Smoke on the Water — Rauch und Wasser dieses Songs sind schweizerisch!

October 6th, 2011

(reload vom 19.6.07)

  • Als 1683 Gitarristen das gleiche Stück spielten
  • Am 3. Juni 2007 wurde der gültige Rekord für gleichzeitige Spielen des Rockklassikers „Smoke on the Water“ von Deep Purple neu aufgestellt. 1683 Gitarristen intonierten diesen Klassiker der Rockmusik gleichzeitig in einem Stadion in Kansas City. Die ganze Aktion ist hier bei YouTube zu sehen:


  • Don’t play Smoke on the water
  • Der Riff dieses Stücks gehört zu den meistgespieltesten Tonfolgen der Welt. Jeder Gitarrenanfänger lernt ihn. In vielen Musikgeschäften findet sich daher in der E-Gitarren-Abteilung ein Hinweisschild welches es verbietet, diesen Song auch nur probeweise anzuspielen. Die geplagten Verkäufer können ihn einfach nicht mehr hören.

  • Rauch über dem Genfersee
  • Was den wenigsten wissen ist die Tatsache, dass das Stück „Smoke on the water“ in seinen beiden wichtigsten Bestandteilen ein echt schweizerisches Produkt ist! So wie die Cervelat von gestern! Sowohl der „Rauch“ als auch das „Wasser“ sind nämlich Schweizerrauch und Schweizerwasser! Um das herauszufinden genügt es eigentlich, einfach mal den Text des Liedes aufmerksam zu lesen:

    We all came out to Montreux on the Lake Geneva shoreline
    To make records with a mobile - We didn’t have much time
    Frank Zappa & the Mothers were at the best place around
    But some stupid with a flare gun burned the place to the ground
    Smoke on the water - A fire in the sky
    Smoke on the water
    (…)
    (Quelle: thehighwaystar.com )

    Brand des Casinos in Montreux
    (Quelle Foto: deep-purple.net)

  • Als das Casino von Montreux brannte
  • Der Rauch entstand, als bei einem Konzert von Frank Zappa & the Mothers of Invention ein Feuer ausbrach. Die Geschichte ist bei Wikipedia festgehalten:

    Am 4. Dezember 1971 waren Deep Purple in Montreux, um ein neues Album mit einem mobilen Tonstudio, das sie von den Rolling Stones gemietet hatten, aufzunehmen. Sie bezogen Quartier in einem Gebäude, das zum Casino von Montreux (das gambling house, auf das der Text sich bezieht) gehörte. An diesem Abend gaben Frank Zappa und The Mothers of Invention ein Konzert im Casino, während dessen ein Feuer ausbrach. Angeblich hatte ein Schweizer Fan mit einer Signalpistole an die Decke des Konzertsaals („some stupid with a flare gun“ heißt es im Text) geschossen. Der gesamte Gebäudekomplex mitsamt dem Equipment der Mothers wurde zerstört. (…) Der Titel des Songs bezieht sich auf den Rauch, der sich über dem Genfer See ausbreitete und der von den Musikern von Deep Purple in ihrem Hotel beobachtet wurde.
    (Quelle: Wikipedia)

    Und genau das wird auch in den nächsten Strophen erzählt:

    We ended up at the Grand Hotel - It was empty, cold and bare
    But with the Rolling Truck Stones Thing just outside making our music there
    With a few red lights an’ a few old beds, we made a place to sweat
    No matter what we get out of this, I know… I know we’ll never forget

  • Aufnahme in den Gängen des Hotels
  • Also zogen die Jungs um ins benachbarte Grand Hotel:

    Deep Purple hatten nun das teure Tonstudio, aber keinen Ort mehr, an dem sie ihre Aufnahmen machen konnten. Auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten fand Nobs für die Band das Theater The Pavilion, aber nachdem Deep Purple mit den Aufnahmen begonnen hatten, beschwerten sich die Nachbarn über den Lärm und die Polizei sorgte für eine Beendigung der Session. Schließlich, nach einer Woche des Suchens, mietete die Band das fast leerstehende Montreux Grand Hotel, wo die Gänge und Treppenhäuser zum Aufnahmestudio umgewandelt wurden.
    (Quelle: Wikipedia)

  • The seven ages of rock
  • Auf BBC One läuft zur Zeit jeweils Samstag ein höchst sehenswerte Dokumentation zur Geschichte der Rockmusik. Es ist ein Siebenteiler und trägt den Titel: „The Seven Ages of Rock“. Der vierte Teil dieser Dokumentation befasst sich mit der Entstehung von „Heavy Metal“. Es gibt eine Website im Internet, auf dem man sich die Folge als DivX anschauen oder sogar in diesem hochkomprimierten Format in erstaunlich guter Qualität herunterladen kann: Seven Ages of Rock — Part 4

    In dieser Folge geht es um den Werdegang von Black Sabbath, Ozzy Osborne und vielen anderen Gruppen. Auch die Geschichte von „Rauch über dem Genfersee“ mit Deep Purple wird erzählt. Viel Spass beim Anschauen! Hier noch eine Aufnahme vom 40the Montreux Festival 2004, original gespielt von Deep Purple:


    Warum die Appenzeller einen Löffel an den Löffeln tragen — Neues aus der Ostschweiz

    May 18th, 2011

    (relaod vom 21.05.07)

  • Bei Sonnenaufgang mit der Kuh bergauf
  • Im Mai 2007 wurde von der SBB für Tagesausflüge in die Ostschweiz geworben, bezeichnet als das „Morgenland“ der Eidgenossenschaft, bevölkert von Menschen mit schwarzen Hüten und kleinen Löffeln an den Ohren, die bei Sonnenaufgang ihre Hunde Kühe an der Leine auf den Berg führen, oder so ähnlich. Die Kampagne hiess: “Entdecken Sie das Morgenland“.

    Morgenland der Schweiz
    (Quelle Foto: sbb.ch)

    Betrachtet man Appenzeller Männer genauer, fällt einem sofort ein merkwürdiges Teil am rechten Ohr auf:
    Appenzeller mit Ohrschmuck
    (Quelle Foto: appenzell.ch)

    Was die Appenzeller Männer da am rechten Ohr tragen, nennt sich „Ohrschuefe“:
    Ohrschuefen
    (Quelle Foto: appenzeller-schmuck.ch)

    Der Preis dieser Schmuckstücke (vergoldet, aber aus Silber) wird nur auf Anfrage bekanntgegeben, er ist offensichtlich genauso Geheimsache wie das Rezept der Kräutersulz für den Appenzeller Käse, das auch Heiner Lauterbach Uwe Ochsenknecht nicht erfuhr:



    Das Geheimnis der Kräutersulz ist für jeden aufmerksamen Beobachter offensichtlich. Man beachte einfach die Farbe und die Konsistenz der gezeigten Flüssigkeit.

    Was ist in den Flaschen?

    Auch der Form der Flasche oben rechts im Bild kommt mir vom letzten Spitalaufenthalt im Januar noch sehr bekannt vor (à propos: Dem Bein geht es besser, Nagel ist noch drin, Laufen geht langsam, Schwimmen und Velofahren sogar schnell). Man nennt solche Weithalsflaschen in der Chemie auch “Erlmeierkolben” oder “Birnenmann”. Urea Pura oder auch Kohlensäurediamid soll sehr würzend sein. Wer nun Harndrang verspürt, bei dem sind die Reflexe noch in Ordnung.

  • Absatzsteigerung um 14 Prozent
  • Dieser Film wurde von der Agentur Contexta AG aus Bern für die Appenzeller Käse GmbH in Appenzell produziert:

    Appenzeller ist einer der profiliertesten Käse der Schweiz, hat aber wegen Konsumentenlust auf Abwechslung, sinkende Markentreue sowie Preisaktions- und Sortimentszunahme im Handel an Marktanteil verloren. Mit der Kampagne wurden der Aktualitätsgrad stark erhöht und die Kaufintervalle verkürzt. Daraus resultierte eine Absatzsteigerung um stolze 14%.
    (Quelle: EFFIE.ch)

    Der Film bekam den Werbepreis Swiss-EFFIE 2006.

    Vielleicht hat ja doch jemand verraten, was in der Sulz ist, weswegen der Marktanteil dann rapide verloren ging?

  • Wazu kann man diesen Schaufel-Löffel gebrauchen?
  • So ganz ist uns die Funktion dieses Löffels noch nicht klar geworden. Kann man ihn vom Ohr abnehmen, um schnell mal ein Pröbchen der Kräutersulz zu verköstigen, ohne sich dabei die Finger zu benetzen? Oder wird er benötigt, um damit über einer Kerzenflamme diverse Substanzen aufzukochen, sozusagen als portables Spritzenbesteck?
    Wir finden diese Erklärung

    Die Ohrschuefe ist ein kleiner Schöpflöffel der geschilderten Art, meistens aus vergoldetem Silber, aufgehängt an einem S-Haken, der in eine Schlange übergeht, die sich in den Schwanz beisst. Die Schuefe wird nur am rechten Ohr getragen.
    (Quelle: waldegg-teufen.ch)

    Bevor wir nun darüber spekulieren, welche geheime Bedeutung die Schlange haben mag, wenden wir uns lieber dem Appenzeller Dialekt zu. Zwei Männer mit Löffel im Ohr geben uns davon ein hübsches Beispiel:


    Sprachlich gesehen höchst interessant! Verstanden haben wir den Witz allerdings nicht so ganz. Oder war da gar keiner?

    Wer ist Germane? Wer ist Schwabe?

    March 30th, 2011

    (reload vom 7.05.07) (und morgen ist heute)

    (hier der dritte Teil des Artikels von Ingomar König aus Hanover)

  • „Germanen“, „Schwaben“
  • Ihr betitelt Eure nördlichen Nachbarn gerne als Germanen oder Schwaben. Germanen? Die seid Ihr auch. Schwaben? Soweit mir bekannt, hat noch kein Eidgenosse abgestritten, Alemanne zu sein (von der lateinischen Schweiz abgesehen). Ihr wisst selbst, dass „Schwaben“ (lateinisch Suebi) die eigentliche Selbstbezeichnung, „Alemannen“ die Fremdbezeichnung ist. Suebi, id est Alamanni. Was schliessen wir daraus? 90% der Bewohner Deutschlands sind keine Schwaben, Ihr dagegen seid zu 100% Schwaben. Ihr seid diejenigen Sueben/Schwaben/Alemannen, deren Vorfahren sich in Helvetien eingenistet haben.

    Nebenbei bemerkt schmückt Ihr Euch mit fremden Federn, indem Ihr den Namen jenes von den Römern und Euren Ahnen ins historische Jenseits beförderte keltische Volk usurpiert habt und zur kanzleilateinischen Bezeichnung Eures Gemeinwesens als Confoederatio Helvetica missbraucht. Dass sich im sogenannten Schwabenkrieg pro-habsburgische Landsknechte vom Nordufer des Hochrheins und des Bodensees („Sauschwaben“) und eidgenössische Reisläufer aus den Waldstätten in Diensten Berns und Zürichs („Kuhschweizer“) einander gegenüberstanden, ändert nichts daran, dass, abgesehen vom Tiroler Anteil, beide Söldnerheere aus „ethnischen“ Schwaben bestanden bzw. die „Kuhschweizer“ ebenfalls „Sauschwaben“ waren.

  • Die waldstättischen Eidgenossen
  • Als die Gentiloberhäupter der Schwyzer, Urner und Unterwaldner von nid dem Kernwald ihren legendären Eid schworen, wollten sie da aus dem Reich austreten? Nein, sie hatten sich nach alter Germanensitte auf ihrem Thing, einem gerodeten oder „gereuteten“, von ihnen „Gereutlein“ bzw. „Reutlein“, in alemannischer Version „Grütli“ oder „Rütli“ genannten Stückchen Land versammelt, um ihre bornierten Lokalinteressen gegen die Aussenwelt, vertreten durch die aargauischen Habsburger, zu verteidigen. Dies hinderte sie keineswegs daran, sich unter die Fuchtel der Luzerner, Zürcher, Berner, später der Basler und Schaffhäuser Patrizier zu begeben, die ihrerseits die fröhlich-germanische Rauflust der Waldstätter dazu nutzten, eigene Streitigkeiten mit den Habsburgern von den Waldstättern ausfechten zu lassen. Die Romands liegen schon ganz richtig, wenn sie die Waldstätter als „ces Vickings de 1291, „ces bandits“ und „de parfaits crétins“ bezeichnen (Jean-Marc Heuberger in: autre-suisse.ch).

  • Die Waldstätte, ein Hort ursprünglicher Demokratie und Freiheit?
  • Die Urner, Unterwaldner (und Zuger), die 1495 den Beitritt von Konstanz zur Eidgenossenschaft verhinderten, um den Thurgau von „jüdischer Zinsknechtschaft“ zu erlösen: Demokraten? Gegen wen wurde die Freiheit verteidigt? Gegen den habsburgischen Landvogt, obwohl die Ur-Eidgenossen anschliessend 300 Jahre lang das ennetbirgische Tessin durch Landvögte selbst unterjochten? Gegen die Habsburger, die ihnen 1291 Modernität und Zivilisation gebracht hätten? Gegen die Habsburger, deren Allianz die Sonderbündlinge 556 Jahre später genau in dem Moment suchten, als jene apostolische Dynastie längst abgehalftert und eine Bastion des Mittelalters war? Diese waldstättischen Patriarchen, die sich „im Laufe der Jahrhunderte durch Beknechtung des Geistes und durch ein engherziges Magnatenregiment zu Jesuitenknechten“ erniedrigen ließen, so die NZZ 1847, diese Männer waren „Freiheitskämpfer“? Die Tagsatzung konnte 1847 gar nicht anders, als im Interesse einer modernen, sich industrialisierenden Schweiz kurzen Prozess mit den wirklichen Eidgenossen zu machen und den Rütli-Mythos rücksichtslos zu entzaubern – übrigens zum äussersten Missfallen zeitgenössischer Spiesser in Deutschland.

  • „Deutsche“
  • Bekanntlich gingen die Städte und freien Bauerngemeinschaften im alten deutschen Reich häufig ein Bündnis mit dem römisch-deutschen Kaiser ein, wenn sie dessen Konkurrenz zu den Landesherren ausnutzen konnten. Auch die Luzerner, Berner und Zürcher Patrizier und die bäuerlichen Eidgenossen hatten immer die Stärkung der Zentralgewalt des Reiches im Sinn, weil nur die Zentralgewalt den Patriziern den politischen Rahmen zu wirtschaftlicher Entfaltung bot, den waldstättischen Sippenpatriarchen die Möglichkeit, ihre störrische germanisch-christliche Rückständigkeit zu pflegen. Als jedoch die Habsburger die Kaiserkrone erlangt hatten und Eure Territorien als Teil ihrer Hausmacht reklamierten, als die Habsburger Reichszentralgewalt und Landesherr in Personalunion geworden waren, war für Patrizier und Eidgenossen der Bock zum Gärtner gemacht. Dialektik der Geschichte: Gerade weil das alte Deutsche Reich von Schweizern (im heutigen Sinn) beherrscht wurde, blieb der Schweiz (im heutigen Sinn) nichts anderes übrig, als – gegen ihren eigentlichen Willen – die „Exemtion“ vom Reich durchzusetzen.

    Folgerichtig bezeichneten sich die Unterzeichner des Friedens zu Basel weiterhin als die „Gemeinen Eidgenossen von Städten und Ländern des alten Bundes oberdeutscher Lande“, in dessen französischer Fassung der Bund als „Oberdeutschland“ bezeichnet wird (la vieille ligue de la Haut-Allemagne) – genauer gesagt handelte es sich natürlich nur um einen Teil von Oberdeutschland. Auch der Basler Schultheiss Johann Rudolf Wettstein, der die endgültige Freistellung vom Reich durchsetzte, fungierte in den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden als Vertreter der „13 Orte des alten Grossen Bundes Oberdeutscher Lande“ – auch wenn nicht alle Orte hinter ihm standen.

    Die „oberdeutschen“ Bündnispartner dachten doch nicht im Traum daran, wegen der umständehalber gebotenen Sezession keine Deutschen mehr im Sinne von Sprache, Kultur, Handelsverbindungen, Mentalität, Sitten und Gebräuchen sein zu wollen; sie dachten nicht im Traum daran, sich vom Rest des Reiches oder gar von ihren alemannischen Stammesbrüdern jenseits von Hochrhein und Rheintal sprachlich, mental oder wie auch immer „unterscheiden“ oder „abgrenzen“ zu wollen; allein die habsburgische Staatsmacht war Objekt ihrer Opposition, doch nicht „das Reich an sich“. Nie hatten sie sich als „Kolonie“ des Reiches gesehen, gegen das ein Kampf für „nationale“ Unabhängigkeit hätte geführt werden müssen.

    (Vierter und wirklich letzter Teil morgen: Die Schweizer sind Deutsche)

    Worüber die Schweizer lieber schweigen — Sind Sie auch vermöglich?

    March 8th, 2011

    (reload vom 2.5.07)

  • Ich mag mich nicht erinnern
  • Mögen Sie sich noch erinnern? Oder lieber doch nicht? Wir schrieben hier auf der Blogwiese über den Ausdruck „magst Du Dich erinnern?“ und kamen zu dem Schluss, dass es hier weniger um „mögen“ im Sinne von „etwas gern tun“ als um die Kurzfassung von „vermögen“ = „in der Lage sein etwas zu tun“ ging.
    Doch dieses hübsche Wort beinhaltet noch eine weitere Bedeutung als Adjektiv, die uns bisher fremd war, und auf die wir erst durch eine Leserin der Blogwiese gestossen wurden: „vermöglich sein“.
    So fanden wir in der NZZ:

    «Erben? Ich habe einen wertvollen Schrank und die schöne Bibliothek meines Vaters geerbt. Beides halte ich in Ehren. Dann hat mir ein väterlicher Freund, der recht vermöglich war, testamentarisch zwei Bilder vermacht.
    (Quelle: nzzfolio.ch)

    Unser Duden nennt es eindeutig „schweizerisch“:

    1. vermöglich ( landsch. und schweiz. für wohlhabend)
    (Quelle: duden.de)

  • Vermögliche Menschen gibt es auch in Österreich
  • Wir fanden einen Beleg für das Wort auf einer Österreichischen Webseite, die die Geschichte des Wiener Praters erzählt:

    Der Kaiser fragte, was er für eine Entschädigung begehre. “Ich bin selbst vermöglich“, antwortete der Bürger, “und verlange bloß, daß der Übermütige einen derben Denkzettel in öffentlicher Beschämung erhalte, damit andere seinesgleichen den Bürger besser schonen.”
    (Quelle: prater.at)

    Wahrscheinlich war mit „landschaftlich“ die Wiener Luft gemeint.
    Doch das Wort wird offenbar auch als Variante zu „wohlmöglich“ verwendet:

    Wenn Du die Dinge jetzt überstürzt, wirst du sie vermöglich vergraulen.
    (Quelle: f24.parsimony.net)

  • Was heisst “vermöglich” sonst noch?
  • Dann doch lieber Gotthelf:

    Das ist ein eigen Kapitel über diese Krankheit, die alle mehr oder weniger ergreift, die zu einigen eigenen Kronen kommen und denen der Gedanke geboren worden ist, vermöglich zu werden.
    (Quelle: Jeremias Gotthelf - Wie Uli der Knecht glücklich wird / 11. Kapitel - 1)

    Das Wort überlebte offensichtlich in der Bedeutung „vermögend sein“ am besten in der Schweiz. Bei Grimm Grimm steht es noch so erklärt:

    VERMÖGLICH, adj. fähig fertig zu bringen, zu vollenden. in der ältern sprache nicht nachgewiesen, jedoch in den frühesten zeiten des nhd. nicht selten vorkömmlich. (…)
    active bedeutung ‘der etwas vermag’, daher körperlich kräftig, rüstig: die schwarze nieszwurz soll nur allein starken und vermöglichen personen eingegeben werden. TABERNAEMONT. kräuterb. 1099; es war unmöglich genug, vermögliche säugammen für ihn auszzutreten, inn betrachtung der groszen quantität milch, so zu seiner narung auffgieng. Garg. 210 (1590). übertragen auf dinge und zustände: der mensch war gemacht mit gsundem und vermöglichem leibe.
    (Quelle: Grimms Wörterbuch)

    Genug der Wortgrübelei. Wir vermögen uns über vermögliche Menschen und deren Vermöglichkeit unmöglich weiter Gedanken zu machen.

  • Vermögliche Landsauger in Bern
  • Zum Abschluss ein Ausschnitt aus einem wunderbaren Artikel über die Geschichte des Strafvollzugs in Bern, genauer gesagt über das „Schallenwerk“ genannte Zuchthaus:

    Mit dem um 1615 errichteten Zuchthaus zeichnete sich zwar kein Durchbruch im Sinne einer humaneren Justiz ab, aber es gab doch erste Ansätze zu einer etwas verständnisvolleren Haltung gegenüber Tätern, denen nur leichtere Vergehen zur Last gelegt wurden. Neu war vor allem der Versuch, die Häftlinge durch Arbeit und geistlichen Zuspruch zu bessern und sie wieder gemeinschaftsfähig zu machen. Dabei wurde allerdings nach wie vor nicht zimperlich vorgegangen, sondern gemäss den Richtlinien des Rats gehandelt: «(Im Zuchthaus) sollen solche arbeitsfähige, muthwillige, vermöglich fremde und einheimische Landsauger und andere Malefikanten, denen man eben nicht an das Leben greifen kann, zur Arbeit angefesselt, und ihnen dadurch der Rücken weich und gleitig gemacht worden, in der Hoffnung, dass vermittelst dieser schweren und harten Disciplin und Züchtigung Jedermann sich abschrecken lasse und sich ehrlicher Begangenheit und Arbeit befleissen werde.»
    (Quelle: g26.ch)

    Praktisch eingesetzt wurden diese dann in der Strassenreinigung, die bitter notwendig war. Denn während man Rücken „gleitig“ machen wollte, waren die Strassen bereits „gleitig“ genug, auf Grund der dort ausgeleerten Nachttöpfe etc. Die hiessen damals allerdings garantiert „Pot de chambre“, so nahe am Röstigraben, denn das klingt feiner und stinkt gleich ein bisschen weniger.

    Nachttopf mit cooler Inschrift
    (Quelle: freilichtmuseum.de)

    Wir weisen besonders auf die hübsche Inschrift: „Drum drücket und drängend mit aller Kraft für die notleidende Landwirtschaft“. Denn merke: „Urin ist ein Wertstoff“! Mehr zu diesem Thema hier und hier.

    Wer will schon in den Europa-Park? Die Rhätische Bahn ist besser als Achterbahnfahren

    January 14th, 2011

    (reload vom 17.4.07)

  • Wie lange gilt Ihr Halbtax-Abo?
  • Die Schweizer lieben ihr Eisenbahnnetz. Fast jeder besitzt ein Halbtax-Abonnement, mit dem man zwar nicht billig halbe Taxis fahren oder die Kur-Taxe auf die Hälfte drücken kann, dafür aber nur die Hälfte zahlt, wenn man mit dem Zug fährt. Bei zugezogenen Deutschen lässt sich die Zuneigung zur Schweiz und der echte Wille zum Verweilen leicht daran ablesen, ob sie sich nach einiger Zeit der Eingewöhnung schliesslich ein 1-Jahres, 2-Jahres oder sogar ein 3-Jahres- Halbtax-Abo zugelegt haben oder nicht. Je länger das Abo gilt, desto mehr kostet es zwar in der Anschaffung, desto billiger wird es gleichzeitig - über den Zeitraum gerechnet - damit zu fahren, und desto sicherer muss man sich dann auch sein, hier in der Schweiz zu bleiben und diese Verbilligung gut auszunutzen.

  • Mit dem GA täglich von Basel nach Zürich (und zurück!)
  • Ganz vom Hierbleiben Überzeugte schaffen ihr Auto ab und gönnen sich ein „GA“ = General-Abonnement, eine Netzkarte für die ganze Schweiz. Ab 60 Minuten Bahn-Pendelzeit jeden Tag ist das in der Regel die günstigere Variante. Die vielen Zürich-Fans, die täglich aus Basel anreisen um ihre Traumstadt zwecks Arbeit oder Studium an der ETH zu besuchen, haben oft so ein GA, doch bei ihnen stehen die Buchstaben für „G-leich A-bdampfen“, wenn das Tagwerk erledigt oder das letzte Seminar vorbei ist. (Zur ewigen Freundschaft zwischen Basel und Zürich siehe hier).

  • In Chur ist das Ende der SBB
  • An einem Ferientag im Sommer fuhren wir früh mit dem Direktzug von Bülach nach Chur. Dort in Chur ist das Normalspur Streckennetz der Schweizer Bundesbahn SBB zu Ende. Alle Fernzüge enden hier. Wer weiter will, muss auf die „Rhätische Bahn“ wechseln, die auf einer anderen Spurweite fährt. Zum Beispiel direkt ab Bahnhofsvorplatz, quer durch die Churer Innenstadt auf der Strasse wie eine Strassenbahn, hoch ins Ski- und Wanderparadis Arosa:

    Die ChA-Strecke beginnt auf dem Churer Bahnhofplatz und ist auf Stadtgebiet als Strassenbahn trassiert. Danach verläuft das Trasse, über viele Kunstbauten, weitgehend zum parallel verlaufenden Flusslauf. Das imposanteste Bauwerk ist das Langwieser Viadukt bei Langwies. Für die knapp 26 Kilometer lange Strecke benötigt die Bahn rund eine Stunde und erreicht dabei ein Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h. Bedient wird die Strecke von Chur nach Arosa im Stundentakt.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Bauen Künstler die Kunstbauten?
  • Kunstbauten” heissen die Bauwerke nicht, weil hier besonders viel “Kunst am Bau” zu sehen ist, sondern weil es eine Kunst ist, diese Dinger zu bauen. “Kunstbauten” nennen Ingenieure in der Schweiz alle Bauwerke, die keine Toilette oder Lichtschalter haben. In der Regel sind das Brücken und Tunnel (in denen das Licht auch am Tag angeschaltet bleibt).

    Welche Achterbahn ist schon 62 Meter hoch?
    Langwieser Viadukt
    (Quelle Foto: Wikipedia)

  • Bewegung, Dunkel und Nass — die drei Elemente des Europa-Parks
  • Die zahlreichen Tunnel und spektakulären Viadukte auf dieser Strecke von Chur nach Arosa erzeugen bei den Fahrgästen einen gleichwertigen Nervenkitzel wie eine Achterbahnfahrt im Europa-Park bei Rust. Während des Studiums hatte ich dort einen studentischen Hilfsjob. Wir befragten die Besucher woher sie kamen, was ihnen besonders gefiel etc. Ein Mitarbeiter des erfolgreichen Themenparks erklärt mir damals das Grundprinzip der Fahrattraktionen. Es gibt nur drei Elemente, die man miteinander kombinieren kann: Bewegung, Dunkel und Nass.

    Im halboffenen Bahnwagen der Rhätischen Bahn von Chur nach Arosa sind die Sinneseindrücke sehr ähnlich, die Elemente „Bewegung“ und „Dunkel“, mit denen in Rust geschickt operiert wird, sind vorhanden. Das fehlende dritte Element „Nass“ kann man sich leicht selbst verschaffen, wenn man die Strecke im Regen antritt oder im Hochsommer ab und zu eine Wasserflasche über die Köpfe der mitreisenden Fahrgäste ausleert. Am besten im Tunnel, dann sieht es keiner und die Kombination „Dunkel&Nass“ ist gelungen, wie bei der Wildwasserbahn. Arosa selbst ist übrigens berühmt für die zahlreichen handzahmen Eichhörnchen, die dort speziell für die vielen Sommer- und Wintertouristen abgerichtet und freigelassen wurden. Vorsicht, es handelt sich hier um lebendige Tiere, und nicht um ausgestopfte und animierte Attrappen wie im Europa-Park.

  • Alle Züge fahren ab Chur
  • Wer von Chur hingegen zurück nach Zürich oder in die übrige Schweiz auf der “Normalspur” reisen möchte, kann ruhig 10-15 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof auftauchen, denn die abgehenden Züge der SBB sind meistens bereits dort und warten. Wo sollten sie auch sonst hin?

    (zweiter Teil morgen: „Durch die Surselva“)