich sagen. Kaum auszuhalten in seiner Krassheit und Direktheit, mit einer hübschen Alliteration (=Stabreim) übrigens. Das gehört natürlich verboten, bzw. abgestraft. Ist doch praktisch, wenn man mit Flüchen auch noch Geld verdienen kann. Die Zürcher sind zu allem fähig.

  • Kampf dem Fluch mit Musik

  • Was der Artikel nicht verrät , ist wie die Geschichte weiterging. Als die Zürcher ZSC-Fans dennoch anfingen ihre Flüche zu skandieren, wurde zur Unterdrückung einfach die Lautsprecher-Musik lautergestellt, so laut, dass normale Zuschauer sich die Ohren zu halten mussten, um keine Gehörschäden davonzutragen.

  • Fluchen auf Schweizerdeutsch ist lernbar

  • Wer gern lernen möchte, wie man auf Züridütsch korrekt flucht, hier ein kurzer Auszug aus einem Sprachkurs Kurs: Fluchen auf Züridütsch (MP3 231Kb)

    

    11 Responses to “Wie fluchen die Schweizer?”

    1. Bazooka Says:

      Im Züri-Slängikon gibts einige (akutuelle) Zürcher Flüche:
      http://zuri.net/default.asp?action=slang&upd=2&themaID=43

    2. Fluchen in Appenzell Says:

      kleines muster gefällig? folgende person steht nicht gerade zuoberst in der „ich-mag-dich-liste:
      E so en nützege, truurege, möndere, stroolege, letzgfederede, vemaledeite, tomme huere sausibesatan wie di, mome wiit gi sueche!!!!

    3. Brun(o)egg Says:

      Ein fast schon eleganter, alter, veressener Fluch aus Basel: „Nundedie!“ (Nom de Dieux auf Baseldeutsch).

    4. Silent Witness Says:

      hahahaha… hab mich fast tot gelacht ab „Gorilla Blauarsch“ das kenne ich noch aus meiner Schulzeit. Ich finde man sollte solche Flüche wieder öfter verwenden (natürlich anstelle von f**k und co.) 😉

      Hier noch ein paar Ausdrücke:
      – Grüsel
      – Tubel
      – Saugoof
      – Sauhund
      – Lätzgfädlete Siech
      – Mongobilli

      öhm ja… das wars von meinen Fluch-Wortschatz 😉

    5. bk Says:

      bei uns liegt der gute alte „wäbstübler“ seit jahren voll im trend…

    6. Gery us büüli. Says:

      Ein beliebter Klassiker ist auch der Herr Gopf… mit all seinen Variationen

      gopferdammi
      gopferdeckel
      gopferdammisiech..
      etc etc.
      die liste liesse sich beliebig weiterführen..

    7. solar Says:

      Mit HUEREGOPFERTAMISIECH muss ich mich leider umständehalber verabschieden. Vielen Dank für die vielen spannenden, informativen, kreativen und oft entspannend zwerchfellersdchütternden Beiträge in und zu diesem Blog.

    8. Tari Eledhwen Says:

      hatten wir das nicht schon mal?

      [Antwort Admin: Ja, falls Du es noch nicht bemerkt hast: Die Blogwiese läuft auf Reload, steht sogar oben drüber. Daher hatten wir das schon mal. Reload bedeutet: Alte Beiträge werden neu aufgeschaltet.]

    9. PEETI Says:

      Ich lernte meinen Mann (jetzt EX) in der Schweiz kennen, er redete mit mir Hochdeutsch. Wir zogen nach Deutschland, natürlich redete er Hochdeutsch. Aber immer wenn er sich aufregte (er ist sehr temperamentvoll) dann fluchte er auf Schwyzerdütsch. Ich dachte mir, dieses Schwyzerdütsch ist ja eine schreckliche rauhe Sprache und so ungehobelt. Erst als wir dann in die Schweiz umzogen, lernte ich, dass man Schwyzerdütsch auch „anständig“ anwenden kann. Und diese Wörter z.B. „huere“ von „ungeheuerlich“ kommen.

    10. Guggeere Says:

      Kann mir nicht vorstellen, dass „man“ hierzulande nicht mehr flucht und dass die Jungen nur noch „Fuck“ im Repertoire haben. Allein zum Thema „Gopf“ und all den Zusammensetzungen kämen bei einem spontanen Brainstorming wohl Dutzende von Fluchwörtern zusammen. Die Mundarten sind doch geradezu prädestiniert für fulminante, fast schon kilometerlange Flüche. Ausserdem: Schimpfwörter verwenden heisst für mich noch lange nicht fluchen.
      Den „Gorilla Blauarsch“ kenne ich schon seit der Kindheit, und zwar so: Du hängst einhändig an einer Teppichstange (gibts leider nicht mehr) oder an einem Ast. Den freien Arm steckst du unter dem angezogenen Knie hindurch nach oben und nimmst den Daumen in den Mund. – Bei uns war das also nie ein Schimpfwort, sondern eine Art Kunststück, mit dem man bei den Spielkamerädli punkten konnte.

    11. junger Says:

      bei uns ist der ausdruck

      – du huere michi –

      sehr beliebt

      aber hier noch ein schönes neues Wort:

      Mercda bzw. Mercder (merci dir / i dank dir)