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Selbstverständliche Beherrschung von Dialekt und Hochsprache — Im Tessin kein Problem

August 4th, 2010

(reload vom 1.3.07)

  • Hochdeutsch darf keine Fremdsprache mehr sein — Die Vorschläge des Forum Helveticum
  • Das „Forum Helveticum“ tagte am 14.02.07 und publizierte anschliessend eine Reihe von Vorschläge, die wir hier diskutieren möchten:

    Hochdeutsch darf keine “Fremdsprache” mehr sein

    Die vermehrte Präsenz von Mundart auf allen Gesellschaftsebenen hat sich in den letzten Jahrzehnten auf Kosten des Hochdeutschen durchgesetzt. Die erhöhte mangelnde Kompetenz der Hochsprache erschwert den Kontakt sowohl zum deutschsprachigen Raum als auch mit den anderen Sprachregionen der Schweiz. Ziel muss sein, dass Deutschschweizer Hochdeutsch nicht mehr als “Fremdsprache” empfinden. Als Beispiel einer selbstverständlichen Beherrschung von Dialekt und Hochsprache wird die Lage in der italienischen Schweiz genannt.
    (Quelle: sprachkreis-deutsch.ch)

    Es muss „Ziel sein, dass Deutschschweizer Hochdeutsch nicht mehr als ‚Fremdsprache‘ empfinden“. Ist das jetzt der kategorische Imperativ? Die selbsterfüllende Prophezeiung? Wie oft haben wir von Schweizern gehört, dass für sie Hochdeutsche „eine Fremdsprache“ sei, und wie oft haben wir schon versucht ihnen ihre zweite Muttersprache als natürliche Verkehrssprache näher zu bringen.

    Der Ticino gab dem Tessin seinen Namen
    (Der Fluss “Il Ticino” gab dem Kanton seinen Namen)

    Besonders interessant finden wir das zitierte Beispiel „Tessin“. Dort sind die eigenen Dialekte auch weit entfernt von dem in Italien gesprochenen Standard-Italienisch:

    Ein Grossteil der Bevölkerung spricht lokale Dialekte, die zur lombardischen Dialektengruppe gehören. Da die Dialekte aus der Lombardei (inklusive Italienische Schweiz), dem Piemont, Ligurien und Emilia-Romagna, einen gallischen Hintergrund besitzen, ist es nicht erstaunlich, dass sehr viele Tessiner Wörter dem Französischen ähneln, und auch nasale Laute sowie ‘ö’ und ‘ü’ vorkommen. Im Tessiner Dialekt heisst es z.B.: „un om al gheva dü fiöö“, auf Standard-Italienisch würde man sagen: „un uomo aveva due figli“ (ein Mann hatte zwei Söhne). „Herz“ heisst im Dialekt „cör“ , ähnlich wie das französische „coeur“ [kœr] und nicht wie das italienische „cuore“ [kwɔre]. (…)
    (Quelle: Wikipedia)

    Also gibt es auch in der italienischen Schweiz eine Diglossie, gesprochener Dialekt neben geschriebener Standardsprache, dem Standard-Italienischen. Italienisch wird als Verkehrssprache und niemals als „Fremdsprache“ empfunden, wie das Hochdeutsche in der Deutschschweiz. Niemand hat ein Problem damit, im Gespräch mit nicht Einheimischen auf Italienisch zu sprechen und es wird von den vielen Gastarbeitern aus Italien auch nicht verlangt, dass sie sich doch bitte im Gebrauch eines Tessiner Dialekts üben möchten.

  • Dialekt nur bei den Alten
  • Wir fragten den Tessiner Journalisten Franco Valchera, der für das „Radiotelevisione svizzera di lingua italiana“, kurz „TSI“ aus der deutschsprachigen Schweiz berichtet, wie das Verhältnis der Tessiner zum „Standard-Italienischen“ sei, ob ähnlich belastet wie das der Deutschschweizer zum Hochdeutschen.

    Er erzählte uns, dass für die meisten Tessiner, wenn sie nicht der älteren Generation angehören oder in abgelegenen Tälern und Dörfern wohnen, Dialekt kaum mehr Teil der Alltagssprache sei. Die Wortmelodie unterscheidet sich und die Aussprache, geschrieben wird aber immer auf Standard-Italienisch, niemals auf Dialekt, auch nicht in den SMS.

    Die Tessiner wurden auf diesem Blog bisher viel zu wenig thematisiert. Im Kanton Tessin leben laut Wikipedia 306′846 Einwohner, das entspricht 4,3 % der Schweizer Gesamtbevölkerung. Das Tessin wird ständig nur unter „ferner liefen“ angeführt. Während sich die Westschweiz gelegentlich Gehör verschafft, auch in den Medien der Deutschschweiz, kann das Tessin froh sein, wenn tatsächlich an diesen Teil der Schweiz gedacht wird. Uns ist bereits früher aufgefallen (vgl. Blogwiese), dass beispielsweise die Webseite von Eidgenössischen Einrichtungen wie die Münze, swissmint.ch, nur auf Deutsch, Französisch und Englisch existieren. Fehlanzeige für Italienisch:

    Swissmint nicht auf Italienisch
    (Quelle Foto: swissmint.ch)

    Nur einzelne Sachtexte sind dort auf Italienisch übersetzt als PDFs herunterladbar.

  • Studium auf Deutsch oder Französisch?
  • Da es im Tessin nur eine kleine Universität mit 1800 Studenten gibt, die zudem 2400 Franken pro Semester kostet, stehen die Tessiner Maturanden (mit “d” wie in “Randgruppe”), so heissen die nicht ganz unreifen Abiturienten in der Schweiz, vor der Wahl, ob sie Französisch lernen und in Lausanne studieren oder nach Zürich gehen, dort Deutsch lernen und studieren. Wer z. B. Tierarzt werden möchte, dem bleibt nur die Option Bern (70 Plätze) oder Zürich (80 Plätze), denn nur dort ist ein Studium der Veterinärmedizin möglich.

  • Ein eigener Fernsehsender für nur 956 Tausend Zuschauer

  • Interessant ist ein Zahlenvergleich der Leistungen des Deutschschweizer Senders SF und des italienischen TSI, veröffentlicht unter unserer Lieblingswebadresse srgssrideesuisse.ch. Irgendwie treibt uns dieser tolle Name immer ein „Lächeln“ auf die Lippen.
    (vgl. Blogwiese)

    Demnach produziert TSI mit 1‘028 Mitarbeitern für 202 Mill. Franken 3273 Stunden Eigenproduktionen. SF brauchte nur 831 Mitarbeiter aber 509 Mill. Franken für 3038 Stunden. Wenn man bedenkt, dass TSI mit seinem ersten Programm bis zu 183‘000 Menschen erreicht, und SF1 aber 2‘8 Millionen Zuschauer, kostet folglich das Programm pro Zuschauer und Jahr im Tessin 1′103 Franken, in der deutschsprachigen Schweiz nur 180 Franken.

    Was folgern wir sonst noch daraus? Dass die Löhne in Zürich höher sein müssen als im Tessin wenn 200 Angestellte weniger 300 Mill. Franken mehr verbraten? Oder dass die Menschen im Tessin fleissiger arbeiten um 200 Stunden mehr zu produzieren? Wir werden uns hüten vor solchen nicht belegbaren Schlussfolgerungen! Was die Zuschauer angeht, da nehmen wir an, dass ganz Norditalien TSI guckt, weil ständig der Anblick von blonden langbeinigen “Silicon Valley Donne” nicht zum Aushalten ist.

  • Mit Hochdeutsch kommt ein Tessiner nicht weit
  • Was wir von Freunden und Bekannten aus dem Tessin immer wieder erzählt bekommen, ist ihre Frustration darüber, dass sie mit ihren mühsam gelernten Hochdeutsch in der Deutschschweiz nicht weit kommen. Sie müssen mehrfach darauf bestehen, eine Antwort auf Hochdeutsch zu erhalten, bzw. beginnen nach einiger Zeit wie viele Romands mit dem Studium der Schweizerdeutschen Alltagssprache in der Migros-Clubschule.

  • Nur Italienisch? Kein Problem
  • Anderseits erzählte mir ein Italiener in Bülach, dass er im Alltag praktisch ohne Deutschkenntnisse auskommt. In der Migros geht er an die Kasse, an der eine Italienerin sitzt. Gleiches gilt beim Besuch der Kantonalbank oder bei einem Behördengang. Im Kanton Zürich ist die Gruppe der eingewanderten Italiener so gross, dass das praktisch immer einen Vertreter der ersten oder zweiten Generation in jedem Geschäft oder bei jeder Behörde zu finden ist. Irgendwo müssen sie ja untergekommen sein, die 300‘000 Italiener in der Schweiz.

    Pack den Schiller wieder ein — Wahre Kultur lernt man bei den Italienern

    July 31st, 2010

    (reload 28.02.07)

  • Was Kultur angeht ist bei den Deutschen nichts zu lernen
  • Ein immer wieder kehrendes Argument in der Diskussion über die vielen Deutschen in der Schweiz ist deren fehlende Kultur. Der wahre Schweizer kann da differenzieren. So lasen wir erst kürzlich in einem Kommentar auf der Blogwiese:

    “Habt ihr euch eigentlich einmal gefragt, welchen Gewinn ihr fuer die Schweiz darstellt? Kulturell-wohl kaum, da haben Italiener ne Menge Mehr zu bieten”
    (Quelle: Kommentar auf der Blogwiese)

    Es ist nicht das erste Mal, dass uns als Deutsche in der Schweiz das Argument der kulturell überlegen Italiener genannt wird. Ein anderer Kommentator schrieb zum gleichen Thema:

    7. Kultureller Einfluss: Migranten aus dem Mittelmeerraum brachten uns Dolce fare niente oder Siesta, gute Musik und schöne Mädchen. Und die Deutschen? Preussicher Drill und … (kenne gerade keine Deutsche Ikone).
    (Quelle: Kommentar auf der Blogwiese )

    Bevor nun die grosse Diskussion über den Begriff „Was ist Deutsche Kultur?“ beginnt, strecken wir kampflos die Waffen, singen „O Sole Mio“ und holen die grosse verstaubte Kiste vom Dachboden, der hierzulande „Estrich“ heisst und nicht aus Beton gegossen ist, oder von der „Bühne“, falls sich ein Leser aus dem Schwabenland auf diesen Blog verirrt haben sollte.

  • Weg mit der Deutschen Kultur
  • Eine grosse Kiste brauchen wir, um jetzt mal tüchtig unser Bücherregal von mitleiderregenden Beispielen Deutscher Kultur zu befreien. Also nichts wie in die Hände gespuckt und los geht’s: Hölderlin, Goethe, Kafka kommen als erstes dran. Bei Hesse zögern wir. Ist der nicht am Ende seines Lebens Schweizer geworden, wie es sich gehört für einen guten Deutschen, der Gast ist in diesem wundervollen Land? Also lassen wir ihn erst mal stehen und schnappen uns Böll, Brecht, Walser, Grass, all die guten Bücher die durch Gutenbergs Buchdruck möglich wurden. Auch ein deutscher Kulturschaffender? Jetzt wird es eng in der Kiste. Sybille Berg stellen wir zurück ins Regal. Nach ihrem Artikel vom 23.02.07 im Blick zu urteilen ist sie bereits bald auf dem Weg, eine gute Schweizer Kolumnisten zu werden.

  • Deutsche Musik? Um Gotteswillen!
  • Machen wir weiter bei den Platten und CDs: Bach, Beethoven, Schubert, Schumann. Den Mozart überlassen wir den Österreichern, und Chopin teilen sich derweil die Polen mit den Franzosen. Kein Problem, sonst würde die Kiste zu voll. Muss ja noch Strauss und Weber hinein. Herbert Gröhlemeier und BAP lassen wir stehen, die stehen für Ruhrpott („Bochum ich komm aus Dir, eh Glück Auf“) und Köln, nicht für Deutschland.

    Um ja keinen zu vergessen hier eine längere Liste Deutscher Komponisten. Hinzufügen wollen wir nun ein bisschen Malerei von Franz Marc, August Macke, Dürer und Hohlbein. Obwohl letzter ist zu den Schweizern abgewandert, weil die ihn besser bezahlt haben in Basel. Joseph Beuys hingegen aus Düsseldorf verstand sich als Weltbürger, der seinen Filzhut überall trug und seine Fettecken ebenfalls Standort unabhängig anbringen konnte. Ein paar weitere Deutsche Maler finden sich hier.

  • Wo sind die schönen deutschen Mädchen?
  • Die Deutschen Frauen sind nicht schön, aber dafür geil, wie wir neulich bei Michèle Roten im Magazin des Tages-Anzeigers nachlesen durften. Oder sind sie es doch eher frigide Hühner? Wir sind verwirrt.
    „Gute Musik und schöne Mädchen“? Nein, die können wir nicht liefern. Ist schon alles eingepackt. Ab jetzt wird nur noch Verdi gehört, und Gianna Nannini, oder Angelo Branduardi. Der ist übrigens gerade auf Tour in der Schweiz, mit weissen Haaren, das trifft sich gut.
    Und was die schönen Mädchen angeht, da werden wir einer Claudia Schiffer oder einer Heidi Klum ab sofort Einreiseverbot für die Schweiz erteilen und nur noch italienische Superstars wie Shakira, Penelope Cruz oder Jennifer Lopez anschauen.

  • Deutsche Kultur besteht nur aus preussischem Drill und Stechschritt
  • Nachdem jetzt alles eingepackt ist, bleibt tatsächlich nur noch der preussische Drill und der Stechschritt übrig, den im Europa des Jahres 2007 leider nur noch die Griechen richtig drauf haben:
    Stechschritt bei den Griechen
    Stechschritt bei den Griechen (nicht unter die Röcke gucken bitte)
    (Quelle Foto: volker-steinlein.de)

  • Gehören Autos zu den Kulturgüter?
  • Falls ja, wird ab sofort eine Importsperre für Daimler Benz, BMW und Volkswagen erhoben. Nur noch FIAT ist erlaubt. Für was stand nochmal diese Abkürzung? „Fix It Again, Tony“ oder so.

  • Was machen wir mit dem Deutschen Kulturprogramm im Fernsehen?
  • Nein, Stefan Raab und Harald Schmidt wollen wir nicht mehr sehen, nur noch die Vorausscheidungen für die nächste „Miss Itala“ Wahl als Endlosschleife von RAI, oder eine der ganz besonders anspruchsvollen Gameshow am Samstagabend. Das haben sie echt drauf, die Italiener. Gibt es sonst ein Land, dass aus 102 Kandidatinnen für die Miss-Wahl an mehreren Abenden in Folge in direkter Übertragung zur besten Sendezeit die endgültige Miss wählt? Absolut bemerkenswert und ein kulturelles Vorbild, von dem wir Deutsche noch was lernen können.

  • Und der Schiller?
  • Nun, als Deutsche können wir den Schweizern wirklich kulturell nicht so viel bieten wie die Italiener. Könnte nicht einfach der Nobelpreisträger und Satiriker Dario Fo die alte Geschichte vom Gessler und vom Apfelschuss für die Schweizer zu einer erfrischenden Satire umwandeln, die dann alljährlich aufgeführt wird, so dass wir auch den alten Schiller einmotten und wegpacken können in unsere Kiste, denn der würde dann endlich nicht mehr gebraucht zur Erhaltung des Nationalgefühls.

    „Schillerstein“
    Schillerstein
    Dario Fo müssten dann natürlich auch den am Weg der Schweiz im Urnersee liegenden “„Schillerstein“ ” gewidmet bekommen, verdient ist verdient.

  • Far niente im Land wo die Zitronen blühen
  • Kurzum: Ein Hoch auf “la dolce vita” und das “Land wo die Zitronen blühen!” Ein letztes Mal also “Deutsche Kultur“, passend zum Thema, bevor wir die Kiste ganz zuklappen:

    Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
    Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
    Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
    Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
    Kennst du es wohl?
    Dahin, dahin
    Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!
    Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
    Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
    Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
    Was hat man dir, du armes Kind, getan?-
    Kennst du es wohl?
    Dahin, dahin
    Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn!
    Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
    Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg.
    In Hoehlen wohnt der Drachen alte Brut.
    Es stuerzt der Fels und über ihn die Flut.
    Kennst du ihn wohl?
    Dahin, dahin
    Geht unser Weg.
    O Vater, lass uns ziehn!

    (Goethe: Mignon)

    Die Parodie darauf von Kästner kann jeder hier selbst nachlesen.

    Ohne Gedächtnisverlust auf der Suche nach der Chuchichäschtli-Identity — Dialog mit Patrik Etschmayer

    July 25th, 2010

    (reload vom 27.02.07)

  • Wenn Zürich plötzlich in Prag liegt
  • Wir lasen mit grossem Vergnügen die geniale Kolumne von Patrik Etschmayer vom 09.02.07 auf www.nachrichten.ch mit dem Titel:
    The Chuchichäschtli-Identity“. Das erinnert an „The Bourne-Identity“, jener Geschichte vom Superagenten mit Gedächtnisverlust, dargestellt von Matt Damon, der mit der von Franka Potente gespielten Freundin nach Zürich fährt, das in Prag gedreht wurde. Für die Zuschauer ohne Gedächtnisverlust sei daran erinnert: Das Ganze ist ein Remake eines Films von 1988.

    Haben auch die Schweizer Gedächtnisverlust erlitten? Schauen wir mal was Patrik Etschmayer so schreibt:
    (Quelle für alle Zitate: nachrichten.ch)

    Deutschschweizer und Deutsche. Seit Jahrzehnten schon ein Quell der abstrusen Freude. Zumindest für Geniesser menschlicher Absurditäten. Und dieses Verhältnis ist - seit unsere nördlichen Nachbarn zu den zahlreichsten Einwanderern der Schweiz geworden sind – noch um einiges komplizierter geworden.

    Wow, was für eine Eröffnung! Wir haben ja schon lange Freude am Kontrast zwischen den Schweizern und den Deutschen, speziell was die Sprache angeht. Aber „Abstruses“ oder „menschliche Absurditäten“ haben wir bislang noch nicht beschrieben.

  • Wenn die Politiker das Deutsche misshandeln
  • Bisher war es ja so, dass wir Deutschschweizer jene Schweizer waren, die ohne geringste Selbstzweifel die eigene Amtssprache nicht beherrschen durften. Schwiizerdütsch war in praktisch jeder Situation genug gut. Selbst in Führungsetagen der Wirtschaft war es nur erforderlich, Englisch und Französisch fehlerfrei zu sprechen. Das Deutsche hingegen wurde da in Pressekonferenzen und offiziellen Verlautbarungen in einer Art misshandelt, die bei Kindern den Einsatz der Polizei erfordern würde.

    Das war doch jetzt sicherlich ironisch gemeint, oder? Wir lieben nichts mehr als „offizielle Verlautbarungen“ zu lesen und darin längst verschollen geglaubte sprachliche Juwelen zu finden. Und was haben die Deutschschweizer nur immer für Probleme mit den Pressekonferenzen oder Politikeransprachen. „Emil-Hochdeutsch“ ist das nicht, was man da zu hören kriegt. So lange die Verständigung klappt würde es niemand von den Zuhörern aus Deutschland wagen, sich über die andere Sprachmelodie, die Schweizerische Betonung oder Wortwahl zu mokieren. Ein klassischer Fall von Schweizer „understatement“ oder unterdrücktem Minderwertigkeitskomplex, diese offiziellen „Hochdeutsch-Sprechanlässe“ so zu verdammen. Wir haben noch keinen Politiker oder Wirtschaftsboss im Schweizer Fernsehen Hochdeutsch so reden hören, dass wir diese Sprache als „misshandelt“ bezeichnen würden, ganz im Gegenteil.

  • Böse Menschen können nicht Chuchichäschtli sagen
  • Diese Identifikation über den Dialekt war an irgendeinem Punkt für sehr viele Schweizer, der Punkt, mit dem sie sich noch von den «Schwaben» abgrenzten (kommt dazu, dass die echten Schwaben doch die schweizerischsten aller Deutschen sind!). Eine darüber hinaus gehende Differenzierung fand dabei gar nicht mehr statt: Einfacher lässt sich eine Identität kaum etablieren. Wer «Chuchichäschtli» sagen kann, ist kein böser Mensch.

    Viel mehr trennt sie also nicht von den Deutschen, als diese Identifikation über den Dialekt. Darum also auch die vehemente Ablehnung von Deutschen, die hier die Migros Clubschule besuchen um Schweizerdeutsch zu lernen. Wohlmöglich sind sie bald nicht mehr von den eigenen Landsleuten zu unterscheiden?

  • Der Chuchichäschtli-Verkaufstrick in Tunesien
  • In Tunesien lernte ich Strassenhändler und Teppichverkäufer kennen, die bei jedem entlarvten und entdeckten Urlauber aus der Schweiz sofort vorführten, wie gut sie „Chuchichäschtli“ sagen können. Für Arabisch sprechende „Krachlaut-Experten“ aus dem Maghreb eine ziemlich leichte Übung, mit der sie ihre potentiellen Kunden aus der Schweiz schnell emotional und verkaufstechnisch über den Tisch ziehen konnten.

    Diese Discount-Identität hat natürlich einen ernsteren Hintergrund. Vor einem Jahrhundert wäre es nämlich kaum einem gebildeten Schweizer eingefallen, sich über seinen Dialekt auszuweisen. Hochdeutsch zu sprechen war in der gebildeten Gesellschaft ein Muss, die Mundart für den Plebs. Mit der Deutschen Niederlage im ersten Weltkrieg und der totalitären Drohung durch das dritte Reich entstand eine kulturelle Kluft, die ziemlich genau am Rheingraben entlang verlief. Eine plakative Methode, diesen Unterschied zu betonen, den Kontrast zu stärken, war der Dialekt. Während in Deutschland vom Völkischen die Rede war, wurden die Schweizer volkstümlich. Und haben sich seither nicht mehr davon erholt.

    In Russland sprach der Adel unter sich Französisch, und mit den Dienstboten Russisch. Der Schweizer General Wille, in Hamburg geboren, soll Schweizerdeutsch nur mit seinem Hund gesprochen haben. Das „Völkische“ wurde in Deutschland ins historische Museum verbannt. Wer sich nicht belehren lässt oder beherrschen kann, und weiterhin mit völkischen Emblemen herumläuft, muss mit Strafverfolgung rechnen. Da verstehen die Deutschen keinen Spass.

  • Zeige nie dass Du Hochdeutsch kannst
  • Immer wenn es um das Verhältnis mit Deutschland und den Deutschen geht, werden wir Deutschschweizer von einem Abwehrreflex wie von einem Stromschlag durchzuckt. Wie heftig dieser und wie schwach unser Vertrauen in unsere kulturelle Identität ist, zeigt sich schon daran, wie unsere Politiker sprechen. Natürlich KÖNNEN viele kein richtiges, halbwegs akzentfreies Hochdeutsch. Doch selbst jene die es beherrschen, dürfen sich den Faux-Pas nicht erlauben, dies auch zu zeigen.

    Eine heisse Hypothese, vielleicht als Schutzbehauptung ins Leben gerufen? Obwohl uns auch schon Schweizer berichteten, dass z. B. in der Schule ein akzentfreies Hochdeutsch keinesfalls das Lernziel aller Lehrer war.

    Keinem Repräsentanten aus der Romandie käme es in den Sinn, in Bauernfranzösisch zu parlieren. Würde ein Schweizer Politiker hingegen mit korrekter hochdeutscher Diktion eine Rede halten, es wäre sein Tod als Volksvertreter.

    Dann hat sich Herr Mörgeli ja gewaltig auf ein Minenfeld begeben, als er im CLUB, davor und danach fast lupenreines Hochdeutsch sprach. Ich kann die Mär von der „korrekten hochdeutschen Diktion“ bald nicht mehr hören. Es gibt sie nicht, es sei denn in der Theaterschule als „Bühnendeutsch“. Kein Deutscher spricht „korrekt“, überall ist Dialekt herauszuhören, und wenn es der Hannoveraner Dialekt ist.

  • Das Ende der Identitätsfindung
  • Nun funktionierte diese Art der Identitätsfindung durchaus, solange die Schweiz eine geschützte Werkstatt zwischen den Machtblöcken war. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Vereinigung Europas veränderte sich dies aber alles – vor allem, als sich die Schweiz – nach erbitterter Gegenwehr vor allem der Deutschschweizer - auch langsam den Tatsachen stellen und sich öffnen musste. Und damit kamen auch die Deutschen zu uns. Hochqualifiziert, vielfach durch die eigene Bürokratie frustriert und mit einer Ausbildung im Gepäck, die sie zu begehrten Arbeitnehmern in der Schweiz machte, da viele Stellen sonst gar nicht besetzt werden könnten.

    Der meint doch nicht etwa mit „sich den Tatsachen stellen und sich öffnen“ die offenherzige Begegnung mit der EU, die bilaterale Verträge usw? Womöglich gar ein weiteres Paktieren mit dieser Teufelsbrut? Das waren mir jetzt zu viele versteckte Anspielungen und höfliche Umschreibungen. Geht es nicht eine Spur direkter bitte?

  • Wahre Fussballmeister können verlieren
  • Das neue an diesen Immigranten war vor allem, dass sie sich auf Augenhöhe mit den Schweizern befinden. Keine Italiener, Jugoslawen und Türken, auf die man mit leiser Verachtung hinunter blickt und die erst akzeptiert werden, wenn sie für die Fussballnati spielen. Und, das ist der Hammer: Sie können Hochdeutsch sprechen, jene Sprache, die in jedem gestandenen Eidgenossen östlich des Röstigrabens tiefste Ängste aufsteigen und Animositäten hervorbrechen lässt, die sich mitunter in rassistischen Gemeinheiten die Bahn brechen. Dass die Deutschen die Schweizer zudem nicht mal beim Fussball gewinnen lassen, ist da nur noch das Tüpfelchem auf dem «i».

    Also für den letzten Satz muss ich mich jetzt echt im Namen meiner Landsleute entschuldigen. Es wäre wirklich fair gewesen, einfach mal zu verlieren. Die Schweizer spielen ja auch nicht permanent auf Sieg. Sollten sich die Deutschen wirklich mal zum Vorbild nehmen. In der Schweiz ist das Gewinnen nicht so wichtig. Hauptsache das Spiel macht Spass. Vielleicht klappt es dann beim nächsten Match. Die Deutschen Fussballer sollten sich das echt mal hinter die Ohren schreiben. Auch verlieren kann Spass machen.

  • Lasst uns “Chuchichäschtli” aussprechen üben!
  • Würden sich die Schweizer statt auf alberne Urängste aus der Kriegszeit auf die Tatsachen verlassen, würden sie realisieren, dass hier keine bösen Eroberer kommen, denen man mit verknorztem Hass begegnen muss. Im Gegenteil. Diese Deutschen sind hier, weil die Schweiz scheinbar etwas besser gemacht hat – politisch und gesellschaftlich. Wer sich diese Tatsachen bewusst macht und unsere liberalen und humanen Werte selbstbewusst vertritt, findet zum einen die wahre Identität der Schweiz und realisiert zum anderen, dass sich ein Mensch nicht primär übers ‘Chuchichäschtli’ definiert.

    Schade ist nur, dass die zugezogenen Deutschen an diesen besseren liberalen und humanen Wert nur teilhaben dürfen, wenn sie zuvor ihre eigene Identität an der Garderobe abgegeben haben und das Schweizer Bürgerrecht beantragen. Bis dahin möchten sie bitte als „Gast“ funktionieren und ihren Job stumm erledigen. Wäre doch wunderbar, wenn es auch ohne Identitätsaufgabe ein politisches und gesellschaftliches Geben und Nehmen geben könnte.

    Aber wehe es lernt bis dahin einer heimlich „Chuchichäschtli“ richtig aussprechen!
    Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli… es wird langsam.

    Trinkgeld ist in Deutschland nicht üblich — Was die Schweizer alles über die Deutschen wissen

    July 20th, 2010

    (reload vom 23.02.07)

  • Die Deutschen kommen in die Fachzeitschrift
  • Die Fachzeitschrift „Der Arbeitsmarkt“ wird in der Schweiz bei den „RAVs“, den „Regionalen ArbeitsVermittlungen“ in einer Auflage von 4‘500 Exemplare verteilt und ausgelegt. In ihrer Ausgabe 1/2_2007 ging es um das Schwerpunktthema „Die Deutschen in der Schweiz“. Es fanden sich einige äusserst interessante und gut recherchierte Artikel zum Thema, z. B. der von Daniel Suter mit dem Titel „So nah und doch so fern“, aber auch dies hier, unter der Überschrift „Was Deutsche in der Schweiz irritiert“ lasen wir, tatsächlich etwas irritiert:

    „Trinkgeld ist in Deutschland nicht üblich“

    Trinkgeld ist in Deutschland nicht üblich

    Nun, die Zeitschrift erzählt nicht die ganze Wahrheit über die Deutschen. Fakt ist, dass ein Volk, das kleine Kinder frisst und laut „Ich kriege noch ein Bier, aber Zack-Zack“ durch die Kneipe brüllt, natürlich auch keine Zeit und Lust zum Trinkgelder bezahlen hat. Das wollen wir der Vollständigkeit halber an dieser Stelle anmerken.

  • Bei einer roten Ampel erstarrt jeder Deutsche
  • Doch es geht noch weiter. Auf der gleichen Seite wird erwähnt, dass die Deutschen darüber erstaunt sind, wenn Schweizer auch bei Rot über eine Fussängerampel gehen.

    “Schweizer überqueren die Strasse auch bei Rot”

    Schweizer überqueren die Strasse auch bei Rot

    Geht das denn überhaupt, rein technisch? Fährt dann nicht sofort ein Blitz und Donner vom Himmel hernieder?

    Über eine rote Fussgängerampel geht nämlich in Deutschland grundsätzlich niemand. Das liegt einfach daran, dass hinter jeder Deutschen Ampel ein Deutscher Schutzmann steht und mit einem Deutschen Strafmandat über 50 Deutschmark Euro droht, sowie mit 3 Punkten in der Deutschen Verkehrssünderkartei zu Flensburg (wo das leckere Bier von Werner herkommt), weswegen alle Deutsche bei jeder roten Fussgängerampel wie angewachsen stehen bleiben und warten, dass sie wieder grün wird oder ihnen der Himmel auf den Kopf fällt oder sich ein Spalt in der Erde auftut, in dem sie versinken und direktemang zur Hölle fahren mögen, falls sie doch diese rote Ampel ignorieren.

  • Nur saubere Zeitungsstapel kriegen die Deutschen nicht hin
  • Wir sind eben ein extrem ängstliches Völkchen, wir Deutschen. So tolldreiste Taten, wie eine rote Ampel zu überqueren, würden wir uns doch nie getrauen. Das müssen wir erst den Schweizern abgucken. Die haben es von den schneidigen und wagemutigen Franzosen gelernt, vermuten wir.

    Nur nicht so ordentlich wie die Schweizer sind wir, was das saubere Verknoten von gebrauchten Zeitungspapierstapeln angeht. Als wir noch in Deutschland weilten, verwendeten wir für diesen Behufe Plastiktüten, in die man 20-30 cm dicke Stapel von alten Zeitungen packte, oder alte Waschmittelkartons, mit duftem Persil-Aroma, vor allem wenn sie im Regen langsam aufweichten. Darin liess sich dann auch die heimlich gekaufte Bildzeitung oder ein Pornoheftchen verstecken, ohne dass diese abgelegte Lektüre vom Nachbarn am Strassenrand interessiert zur Kenntnis genommen werden konnte.

    Auf den Trick mit den Bindfäden sind wir damals nicht gekommen, dazu mussten wir erst in die Schweiz reisen und die hiesige Schnürtechnik erlernen. Reisen bildet bekanntlich.

    So akkurat wie in der Schweiz haben wir das zuvor nicht hinbekommen. Bei uns sah es nicht so aus:
    Verknotete Zeitungen in der Schweiz
    (Quelle Foto: Der Arbeitsmarkt 1-2/2007 )

    sondern so:
    Altpapier unsauber verknotet
    (Quelle Foto: lenntech.com)

  • In Japan ist Trinkgeld nicht üblich
  • Wir wissen ja nicht, in welchen finsteren Kneipen und Kaschemmen in Deutschland sich der Schweizer Autor dieses Artikels herumtrieb, wenn er nie Deutsche beim Trinkgeldzahlen beobachten konnte. Vielleicht hat er das nördliche Nachbarland ja mit Japan verwechselt. Dort ist es tatsächlich nicht üblich, ein Trinkgeld zu zahlen, was zahlreiche Touristen aus Japan, wenn sie nach Europa kommen, in grosse Verlegenheit bringen, weil sie keine Ahnung haben, wie sie hier einen Rechnungsbetrag passend aufrunden sollen ohne dabei das Gesicht zu verlieren, bei dieser merkwürdigen Angewohnheit der Europäer, einfach Geld an fremde Menschen zu verschenken.

  • Japaner säubern sich vor dem Bad
  • Ganze Reiseführer für Japaner befassen sich mit dem Thema „Wie gebe ich richtig Trinkgeld in Europa“, nebst netten Erklärungen zur korrekten Benutzung eines Badezimmers. In europäischen Badzimmern sollte man als Japaner bitte in der Badewanne baden, und sich nicht, wie in Japan üblich, davor auf dem Kachelboden abduschen. Der Japaner reinigt sich vor dem Bad ausserhalb der Wanne mit fliessend Wasser, um dann blitzsauber ins sehr heisse Wasser zu steigen (welches derart geschont auch mehrfach verwendet werden kann). Andere Länder, andere Sitten. Doch ich muss jetzt schliessen. Das Essen ist fertig, es gibt Kinderbraten, echt lecker, aber zack-zack, was dachten denn Sie? Wir sind halt nicht so “echli finer” (Michèle Roten im CLUB über die Schweizer) wie die Schweizer, wir Deutschen, eher dumpf und grobschlächtig, ganz klar. Und jetzt her mit dem Braten. Nein, Besteck brauch ich keins.

    Zum Frühstück einen Schweizer anknabbern — Was frisst Sie an?

    July 15th, 2010

    (reload vom 22.02.07)

  • Was hast Du ausgefressen?
  • Wenn in Deutschland ein Kind etwas Dummes angestellt hat, dann sagt man von ihm, es habe „etwas ausgefressen“. Niemand denkt an Kuchen oder andere Leckereien, die vielleicht ursprünglich „aufgefressen“ wurden, als der Hunger besonders gross war. Essen kann man in Deutschland eine ganze Menge Menschen. So den bekannten „Berliner“, den „Hamburger“, den Bremer bei der Nordsee, den „Amerikaner“ in schwarzer oder weisser Version, aber auch die in Freiburg im Breisgau offerierte „Studentenschnitte“.
    Amerikaner in schwarz oder weiss
    (Quelle Foto: das-rezeptbuch.de)

    Altmeister und Chaos-Comix Zeichner Gerhard Seyfried erfand dann noch in den wilden 80ern die „Bulletten“ neben der „Freakadelle“ ( „Freakadellen und Bulletten, Elefanten Press, Berlin 1979).
    Freakadellen und Bulletten
    (Quelle Foto: Poster aus Seyfrieds Cannabis Collection 2003)

  • Sie Sie auch angefressen?
  • Die Schweizer brauchen das nicht. Wenn sie Hunger verspüren oder eine sonstige Leidenschaft an ihnen nagt, werden sie zu Kannibalen. Sie nagen sich dann selbst an oder werden von anderen Dingen angenagt und sind dann einfach „angefressen“.
    So lasen wir im Tages-Anzeiger vom 03.02.07:

    «Ich denke, man muss bei dieser Arbeit regelrecht vom Schnee angefressen sein

    Vom Schnee angefressen
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

    Oder hier, ebenfalls im Tagi in einem Artikel über Mädchenfussball:

    Désirée Stäbler bleibt noch ein Jahr. Sie ist die Jüngste im Ausbildungszentrum, 14-jährig. Und fussballhungrig. «Ich bin total angefressen», sagt sie. Fussball sei cool, und die, die Fussball spielten, «sind eben coole Mädchen».
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

    Auch im Migros-Magazin, das schon lange keine Brücken baut aber aus traditionellen Gründen von vielen immer noch “Der Brückenbauer” genannt wird, lasen wir:

    Das «Highlight des Tages» sei jedoch die
    Fahrt mit dem Snowboard gemeinsam mit den
    Kollegen hinunter ins Tal. Die freien Tage,
    nutzt der mittlerweile angefressene Boarder
    natürlich ebenso für seinen Sport.
    (Quelle Migros-Magazin 05-2007, S. 8)

  • Wer oder was frisst Sie an?
  • Beim zweitliebsten Nachbarland der Schweizer in Österreich ist das hübsche Wort eher mit einer negativen Bedeutung bekannt. Wir fanden in einem Wörterbuch:
    angefressen bei den Österreichern
    (Quelle: osterarrichi.org)

    Ich bin total angefressen“ kann man laut Google sein von Hunden, von einem Verhalten, von RPGs, von Unihockey u. v. m, aber man sollte immer schön in der Schweiz bleiben dabei. Dieses eidgenössische Fressverhalten hat sich bisher offenbar nicht über den Rhein fortgepflanzt. Anstatt sich von Trendsportarten anfressen zu lassen klagt man dort eher über zuviel angefressene Kilos.