Eltern in der Schulpflege oder staatlicher Wasserkopf — Schulsysteme im Vergleich

January 11th, 2011

(reload vom 16.4.07)

  • Die gewählte Schulpflegschaft in der Schweiz
  • Wer mit schulpflichtigen Kindern von Deutschland aus in die Schweiz zieht, bekommt sehr schnell Kontakt zur „Schulpflegschaft“. So heisst in der Schweiz die Institution, die sich um alles rund um den Schulbesuch kümmert. Verwaltungsarbeit, die in Deutschland von einer einer fast unsichtbaren Behörde und in Frankreich von etlichen sichbaren und fleissigen Beamten und Angestellten erledigt wird. (Vgl. Blogwiese)

    Es gibt einen gewählten Schulpflegepräsidenten (oder eine Präsidentin, aber ohne “-schaft”), der/die diesen Job gegen eine geringe Aufwandsentschädigung in der Freizeit erledigt. Ihm oder ihr zur Seite steht ein Sekretariat für den Schreibkram. Das Sekretariat liegt oft nicht in der Schule, sondern kümmert sich gleich zentral um mehrere Schulhäuser. Wir waren erstaunt, mit welch geringem bürokratischen Aufwand in der Schweiz Schule dezentral organisiert wird. Eine „Schulleitung“, d. h. jemand, der sich zusätzlich zur Unterrichtstätigkeit oder sogar hauptsächlich nur um administrative Dinge kümmert, gab es bis vor wenigen Jahren im Kanton Zürich in den Primarschulen nicht, wurde dann aber eingeführt.

  • Was das ED festlegt, das gilt
  • Im Hintergrund wirken dann freilich noch diverse „Erziehungsdirektionen“ in den Kantonen und ED, die „Eidgenössischen Erziehungsdepartements“. Die legen z. B. fest, dass in allen Primarschulen ab der ersten Klasse von den Lehrern nur Hochdeutsch im Unterricht gesprochen werden soll. Nur Hochdeutsch oder genauer gesagt nur “Schweizer Hochdeutsch”, oder doch eher “Schriftdeutsch”, bzw. “Schweizer Schriftdeutsch”, so genau haben wir das nicht verstanden, denn die Lehrer, die es uns erklären wollten, sprachen dabei Züridütsch. Das mit der gewünschten Sprache wurde also festgelegt. Auch im Sport- oder Handarbeitsunterricht. Und dann funktioniert das. Ähem, was hiess noch gleich “Lismen” auf Schrifthochdeutsch?

    Die „Schulaufsicht“ durch die Schulpflege vor Ort ist somit in den Händen von gewählten Elternvertretern, die sich für diese Tätigkeit dadurch qualifizierten, dass sie selbst schulpflichtige Kindern auf der Schule haben. Basisdemokratie in Reinform. In Sachen Schule ist jeder Spezialist und vom Fach, denn jeder war ja mal selbst auf einer solchen.

  • Der bürokratische Wasserkopf in Frankreich
  • Ganz anders erlebten wir jetzt den „bürokratischen Wasserkopf“ von Schul-Organisation in einem französischen „Collège“, als wir in den Osterferien versuchten, dort einen privaten Schüleraustausch zu organisieren. Da führte kein Weg vorbei an „Monsieur le Proviseur“, der keinen Namen braucht, weil er einen Titel hat, der selbstverständlich eine eigene Sekretärin hat und hauptamtlich der Schule vorsteht, dabei das ganze Jahre über damit voll ausgelastet ist, sich um den Stundenplan zu kümmern bzw. die Fortbildungen der Lehrer zu organisieren und sich um die Gesuche von Deutschen zu kümmern, die gern einen Austausch durchführen möchten, wenn dann das Gesuch in schriftlicher Form vorliegt.

    Dem Proviseur vorgesetzt ist auf einem Collège mit Lycée-Anschluss nur noch der „Censeur“, der nicht zensiert sondern Direktor der Schule ist, speziell zuständig für deren Repräsentation nach aussen. Für den Fall, dass mal eine Delegation von Wirtschaftsfachleuten oder ein Staatspräsident auf Besuch vorbeikommt, man weiss ja nie.

  • Das System der Surveillance
  • Sowohl Proviseur als auch Censeur sind ehemalige Lehrer, werden für ihre aufreibende Tätigkeit und Verantwortung am besten von allen bezahlt und müssen nicht mehr unterrichten. Neben den „Profs“, den eigentlichen Lehrern, die grundsätzlich nur in einem Fach unterrichten in Frankreich, gibt es noch ein System von „surveillantes“, d. h. Aufpassern, die in Vollzeit für die Pausenaufsicht und die Beaufsichtigung der Schüler in Freistunden zuständig sind. Es gibt einen „Ober-Aufpasser“, der nicht selbst aufpasst sondern nur diesen Dienst organisiert. Diese Surveillantes überwachen, ob alle Schüler anwesend sind und organisieren die Strafen wie Nachsitzen oder schreiben den Brief an die Eltern, falls ein Kind länger fehlt. Um solche “Erziehungsaufgaben” müssen sich die Profs nicht kümmern, die sind für die Wissensvermittlung zuständig.

  • Wer arbeitet sonst noch an einer französischen Schule?
  • Eine französische Schule beschäftigt ausserdem in Vollzeit eine Krankenschwester für die kleinen Unfälle der Schüler, zwei Hausmeister, einen Heizer für die Heizung (die auch im Sommer betreut werden muss), ein paar „MTAs“ = Medizinisch- Technische-Assistenten , um die Versuche für die Chemie- und Physiklehrer vorzubereiten bzw. wieder fortzuräumen. Desweiteren eine Art Sozialarbeiter = „agent social“ für ausserschulische Probleme, ein Schulsekretariat mit mehreren Mitarbeitern und ein komplettes Küchenteam mit Köchin und mehreren Gehilfen für die Mittagsmahlzeit in der Schulkantine, denn die französische Schule ist wie in der Schweiz ein Ganztagseinrichtung mit Regelunterricht von 8.00 – 12.00 Uhr und von 14.00 – 17:00 Uhr, ausser Mittwochs.

  • Hochsicherheitstrakt Schule
  • Übrigens ist das ganze Schulgelände in Frankreich streng mit Zäunen und Toren gesichert, niemand kann es unbefugt betreten oder verlassen. Besucher müssen sich ausweisen und den Grund des Besuches darlegen. Diese Sicherheitsmassnahmen wurde als Massnahme gegen Anschläge und Überfälle eingeführt und sollen nebenbei verhindern, dass ehemalige Schüler auf dem Schulgelände mit Drogen handeln oder Kindern von ihren Eltern entführt werden können. Die Portiersloge ist durch Panzerglas geschützt und die Tore öffnen sich elektrisch. Ach ja, ein Portiersteam mit mit mehreren Sicherheitsleuten arbeitet auch an einer französischen Schule.

  • Und in Deutschland?
  • Zum Vergleich: Eine gewöhnliche Realschule oder ein Gymnasium in Deutschland hat einen Schulleiter nebst Stellvertreter, die beide noch mindestens 8-12 Stunden pro Woche unterrichten, und eine Schulsekretärin, die bei kleineren Unfällen für die Erste Hilfe zuständig ist. Ein bis zwei Hausmeister können es nicht abwarten, sich um die Haustechnik zu kümmern. Jeder Besucher kann, wie in der Schweiz, unbehelligt die Schule während der Unterrichtszeit betreten oder verlassen.

  • Das verborgene Schulamt
  • Der restliche administrative Kram wird in Deutschland im Verborgenen durch ein „Schulamt“ erledigt, welches z. B. darüber entscheidet, welche Lehrer auf welcher Schule arbeiten, oder wer den Job des Schulleiters bekommt. Verwaltungsentscheidungen, über die Eltern oder Lehrer einer Schule nichts zu befinden haben. Ein bisschen fühlt man sich bei diesen schulpolitischen Entscheidungen in Deutschland im Vergleich zum transparenten Schweizer System an Kafkas fragmentarisches Meisterwerk „Das Schloss“ erinnert, in dem der Landvermesser K. zu einem Schloss berufen wird und völlig darüber im Unklaren bleibt, von wem hier in welcher Weise Entscheidungen und Beschlüsse gefasst werden. Deutsche Beamten-Schulpolitik funktioniert nicht anders.

    (obiger Artikel spiegelte unsere ganz persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen aus den ersten sechs Jahren in der Schweiz wieder und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit. )

    Beschweren tun sich nur die Deutschen — Beobachtungen in einem Café am Zürichsee

    September 12th, 2010

    (reload vom 12.3.07)

  • Eine Ovo für sechs Franken
  • Der Tages-Anzeiger brachte einen Artikel über den schlechten Service den Restaurants am Zürcher Mythenquai:

    „Der in Wetterberichten angekündigte Sonnentag hatte, wie zu erwarten war, Tausende an den See gelockt. Bloss: Das Acqua war geschlossen, ebenso die Yuppie-Insel auf dem Dach. Serviert wurde lediglich an die Tische in der Gartenwirtschaft. Hunderte lauerten, um sich auf frei werdende Plätze zu stürzen. Ihre Mütter sollten endlich zu Kaffee und Kuchen kommen. Einmal einen Platz ergattert, folgt die nächste Enttäuschung: Beim Versuch eine Bestellung aufzugeben, stellt der Kellner klar, dass er zuerst acht andere Tisch zu bedienen habe. Eine weitere halbe Stunde vergeht, dann gibt es wieder Kuchen noch Irish Coffee – und auch nicht „etwas Ähnliche“. In der Verlegenheit wird eine heisse Ovo bestellt, obwohl eigentlich niemand eine heisse Ovo will. Die kostet dann sechs Franken. Die Milch ist handgemolken, bestimmt.“
    (Quelle: Tages-Anzeiger 08.03.07)

    Mythenquai in Zürich
    (Am Mythenquai in Zürich. Quelle Foto: Zueri.ch)

    So weit, so gut bzw. schlecht. Typisches Beispiel für eine Servicewüste und Abzocke, wie sie in touristischen Gegenden weltweit passieren könnte, egal ob am Titisee im Hochschwarzwald, auf den Pariser Champs-Elysees oder hier in Zürich. Ob der Kellner nun Deutscher, Jugoslawe oder Schweizer war, wird nicht geschildert. Aber dann wird es spannend:

  • Schweizer Gäste schweigen etwas lauter
  • „Die meisten Gäste schweigen. Nur zwei deutsche Damen empören sich lautstark. In Bern, wo die eine wohnt, sei sowas undenkbar. Und die Berner seien ja wirklich nicht die Schnellsten. Die Schweizer Gäste schweigen weiter – aber etwas lauter: Recht hat sie – obwohl sie Deutsche ist, ist in ihren Gesichtern zu lesen.“

  • Die Deutschen, die sich beschweren
  • Es ist nicht die erste Geschichte dieser Art, von der wir hören, oder die wir so ähnlich miterlebt haben. Wenn es um miesen Service geht, wird in der Schweiz eher geschwiegen. Wenn sich dann jemand laut äussert, können sie darauf wetten, dass es sich um einen Deutschen handelt. Und die Schweizer? Sie sagen lautlos, wie im Tagi zu lesen, „Recht hat sie“. Obwohl sie Deutsche ist. Die haben sonst nämlich nie Recht. Als Gäste haben sie auch zu schweigen und stumm mitzuleiden.

  • Die Deutsche Dame auf dem Berner Perron
  • Von einer Situation am Bahnhof Bern schrieb uns ein Schweizer Freund:

    In Bern dauerte es schon eine Ewigkeit bis alle gemächlich ausgestiegen waren. Dann stiegen „erst noch“ viele Rekruten nur aus, um auf dem Perron in Türnähe in den fahrplanmässigen 4 Minuten Aufenthalt Zigaretten zu rauchen. So wurde das Einsteigen immer schwieriger. So eine mühsame Einsteigerei habe ich tatsächlich auch noch nicht oft erlebt. Die Einsteigenden hatten aber „für einmal“ eine ungefähre Einerkolonne gebildet.
    Eine etwa 50jährige Dame stand hingegen neben mir und war sichtbar um einiges nervöser als die anderen Reisenden. Vor lauter Nervosität begann sie ihren Radkoffer unkontrolliert hin- und her zu wippen.

    Irgendwann konnte sie sich nicht mehr zurückhalten, und, sich als Deutsche outend, ein „das gib’s doch nich!“ ausstossen. Sie suchte, wie mir schien, unter den Umstehenden nach ins gleiche Horn stossenden Meckereien. Aber es kam einfach nichts. Alle anderen warteten einfach wie eine Schafherde. Das hat sicher u.a. auch mit der teilweisen welschen Kundschaft zu tun, die ihren Kommentar sowieso nicht verstanden hatte, bzw. die nichts Deutsches antworten wollten/konnten. Ich zuckte dann auch nur demonstrativ schweigsam mit den Achseln. Mit motzen wäre auch ich ja nicht schneller im Zug gewesen.
    (Quelle: private E-Mail)

  • Wer organisiert den Nachschub am Frühstückbuffet?
  • Andere Geschichten erzählen von Hotelanlagen, bei denen das Frühstücksbüffet so rasch leergefuttert war, dass die Spätankömmlinge schon um 9.30 Uhr nichts mehr vorfanden. Wer beschwerte sich und bat um Nachschub? Die Deutschen Gäste.

    Sind das alles urbane Legenden? Sind das alles Mythen um die vorhandenen Klischees, die in der Schweiz lieber französisch als „Clichés“ geschrieben werden, zu belegen und zu untermauern? Ist es Ablehnung, der aus den Schweizer Berichten über diese „sich beschwerenden Deutschen“ spricht, oder ist es es Frust und Resignation über die eigene Unfähigkeit, in solchen Situationen seinen Unwillen auszudrücken?

    ICE in Deutschland
    (Quelle Foto: o-keating.com)

  • Auch in Deutschland wird stumm gelitten und eine Verspätungsbescheinigung ausgestellt
  • Um das Klischee nicht unnötig zu strapazieren, zum Schluss eine Geschichte aus Deutschland, die uns eine Schweizerin erzählte. Sie war erstaunt darüber, mit wieviel stoischer Gelassenheit und Duldungsvermögen die Fahrgäste eines völlig überfüllten ICEs auf dem Weg von Frankfurt nach Köln akzeptierten, dass ihr Zug bereits 40 Minuten Verspätung hatten. Wohlgemerkt, das ist die besonders schnelle und darum teure Neubaustrecke. Die Fahrgäste waren diese Verspätungen gewohnt, und auch die Überfüllung. Alte Bahnfahrer lassen sich in Deutschland vom Schaffner eine „Verspätungsbescheinigung“ ausstellen, vom „beteiligten Beförderer“. Die folgende Passage aus dem Passagierrecht der DB sollten Sie sich passend dazu einmal schön langsam vorlesen lassen und für die nächste Fahrt mit der DB am besten gleich auswendig lernen:

    26.6 Der Reisende macht seinen Anspruch innerhalb von zwei Monaten nach Abschluss der Reise mit dem Original des gültigen und entwerteten Fahrausweises und der Verspätungsbescheinigung bei einem beteiligten Beförderer geltend. Wenn vom Beförderer vorgesehen, kann an Stelle der Verspätungsbescheinigung eine Reservierung treten 2. Ist die DB ausführender Beförderer, dann erhält der Reisende zur Geltendmachung des Anspruchs auf Entschädigung nach den Nummern 26.2 bzw. 26.3 eine Gutscheinkarte entweder (i) je nach Verfügbarkeit im verspäteten Zug der Produktklassen ICE, IC/EC oder im IR oder (ii) am Tag der verspäteten Reise einschließlich der 2 Folgetage am DB ServicePoint im Bahnhof. Die mit Zangen- oder Stempelabdruck versehene Gutscheinkarte der DB steht einer entsprechend markierten Verspätungsbescheinigung gleich.
    (Quelle: bahn.de)

    Alles klar? Liesse sich „ServicePoint“ nicht auch als „Dienstleistungspunkt“ vermarkten? Wenn der Zangenabdruck (klingt wie eine “Zangengeburt”) bei der Bahn überlebt hat, warum dann nicht die “Dienstleistung nach Punkten“?

    Ohne Gedächtnisverlust auf der Suche nach der Chuchichäschtli-Identity — Dialog mit Patrik Etschmayer

    July 25th, 2010

    (reload vom 27.02.07)

  • Wenn Zürich plötzlich in Prag liegt
  • Wir lasen mit grossem Vergnügen die geniale Kolumne von Patrik Etschmayer vom 09.02.07 auf www.nachrichten.ch mit dem Titel:
    The Chuchichäschtli-Identity“. Das erinnert an „The Bourne-Identity“, jener Geschichte vom Superagenten mit Gedächtnisverlust, dargestellt von Matt Damon, der mit der von Franka Potente gespielten Freundin nach Zürich fährt, das in Prag gedreht wurde. Für die Zuschauer ohne Gedächtnisverlust sei daran erinnert: Das Ganze ist ein Remake eines Films von 1988.

    Haben auch die Schweizer Gedächtnisverlust erlitten? Schauen wir mal was Patrik Etschmayer so schreibt:
    (Quelle für alle Zitate: nachrichten.ch)

    Deutschschweizer und Deutsche. Seit Jahrzehnten schon ein Quell der abstrusen Freude. Zumindest für Geniesser menschlicher Absurditäten. Und dieses Verhältnis ist - seit unsere nördlichen Nachbarn zu den zahlreichsten Einwanderern der Schweiz geworden sind – noch um einiges komplizierter geworden.

    Wow, was für eine Eröffnung! Wir haben ja schon lange Freude am Kontrast zwischen den Schweizern und den Deutschen, speziell was die Sprache angeht. Aber „Abstruses“ oder „menschliche Absurditäten“ haben wir bislang noch nicht beschrieben.

  • Wenn die Politiker das Deutsche misshandeln
  • Bisher war es ja so, dass wir Deutschschweizer jene Schweizer waren, die ohne geringste Selbstzweifel die eigene Amtssprache nicht beherrschen durften. Schwiizerdütsch war in praktisch jeder Situation genug gut. Selbst in Führungsetagen der Wirtschaft war es nur erforderlich, Englisch und Französisch fehlerfrei zu sprechen. Das Deutsche hingegen wurde da in Pressekonferenzen und offiziellen Verlautbarungen in einer Art misshandelt, die bei Kindern den Einsatz der Polizei erfordern würde.

    Das war doch jetzt sicherlich ironisch gemeint, oder? Wir lieben nichts mehr als „offizielle Verlautbarungen“ zu lesen und darin längst verschollen geglaubte sprachliche Juwelen zu finden. Und was haben die Deutschschweizer nur immer für Probleme mit den Pressekonferenzen oder Politikeransprachen. „Emil-Hochdeutsch“ ist das nicht, was man da zu hören kriegt. So lange die Verständigung klappt würde es niemand von den Zuhörern aus Deutschland wagen, sich über die andere Sprachmelodie, die Schweizerische Betonung oder Wortwahl zu mokieren. Ein klassischer Fall von Schweizer „understatement“ oder unterdrücktem Minderwertigkeitskomplex, diese offiziellen „Hochdeutsch-Sprechanlässe“ so zu verdammen. Wir haben noch keinen Politiker oder Wirtschaftsboss im Schweizer Fernsehen Hochdeutsch so reden hören, dass wir diese Sprache als „misshandelt“ bezeichnen würden, ganz im Gegenteil.

  • Böse Menschen können nicht Chuchichäschtli sagen
  • Diese Identifikation über den Dialekt war an irgendeinem Punkt für sehr viele Schweizer, der Punkt, mit dem sie sich noch von den «Schwaben» abgrenzten (kommt dazu, dass die echten Schwaben doch die schweizerischsten aller Deutschen sind!). Eine darüber hinaus gehende Differenzierung fand dabei gar nicht mehr statt: Einfacher lässt sich eine Identität kaum etablieren. Wer «Chuchichäschtli» sagen kann, ist kein böser Mensch.

    Viel mehr trennt sie also nicht von den Deutschen, als diese Identifikation über den Dialekt. Darum also auch die vehemente Ablehnung von Deutschen, die hier die Migros Clubschule besuchen um Schweizerdeutsch zu lernen. Wohlmöglich sind sie bald nicht mehr von den eigenen Landsleuten zu unterscheiden?

  • Der Chuchichäschtli-Verkaufstrick in Tunesien
  • In Tunesien lernte ich Strassenhändler und Teppichverkäufer kennen, die bei jedem entlarvten und entdeckten Urlauber aus der Schweiz sofort vorführten, wie gut sie „Chuchichäschtli“ sagen können. Für Arabisch sprechende „Krachlaut-Experten“ aus dem Maghreb eine ziemlich leichte Übung, mit der sie ihre potentiellen Kunden aus der Schweiz schnell emotional und verkaufstechnisch über den Tisch ziehen konnten.

    Diese Discount-Identität hat natürlich einen ernsteren Hintergrund. Vor einem Jahrhundert wäre es nämlich kaum einem gebildeten Schweizer eingefallen, sich über seinen Dialekt auszuweisen. Hochdeutsch zu sprechen war in der gebildeten Gesellschaft ein Muss, die Mundart für den Plebs. Mit der Deutschen Niederlage im ersten Weltkrieg und der totalitären Drohung durch das dritte Reich entstand eine kulturelle Kluft, die ziemlich genau am Rheingraben entlang verlief. Eine plakative Methode, diesen Unterschied zu betonen, den Kontrast zu stärken, war der Dialekt. Während in Deutschland vom Völkischen die Rede war, wurden die Schweizer volkstümlich. Und haben sich seither nicht mehr davon erholt.

    In Russland sprach der Adel unter sich Französisch, und mit den Dienstboten Russisch. Der Schweizer General Wille, in Hamburg geboren, soll Schweizerdeutsch nur mit seinem Hund gesprochen haben. Das „Völkische“ wurde in Deutschland ins historische Museum verbannt. Wer sich nicht belehren lässt oder beherrschen kann, und weiterhin mit völkischen Emblemen herumläuft, muss mit Strafverfolgung rechnen. Da verstehen die Deutschen keinen Spass.

  • Zeige nie dass Du Hochdeutsch kannst
  • Immer wenn es um das Verhältnis mit Deutschland und den Deutschen geht, werden wir Deutschschweizer von einem Abwehrreflex wie von einem Stromschlag durchzuckt. Wie heftig dieser und wie schwach unser Vertrauen in unsere kulturelle Identität ist, zeigt sich schon daran, wie unsere Politiker sprechen. Natürlich KÖNNEN viele kein richtiges, halbwegs akzentfreies Hochdeutsch. Doch selbst jene die es beherrschen, dürfen sich den Faux-Pas nicht erlauben, dies auch zu zeigen.

    Eine heisse Hypothese, vielleicht als Schutzbehauptung ins Leben gerufen? Obwohl uns auch schon Schweizer berichteten, dass z. B. in der Schule ein akzentfreies Hochdeutsch keinesfalls das Lernziel aller Lehrer war.

    Keinem Repräsentanten aus der Romandie käme es in den Sinn, in Bauernfranzösisch zu parlieren. Würde ein Schweizer Politiker hingegen mit korrekter hochdeutscher Diktion eine Rede halten, es wäre sein Tod als Volksvertreter.

    Dann hat sich Herr Mörgeli ja gewaltig auf ein Minenfeld begeben, als er im CLUB, davor und danach fast lupenreines Hochdeutsch sprach. Ich kann die Mär von der „korrekten hochdeutschen Diktion“ bald nicht mehr hören. Es gibt sie nicht, es sei denn in der Theaterschule als „Bühnendeutsch“. Kein Deutscher spricht „korrekt“, überall ist Dialekt herauszuhören, und wenn es der Hannoveraner Dialekt ist.

  • Das Ende der Identitätsfindung
  • Nun funktionierte diese Art der Identitätsfindung durchaus, solange die Schweiz eine geschützte Werkstatt zwischen den Machtblöcken war. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Vereinigung Europas veränderte sich dies aber alles – vor allem, als sich die Schweiz – nach erbitterter Gegenwehr vor allem der Deutschschweizer - auch langsam den Tatsachen stellen und sich öffnen musste. Und damit kamen auch die Deutschen zu uns. Hochqualifiziert, vielfach durch die eigene Bürokratie frustriert und mit einer Ausbildung im Gepäck, die sie zu begehrten Arbeitnehmern in der Schweiz machte, da viele Stellen sonst gar nicht besetzt werden könnten.

    Der meint doch nicht etwa mit „sich den Tatsachen stellen und sich öffnen“ die offenherzige Begegnung mit der EU, die bilaterale Verträge usw? Womöglich gar ein weiteres Paktieren mit dieser Teufelsbrut? Das waren mir jetzt zu viele versteckte Anspielungen und höfliche Umschreibungen. Geht es nicht eine Spur direkter bitte?

  • Wahre Fussballmeister können verlieren
  • Das neue an diesen Immigranten war vor allem, dass sie sich auf Augenhöhe mit den Schweizern befinden. Keine Italiener, Jugoslawen und Türken, auf die man mit leiser Verachtung hinunter blickt und die erst akzeptiert werden, wenn sie für die Fussballnati spielen. Und, das ist der Hammer: Sie können Hochdeutsch sprechen, jene Sprache, die in jedem gestandenen Eidgenossen östlich des Röstigrabens tiefste Ängste aufsteigen und Animositäten hervorbrechen lässt, die sich mitunter in rassistischen Gemeinheiten die Bahn brechen. Dass die Deutschen die Schweizer zudem nicht mal beim Fussball gewinnen lassen, ist da nur noch das Tüpfelchem auf dem «i».

    Also für den letzten Satz muss ich mich jetzt echt im Namen meiner Landsleute entschuldigen. Es wäre wirklich fair gewesen, einfach mal zu verlieren. Die Schweizer spielen ja auch nicht permanent auf Sieg. Sollten sich die Deutschen wirklich mal zum Vorbild nehmen. In der Schweiz ist das Gewinnen nicht so wichtig. Hauptsache das Spiel macht Spass. Vielleicht klappt es dann beim nächsten Match. Die Deutschen Fussballer sollten sich das echt mal hinter die Ohren schreiben. Auch verlieren kann Spass machen.

  • Lasst uns “Chuchichäschtli” aussprechen üben!
  • Würden sich die Schweizer statt auf alberne Urängste aus der Kriegszeit auf die Tatsachen verlassen, würden sie realisieren, dass hier keine bösen Eroberer kommen, denen man mit verknorztem Hass begegnen muss. Im Gegenteil. Diese Deutschen sind hier, weil die Schweiz scheinbar etwas besser gemacht hat – politisch und gesellschaftlich. Wer sich diese Tatsachen bewusst macht und unsere liberalen und humanen Werte selbstbewusst vertritt, findet zum einen die wahre Identität der Schweiz und realisiert zum anderen, dass sich ein Mensch nicht primär übers ‘Chuchichäschtli’ definiert.

    Schade ist nur, dass die zugezogenen Deutschen an diesen besseren liberalen und humanen Wert nur teilhaben dürfen, wenn sie zuvor ihre eigene Identität an der Garderobe abgegeben haben und das Schweizer Bürgerrecht beantragen. Bis dahin möchten sie bitte als „Gast“ funktionieren und ihren Job stumm erledigen. Wäre doch wunderbar, wenn es auch ohne Identitätsaufgabe ein politisches und gesellschaftliches Geben und Nehmen geben könnte.

    Aber wehe es lernt bis dahin einer heimlich „Chuchichäschtli“ richtig aussprechen!
    Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli, Chuchichäschtli… es wird langsam.

    Trinkgeld ist in Deutschland nicht üblich — Was die Schweizer alles über die Deutschen wissen

    July 20th, 2010

    (reload vom 23.02.07)

  • Die Deutschen kommen in die Fachzeitschrift
  • Die Fachzeitschrift „Der Arbeitsmarkt“ wird in der Schweiz bei den „RAVs“, den „Regionalen ArbeitsVermittlungen“ in einer Auflage von 4‘500 Exemplare verteilt und ausgelegt. In ihrer Ausgabe 1/2_2007 ging es um das Schwerpunktthema „Die Deutschen in der Schweiz“. Es fanden sich einige äusserst interessante und gut recherchierte Artikel zum Thema, z. B. der von Daniel Suter mit dem Titel „So nah und doch so fern“, aber auch dies hier, unter der Überschrift „Was Deutsche in der Schweiz irritiert“ lasen wir, tatsächlich etwas irritiert:

    „Trinkgeld ist in Deutschland nicht üblich“

    Trinkgeld ist in Deutschland nicht üblich

    Nun, die Zeitschrift erzählt nicht die ganze Wahrheit über die Deutschen. Fakt ist, dass ein Volk, das kleine Kinder frisst und laut „Ich kriege noch ein Bier, aber Zack-Zack“ durch die Kneipe brüllt, natürlich auch keine Zeit und Lust zum Trinkgelder bezahlen hat. Das wollen wir der Vollständigkeit halber an dieser Stelle anmerken.

  • Bei einer roten Ampel erstarrt jeder Deutsche
  • Doch es geht noch weiter. Auf der gleichen Seite wird erwähnt, dass die Deutschen darüber erstaunt sind, wenn Schweizer auch bei Rot über eine Fussängerampel gehen.

    “Schweizer überqueren die Strasse auch bei Rot”

    Schweizer überqueren die Strasse auch bei Rot

    Geht das denn überhaupt, rein technisch? Fährt dann nicht sofort ein Blitz und Donner vom Himmel hernieder?

    Über eine rote Fussgängerampel geht nämlich in Deutschland grundsätzlich niemand. Das liegt einfach daran, dass hinter jeder Deutschen Ampel ein Deutscher Schutzmann steht und mit einem Deutschen Strafmandat über 50 Deutschmark Euro droht, sowie mit 3 Punkten in der Deutschen Verkehrssünderkartei zu Flensburg (wo das leckere Bier von Werner herkommt), weswegen alle Deutsche bei jeder roten Fussgängerampel wie angewachsen stehen bleiben und warten, dass sie wieder grün wird oder ihnen der Himmel auf den Kopf fällt oder sich ein Spalt in der Erde auftut, in dem sie versinken und direktemang zur Hölle fahren mögen, falls sie doch diese rote Ampel ignorieren.

  • Nur saubere Zeitungsstapel kriegen die Deutschen nicht hin
  • Wir sind eben ein extrem ängstliches Völkchen, wir Deutschen. So tolldreiste Taten, wie eine rote Ampel zu überqueren, würden wir uns doch nie getrauen. Das müssen wir erst den Schweizern abgucken. Die haben es von den schneidigen und wagemutigen Franzosen gelernt, vermuten wir.

    Nur nicht so ordentlich wie die Schweizer sind wir, was das saubere Verknoten von gebrauchten Zeitungspapierstapeln angeht. Als wir noch in Deutschland weilten, verwendeten wir für diesen Behufe Plastiktüten, in die man 20-30 cm dicke Stapel von alten Zeitungen packte, oder alte Waschmittelkartons, mit duftem Persil-Aroma, vor allem wenn sie im Regen langsam aufweichten. Darin liess sich dann auch die heimlich gekaufte Bildzeitung oder ein Pornoheftchen verstecken, ohne dass diese abgelegte Lektüre vom Nachbarn am Strassenrand interessiert zur Kenntnis genommen werden konnte.

    Auf den Trick mit den Bindfäden sind wir damals nicht gekommen, dazu mussten wir erst in die Schweiz reisen und die hiesige Schnürtechnik erlernen. Reisen bildet bekanntlich.

    So akkurat wie in der Schweiz haben wir das zuvor nicht hinbekommen. Bei uns sah es nicht so aus:
    Verknotete Zeitungen in der Schweiz
    (Quelle Foto: Der Arbeitsmarkt 1-2/2007 )

    sondern so:
    Altpapier unsauber verknotet
    (Quelle Foto: lenntech.com)

  • In Japan ist Trinkgeld nicht üblich
  • Wir wissen ja nicht, in welchen finsteren Kneipen und Kaschemmen in Deutschland sich der Schweizer Autor dieses Artikels herumtrieb, wenn er nie Deutsche beim Trinkgeldzahlen beobachten konnte. Vielleicht hat er das nördliche Nachbarland ja mit Japan verwechselt. Dort ist es tatsächlich nicht üblich, ein Trinkgeld zu zahlen, was zahlreiche Touristen aus Japan, wenn sie nach Europa kommen, in grosse Verlegenheit bringen, weil sie keine Ahnung haben, wie sie hier einen Rechnungsbetrag passend aufrunden sollen ohne dabei das Gesicht zu verlieren, bei dieser merkwürdigen Angewohnheit der Europäer, einfach Geld an fremde Menschen zu verschenken.

  • Japaner säubern sich vor dem Bad
  • Ganze Reiseführer für Japaner befassen sich mit dem Thema „Wie gebe ich richtig Trinkgeld in Europa“, nebst netten Erklärungen zur korrekten Benutzung eines Badezimmers. In europäischen Badzimmern sollte man als Japaner bitte in der Badewanne baden, und sich nicht, wie in Japan üblich, davor auf dem Kachelboden abduschen. Der Japaner reinigt sich vor dem Bad ausserhalb der Wanne mit fliessend Wasser, um dann blitzsauber ins sehr heisse Wasser zu steigen (welches derart geschont auch mehrfach verwendet werden kann). Andere Länder, andere Sitten. Doch ich muss jetzt schliessen. Das Essen ist fertig, es gibt Kinderbraten, echt lecker, aber zack-zack, was dachten denn Sie? Wir sind halt nicht so “echli finer” (Michèle Roten im CLUB über die Schweizer) wie die Schweizer, wir Deutschen, eher dumpf und grobschlächtig, ganz klar. Und jetzt her mit dem Braten. Nein, Besteck brauch ich keins.

    Dann war da eine Pause — Erlebnisse an der Deutschen Serviceline

    July 1st, 2010

    [Wegen Wartungsarbeiten am Server meines Providers wird die Blogwiese heute am 01.07.2010 seitweise nicht erreichbar sein. Wir bitten das zu entschuldigen]

    (reload vom 15.02.07)

  • Die Schweizer Telefon-Codes sind rasch gelernt
  • Schweizerische Telefonkommunikation läuft nach einem ganz bestimmen Schema ab, das man als Deutscher in der Schweiz tunlichst bald erlernt und verinnerlicht. Es sind spezifische „codes“, die es zu lernen gilt, um nicht unangenehm aufzufallen. Angenommen Sie möchten von Ihrer Schweizer Krankenversicherung eine Auskunft. Also rufen Sie dort an und geraten nach einigen Minuten in der Warteschleife an eine freundliche Serviceperson. Sie hören z. B.: „Mein Name ist Regula Mayer, wie kann ich ihnen helfen?“ Sie antworten: „Grüezi Frau Mayer, mein Name ist XY“. Dann machen Sie eine Pause und warten, dass Frau Mayer von der Serviceline ebenfalls „Grüezi“ zu Ihnen sagt, bevor Sie langsam auf den Punkt kommen und Ihr Anliegen vortragen.

    In einem vergleichbaren „Kunden-Lieferanten“ Gespräch, bei denen sich beide Seiten vielleicht schon von früheren Anlässen her kennen, wäre noch ein Smalltalk über das Wetter oder das allgemeine Befinden angebracht, bevor es zur Sache geht.

  • Immer schön die Pause beachten
  • Die Abfolge bei der Gesprächseröffnung inclusive der wichtigen Pause ist leicht erlernbar und auch als neu zugezogene Deutsche werden rasch gar nicht mehr anders können, als so am Telefon zu kommunizieren. Die „codes“ werden also bald Teil des Alltags und sie nehmen sie kaum mehr bewusst wahr.

  • In der Pause trat eine Pause ein
  • Vor kurzem musste ich mit diversen Versicherungen und Banken in Deutschland telefonieren. Auch hier waren stets trainierte Service-Mitarbeiter an der Leitung, auch hier wurde Hilfsbereitschaft und der Servicegedanke gross geschrieben. Und doch liefen diese Gespräche anders ab, denn ich tappte stets in die gleiche merkwürdige Pause. Ein Mitarbeiter sagt: „Guten Tag, mein Name ist Peter Müller, was kann ich für Sie tun?“. Ich antwortet: „Mein Name ist Jens Wiese“ und wartete. Pause. Nichts, kein Gegengruss, kein „Guten Tag Herr Wiese“. Erstauntes Warten und Harren darauf, dass ich zum Ausdruck bringe, was den mein Anliegen sei. Manchmal kann ich mir dann nicht verkneifen ganz trocken zu bemerken: “Jetzt hätten Sie mir auch einen ‘Guten Tag’ wünschen können, aber egal.”

    Die Franzosen sagen dann „un ange passe“ = „ein Engel geht durch den Raum“, wenn die Gesprächspause besonders peinlich ist. Das passierte mir einmal, es passierte mir mit einer anderen Versicherung ein zweites Mal, und beim dritten Gespräch mit einer freundlichen Bankangestellten erkannte ich: Du musst schneller zur Sache kommen! Die Schweizer Kommunkations-Codes gelten hier nicht. Doch so schnell konnte ich die auch nicht wieder ablegen.

  • Das freundliche Ende hinterlässt glückliche Mitarbeiter
  • Die rituelle Verabschiedung im Gespräch, das Bedanken für die erhaltene Auskunft, das freundliche „Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag“ Äussern, all das gilt in der Schweiz als selbstverständlich und wird überhaupt nur wahrgenommen, wenn es fehlen sollte. Bei den deutschen Serviceline-Mitarbeitern meine ich in dieser Situation ein erstauntes Lächeln durch das Telefon gesehen zu haben. Soviel Dankbarkeit und Nettigkeit ist nicht alltäglich und wird nicht erwartet. Andere Codes, andere Effizienz, andere Präsenz.

    Nachtrag: Gerade hatte ich ein Gespräch mit einer Bank in Stuttgart. Ich meinte an einen Schweizer geraten zu sein, aber es war ein waschechter Schwabe. Alle codes wurden perfekt eingehalten, auch die Verabschiedung ging nach den Regeln kommunikativer Höflichkeit. Was lernen wir daraus? Verallgemeinere niemals drei Erfahrungen zu einer Gesetzmässigkeit!